Gliederung
1. Einführung
2. Methodik
3. Ergebnisse
4. Diskussion
5. Zusammenfassung
6. Referenzen
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1. Einführung
Ziel dieses Laborberichtes ist es, anhand eines kleinen Corpus den Einfluss der Sprechgeschwindigkeit auf die Artikulationsdauer verschiedener Lautsegmente einer Äußerung aufzuzeigen. Dabei soll besonders der Frage nachgegangen werden, ob eine Tempoänderung alle Arten von Lauten in gleichem Maße und im selben Verhältnis beeinflusst und von welchen anderen Faktoren der Grad dieser Beeinflussung abhängig ist. Zumindest in einführender Fachliteratur der Phonetik wird das Thema der Sprechgeschwindigkeit und ihrer Auswirkungen nur äußerst rudimentär und allgemein behandelt. Durch eine Änderung des Tempos werde der zeitliche Rahmen der Isochronie verändert und dies mache eine Anpassung des Grads der Koartikulation und der Dauer der einzelnen Segmente nötig 1 . Bei starker Erhöhung der Sprechgeschwindigkeit schaffe notfalls sogar „Reduktion von Segmenten […] zusätzlichen Raum für die übriggebliebenen Segmente, die in dem jetzt gegebenen Zeitrahmen neu verteilt werden.“(Neppert 1999: 250). Etwas genauere Angaben finden sich bei Pompino-Marschall (1995):
„Signalphonetisch betrachtet kommt es bei einer Veränderung der Sprechgeschwindigkeit zu recht komplexen Umstrukturierungen: Insbesondere die vokalischen Silbenkerne werden bei Erhöhung der Sprechgeschwindigkeit zeitlich verkürzt […] während die konsonantischen Artikulationsbewegungen zwar schneller ausgeführt werden, aber einen - in unterschiedlichem Grad - wesentlich geringeren zeitlichen Kompressionseffekt aufweisen.“(Pompino-Marschall 1995: 238)
Durch theoretische Erörterung und erste Messungen wurden innerhalb unseres Seminars bereits einige Hypothesen aufgestellt, in welcher Weise sich Lautsegmente einer Äußerung unter dem Einfluss der Sprechgeschwindigkeit verändern könnten. Grundsätzlich gingen wir ebenfalls davon aus, dass ein erhöhtes Tempo zu vermehrter Koartikulation führen würde, die sich in Elisionen, Assimilationen und sogar Reduktionen niederschlagen würde. Zudem erwarteten wir, dass im Zuge der Isochronie die Dauer von Vokalen eher verkürzt werden würde als die von Konsonanten. Der Grund hierfür liegt in der Kontinuität von Vokalen, die diese Laute auch in verkürzter Form immer noch auditiv klar erkennbar sein lässt, während die Artikulation von Konsonanten aus mehreren Phasen besteht, die allesamt vorhanden sein müssen, damit dieser Laut überhaupt als Konsonant wahrgenommen werden kann. Außerdem
1 Vgl. Neppert (1999: 250)
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postulierten wir die Erwartung, dass Langvokale „elastischer“ seien als Kurzvokale, d.h., dass Erstere bei erhöhtem Tempo eher verkürzt und bei verringertem Tempo auch eher verlängert würden als ihre zentralisierten Gegenstücke.
2. Methodik
Der Corpus dieser Arbeit besteht aus dem Material, welches bereits für andere Aufgaben im Rahmen unseres Seminars gesammelt worden war. Es wurde dazu ein männlicher Sprecher aufgenommen, der den phonetischen Standardtext „Nordwind und Sonne“ vorlas, nachdem er sich mit diesem kurze Zeit vertraut gemacht hatte. Der Sprecher wurde instruiert, die Geschichte zunächst in - nach eigener Einschätzung - „normalem“ Tempo vorzutragen und dies dann bei der zweiten Aufnahme auf „langsam“ und bei der dritten auf „schnell“ zu verändern. Im Anschluss wurde der Text in jeder Sprechgeschwindigkeit ein weiteres Mal aufgezeichnet, so dass insgesamt sechs Aufnahmen als Corpus entstanden. Dem wurde für den Laborbericht jeweils noch eine Aufnahme pro Tempostufe hinzugefügt, die von einem fremden männlichen Sprecher produziert wurden.
Durch Messung der Sprechdauer und Silbenanzahl wurden zunächst allgemeine Werte wie Sprech- und Artikulationsgeschwindigkeit für jede Tempoversion ermittelt. Mithilfe der Phonetik-Software Praat wurde außerdem die Dauer einiger Laute an Schlüsselstellen im Text gemessen und zwar stets in allen Tempovarianten und in beiden Aufnahmeversionen. Wichtig dabei war, dass der gleiche Laut - im Corpus hauptsächlich /a/ - in unterschiedlichen Distributionen untersucht wurde, also z.B. in betonten und unbetonten Silben, wortmedial und -final und phrasenmedial bzw. -final. Auf diese Weise sollte ermittelt werden, ob und in wie weit diese Parameter Einfluss auf die Dauer des Lautes innerhalb der jeweils veränderten Sprechgeschwindigkeitssituation nehmen. Die gemessenen Lautdauern wurden sowohl tabellarisch als auch grafisch dargestellt, um sie direkt unter dem Gesichtspunkt des Vokaltyps bzw. der Sprechgeschwindigkeit vergleichen zu können. Um die generellen Realisierungsstrategien bei verändertem Sprechtempo - wie Assimilationen, Reduktionen und Elisionen - darzustellen wurde außerdem eine Schlüsselstelle der Aufnahmen eng transkribiert und der theoretischen „Wörterbuch-Transkription“ gegenübergestellt.
Außerdem enthält dieser Bericht die Ergebnisse einer vorherigen Arbeit aus dem Seminar, in der zahlreiche Messungen zur Pausenanzahl und -dauer gemacht worden sind. Diese Werte wurden ebenfalls tabellarisch und grafisch dargestellt, um einen Vergleich zwischen den Pausen und der Sprechvariante zuzulassen.
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3. Ergebnisse
Kanonische „Wörterbuch-Transkription“ der Segmente <…der in einen warmen Mantel …>:
/ GHUU,QQ§D, QQQ§YDØUPQQ§PDQWOO/
Engere Transkription der Version „langsam-1“:
>GHn ,QQD, QC CYDn PC DQWOC @
Engere Transkription der Version „langsam-2“:
>GHn ,QQD, QC CYDn PC DQWOC @
Engere Transkription der Version „langsam-Fremdsprecher“:
>G Hn , QQD , QC CY Dn PC DQWOC @
Engere Transkription der Version „normal-1“:
>GHn ,QD, QC CYDn PC DQWOC @
Engere Transkription der Version „normal-2“:
>GHn ,QD, QC CYDn PC DQWOC @
Engere Transkription der Version „normal-Fremdsprecher“:
>G Hn ,QD , QC CY Dn PC DQW+O@
Engere Transkription der Version „schnell-1“:
>GHn ,QD, QC YD!PC DQWOC @
Engere Transkription der Version „schnell-2“:
>GHn ,QD, QC YDn PC DQWOC @@
Engere Transkription der Version „schnell-Fremdsprecher“:
>G Hn ,QD , QC Y Dn PC DQWOC @@
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Arbeit zitieren:
Alexander Windeck, 2007, Tempo und Timing beim Sprechen, München, GRIN Verlag GmbH
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