Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Spiele allgemein 4
3 Die Venatio 6
3.1 Begriffsumfang. 6
3.2 Die Tierkämpfer 8
3.3 Organisation der Tierhetzen 9
3.4 Bedeutungsreichweite der Venationes 11
4 Die Naumachien. 18
4.1 Die kaiserlichen Naumachien im Überblick 18
4.2 Bedeutungsreichweite und Bewerkstelligung der Naumachien. 20
5 Abschließende Betrachtung. 22
6 Verzeichnis verwendeter Literatur: 23
6.1 Quellen 23
6.2 Sekundärliteratur 23
2
1 Einleitung
Innerhalb der Forschung zu 'Alltag und Freizeit in der römischen Antike' ist den Arenaspielen und -kämpfen aller Art bereits viel Aufmerksamkeit gewidmet worden. Die beträchtlichen "Investitionen von Zeit, Reichtum und Emotionen" 1 der Römer in ihre Spiele sind belegt und verdeutlichen ihre weitreichende Bedeutung in der römischen Kultur. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit zwei besonderen Formen der antiken Arenaunterhaltung, der 'venatio' und der 'naumachia'. Es soll betrachtet werden, in welchen funktionalen und symbolischen Zusammenhängen die Tierhetzen und inszenierten Seeschlachten innerhalb der römischen Arenakultur standen. Wie bedeutungsvoll waren Venatio und Naumachie im Vergleich zu den Gladiatorenkämpfen, wie wurden sie vom Publikum wahrgenommen?
Aufschluss über die Veranstaltungen erhält die historische Forschung aus vielerlei schriftlichen Darstellungen, in denen die riesigen Mengen dargebotener Tiere oder Kämpfer verherrlicht werden, wenngleich bereits Cassius Dio davor warnt, die überlieferten Angaben hinsicht-lich der Anzahl gezeigter Tiere für glaubwürdig zu halten. 2 Im Bereich schriftlicher Quellen existiert zur Rolle der Tiere innerhalb der antiken Kultur eine große Fülle an Texten von den Beschreibungen ihrer Arenakämpfe, so etwa in Martials Buch der Schauspiele, über natur-kundliche Auseinandersetzungen bei Plinius bis hin zur Lyrik. So lässt sich heute gut rekons-truieren, wann und zu welchen Anlässen bestimmte Tiere in Rom zum ersten Mal gesehen wurden; eine entsprechende Übersicht über die bei römischen Venationes verwandten Tiere findet sich bereits in Ludwig Frieländers 'Darstellung der Sittengeschichte Roms in der Zeit von Augustus bis zum Ausgang der Antonine' (Leipzig, 1921). Bildliche Darstellungen auf Grabstätten, Glas und Tonlampen, Tafelgeschirr oder sogar in Form antiker Graffitis, helfen Klarheit über Gewandung und Bewaffnung der Kämpfer zu gewinnen. Besonders zu erwähnen sind Wand- oder Bodenmosaike, die sich in den Ruinen einstiger Privathaushalte fanden, so etwa das farbiges Mosaik aus der Villa di Dar Buc Amméra bei Zliten in Libyen aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., das sich heute Archäologischen Museum von Tripolis befindet und in größer Detailfülle Szenen aus Gladiatorenkämpfen, Tierhetzen und Hinrichtungen zeigt. 3 Vermutlich versuchten die Veranstalter von Spielen ihre Großzügigkeit auf diese Weise in Erinnerung zu halten.
1 Wiedemann, Thomas: Kaiser und Gladiatoren. [...] , S. 11
2 Frielaender, Ludwig: Sittengeschichte Roms, S. 488 (nach Cass. Dio XLIII 22,4)
3 Zliten-Mosaik - siehe Anhang
3
Über die Naumachien herrscht weit weniger Klarheit. Da es nur wenige dieser Spektakel im antiken Rom gegeben hat, ist es historisch zwar weitgehend überschaubar, wann und zu welchen Anlässen überhaupt Naumachien veranstaltet wurden, doch sind hinsichtlich der technischen Bewerkstelligung noch viele Fragen offen.
2 Die Spiele allgemein
Wenn in dieser Arbeit von Spielen die Rede ist, so sind darunter nicht Theaterspiele, sondern Arendarbietungen zu verstehen jene, die das Publikum durch Kampf und Wettkampf zu unterhalten suchen. Hierbei muss zunächst unterschieden werden zwischen den Begriffen 'ludi circenses' und 'munera'.
