1 Einleitung
Moderne Gesellschaften weisen oftmals einen hohen Lebensstandard auf. Die Bevölkerung der OECD-Staaten hat eine höhere Lebenserwartung als viele Menschen in Entwicklungs- oder Schwellenländern, weil die Versorgung mit Lebensmitteln auf besserem Niveau stattfindet. Hochentwickelte Länder zeichnen sich aber auch durch Überfluss und Massenkonsum aus. Die ständige Verfügbarkeit von billigen Lebensmitteln kann falsche Ernährungsgewohnheiten bedingen. Zunehmender Wohlstand kann bei immer mehr Menschen für Übergewicht sorgen. Unausgewogene Ernährung bringt deshalb Folgen für die Gesundheit mit sich und belastet dadurch auch die Solidargemeinschaft. In Zeiten von Fast Food, Fertigprodukten und Design-Lebensmitteln wird bei der Ursachenforschung nach Übergewicht auch die gesellschaftliche Stellung betrachtet. Eine Möglichkeit, das Risiko für Übergewicht zu bestimmen, liegt in der
Unterscheidung nach dem Bildungsniveau der Menschen. 1
In dieser Arbeit wird deshalb der Frage nachgegangen, inwieweit Übergewicht vom Bildungsniveau abhängt. Zu Bearbeitung dieser Fragestellung werden zwei Arbeitshypothesen aufgestellt:
• H1: Je besser der höchste erreichte Schulabschluss ist, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht.
• H2: Personen mit abgeschlossenem Studium haben eine niedrigere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht als Personen ohne vergleichbaren Abschluss.
Unter Punkt 2 werden zunächst die Methode und Vorgehensweise der empirischen Untersuchung erläutert. Dabei werden insbesondere der verwendete Datensatz und die Variablen beschrieben. Die Daten werden unter Punkt 3 mit Hilfe geeigneter statistischer Verfahren analysiert. Die Ergebnisse dieser Analyse werden unter Punkt 4 grafisch ausgewertet. Abschließend wird die Ausgangsfragestellung durch die Evaluierung der Arbeitshypothesen beurteilt (Punkt 5).
2 Methode und Vorgehensweise
2.1 Auswahl und Darstellung des Datensatzes
Die Datenbasis liefert das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Da das SOEP seit 1984 in Deutschland jährlich repräsentative Wiederholungsbefragungen in privaten Haushalten vornimmt, eignet sich der Datensatz vor allem für Längsschnittsstudien. Das SOEP setzt aber u. a. auch Themenschwerpunkte in den Bereichen Gesundheit und Bildung, so dass es ebenfalls für den Querschnittsansatz dieser Arbeit geeignet ist. Die Stichproben des SOEPs liefern repräsentative Ergebnisse auf der Mikro-Ebene für die deutsche Wohnbevölkerung. Seit dem Beginn der Erhebungen wurde
1 Vgl. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2008), S. 88 f.; In dieser Studie wird bereits auf den Zusammenhang zwischen Übergewicht (bzw. Adipositas) und dem Schulabschluss
hingewiesen.
1
das SOEP kontinuierlich um weitere Teilstichproben erweitert. 2
2.2 Darstellung der Variablen
Die aktuellsten verfügbaren Daten zum Thema Körpergewicht und Bildungsniveau liegen für das Jahr 2006 vor. Die Daten werden den vom SOEP zur Verfügung gestellten Dateien HEALTH und WPGEN entnommen. Die relevanten Variablen werden anhand der unveränderlichen Personennummer zu einer Datei zusammengefügt. Es sind alle Stichproben (A bis H) eingeschlossen. Die Anzahl der betrachteten Fälle liegt daher bei 22.625 und umfasst Personen im Alter von 17 bis 97 Jahre. Dabei sind einzelne Personengruppen überre-
präsentiert. 3 Um dennoch ein getreues Abbild der Grundgesamtheit (Wohnbevölkerung der
Bundesrepublik Deutschland) zu erhalten, werden die einzelnen Fälle mit dem Hochrech-nungsfaktor WPHRFALL (Hochrechnungsfaktor 2006 für alle Stichproben einschließlich der Hocheinkommensstichprobe G) gewichtet. Durch diesen Hochrechungsfaktor wird nicht nur die Gewichtung vorgenommen, sondern auch die Stichprobe auf die Größe der Grundgesamtheit hochgerechnet. Dadurch steigt die Anzahl der betrachteten Fälle auf 68.174.006.
