Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Text mit kritischem Apparat 4
3. Hauptteil 5
3.1 Analyse der Textstelle 5
3.2 Juristische Reflexionen in Livius Text auf seine Gegenwart 10
3.3 Livius´ Verhältnis zu Augustus 13
3.4 Ein Vergleich von Livius Erzählstruktur und der römischen Komödie 16
4. Ergebnis: Die Übersetzung 19
5. Fazit 19
6. Bibliographie 21
Konrad Maas 2
1. Einleitung
Livius verknüpft als Autor die römische Geschichte mit literarischem Können, um seine eigenen Ansichten zu präsentieren. Sein Ziel ist nicht nur die Präsentation der historischen Ereignisse, sondern die Emotionalisierung der Leser für die Tugenden, die der Republik entsprechen.
Die Lebensdaten Titus Livius sind umstritten. Laut Hieronymus wurde er wahrscheinlich 59 v. Chr. geboren; Anderen Quellen zufolge 64 v. Chr.. Folgt man der Annahme Hieronymus und Suetons, starb er im Alter von 75 Jahren. 1 Sein Heimatort war Patavia, das heutige Padua, welches dem Mythos nach durch Antenor noch vor Rom gegründet worden ist. 2
In seinem bedeutenden Werk Ab urbe condita beschreibt Livius die Geschichte Roms von seiner mythischen Gründung bis zum Tod von Drusus dem Älteren im Jahre 9 v. Chr.. Insgesamt schreibt Livius in den Jahren von 25 v. Chr. bis 17 n. Chr. 142 Bücher. Seine ersten fünf Bücher dürfte Livius im Jahre 25 v. Chr. veröffentlicht haben. Im liber I beginnt er mit dem Untergang Trojas und Aeneas´ Reise, der Gründung Roms durch Romulus und die darauf folgende Königszeit. Mit dem Ende des liber I und dem liber II beschreibt er dann den Wechsel zur Republik. Der letzte König Tarquinius Superbus wurde durch den Konsul Brutus in einem Bür-geraufstand aus der Stadt vertrieben. Das zweite Buch beginnt nun mit den ersten Problemen für die junge Republik. Die Bürger hegten ein starkes Misstrauen gegen die ehemalige Königsfamilie der Tarquinier und erreichten, dass diese aus der Stadt verbannt wurde. Jeder erwartete danach einen Krieg, da der Familienbesitz enteignet werden sollte. Die Tarquinier aber sannen durch List die Republik zu stürzen, um erneut einen König einsetzen zu können. Im Zentrum dieser Verschwörung standen die jungen Söhne des Adels, allen voran die zwei Söhne des Konsuls Brutus. In dem Abschnitt der Sätze 2-4 aus dem dritten Kapitel des zweiten Buches schildert Livius diese adulescentes und gibt in einer oratio obliqua ihre Argumentation für einen König und gegen einen Rechtsstaat, wie die Republik, wieder. Diese Stelle ist von besonderem Interesse, da sie den inneren Konflikt der Römischen Aristokratie am Vorabend des Prinzipats widerspiegelt. Es sind die Gesetze - das Fundament der Republik -, die ihrem egalitären Charakter zuwider einem Regenten untergeordnet werden.
1 Fuhrmann, Manfred; Schmidt, Peter L., s. v. Livius, III 2, in: DNP, vol. 7, Stuttgart 1999, Sp.
377-382.
2 Vgl. (Liv. 1,1,1-3).
Konrad Maas 3
Ob die Verschwörung gegen die Republik vor allem gravierend ist, da sie von der Jugend, also von der eigenen Zukunft der Republik, getragen wurde, soll hier die zentrale Fragestellung für die folgende Untersuchung sein. Außerdem will ich die These untersuchen, dass Livius für seine Erzählung Elemente des Dramas bzw. der Tragödie und Komödie benutzt, um seine Intention, die Vermittlung von für ihn guten Werten, zu intensivieren. Als erstes will ich mich der Analyse der Textstelle zuwenden. Für eine umfassendere Interpretation werde ich auch anderen Stellen des Textes des liber II von Livius betrachten.
