Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Grundlagen und Fragen der internationalen Heil- und
Sonderp ädagogik als methodologische Basis der
deskriptiven und komparativen Analyse 5
2.1 Begriffliche Dimensionen 5
2.2 Bezug zu anderen Wissenschaften 6
2.3 Merkmalsbereiche der int. Heil- und
Sonderp ädagogik 6
2.3.1 unmittelbare Merkmale 7
2.3.1.1 Personenkreis 7
2.3.1.2 Methoden 8
2.3.1.3 Personal 8
2.3.1.4 Institutionen 9
2.3.2 mittelbare Merkmale 09
2.4 Ziele und Aufgabenschwerpunkte der
internationalen Heil- und Sonderpädagogik 10
2.4.1 Beitrag zur Erkenntniserweiterung 11
2.4.2 Politik- und Praxisberatung 11
2.4.3 Internationale Verständigung 11
2.5 Probleme internationaler Heil- und
Sonderp ädagogik 12
2.6 Perspektiven der int. Heil- und Sonderpädagogik 13
3. Kontextdimensionen und Strukturen des
Bildungssystems in der Schweiz 14
3.1 Grundlegende Informationen zur Schweiz und 14
ausgew ählte Kontexte
3.2 Bildungswesen in der Schweiz 17
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4. Strukturen der Bildung und Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf S. 22
4.1 Geschichte der Schweizer Heilpädagogik S. 22
4.2 Rechtliche Grundlagen S. 26
4.3 Konzeption der Integration S. 33
4.4 Entwicklungen und Perspektiven
5. Komparative Überlegungen zur sonderpädagogischen Förderung in der Schweiz und in Deutschland anhand ausgewählter Vergleichsmerkmale S. 42
5.1 Personenkreis S. 43
5.2 Institutionen - Stellenwert der Integration S. 44 5.3 Bildung S. 46 5.4 Sonderpädagogik allgemein S. 47 5.5 Bevölkerung S. 48
6. Fazit S. 49
7. Literaturverzeichnis S. 51
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit will die Strukturen der Bildung und Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Schweiz näher beleuchten. Da die Schweiz im europäischen Raum einen gewissen Sonderstatus innehat und sich zudem das Land in Bezug auf (sonderpädagogische) Bildung und Förderung in einem grundlegenden Wandel befindet, entwickelte sich ein großes Interesse meinerseits, mich mit diesem Thema intensiver zu befassen. Die Schweiz ist ein vergleichsweise kleines Land, welches in seiner großen Vielfalt eine große Faszination (auf meine Person) ausstrahlt. Diese Arbeit möchte aufzeigen, wie sich die schweizerische Bildungs- und Förderungssituation von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf aktuell darstellt und anhand der Änderungsdynamik des vergangenen Jahrzehnts hervorheben, dass sich der Kleinstaat in einem starken Veränderungsprozess befindet.
Kapitel 2 dient hauptsächlich einer Klärung der forschungsmethodischen Grundlage, welcher dieser Arbeit zugrunde liegt. Das Kapitel geht deshalb gezielt auf den Ansatz der internationalen Heil- und Sonderpädagogik nach Alois Buerli ein. Buerli gilt als federführend in diesem Bereich, nicht nur in der Schweiz selbst, vielmehr genießen seine Publikationen im gesamteuropäischen Raum hohes Ansehen.
Kapitel 3 soll die Rahmenbedingungen der Sonderpädagogik in den Vordergrund rücken. Hierzu gibt die Arbeit grundlegende Informationen zur Schweiz und führt ausgewählte Kontextdimensionen aus, bevor nachfolgend das schweizerische Bildungswesen kurz dargestellt wird. Kapitel 4 stellt das Herzstück dieser Arbeit dar. Hier soll zunächst auf geschichtliche Aspekte eingegangen werden, daran schließt sich eine Betrachtung der rechtlichen Situation von Menschen mit Behinderungen in der Schweiz an. Additiv wird diskutiert, wie weit fortgeschritten sich die Integration darstellt und abschließend werden Entwicklungsperspektiven sonderpädagogischer Förderung gegeben.
