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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Text und Übersetzung 4
3. Kommentare zu den einzelnen Sinneinheiten 5
4. Exkurs zur Musenanrufung 11
5. Fazit 12
6. Bibliographie 13
Konrad Maas
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Einleitung
Die Musenanrufung ist eine typische Komponente in der klassischen Dichtung. Der Dichter ruft die Göttinnen der kreativen Künste an, damit sie ihm ihre Unterstützung bei seinem Schaffen schenken. 5
In dieser Arbeit möchte ich mich mit der Musenanrufung aus dem Gedicht Ciris aus der Appendix Vergiliana beschäftigen. Es ist nicht bekannt wer der antike Dichter dieses Werkes gewesen ist. Es gibt Vermutungen, dass es Vergil gewesen ist oder jemand, der versuchte Vergil zu imitieren. Die betreffenden Zeilen, die ich bearbeiten werde, sind 92 bis 100. In den vorangegangenen Zeilen hat der antike Autor eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse 10
geliefert, die das Gedicht inhaltlich behandelt. Erst nach der Musenanrufung in der vorliegenden Textstelle befasst sich der Dichter dann mit der genauen Darstellung der einzelnen Geschehnisse. Thematisch behandelt der Dichter den Verwandlungsmythos des jungen Mädchens Skylla, den ich im Folgenden kurz zusammenfassen werde. Sie ist die Tochter des Königs Nisus von Megara. Diese Stadt wird durch die dritte wichtige Figur, den König Minos 15
von Kreta, belagert. Megara wird aber durch eine purpurne Locke, die König Nisus auf seinem Haupt trägt, beschützt. Die junge Skylla verliebt sich in den feindlichen Belagerer und versucht dessen Herz zu erobern. Mit Hilfe ihrer Amme ersinnt sie letztendlich die List die Locke des Vaters abzuschneiden, um somit die Stadt für ihre Liebe zu opfern. Dieser Plan wird auch in die Tat umgesetzt, was zur Folge hat, dass die Stadt Megara dem Erdboden gleich gemacht 20
wird. Aber Skylla erhält nicht den Lohn ihrer Mühen, den sie sich erwünscht hätte. Als Bestrafung für ihren Verrat lässt Minos sie vor den Bug seines Schiffes ketten und fährt mit ihr als menschliche Galionsfigur durch die Meere. Die Götter verwandeln sie in einen Eisvogel, die ciris, und sie kann frei davonfliegen. Aber auch ihr Vater wurde in einen Jagdvogel verwandelt, der sie nun auf ewig verfolgt. 25
Quam pater ut vidit (nam iam pendebat in aura et modo factus erat fulvis haliaeetus alis), ibat, ut haerentem rostro laceraret adunco. Illa metu puppim dimisit, et aura cadentem sustinuisse levi, ne tangeret aequora, visa est; pluma fuit: plumis in avem mutata vocatur ciris et a tonso est hoc nomen adepta capillo. (Ovid, Metamorphosen, Liber octavus, Z. 145-151.) 1 2