Unter dem Begriff der 'ludi circenses' sind öffentliche Zirkusspiele zu verstehen, die der römische Staat aus Anlass von Triumphen oder religiösen Festlichkeiten durch seine Ädile veranstalten und entsprechend auch durch Zuschüsse aus der Staatskasse finanzieren ließ 4 , was als klarstes Unterscheidungsmerkmal zum Munus gesehen werden kann. Auch die Munera unterhielten mit Gladiatorenkämpfen und ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. auch mit Tierhetzen, doch liegt der Unterschied zu den Ludi in ihrer rein privaten Finanzierung. Zur Ehrung Verstorbener und gewiss auch der Demonstration von Reichtum ließen die Angehörigen Gla-diatorenkämpfe geben. Was seine Wurzeln vermutlich in einem etruskischen Totenkult hatte 5 , wurde bis in die Kaiserzeit hinein mehr und mehr politisches Instrument der 'editores', der jeweiligen Veranstalter, die ihre Popularität durch ihre Großzügigkeit zu steigern suchten. So verlagerte sich auch die Vorstellung des Munus als einer Verpflichtung gegenüber dem Ver-storbenen hin zur Verpflichtung des Veranstalters gegenüber seinen Mitbürgern. Rückblickend die Natur eines solchen 'spectaculum' zu bestimmen, kann sich für die Forschung als schwer erweisen, da ein und dieselbe Person zuweilen Spiele in ihrer Funktion als staatlicher Magistrat, oder sogar als Kaiser veranstalten konnte, als auch ein andermal als Privatperson zu Ehren eines verstorbenen Angehörigen.
Die Spiele besaßen feste politische und soziale Funktion und dienten "als Rahmen zur Verdichtung sozialer Kommunikation". 6 Herrscher, führende Geschlechter der Stadt und normale Bürger versammelten sich gleichermaßen in den Amphitheatern, in denen sich für das einfache Volk einzigartige Formen der Artikulation öffentlicher Meinung etablierten 6 , wenn etwa das Publikum nach Begnadigung oder Freilassung von Sklaven aber zuweilen auch der
4 Wiedemann, Thomas: Kaiser und Gladiatoren. [...] , S. 17ff
5 Köhne, Eckhart: Brot und Spiele - Die Politik der Unterhaltung. In: Köhne /Evigleben: Caesaren u. Gladiatoren. [...], S. 18
6 Flaig, Egon: Ritualisierte Politik. [...] S. 234
6 Christ, Karl: Die Römer [...] S. 113
4
Hinrichtung unbeliebter Personen verlangte oder, wie in einem Fall zur Amtszeit des Caligula, eine Steuersenkung forderte. 7 Ganz gleich, ob solchen Forderungen von den Machthabern nachgegeben wurde, verdeutlichen jene Beispiele die Bedeutung der Spiele als Ventil für das Volk und als Stimmungsbarometer. 8
Als derart fester Bestandteil römischer Kultur kam den Spielen bei ihrer Verbreitung in Italien und den Provinzen auch eine integrative Funktion zu, und sie konnten so machthabenden Veranstaltern außerhalb Roms sogar zur Betonung eigener Herrschaftsansprüche als vollwertiger Römer dienen. 9 In diesem Sinne kann die Arena als symbolische Trennlinie zwischen dem Römischen und dem Nichtrömischen, zwischen Zivilisation und Wildnis verstanden werden. Sie war der Ort, an dem das Römische Reich seinen Feinden und Bedrohungen in Gestalt von Kriegsgefangenen, verurteilten Verbrechern oder wilden Tieren vor Aller Augen entgegentrat. 10
Im Zusammenhang der Formel 'panem et circensem'' 11 wurde in der historischen Forschung immer wieder jenes sozialpolitische Prinzip betont, das die Beliebtheit eines Editoris beim Volk von seiner Bereitschaft abhängig machte, Spiele zu geben, die vom Volk in republikanischer Zeit noch als Gnade der Regierung, zur Zeit des Principats aber mehr und mehr als sein Recht verstanden wurden. 12 Für die immer wechselnden Machthaber war die Ausrichtung von Spielen fortan mit dem Druck verbunden, Vorangegangenes möglichst an Pracht, Fülle oder Exotik zu überbieten. 13 Die Freigiebigkeit eines bereits gewählten oder möglichen zukünftigen Ädils hinsichtlich der Veranstaltung von Spielen, mag bedeutsam für dessen Unterstützung beim Volk und somit seiner politischen Kariere gewesen sein. 14 Die Wirkungskraft jenes Prinzips, die eigene Beliebtheit beim Volk zu steigern, erklärt die Beschränkungen zur Ausrichtung von Munera bereits unter Augustus bis hin zur kaiserlichen Monopolisierung unter Domitian. 15
Die bereits von Zeitgenossen kritisch getätigte Feststellung, dass ein Effekt der Spiele die "politische Neutralisierung der Affekte der römischen Bevölkerung" war, die Ablenkung der Bürgerschaft von der Politik 16 , wird in der heutigen Forschung wiederum relativiert. Erkennt man an, dass die Beschwörung des sozialen Konsens in Zeiten fortschreitender Auseinander-