In Kapitel 5 sollen komparative Überlegungen zur sonderpädagogischen Förderung in der Schweiz und in Deutschland auf der Basis ausgewählter Vergleichsmerkmale gemacht werden. Daran schließt sich Kapitel 6 an, in welchem ein Fazit bezüglich der vorgestellten Thematik gezogen werden und abschließend kurz aufgezeigt werden soll, wie die Zukunft des Bildungswesens in der Schweiz aus heutiger Sicht zu sehen ist.
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2. Grundlagen und Fragen der internationalen Heil - und Sonderpädagogik als methodologische Basis der deskriptiven und komparativen Analyse
2.1 Begriffliche Dimensionen
Um sich einen Zugang zu Fragen der internationalen Heil - und Sonderpädagogik zu ermöglichen, ist es zwingend notwendig, sich eingangs grundlegend mit wichtigen Begriffen dieser Thematik zu befassen. Zunächst sei an dieser Stelle erwähnt, dass sich die Bezeichnungen Heilpädagogik ’und Sonderpädagogik heutzutage im internationalen Diskurs in der Regel synonym verwenden lassen. Dieses trifft bei dieser Arbeit uneingeschränkt zu, da in der Schweiz in aller Regel ausschließlich der Begriff Heilpädagogik benutzt wird. Von internationaler Heil - und Sonderpädagogik spricht man im Allgemeinen dann, wenn man Aussagen über mehr als eine Nation machen möchte. In dieser Hinsicht unterscheidet die Literatur zwischen einem normativen und einem deskriptiven Aspekt eines Vergleichs mehrerer Nationen (Buerli 1997, S.12).
Es handelt sich um einen normativen Aspekt, wenn Gemeinsamkeiten in einem bestimmten, untersuchten Bereich noch zu entwickeln sind. Ein deskriptiver Aspekt ist dann gegeben, wenn mehrere Länder sich unter einem spezifischen Bezug gemeinsam beschreiben lassen. Von einer Vergleichenden Sonderpädagogik ist dann die Rede, wenn man Länder in Bezug auf einen bestimmten Aspekt miteinander in Beziehung setzt und vergleicht. Die Geschichtsschreibung stellt gewöhnlich Vergleiche auf historischer Ebene an, im sonderpädagogischen Bereich hingegen werden oft auch Aspekte innerhalb einer Nation miteinander verglichen. Bei einem Vergleich zweier Nationen nennt man dies Sonderpädagogik des Auslands, ein Vergleich von mehr als zwei Ländern stammt aus dem Bereich International vergleichender Sonderpädagogik (ebd., S.12). „Generell zeigt internationale Sonderpädagogik Tendenzen auf, macht gemeinsame und unterschiedliche Merkmale deutlich. Dies sollte aber nicht völlig unabhängig und isoliert von ihrem jeweiligen Kontext geschehen.“ (Buerli 1997, S.12). Die Arbeit wird auf diese Punkte in ihrem Verlauf eingehen und ist versucht, sie hinreichend zu beleuchten.
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2.2 Bezug zu anderen Wissenschaften
Bei dem Versuch, diese Wissenschaftsdisziplin in Bezug zu anderen Wissenschaften zu setzen, ist auffallend, dass erstgenannter generelle wissenschaftliche Grundlagen fehlen. Eine Begründung dafür kann durchaus in der starken Ausrichtung auf die Politik- und Praxisberatung gesehen werden. Additiv fehlt ein gewinnbringender Bezug der international- vergleichenden Heil-und Sonderpädagogik zur Allgemeinen Heil- und Sonderpädagogik. Erschwerend erweist sich in diesem Kontext auch die Tatsache, dass vieles „als Faktum betrachtet“ (Buerli 2006, S.32) wird, anstatt es zu hinterfragen. Bei der international- vergleichenden Heil- und Sonderpädagogik handelt es sich um eine eigenständige Teildisziplin (Erdélyi 2006, S.48). Wenn auch- wie bereits erwähnt- ein ausgeprägter gewinnbringender Bezug wünschenswert und noch zu realisieren ist, so besteht selbstverständlich eine grundsätzliche Verbindung zwischen Heil- bzw. Sonderpädagogik auf der einen und der Erziehungswissenschaft auf der anderen Seite. Die vergleichende Heil- und Sonderpädagogik sowie die Vergleichende Erziehungswissenschaft sind jeweils Unterdisziplinen, die sich zwar hinsichtlich ihrer Vergleichsgegenstände unterscheiden, jedoch gemeinsame Ziele, Aufgaben, Kriterien und Methoden des Vergleichs haben.
