Die am ausführlichsten beschriebene Frauengestalt der Historia Augusta ist Zenobia, Herrscherin des sogenannten palmyrenischen Reiches. Neben der gallischen Gegenkaiserin Victoria ist sie die einzige Frau, der in dem antiken Geschichtswerk ein eigener Abschnitt gewidmet ist. Dabei wird Zenobia in der Historia Augusta nahezu durchgehend positiv charakterisiert. Ihre Vita steht so im starken Kontrast zur Charakterisierung des damaligen römischen Kaisers Gallienus, der vom Verfasser der HA durchgehend beschimpft und verunglimpft wird. Dies scheint auf den ersten Blick etwas überraschend. Warum sollte ein römischer Autor eine Ursupatorin als stark und fähig darstellen, und den Kaiser als feige und verweichlicht? Die Arbeit beschäftigt sich mit eben dieser interessanten Diskrepanz in der Darstellung der beiden Figuren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Zur Historia Augusta
Zenobia
Palmyra
2. Beschreibung der Protagonisten
Gallienus
Zenobia
3. Zenobia vs. Gallienus
Tabellarische Gegenüberstellung
4. Schluss
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gegensätzliche Darstellung der Königin Zenobia und des Kaisers Gallienus in der Historia Augusta, um aufzuzeigen, wie der Autor durch die Zuschreibung von geschlechtsspezifischen Eigenschaften ein ideologisch geprägtes Herrscherbild konstruiert.
- Die literarische Charakterisierung von Zenobia als idealisierte Herrscherin.
- Die bewusste Abwertung des Kaisers Gallienus durch Zuweisung "weiblicher" Eigenschaften.
- Die Rolle der Historia Augusta als fiktionale und tendenziöse Quelle.
- Der Zusammenhang zwischen antiken Geschlechterrollen und politischer Legitimation.
Auszug aus dem Buch
Zenobia
Ganz anders als Gallienus beschreibt der Verfasser der Historia Augusta die Gestalt der Zenobia. Die palmyrenische Herrscherin wird von ihm fast wie eine Geliebte beschrieben: „Ihre Gesichtsfarbe war bräunlich, die Hautfarbe dunkel; sie hatte ungewöhnlich lebendige schwarze Augen, besaß einen wundervollen Geist und unglaublichen Charme. Ihre Zähne waren so blendend weiß, dass viele sie für Perlen, nicht für gewöhnliche Zähne hielten.“ (Tr.Tyr. 30,15). Außerdem wird sie als gebildet und intelligent bezeichnet. Sie befasse sich ausführlich mit Geschichte, sprache Syrisch, Ägyptisch, Griechisch und Latein (Tr.Tyr 30,21ff und Aurel 27,6). Zenobia wird als keusche Ehefrau geschildert, die lediglich ein Mal im Monat, ausschließlich zum Zwecke der Fortpflanzung, Verkehr mit ihrem Ehemann hat (Tr.Tyr. 12). Mehrfach wird ihre Herkunft sogar auf Kleopatra zurückgeführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Historia Augusta sowie die historische Bedeutung von Zenobia und der Stadt Palmyra ein und definiert das Ziel, die diskrepante Darstellung der Protagonisten zu analysieren.
2. Beschreibung der Protagonisten: Hier werden die gegensätzlichen Charakterisierungen von Gallienus, der als unfähiger Kaiser dargestellt wird, und Zenobia, die als leuchtendes Gegenbeispiel dient, detailliert gegenübergestellt.
3. Zenobia vs. Gallienus: Dieses Kapitel vertieft den Vergleich, indem es aufzeigt, wie der Autor durch eine Umkehrung geschlechtsspezifischer Attribute Zenobia aufwertet und Gallienus abwertet, um eine bestimmte gesellschaftliche Hierarchie zu stützen.
4. Schluss: Die Schlussfolgerung fasst zusammen, dass die Historia Augusta primär als ideologisch motivierte "Fiktion mit Intention" zu verstehen ist, die durch das Rollenspiel der Geschlechter ein verzerrtes historisches Bild zeichnet.
5. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Historia Augusta, Zenobia, Gallienus, Palmyra, Geschlechterrollen, antike Geschichtsschreibung, Fiktion, Herrscherbild, Kaiserkritik, Weiblichkeit, Männlichkeit, antike Literatur, Rezeption, Kaiserbiographien, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung der historischen Figuren Zenobia und Gallienus innerhalb der Historia Augusta.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die antike Geschichtsschreibung, die Konstruktion von Herrscherbildern und die Verknüpfung von politischer Kompetenz mit antiken Geschlechterstereotypen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die systematische Diskrepanz in der Charakterisierung der beiden Protagonisten aufzudecken und den dahinterliegenden Absichtswillen des Autors der Historia Augusta zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literarisch-historische Analyse, bei der Textstellen der Historia Augusta miteinander verglichen und im Kontext der zeitgenössischen gesellschaftlichen Vorstellungen interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung der Protagonisten und führt einen Vergleich durch, der die Verteilung von "männlichen" und "weiblichen" Attributen verdeutlicht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Historia Augusta, Zenobia, Gallienus, Geschlechterrollen und Fiktionalität in der antiken Geschichtsschreibung.
Wie begründet der Autor der Historia Augusta die positive Darstellung einer Frau wie Zenobia?
Der Autor legitimiert Zenobias Erfolg, indem er ihr „männliche“ Eigenschaften wie Schneid und Geschick zuschreibt und sie quasi vom physischen Geschlecht entkoppelt.
Warum wird Kaiser Gallienus in der Historia Augusta derart negativ gezeichnet?
Die negative Zeichnung dient als literarisches Mittel, um seine militärische und politische Unfähigkeit durch die Zuschreibung von Luxus und „weiblichen“ Schwächen in den Augen des zeitgenössischen Lesers zu unterstreichen.
- Arbeit zitieren
- Jan Patrick Faatz (Autor:in), 2009, Der weibische Kaiser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132467