Musicals mit ein. Mit der Weltwirtschaftskrise und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fand allerdings ein erheblicher Umbruch in Deutschland und in ganz Europa statt, der schließlich dazu führte, dass sich die amerikanische Popkultur nach dem Krieg als dominierende Stilrichtung durchsetzte. Zusammenfassend kann man also lediglich festhalten, dass eine eindeutige Definition des Begriffs „Popmusik“ nicht möglich ist. Es lassen sich allenfalls Tendenzen erkennen, die allerdings einem stetigen Wandel unterworfen sind. Trotzdem gibt es Faktoren, die als konstante Elemente der Popmusik gelten können. Es handelt sich um meist oral tradierte oder über Medien überlieferte 3 , selten aber schriftlich festgehaltene Musik, die überwiegend in die Kategorie der Unterhaltungsmusik einzuordnen ist. Problematik
Eins der Kriterien für Popmusik, nämlich die orale Tradierung, ist gleichzeitig auch einer der Gründe für deren weitgehende Nichtbeachtung in der traditionellen Musikwissenschaft. Andere Gründe sind die oft tendenziell eher einfachen musikalischen Strukturen, wobei die Bandbreite populäre Musik auch strukturell anspruchsvolle Stücke hervorgebracht hat. Außerdem standen zu Beginn des 20. Jahrhunderts die subversiven Entwicklungen der Zweiten Wiener Schule im Mittelpunkt des Interesses der Musikwissenschaft. Stattdessen stieß Popmusik in anderen Disziplinen schon früh auf gesteigertes Interesse. Daraus entstand im Laufe der Zeit ein multidimensionales sowie disziplinenübergreifendes Konzept, das unter anderem Musikpädagogik, Musikpsychologie, -Ethnologie, und -Psychologie, Systematische Musikwissenschaft, aber auch Medien- und Kulturwissenschaften mit einbezieht 4 und sich nicht auf die Bewertung von Popmusik anhand musikstruktureller Analysemittel beschränkt. Diese Entwicklung soll im Folgenden bei der chronologischen Darstellung der Geschichte der Popmusik in Deutschland deutlich werden.
Entwicklung der Popforschung von 1950-1990 5
Im Deutschland der Nachkriegszeit fehlte es an Vielem, so bestand auch im musikalischen Bereich noch Nachholbedarf. Während des Krieges wurde vor allem
3 Vgl. Helmut Rösing, „Popularmusikforschung“ - von den Anfängen bis zu den 1990er Jahren, S. 13
4 ibid. S. 13
5 Die folgende Darstellung folgt, sofern nicht anders vermerkt, Helmut Rösing,
„Popularmusikforschung“
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Marschmusik, diese meist zu Kriegszwecken instrumentalisiert, gespielt und so stellte die Musik, die vor allem auch von den amerikanischen Besatzern nach Deutschland gebracht wurde, einen krassen Gegensatz zu den üblichen Hörgewohnheiten dar. Rock’n’Roll und das damit einhergehende neue positive Lebensgefühl galten als Revolution und wurden vor allem von den Jugendlichen begeistert aufgenommen, die sich damit vom Geschmack und den Werten ihrer Eltern absetzen wollten. Die Musik hatte ihre Wurzeln in der afroamerikanischen Kultur und war zunächst überwiegend mündlich tradiert worden, bevor mit den mit Massenmedien wie Schallplatten, später CDs und Musikvideos neue Möglichkeiten entstanden.
Neben Rock’n’Roll, nahm zunehmend auch Jazzmusik Einfluss in Deutschland. Es gab zwar schon in den fünfziger Jahren erste Ansätze, eine Jazzforschung in Deutschland zu etablieren, allerdings gelang dies im universitären Bereich erst in den sechziger Jahren.
Zu den ersten Universitäten, die Jazzmusik in den Lehrplan aufnahmen, gehörte auch die Gießener Universität mit einem Forschungsschwerpunkt Jazz neben der systematischen Musikwissenschaft. Darüber hinaus kam es dann auch in den sechziger Jahren zu Gründung der Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung. Der Versuch, Schlagermusik nach den gleichen Kriterien zu beurteilen wie Kunstmusik scheiterte und ließ lediglich erkennen, dass Schlager in ihrer musikalischen Struktur meist einfach aufgebaut waren. Dies führte schließlich zur Degradierung populärer Schlager zur „Trivialmusik, die für die
musikwissenschaftliche Forschung uninteressant waren. Für populäre Musik mussten also andere Analysekriterien gefunden werden als jene, die bisher für die Kunstmusik galten. In den sechziger Jahren entwickelte Hermann Rauhe daher ein Analysemodell, das neben musik- und textstrukturellen Primärkomponenten auch auf andere Aspekte eingeht, nämlich soundbezogenen Sekundärkomponenten, tonträgerspezifische Tertiärkomponenten und markttypische Quartärkomponenten. Das große Interesse der Musikpädagogik an Popmusik lässt sich relativ einfach erklären, wenn man die Praxis des Musikunterrichts in den sechziger Jahren betrachtet. Auf dem Lehrplan stand lediglich klassische Musik, was im krassen Gegensatz zu den Musikpräferenzen der Schüler stand. Da Popmusik vor allem für Jugendliche von Bedeutung war und auch heute noch ist, die Gründe dafür sollen
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Arbeit zitieren:
Martina Drautzburg, 2006, Die Geschichte der Popforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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