2.3 Merkmalsbereiche der internationalen Heil- und Sonderpädagogik Im folgenden Abschnitt sollen Merkmalsbereiche der internationalen Heil- und Sonderpädagogik aufgezeigt werden. Merkmale werden in diesem Zusammenhang gemeinhin als solche Eigenschaften bezeichnet, die beschreibend und feststehend sind. Letzteres unterscheidet Merkmale von Tendenzen, welche eine Entwicklungsrichtung beschreiben. Im vorliegenden Kontext lassen sich Merkmalsbereiche in unmittelbare sowie mittelbare Merkmale differenzieren. Dieses ist von daher so bedeutsam, als dass sich ansonsten ein Problem der Übersichtlichkeit hinsichtlich Merkmalen und Tendenzen ergeben könnte.
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Die Literatur sieht hierbei eine Unterteilung in: die Sonderpädagogik im Allgemeinen die Theorien der Sonderpädagogik sowie Prinzipien und Grundlagen der Sonderpädagogik vor. Ferner lässt sich eine weitere Subdifferenzierung in vier Unterbereiche vornehmen:
2.3.1 unmittelbare Merkmale
2.3.1.1 Personenkreis
Mit dem Personenkreis ist die Zielpopulation der Sonderpädagogik gemeint.
Diese sind Menschen mit Behinderungen. Es wird hinterfragt, wie sie erfasst werden, wie sie sich charakterisieren lassen und welche gesellschaftlichsoziale Position sie haben (Buerli 1997, S.20). Die Klientel zeigt eine erhöhte individuelle Bedürfnisorientierung. Die Zielperson muss eigenständig in ihrer Individualität erfasst und ihr muss ferner ein Bildungsrecht zugestanden werden. Der jeweilige besondere Förderbedarf der Zielpopulation der Sonderpädagogik soll erkannt werden und dementsprechend der jeweiligen Person zukommen. Zusätzlich stellt sich bei dem Merkmal des Personenkreises die Frage, wie sich die quantitative Entwicklung darstellt. Es gilt also zu untersuchen, ob es zu einer Ab- bzw. Zunahme bezüglich der Anzahl von Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf kommt, ebenso wie die Frage der Klassengröße (im Sinne einer individuellen Förderung) sehr relevant ist (ebd, S.25). Ferner bedeutsam ist die Frage nach qualitativen Aspekten der Zielpopulation. Hierbei stellt sich z.B. die Frage, ob die Klientel sich multikulturell zusammensetzt, welche Aufgaben daraus resultieren. Eine weitere Frage ist die des Einbezugs Schwerstbehinderter in den Personenkreis, wie auch das Problemfeld älterer bzw. arbeitsloser Menschen mit Behinderungen. Von besonderer Bedeutung ist ferner die Position, die das Individuum in der Gesellschaft einnimmt- ob es etwa sozial integriert ist, oder doch eher ausgegrenzt lebt.
Die Frage nach Partnerschaften von Menschen mit besonderem Förderbedarf kann ebenfalls eine durchaus berechtigte wie wichtige Frage sein.
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2.3.1.2 Methoden
Dieser Unterbereich befasst sich mit Abläufen und Vorgehensweisen, beispielsweise bezüglich des Unterrichtes oder therapeutischen
Vorgehensweisen (Buerli 1997, S.20). Wichtigste Bezugspunkte sind in diesem Kontext die möglichst frühe methodische Erfassung und eine damit schnell einsetzende Förderdiagnostik. Auf das Unterrichtsgeschehen bezogen sind Schlagwörter wie ganzheitliche Förderung Sonderdidaktik Innere Differenzierung Individualisierung Lernzielorientierung Offenes Lernen Handlungsorientierung Integrativer Unterricht Teamteaching
Computer- Unterstützung (Buerli 1997, S.24) als sehr wünschenswerte Vorgehensweisen zu begrüßen.