1 Ovidus Naso, Publius, Metamorphosen, hrsg. und übers. von Erich Rösch, Sammlung Tusculum, München 1992, S. 282.
2 Tusculum-Übersetzung (S.283): „Als ihr Vater sie sah - er schwebte da schon in den Lüften, war so eben geworden zum braungeflügelten Seeaar - will er die Hängende dort mit dem hakigen
Konrad Maas
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Ich werde in dieser Arbeit versuchen die Textstelle grammatisch zu analysieren und Anspielungen auf Mythen erläutern, um als Ergebnis eine möglichst den Sinn treffende Übersetzung zu liefern. Im Folgenden stelle ich zunächst den Text und eine von mir selbst angefertigte Übersetzung vor. Anschließend kommentiere ich, kleineren Sinneinheiten folgend, die Textausschnitte und begründe meine Übersetzung. 5
Text und Übersetzung
Musenanruf, Zeilen 92 bis 100 3 10
deponunt flores aut suave rubens narcissus 15
20 Anmerkungen zum Text:
Der hier abgedruckte Text entspricht der Oxfordausgabe. Dort ist in Zeile 92 cocos in Cruces gedruckt. Ich habe mich entschlossen bei meiner Textbearbeitung die Konjunktur caecos zu nehmen. Die Begründung führe ich meinem ausführlichen Kommentar an. Auch ist die Stelle mit caecos im Thesaurus Linguae Latinae belegt. 4 25
Die zweite Stelle in Zeile 94, die durch Cruces gekennzeichnet ist, lasse ich in ihrem Wortlaut altaria stehen. Auch hier gibt es wieder eine Belegstelle im Thesaurus Linguae Latinae. 5
Schnabel zerfleischen - Angstvoll ließ sie das Heck los, doch es schien die Lüfte leicht sie zu tragen, so dass sie das Wasser nicht mehr berührte, Flaum ist´s gewesen! Gehüllt in Flaum, zum Vogel geworden, heißt sie nun „Schere“ darum, weil ab sie geschnitten das Haupthaar.“
3 Ciris, Appendix Vergiliana, hrsg. von: W. V. Clausen, F. R. D. Goodyear, E. J. Kenney, J. A. Richmond, Oxford 1966, S. 105.
4 Burger, s.v. caecus, II B, im Thesaurus Linguae Lantinae, Vol. III (1907), Sp. 46.
5 Plenkers, s.v. altaria, I, im: ThLL, Vol. I (1900), Sp. 1726.
Konrad Maas
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Übersetzung:
und auch schmückt mit ewiger Ehre das neue Schriftwerk. 10
Kommentare zu den einzelnen Sinneinheiten
Z. 92 quare
Dies ist eine konklusive Konjunktion. 6 Sie drückt die Folge aus und ist in diesem Satzgefüge 15
auf den Relativsatz, in welchem der Dichter über sein Vorhaben spricht, zu beziehen. Er will die Musen anrufen und hat schon früher von ihnen Unterstützung erlangt. Quare leitet nun die Folge mit kausalem Sinn ein. Weil er schon in früheren Zeiten Inspiration bekommen hat, wünscht er sie nun erneut zu erlangen. Der kausale Sinn wird von Menge mit den Übersetzungen und daher, und deshalb widergegeben. Im Leumann-Hoffmann-Szantyr steht, 20
dass quare als konklusiver Partikel mit kausalem Sinn auch in Verbindung mit igitur oder ideo 7 stehen kann. Zum besseren Verständnis ist die Entwicklung von quare zu betrachten. Eine Wortverschmelzung aus qua und re. 8 Das re steht dabei im abl. instr., ganz speziell im abl. causae. 9
Lyne gibt in seinem Kommentar zwei Stellen an, in denen das quare in ähnlicher Bedeutung 25
verwendet worden ist. Quare, Pierii laticis decus, ite, sorores / Naides, (Culex 18) quare … / … mi cupido. (Catull 107.3f.) 10
Z. 92-93 quae cantus meditanti mittere caecos magna mihi cupido tribuistis praemia
6 Menge, Hermann, Lehrbuch der lateinischen Syntax und Semantik, Darmstadt 2000, §441,8.
7 Leumann-Hoffmann-Szantyr, Lateinische Grammatik, Lateinische Syntax und Stilistik Bd. II, München 1965, S. 525.
8 Leumann-Hoffmann-Szantyr, Lateinische Grammatik, Lateinische Laut- und Formenlehre, Bd. I, München 1977, S. 279.
9 LHS, Bd. II, S. 133. Konrad Maas
Arbeit zitieren:
Konrad Maas, 2004, Die Ciris: Der Musenanruf Zeile 92-100, Appendix Vergiliana, München, GRIN Verlag GmbH
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