Inhaltsverzeichnis
1 Lage und Geschichte der Kirche 3
2 Der Architekt Carlo Maderno 4
3 Beschreibung der Fassade 5
3.1 Sockel 5
3.1.1 Sockel im Kirchenbau 6
3.2 Säulenordnung im ersten Geschoss 6
3.2.1 Ausgestaltung der Wandfelder 6
3.2.2 Portalzone 7
3.2.3 Hauptgebälk 8
3.3 Schichtung der Fassade 8
3.4 Übergang zum zweiten Geschoss 8
3.5 Säulenordnung im zweiten Geschoss 9
3.5.1 Gestaltung der Wandfelder 9
3.5.2 Portalädikula und Scheinportal 10
3.5.3 Abschluss des zweiten Geschosses 11
3.6 Seitenansicht der Fassade 11
3.7 Girlandenschmuck an sakralen Gebäuden 12
3.8 Gesamtwirkung der Fassade 12
4 Historischer Hintergrund 14
4.1 Die „Instructiones“ des Carlo Borromeo 14
2
1 Lage und Geschichte der Kirche
Die Kirche Santa Susanna liegt an der Piazza di S. Bernardo in Rom, unweit der Diokletiansthermen, des Quirinale und des Palazzo Barberini. Sie gehört nicht zu den großen römischen Pilgerkirchen, dient aber seit einer Widmung durch Papst Pius XI. im Jahre 1922 als Nationalkirche der Katholiken der Vereinigten Staaten. 1 Die Heilige Susanna gehört zu den Stadtpatronen Roms. Sie war die Tochter des Priesters Gabinius und die Nichte des Papstes Cajus (282-295) und soll im Jahre 294 an der Stelle enthauptet worden sein, wo heute S. Susanna steht. 2 Sie wird als urchristliche Märtyrerin verehrt, ihre Reliquien werden in S. Susanna aufbewahrt. Andere Quellen sehen in ihr lediglich die Stifterin der Kirche. Dies ist vom zeitlichen Zusammenhang her denkbar, da an dieser Stelle seit dem 4. Jahrhundert ein sakraler Bau nachgewiesen ist. 3
Der jetzige Bau stammt aus karolingischer Zeit, er diente als Pfarrkirche des umgebenden Viertels und – bis heute – als Klosterkirche eines Konvents der Zisterzienserinnen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche entscheidend umgestaltet. Dies betraf sowohl die Ausgestaltung des Innenraums als auch die Neugestaltung der Fassade nach den Entwürfen des Architekten Carlo Maderno. Er schuf an dieser kleinen, eher unbedeutenden Kirche die erste voll ausgebildete frühbarocke Kirchenfassade.
Ab 1579 wurden unter Papst Gregor XIII. umfangreiche Bauarbeiten zur Erhaltung und Umgestaltung der Kirche aufgenommen. Der Innenraum wurde 1595 fertig gestellt, mit den Arbeiten an der Fassade wurde 1597 begonnen, 1603 wurde sie unter dem Pontifikat Clemens´ VIII. beendet. All dies geschah auf Veranlassung des Kardinals Rusticucci, des Protektors der Zisterzienser, päpstlicher Sekretär und Protonotar bis zu seinem Tode im Jahr 1603, wie die Inschrift auf dem Fries des Hauptgebälks belegt. 4 S. Susanna war seit 1570 Titularkirche des Kardinals.
