Inhaltsverzeichnis
Die Zukunft der Zukunft 3
Eine Kultur der Simulation 4
Wie in der Wüste ein Mekka des Vergnügens entstand. 6
Was hat Sie, was ich nicht habe? 11
Die andere Seite der Medaille 16
Fazit. 21
Anhang 22
Bildnachweis 23
2
Die Zukunft der Zukunft
Auf der einen Seite ist Las Vegas genau wie jede andere Weltstadt: Menschen leben in ihren Häusern, gehen zur Arbeit, gründen Familien, bezahlen ihre Miete, feiern Feiertage und mähen ihren Rasen. Auf der anderen Seite ist Las Vegas kein bisschen wie andere Städte. Ein Ort mit jeglicher Unterhaltung, unzählbaren Hotelräumen, endlosem Spielvergnügen und freizügigsten Angeboten. Las Vegas ist aber auch die Stadt in der Paris und New York, italienische Kunst und griechische Architektur, genau wie ägyptische Mystik und Hollywood Film quasi Tür an Tür zu finden sind. Um aber wirklich eine Stadt der Zukunft zu kreieren, hat man nicht einfach nur „das Beste der Welt“ kopiert, sondern dies gleich noch verbessert, aufgewertet und attraktiver gemacht. So kann man in Las Vegas die Kanäle von Venedig genießen ohne aber den Gestank ertragen zu müssen, oder man entscheidet sich etwa kunstvolle Malerei von Michelangelo zu betrachten, allerdings dann gleich im XXL-Format. Wem das noch nicht genügt, der kann mit einer Achterbahn durch die Skyline von New York fahren, oder eine Nacht in König Arthurs Schloss verbringen. Alles scheint möglich zu sein in der „City of Entertainment“.
Auch in Dubai wird nicht einfach Zukunft geschaffen, sondern die Zukunft der Zukunft anvisiert, um ja nicht überholt zu werden. Eine Skihalle mitten in der Wüste, ein Hotel in der Form eines Segels oder eine künstlich geschaffene Insel in der Form einer Palme sind da schon fast Vergangenheit und eigentlich nur noch der Form halber erwähnenswert. Die Zukunft schreibt Dubai mit einem geplanten Unterwasserhotel, mit einer geplanten Inselanlage, die von oben betrachtet eine arabischen Weisheit verrät, oder dem geplanten höchsten Gebäude der Welt, welches das jetzige höchste Gebäude 1 um fast 400m überragen soll.
In den neuen Städten von heute ist das einst typische Stadtbild einer Großstadt also längst überholt und neu definiert. Hier läuft alles nach dem Konzept „Let me entertain you!“, wo der Unterhaltungswert der Gäste, die als Touristen zu Massen in die Städte strömen, als einziges Maß angesetzt wird. Und dabei gilt es sich immer wieder neu zu erfinden und alles zu tun um sich wiederholt interessant zu machen. Ein Stadtkonzept, bei dem nicht gilt: „Diese Stadt muss man einmal im Leben gesehen haben.“, sondern das darauf abzielt, dass es bei jedem Besuch etwas Neues zu entdecken gibt und man sich als Tourist schon fast Sorgen machen muss, dass man bei zu langer Abstinenz nicht etwas verpasst.
1 Taipeh in Taiwan (508m)
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Eine Kultur der Simulation
„Es ist nicht der Architekt oder der Raumausstatter, der die Planungsphase am Anfang eines neuen Kasinoprojektes beginnt […] sondern viel mehr erfahrene Drehbuchautoren, die einen Ablaufplan entwickeln, der das Erlebnis des Besuchers in einen genauen Zeitablauf passt.“* 2 Diese Aussage von Körner zeigt schon, wie wichtig das Erlebnis des Besuchers ist und wie genau es von den geschaffenen Welten gesteuert wird. Opaschowski spricht sogar von einer „Kultur der Simulation“* 3 die in Städten wie Las Vegas geschaffen werden, während Schmid von einer „Ökonomie der Faszination“* 4 spricht, die sich durch zahlreiche Themenparks, Ressorthotels und Einkaufswelten, welche unter einem bestimmten Motto stehen, auszeichnet. Franck spricht hingegen von einer „Ökonomie der Aufmerksamkeit“* 5 , wird diese doch ständig durch neue Attraktionen vom Besucher gefordert. Egal wie man dieses Phänomen nennen mag, es ist auf jeden Fall ein Konzept, in dem Symbole und thematisierte Welten eine große Rolle spielen und immer wieder bis zum Erschöpfen genutzt werden. Kash und Urry gehen sogar so weit, dass sie in ihrem Buch „Economies of signs and space“ behaupten, dass das, „…was wir zunehmend konsumieren Zeichen und Bilder [sind]. Es gibt keine einfache Realität unabhängig solcher Arten der Darstellung.“* 6 . Schmid bekräftigt diese Aussage noch, in dem er behauptet, dass Symbole eine Schlüsselrolle spielen, um die Aufmerksamkeit einer Person zu erlangen. Dies passiert dadurch, dass die Industrie bekannte Symbole nutzt, die bereits mit Gefühlen und Assoziationen verknüpft sind. Diese Gefühle werden wiederum auch bei geringfügigen Veränderungen noch automatisch abgerufen, womit der Konsument ein so genanntes déjà-vu Erlebnis hat und das neue, ähnliche Symbol entsprechend bewertet wie das bereits bekannte. Aber auch das Unbekannte besitzt ähnlich hohen Stellenwert, getreu dem Motto „Was exotisch ist verkauft sich auch!“, wobei die Neugierde des Konsumenten für das Unbekannte genutzt wird. Allerdings erzielt erst eine Kombination dieser beiden Effekte die beste Nutzung von Symbolen, so Schmid, wenn das Unbekannte, Exotische, mit dem Bekannten präsentiert wird, am besten in einer bekannten und sicheren Umgebung. Nöth erklärt dies nochmals etwas genauer: „Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, eine Besonderheit in einer unterhaltsamen Art und Weise zu präsentieren. Die Produzenten von Unterhaltungswelten und die Medien nehmen dabei bewusst Bezug auf verschiedene Modele durch Symbole. Die Anspielungen und Symbole werden aber um des Willens der
* aus dem Englischen übersetzt von Tina Gentsch
2 Körner 1999
3 Opaschoski 2000
4 Schmid 2006
5 Franck 1998
6 Lash und Urry 2002
4
Unterhaltungsindustrie neu interpretiert, umgewandelt und oft auch um eine mystische Aura erweitert. Bezüge zum Original werden häufig im Unklaren gelassen, was wiederum den mystischen Charakter des Unbekannten fördert und zu einer Spannung zwischen Unzweideutigkeit und Geheimnis führt.“* 7 .