2.3.1.3 Personal
Mit der Begrifflichkeit des Personals lässt sich hier unter anderem das Fachpersonal sowie betroffene Eltern zusammenfassen (Buerli 1997, S.20). Wichtige Gesichtspunkte sind die Ausbildung des Fachpersonals und das Berufsfeld. Zusätzlich wichtig sind Eltern und Familien, da diese in persönlichem, intensivem Maße mit dem Personenkreis von Menschen mit Behinderungen betroffen sind. Im Bereich der Ausbildung von beruflich mit dieser Klientel konfrontierten Menschen sind Themen wie Weiterbildungen und Spezialisierungen wichtig. Dieses führt zu einer Professionalisierung und einer großen Vielfalt an Berufsfeldern. In diesen Berufsfeldern sind Themen wie erhöhter Personalbedarf, Supervision, Arbeitsteilung sowie Burnout von großer Bedeutsamkeit. Aufgrund der Individualität des jeweiligen Förderbedarfs von Menschen mit Behinderungen bedarf es eines hohen personellen Aufkommens, um diesem Aspekt gerecht werden zu können. In einem solchen Beruf ist das
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Phänomen eines möglichen Burnouts ein durchaus nicht seltenes und damit nicht zu vernachlässigendes Phänomen. Eltern und Familie spielen eine gewichtige Rolle, da diese ihre Kinder in alltäglichen Situationen erleben, während Fachpersonal das Klientel meist in Lern- bzw. therapeutischen Situationen antrifft und betreut.
2.3.1.4 Institutionen
Ein weiterer unmittelbarer Merkmalsbereich der Sonderpädagogik sind Institutionen wie Systeme, Strukturen und im schulischen Kontext Bildungsstufen. Großen Raum in diesem Bereich gilt es im systemischen Kontext der Bedürfnisorientierung der Zielpopulation zu widmen (Buerli 1997, S.24). Ein flächendeckender Ausbau ist hierbei ebenfalls ein wichtiger Kontext, um dem Bedarf gerecht werden zu können. Zu strukturellen Aspekten seien folgende Schlagwörter erwähnt:
o Kooperation zwischen Sonder- und Regelschule
o Differenzierung
o Institutionelle Vielfalt
o Flexibilität
o Dezentralisierung
o Integrationsformen
Diese Schlagwörter zeigen, dass es einer ganz individuellen Komponente bei jedem einzelnen betroffenen Menschen bedarf, welcher flexibel differenziert gefördert werden soll. Der Kooperation zwischen Regelschulen auf der einen, und Sonderschulen (heute: Förderschulen) auf der anderen Seite kommt eine ganz elementar wichtige Rolle zu.
2.3.2 mittelbare Merkmale
Ebenso wie unmittelbare haben auch mittelbare Merkmale eine große Bedeutung im sonderpädagogischen Bereich, da gesellschaftliche
Möglichkeiten und Bedingungen den Umgang mit Behinderungen stark prägen. Die acht existierenden mittelbaren Merkmalsbereiche sind:
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Weltanschauung Bildung Gesundheit Soziales Wirtschaft Politik Gesellschaft Bevölkerung
Diese Arbeit geht diesbezüglich an dieser Stelle nicht ins Detail. Es wird auf das Kapitel 3.1 verwiesen, in welchem relevante Informationen zu Kontextdimensionen gegeben und direkt in Bezug zu der jeweils vorzufindenden Situation in der Schweiz gesetzt werden.
2.4 Ziele und Aufgabenschwerpunkte der internationalen Heil- und Sonderpädagogik
Die Literatur weist der internationalen Heil- und Sonderpädagogik übereinstimmend drei Zielbereiche zu: Beitrag zur Erkenntniserweiterung Politik- und Praxisberatung Internationale Verständigung (Liesen 2008, S.540)
2.4.1 Beitrag zur Erkenntniserweiterung
Ein Ziel der internationalen Heil- und Sonderpädagogik besteht darin, Einsichten zu vermitteln und Zusammenhänge darzustellen. „Sie (Die Erkenntnisweiterung) erweitert den Horizont, vermittelt Übersicht und Einsichten, deckt Zusammenhänge auf. Im Kontrast mit dem Fremden wird das Eigene deutlich.“ (Buerli 1997, S.13). Dieses Zitat zeigt sehr deutlich, welch große Bedeutung die internationale Heil- und Sonderpädagogik im Bereich der Erweiterung von Erkenntnissen besitzt.
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Arbeit zitieren:
Mario Zielinski, 2009, Strukturen der Bildung und Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Schweiz, München, GRIN Verlag GmbH
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