2. Text aus der Oxfordausgabe mit Erläuterungen zum kritischen Apparat Titius Livius, ab urbe condita, liber II, 3, 2-4 3
Erant in Romania iuuentute adulescentes aliquot, nec ii tenui loco orti, quorum in regno libido solutior fuerat, aequales sodalesque adulescentium Tarquiniorum, adsueti more regio uiuere. Eam tum, aequato iure omnium, licentiam quaerentes, libertatem aliorum in suam uertisse seruitutem inter se conquerebantur: regem hominem esse, a quo impetres, ubi ius, ubi iniuria opus sit; esse gratiae locum, esse beneficio; et irasci et ignoscere posse; inter amicum atque inimicum discrimen nosse; leges rem surdam, inexorabilem esse, salubriorem melioremque inopi quam potenti; nihil laxamenti nec ueniae habere, si modum excesseris; periculosum esse in tot humanis erroribus sola innocentia uiuere.
Kritischer Apparat
Als Textgrundlage verwende ich die gedruckte Oxford-Ausgabe. Im kritischen Apparat gab es vier Anmerkungen zu der Textstelle. In Satz Zwei ist in einer editio aus Rom 1469 ein ii im Gegensatz zum hi des consensus codicum Symmachianorum eingesetzt worden. Ich werde das ii beibehalten, da meiner Meinung nach zwischen den zwei Demonstrativpronomina kein hier relevanter Unterschied besteht. 4 Im dritten Satz wurde das regem bei regem hominum esse im codex Mediceus ausgelassen, jedoch blieb es im consensus codicum Harleiani, Einsiedlensis, Oxoniensis, Parisiensis und Upsaliensis erhalten. Der Beibehaltung von regem will ich mich an-
3 TitiusLivius, Ab urbe condita, libri I-V, Oxford 1974, S. 79.
4 Vgl. Kühner, Raphael; Holzweissig, Friedrich, s.v. Paradigmen der Demonstrativpronomi-
na, §132; §133; §136, in: Ebd. , Ausführliche Grammatik der Lateinischen Sprache, Erster
2 Teil: Elementar-, Formen-, und Wortlehre, Darmstadt 1994 , S. 588-602. Konrad Maas 4
schließen, da der doppelte Akkusativ in der oratio obliqua den doppelten Nominativ mit esse ersetzt. 5
Im vierten Satz setzt im consensus der ebengenanten codices leges im Gegensatz zu lege im codex Mediceus. Auch hier habe ich mich entschlossen leges stehen zu lassen, da die AcI-Struktur mit esse besser passt als ein Ablativ. Die letzte Anmerkung ist auch in Satz vier, wo der codex Mediceus esse weglässt. Zwar kann man esse in einer Ellipse weg lassen, aber diese ist obligatorisch und ich schließe mich ihr in diesem Fall nicht an. 6
3. Hauptteil: Analyse und Interpretation
3.1 Analyse der Textstelle:
Livius widmete sich bei seinem Werk dem Topos der annales. Er erzählt die römische Geschichte in chronologischer Reihenfolge, durchbricht dieses Schema aber immer wieder, um kleine Episoden einzufügen. 7 Er erzählt unter anderem Mythen, die in der römischen Tradition ein fester Bestandteil der eigenen Geschichte waren. 8 Livius´ eigenes Ziel ist die Vermittlung von in seinen Augen richtigen Werten. Diese werden wiederum durch Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten der römischen Geschichte nebst ihrer Handlungsmotivationen verkörpert. Sie sollten Vorbilder sein. … ad illa mihi pro se quisque acriter intendant animum, quae uita, qui mores fuerint, per quos uiros quibusque artibus domi militaeque et partum et auctum imperium sit; … (Liv., 1, praefatio, 9).
Livius beschreibt die adulescentes, welche an der Verschwörung für die Wiedereinsetzung eines Königs teilnehmen. Er beginnt mit erant, dem klassischen Anfang einer Erzählung. 9 Auch das gewählte Tempus Imperfekt unterstützt den Charakter eines Narrativ. 10
5 Vgl. Kühner, Raphael, Stegmann, Carl, s. v. Kopulaartige Verben, §6 A3, in: Ebd., Aus-
führliche Grammatik der Lateinischen Sprache, zweiter Teil: Satzlehre, Erster Band, Hanno-
5 ver 1992 , S. 15ff..
6 Vgl. Kühner, Stegmann, s. v. Ellipse des Verbs esse, $ 5, in: Ebd. Zweiter teil, Erster Band,
1992, S. 10-15.