Allerdings muss man dazu sagen, dass Symbole heut zu Tage nur noch oberflächig sind und schon lang nicht mehr mit einem tieferen Sinn belegt werden. Wenn man sich einmal die Symbolik des Burj al-Arab in Dubai anschaut, fällt sehr schnell auf, wie wenig man eigentlich von der Bedeutung der jeweiligen Symbole kennt. Das Hotel, welches in der Form eines
in Dubai etabliert.
Ein Ende dieser durch Themen und Symbole geleiteten Umwelt scheint allerdings noch lange nicht in Sicht. John Kapioltas äußerte 1993 Bedenken, dass diese Art der Werbung bald zu Ende sein würde, glaubte sogar, dass alle möglichen Symboliken und Themenparks in Las Vegas bereits bestehen würden, allerdings war das bevor man das New York - New York, das Bellagio und das Venetian gebaut hatte. Die Grenzen liegen also nur da, wo die Grenzen unserer Phantasie liegen, wie uns Dubai so schön vormacht. Und Gottdiener sagt sogar: „Das
7 Nöth 2000
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gestalten nach Themen ist ein genereller Aspekt unserer Kultur, mit der Erschaffung von einer abgewandelten Umwelt [...]“* 8 .
Abschließend kann man sagen, dass diese Form des Stadtmarketing sicher in nächster Zeit nur noch verstärkt wird, so schaffen die künstlichen Welten doch eine Ersatzerfahrung zur realen Welt, die zwar den Nachgeschmack eines Geschmacksverstärkers hinterlassen, so aber viel intensiver erlebt werden können und zu alledem auch noch ohne Fehler und Gefahren sind, so Bolz 9 .
Wie in der Wüste ein Mekka des Vergnügens entstand
Entstehung von Las Vegas
Die Entstehung von Las Vegas kann in vier Phasen eingeteilt werden, wobei sich die erste Phase über den Zeitraum 1861 bis 1931 erstreckt. 1861 ist das Jahr in dem Las Vegas offiziell zum Territorium der Vereinigten amerikanischen Staaten wird, nachdem es mehr als 30 Jahre zuvor, 1829, von spanischen Erforschern entdeckt und schließlich 1855 von den ersten Siedlern besiedelt wird. In dieser Phase wird die lokale Wirtschaft vor allem durch Bergbau, das Bauen einer Eisenbahnstrecke und kommerziellen Interesses von Seiten Los Angeles, das Las Vegas als Zwischenlager ansah, geprägt. Weil Las Vegas bis zur Jahrhundertwende einen stetigen Ansturm neuer Zuwanderer erfuhr, die diese Wüstenstadt als Zwischenstopp auf ihrem Weg ins goldversprechende Kalifornien nutzten, war es kein Wunder, das mit dem versiegenden Goldstrom auch die Zuwanderer ausblieben. Da das Glücksspiel in Las Vegas City bis zum Jahre 1931 als illegal galt, waren die Kasinos anfangs offiziell nur Hotels, die aber zumeist im Keller und hinter verschlossener Tür Glücksspiel anboten. Die zweite Phase der Stadtentwicklung beginnt mit den 30iger Jahren, und der dem Schwarzen Freitag und Börsencrash folgenden Depression und reicht bis in die Mitte der 50iger Jahre, ins Jahr 1954, mit dem dann die lokale Wirtschaft vollendend nach Glücksspiel und Ressorthotels ausgerichtet ist. Durch die eintretende Depression am Anfang der 30iger Jahre benötigte man dringend Arbeitsplätze, welche mit dem Bau des Hoover Dams, in der Nähe von Las Vegas, geschaffen wurden. Dies war aber nur möglich, da sich der damalige Kongress bereit erklärte, Millionen von Dollars an öffentlichen Mitteln dafür bereit zu stellen. Zur gleichen Zeit, 1931, wurde auch endlich in Nevada das Glücksspiel legalisiert, was den Kasinos das öffentliche Werben mit ihrem Etablissement ermöglichte. Der Hoover Dam zog aber nicht nur Arbeiter an, sondern auch Touristen, die dieses „Weltwunder“ sehen wollten, was wiederum für die Kasinohotels von Vorteil war. Dieser ständige Zuwanderstrom von
8 Gottdiener 2001
9 Bolz 1996
6
Arbeit zitieren:
Tina Gentsch, 2007, Neue Städte in verschiedenen Kulturkreisen am Beispiel von Las Vegas und Dubai, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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