2.2.1 Abhängige Variable Body-Mass-Index
Die metrisch skalierte Variable Body-Mass-Index (BMI) eignet sich zur Messung von Übergewicht, weil bei der Berechnung dieser Kennziffer das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße gesetzt wird. Sie ist eine Meta-Variable und wird vom SOEP aus den Variablen HEIGHT (Körpergröße) und BWEIGHT (Körpergewicht) generiert. Die Angaben zur Kör-
pergröße und zum Körpergewicht wurden im Personenfragebogen 2006 erhoben.
4
Die Eintragungen wurden entweder vom Befragten selbst oder durch einen Interviewer vorgenommen.
5
Der Body-Mass-Index errechnet sich nach der Formel
BM I
=
K
¨
Merkmale quasi-kontinuierlichen Charakter haben, ist eine Einteilung in Klassen sinnvoll.
Die Klassifizierung erfolgt analog der Definition der Weltgesundheitsorganisation. 6
Da der Body-Mass-Index nicht das Verhältnis von Fett- und Muskelgewebe berücksichtigt, können die Ergebnisse verzerrt sein. Hochleistungssportler könnten beispielsweise nach der Body-Mass-Einteilung der Weltgesundheitsorganisation als übergewichtig gelten, obwohl das hohe Körpergewicht durch schweres Muskelgewebe bedingt ist. Da es sich dabei jedoch um seltene Ausnahmefälle handelt, ist die Variable BMI dennoch eine geeignete Größe zur Messung von Übergewicht bzw. Adipositas als verstärkte Form von Übergewicht. Für die hochgerechnete Stichprobe ergibt sich folgende Verteilung:
2 Vgl. Haisken-DeNew, John P./Frick, Joachim R. (Hrsg.) (2005), S. 16; Das SOEP umfasst mittlerweile acht Teilstichproben A bis H.
3 Vgl. Haisken-DeNew, John P./Frick, Joachim R. (Hrsg.) (2005), S. 19 - 21.
4 Die genaue Fragestellung in Frage 94 des Personenfragebogens 2006 lautet: “Was ist Ihre Körpergröße in cm? Wenn Sie es nicht genau wissen, schätzen Sie bitte.” Frage 95 lautet: “Wie viel Kilogramm wiegen Sie
gegenwärtig? Wenn Sie es nicht genau wissen, schätzen Sie bitte.”
5 Diese Art der Erhebung kann sich als problematisch erweisen, weil alle Angaben der Selbsteinschätzung der Befragten unterliegen.
6 Vgl. World Health Organization (2000), S. 9; Für spätere Berechnungen ist es trotzdem sinnvoll, auf die nicht-klassifizierten Werte zurückzugreifen.
2
Tabelle 1: Häufigkeitsverteilung für die Variable BMI
Quelle: SOEP (DIW), eigene Berechnungen
Aus Tabelle 1 kann entnommen werden, dass mit 47,1% der Großteil der deutschen Wohnbevölkerung normalgewichtig ist. Die zweitgrößte Gruppe (34,7%) ist jedoch bereits von Übergewicht betroffen. Insgesamt 15,7% der Menschen gelten nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation als adipös im Grad I, II oder III. 2,1% der Personen werden als untergewichtig eingestuft.
2.2.2 Unabhängige Variablen Schul- und Hochschulabschluss
Die erste Variable zur Messung des Bildungsniveaus ist der höchste erreichte Schulabschluss (WPSBIL). Damit wird das tatsächliche Bildungsniveau bereits gut approximiert. Die Variable WPSBIL ist grundsätzlich nominal skaliert. Sie ist eine vom SOEP aus den Befragungen
der einzelnen Wellen generierte Variable. 7 Die Häufigkeitsverteilung dieser Variable ist in
Tabelle 2 dargestellt:
Tabelle 2: Häufigkeitsverteilung für die Variable Schulabschluss
Quelle: SOEP (DIW), eigene Berechnungen
7 Die Variable WPSBIL muss generiert werden, da in den Personenfragenbögen der jeweiligen Welle nur danach gefragt wird, ob und wenn ja, welcher Schulabschluss im vergangenen Jahr gemacht wurde.
3
Arbeit zitieren:
2009, Körpergewicht in Abhängigkeit vom Bildungsniveau, München, GRIN Verlag GmbH
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