7 Wiedemann,Thomas: Kaiser und Gladiatoren. [...] , S. 167
8 Weber, C. W.: Panem et circenses. […] S. 276
9 Wiedemann, Thomas: Kaiser und Gladiatoren. [...] , S. 54 ff.
10 Ebenda. S. 61
11 (Brot und Spiele nach Iuvenal Satiren 10,80-81)
12 Wiedemann, Thomas: Kaiser und Gladiatoren. [...] , S. 35
13 Frielaender, Ludwig: Sittengeschichte Roms, S. 423
14 Köhne, Eckhart: Brot und Spiele - Die Politik der Unterhaltung. In: Köhne /Evigleben: Caesaren u. Gladiatoren. [...], S. 21
15 Wiedemann, Thomas: Kaiser und Gladiatoren. [...] , S. 17
16 Christ, Karl: Die Römer [...] S. 114
5
setzungen mit Gegnern des Reiches über die Spiele geschehen konnte, wie sich dies in der Zunahme ludischer Rituale mit fortschreitender Expansion des Imperiums abzeichnete, kann ebenso von einer starken Politisierung des Volkes durch die Spiele gesprochen werden. 17 Wie stark und inwiefern Venatio und Naumachie innerhalb dieser Wirkungszusammenhänge als bedeutsam verstanden werden können, soll in den folgenden Abschnitten betrachtet werden.
3 Die Venatio
Ihren Ursprung hatte die 'venatio', als in den Punischen Kriegen erbeutete Tiere aus Afrika, nach ihrer Zurschaustellung während der Triumphzüge, schließlich in effektvoll veranstalteten Jagden und Kämpfen getötet wurden. Die erste bekannte Tierhetze wurde im Jahr 186 v. Chr. von Marcus Fulvius Nobilior ausgerichtet. 18 Die Angliederung der Tierhetzen an die Ludi vollzog sich in republikanischer Zeit; fortan fanden sie zu besonderen Anlässen meist im Circus Maximus statt, ehe sie schließlich unter Kaiser Augustus als Teil der Munera zum Vor-mittagsprogramm im Amphitheater wurden. 19
3.1 Begriffsumfang
Der Begriff 'venatio' fand Anwendung auf sehr unterschiedliche Arten der Arenadarbietung, die den Einsatz von Tieren (bestiae) beinhalteten. Es soll hier zunächst ein Überblick gegeben werden, auf welche Weise Tiere im alten Rom zur Attraktion in den Spielen gemacht wurden.
Die simpelste Form, in welcher die Venationes auch ihren Anfang nahmen, ist die der Vorführung exotischer, bis dahin ungesehener Arten, sowie es anlässlich der Triumphzüge während der Punischen Kriege geschah, als Elefanten und andere Tiere aus Afrika als Kriegsbeute nach Rom geschafft wurden. Erstmals wirkte hier jener Gedanke, den man in Rom noch Jahrhunderte später durch Tierdarbietungen zur Geltung zu bringen suchte: die Idee, exotische Arten als Symbol erfolgreicher Ausdehnung des römischen Reiches zu präsentieren. 20 Ebenso machte man sich die von Plutarch gelobte Klugheit und Gelehrigkeit der Tiere 21 zu Nutze und brachte die Tierdressur auf den Rang einer hohen beruflichen Kunst. So sah man Elefanten dem Kaiser Gesten der Ehrerbietung erbringen als auch in aufwendigen Choreogra-
17 EgonFlaig: Ritualisierte Politik. [...] S. 234
18 Frielaender, Ludwig: Sittengeschichte Roms, S. 485
19 Wiedemann, Thomas: Kaiser und Gladiatoren. [...] , S. 69 / vgl. Junkelmann, Marcus,: Familia Gladiatora [...]. In: Köhne /Evigleben: Caesaren u. [...], S.77
20 J.P.U.D. Balsdon: Life and leisure in ancient Rome, S.302
21 Frielaender, Ludwig: Sittengeschichte Roms, S. 492 (nach Plutarch: De sollert. Anim. 5.)
6
Arbeit zitieren:
Toni Ziemer, 2006, Venatio und Naumachien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Behaviourismus und Lernzielorientierung - Behavioristische Aspekte im ...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Seminararbeit, 22 Seiten
Politische Denkmäler im 19. Jahrhundert: Das Hermannsdenkmal
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Hinrichtungen im 1. und 2. Jahrhundert n.Chr. - Massenspektakel für ei...
Die Reaktion der stadtrömische...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 30 Seiten
Das Bedürfnis der Massen nach Unterhaltung und Passion
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 16 Seiten
Toni Ziemer's Text Venatio und Naumachien ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Toni Ziemer hat den Text Venatio und Naumachien veröffentlicht
Toni Ziemer hat einen neuen Text hochgeladen
Glyptothek München. Skulpturen der griechischen und römischen Antike. ...
Ein Kurzführer
Matthias Steinhart
Spiele(n) mit geistigbehinderten Kindern und Jugendlichen
Spielimpulse zum Erleben von S...
Armin Krenz
0 Kommentare