7 Vgl. Burck, Erich, Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992, S. 50-59.
8 Dahlheim, Werner, Die griechisch-römische Antike, Stadt und Imperium: Die Geschichte
3 Roms und seines Weltreiches, Bd. 2, Paderborn 1997 , S. 17-33.
9 Vgl. Oglivie, R. M., A Commentary on Livy, Books 1-5, Oxford 1965, S. 243.
10 Leumann- Hoffmann-Szantyr, s. v. Imperfekt, §176-177, in: Ebd., Lateinische Grammatik,
Bd. II, Lateinische Syntax und Stilistik, München 1965, S. 315-317. Konrad Maas 5
In einem zweiten Teil gibt Livius ihre Argumentation in einer oratio obliqua wieder. Die ganze Stelle soll dem Leser als Hintergrundinformation für die späteren Ereignisse dienen. 11 Das Thema wird sogleich mit … per dolum ac proditionem prope libertas amissa est? (Liv., 2, 3, 1) angegeben. Mit List und Betrug soll die Republik durch eine Verschwörung gestürzt werden. Thomas Baier hat in seiner Untersuchung der gleichen Textstelle die zentralen Begriffe, der libertas, coniuratio und adulescentes herausgestellt. 12 Diese sollen auch in der folgenden Bearbeitung Diskussions-gegenstand sein.
Oglivie stellt zu dem Übergang von liber I zu II einen stilistischen Wechsel in der Sprache fest. Während noch im liber I ein archaischer Sprachgebrauch vorherrscht, um die lang vergangene Zeit der Gründung Roms und der Königsdynastie zu unterstreichen, beschreibt Livius nun im liber II ein Geschehen, das Parallelen zu seiner eigenen Gegenwart aufweist, was sich in einem zeitgemäßeren Stil niederschlägt. Wie zum Beispiel tenui loco orti, welches auch bei Cicero in der Rede pro S. Roscio 50 verwendet wird. 13 Tenui loco orti selbst meint dabei die Abstammung von geringer Herkunft, die auch durch den Ablativus originis dargestellt wird. 14 Mit nec und der doppelten Negation wird der Fakt unterstrichen, dass die adulescentes aus den vornehmsten Familien kamen. Tenuis bezeichnet hier die Qualität des Standes und der Herkunft, welche das OLD mit inconsiderable in respect of wealth, etc. humble, poor angibt. 15 Loco bezeichnet hier die Position oder den Rang innerhalb der Gesellschaft 16 und oriri meint die speziellen Bedingungen unter denen man geboren wurde: Also in diesem Zusammenhang die Abstammung von niedriger Geburt. 17 Die Beschreibung der jungen Männer dominiert der Satz adsueti more regio vivere (Liv., 2, 3, 2). 18 Besonders das Wort regio musste zu Zeiten Livius´ als negativer Reiz gedient haben. Das römische Imperium stand an der Wende von der Republik zum Prinzipat von Caesar und Augustus. Die Wortfamilie um rex und regnum war
11 Dodell, Monika, Die Idee der Freiheit bei Livius, Eine Unterrichtseinheit mit Livius 2,1 und
2, 3-5 sowie Parallel- und Rezeptionstexten, in: (Hrsg.) Joachim Gruber, Auxilia, Unterrichts-
hilfen für den Lateinlehrer, Bamberg 1995, S. 59.
12 Baier, Thomas, Ein Kommentar zum Rechtsdenken der ausgehenden Republik (Liv. 2,3,2-
4), in: (Hrsg.) Ulrich Eigler, Ulrich Gotter, Nino Luraghi und Uwe Walter, Formen römischer
Geschichtsschreibung von den Anfängen bis Livius, Gattungen - Autoren - Kontexte, Darm-
stadt 2003, S. 235.
13 Oglivie, 1965, S. 243.
14 Vgl. Menge, Hermann, Lehrbuch der Lateinischen Syntax und Semantik, Darmstadt, 2000,
§ 365.
15 Vgl. OLD, s. v., tenuis,10 b, S. 1922.
16 Vgl. OLD, s. v. locus, 17, S. 1040.
17 Vgl. OLD, s. v. orior, 7a b, S. 1269.
18 Baier, 2003, S. 236.
Konrad Maas 6
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Konrad Maas, 2004, Die erste Verschwörung gegen die neue Republik oder die Jugend im Bann der Licentia!, München, GRIN Verlag GmbH
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