1 Buchowiecki, 1974, 994
2 Ebenda, 995
3 Siehe dazu http://www.kirchenlexikon.de/s/s4/susanna_v_r.shtml Bei Buchowiecki, 1974, 996, heißt es dazu:“ Von all dem bisher dargelegten ist bis auf die Notiz im Martyrilogicum Hieronymianum wissenschaftlich nichts haltbar. Die Berichterstattung über den Tod der Heiligen in der „Passio“ ist bar jeder geschichtlichen Grundlage, die „Passio“ selbst entstand ja sichtlich zu dem Zweck, die Entstehung der Kirche auf dem Quirinal und den in ihr angesiedelten Kult der Heiligen durch eine glaubhaft scheinende Erzählung zu rechtfertigen.“
4 Vgl. Kapitel 3.2.3
3
2 Der Architekt Carlo Maderno
Carlo Maderno wurde 1556 im Tessin, in Capolago am Luganer See, geboren. 5 Zur Zeit des Pontifikats von Gregor XIII. kam er gemeinsam mit vier Brüdern nach Rom, wo er 1588 die Bürgerrechte erwarb. Während der ersten Jahre arbeitete er in untergeordneter Position in der Werkstatt seines Onkels Domenico Fontana, Baumeister am neuen Lateran-Palast (bis 1308 Residenz des Papstes, ab 1538 Neubau und Umgestaltung u. a. unter Sixtus V.). Maderno verließ Rom jedoch wieder, möglicherweise steht dies im Zusammenhang damit, dass sein Onkel zwischenzeitlich beim Papst in Ungnade gefallen war und seinerseits Rom verließ. Maderno ließ sich in Neapel nieder und baute eine eigene Werkstatt auf. Als selbstständiger Baumeister war er wenig erfolgreich, so schreibt Rudolf Wittkower: „and before 1600 he made a name for himself“. 6
Das Jahr 1603 brachte für Maderno den entscheidenden Wendepunkt. Er beendete die Fassade von S. Susanna, „Madernos most outstanding performance“ 7 , und wurde zum Architekten des Petersdoms berufen. Es folgten weitere Aufträge: Palazzo Mattei (vierflügelige Treppe), S. Andrea delle Valle (Leitung der Bauarbeiten ab 1608), Quirinalspalast (Sommerresidenz des Papstes, hier: Cappella Paolina, Sala dei Corazzieri, Hauptportal). Er erhielt den Auftrag zur Erweiterung und Neugestaltung des Palazzo Barberini, konnte diesen aber nicht mehr ausführen. Zwar belegen Rechnungen vom Oktober 1628 den Beginn der Arbeiten unter seiner Leitung, Maderno starb jedoch am 31. Januar 1629. Papst Clemens VIII. berief daraufhin Gian Lorenzo Bernini (1598–1680) zu dessen Nachfolger, assistiert von Francesco Borromini (1599–1667).
5 In den verschiedenen Quellen findet sich als Familienname sowohl Maderno als auch Maderna, letzteres allerdings seltener, so dass ich den Namen Maderno verwende.
6 Wittkower, o. J., 76
7 Wittkower, o. J., 78
4
3 Beschreibung der Fassade
Die Kirche S. Susanna ist für den Betrachter von
der davor liegenden Piazza aus nicht als Ganzes
zu erfassen, d. h. sie steht nicht frei, sondern
wird von unmittelbar angrenzenden Gebäuden –
Teilen des alten Zisterzienserkonvents, die
heute teils
Gemeindezentrum, teils der Unterbringung der
Garde des Präsidenten der Italienischen
Republik dienen – eingeschlossen. 8 Diese
städtebauliche Situation – die Kirch ist Teil einer
Häuserzeile – findet sich in Rom und anderen
italienischen Orten häufig. Die Kirche kann sich damit nur über ihre Fassade zur Straße bzw. zum Platz hin dem Betrachter, dem Gläubigen präsentieren. Hierin liegt einer der Gründe für die besondere Sorgfalt, die bei der Gestaltung der „Schauseiten“ der Kirchen aufgewendet wurde. So präsentiert sich S. Susanna dem Betrachter mit einer zur Piazza di S. Bernardo hin reich geschmückten zweigeschossigen, fünfachsigen, nach oben verjüngten Fassade.
3.1 Sockel
Der Eingang zum Kircheninneren liegt nicht zu ebener Erde, eine achtstufige
Treppe führt zur Schwelle des Kirchenportals. In ihrer Breite misst die Antrittsstufe
etwa das Dreieinhalbfache der Austrittsstufe, d. h. an ihrer Basis nimmt die Treppe
nahezu die Hälfte der gesamten Fassadenbreite ein. 9
Der so entstandene Sockel wird vertikal durch Postamente für die sich darüber
erhebenden Säulen gegliedert. Die beiden äußeren Abschnitte des Sockels
bleiben dabei ohne Begrenzung zum Fassadenrand hin, während die beiden
inneren Abschnitte durch vorstehendes Mauerwerk klar nach links und rechts ab-
gegrenzt werden. Eine horizontale Gliederung der Sockelzone erfolgt einerseits
wesentlich durch die Treppe im zentralen Abschnitt. Darüber hinaus werden die
8 Bei Buchowiecki, 1974, heißt es dazu: „Rechts von der Kirche ließ der Kardinal Rusticucci ein Wohnhaus für den Beichtvater der Nonnen und für die Pfarrgeistlichkeit, links das Kloster der Zisterzienserinnen erbauen.“ (100)
9 Verhältnis Treppenbreite : Fassadenbreite = 3 : 7
5
Arbeit zitieren:
Magister Artium Sigrid Weyers, 2005, Carlo Maderno: Santa Susanna, München, GRIN Verlag GmbH
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