Einleitung:
In der folgenden Arbeit soll die Schlusssequenz (von Minute 02.03.26 bis 02.06.42) des Films „Das Leben der Anderen“ aus dem Jahr 2006 von Florian Henckel von Donnersmarck bearbeitet und analysiert werden. Es wird betrachtet, welche filmischen Mittel eingesetzt werden und welche Wirkung sie auf den Zuschauer haben. Zudem soll die Bedeutung der Schlusssequenz für die Aussage des Films ermittelt und in einen Gesamtkontext gebracht werden.
In einem ersten Schritt wird der Handlungsaufbau dieser Sequenz analysiert. Es wird insbesondere auf die verschiedenen Kameraeinstellungen eingegangen und welche Bedeutung diese haben. Wie die in der Szene handelnden Personen und ihre Mimik und Gestik gezeigt werden. Wie ihre Umgebung in Szene gesetzt wird und die in der Sequenz vorherrschende Atmosphäre betont und mit welchen filmischen Mitteln das unterstützt wird. Dabei werden Einstellungsgrößen, Kamerabewegung und Perspektiven näher betrachtet und analysiert.
Anschließend wird auf die Farbgestaltung dieser Szene eingegangen. Es wird ermittelt welche Farben dominant verwendet werden und welche Stimmung dadurch unterstrichen wird. Wie die Umgebung und die Hauptpersonen farblich gestaltet sind und welche symbolische Bedeutung das hat.
Zum Abschluss dieser Arbeit wird die Tonebene der Filmsequenz analysiert. Es wird untersucht, welche der drei Tonebenen (Sprache, Geräusche, Musik) in der Sequenz dominiert und wie dadurch die filmische Atmosphäre beeinflusst wird. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Gefühlserzäugung durch den Einsatz von Musik gelegt werden. In der Schlussbetrachtung wird noch mal explizit auf die Wichtigkeit der Schlusssequenz für den Film eingegangen und wie sie den Film zufriedenstellend abrundet und beendet.
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Handlungsaufbau:
Georg Dreyman sitzt auf der Rückbank eines Autos. Erst wenige Szenen zuvor ist ihm bewusst geworden, dass er noch zu DDR Zeiten von der Staatssicherheit beobachtet wurde, jedoch aufgrund eines Mitarbeiters der Staatssicherheit, der ihn gedeckt hat, nicht verhaftet wurde, obwohl er heimlich Texte für das Westdeutsche Magazin „Spiegel“ verfasst hat. Er blickt melancholisch, fast apathisch aus dem geschlossenen Autofenster. Er ist distanziert, isoliert von der Außenwelt, sitzt abgekapselt im Auto, nimmt nur eine Beobachterhaltung ein. Im Autofenster, durch das er hindurchblickt spiegeln sich alte Wohnblöcke. Sie sind heruntergekommen, veraltet, symbolisieren die DDR, ein gescheitertes System, welches wie die Gebäude alt und verkommen ist, der Vergangenheit angehört. Georg Dreyman wird als ein Opfer dieses Systems dargestellt, als gebrochener Mann, ein ehemaliger Künstler der wegen dieses Systems seine große Liebe verloren hat und seitdem nichts mehr geschrieben hat. Dies wird auch durch die Nahe Kameraeinstellung betont. Sie hebt seine Mimik und Gestik hervor, sein unruhiger Gemütszustand wird durch die verschwommene Sicht die der Betrachter auf ihn hat unterstützt. Man sieht ihn nur durch die Autofensterscheibe, in der die Gebäude gespiegelt werden. Der Zuschauer sieht zum einen ihn, zum anderen auch, die Sicht, die Georg Dreyman auf seine Umgebung hat. Dadurch findet ein Identifikationsmoment zwischen Zuschauer und der fiktiven Person statt.
Gerd Wiesler ist nun zu sehen. Die zwei Personen sind sich im Verlauf des Films noch nicht begegnet. Er verteilt Werbeprospekte, seine neue Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland. Dadurch wird dem Zuschauer bewusst, dass seine berufliche Karriere zerstört wurde, da er Georg Dreyman noch zu Stasi Zeiten geholfen hat. Die Kamera zeigt, wie er mit großer Sorgfalt seiner Arbeit nachgeht, so wie er es zu Zeiten seines Stasi- Dienstes immer getan hatte. Er wirft einen Werbeprospekt nach dem anderen in die alten, hölzernen Briefkästen. Er ist ein Teil dieser verkommenen Umgebung, in der er sich befindet. Während er auf der Straße läuft, zeigt ihn die Kamera in der Totalen. Seine Umgebung wird sichtbar. Es ist die gleiche, die Georg Dreyman durch das Autofenster beobachtet. Heruntergekommene Gebäude, Graffiti an den Wänden, zerbrochene Lichter und Säulen, Moos an den Hauswänden. Im
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Gegensatz du Georg Dreyman ist Gerd Wiesler allerdings Teil dieser Umgebung. Er befindet sich in ihr, geht dennoch seinen Weg, die Kamera folgt ihm von hinten, Menschen kommen ihm entgegen und dennoch lässt er sich nicht von seiner Arbeit abbringen. Das betont seinen starken Willen und sein Durchhaltevermögen, die ihm auch in der Vergangenheit geholfen haben, sich durchzusetzen.
Beide Männer gehen unabhängig voneinander ihren Weg, handeln unabhängig voneinander es gibt zwei verschiedene Handlungsstränge, Im einen wird der Zustand von Georg Dreyman gezeigt, wie er im Auto fährt und seine Umgebung beobachtet und im anderen, Gerd Wiesler, wie er im Alltag seine Arbeit erledigt. Die beiden haben nichts miteinander zu tun, bis Georg Dreyman durch sein Autofenster Gerd Wiesler erblickt, was durch seine erstaunte Mimik gezeigt wird.
Georg Dreyman sagt dem Taxifahrer, dass er anhalten soll und kurbelt das Autofenster herunter. Die distanzierte Position, die er bis dahin aufgebaut hatte, löst sich teilweise auf. Die Einstellungsgröße ist Nah und man kann seine Mimik und Gestik wieder klar erkennen. Er ist wie vorhin durch die Scheibe und die Spiegelung verschwommen zu sehen, allerdings ist nun seine Augenpartie nicht mehr von der Autoscheibe verdeckt, wegen des teilweise heruntergekurbelten Fensters. Die Augen, werden als ein Symbol der Wachsamkeit und Allwissenheit gezeigt, da er Gerd Wiesler erblickt hat und weiß, was dieser Mann alles für ihn getan hat. Er beginnt an dem was außerhalb des Autos passiert teilzuhaben während er Gerd Wiesler beobachtet, der weiterhin seiner Arbeit nachgeht. Die Kamera zeigt ihn aus der Totalen, entfernt so wie ihn auch Georg Dreyman sieht. Sie nimmt die Sicht des Betrachters ein. Gerd Wiesler weiß nicht, dass er von Georg Dreyman beobachtet wird und setzt ungestört seinen tristen Alltag fort, was durch die heruntergekommene Umgebung um ihn herum untermalt wird. Georg Dreyman steigt aus dem Auto heraus. Er wird nicht mehr verschwommen gezeigt, sondern ist klar und deutlich zu erkennen. Er steht im Mittelpunkt des Bildes, die Umgebung um ihn herum wird verschwommen gezeigt und wird dadurch vom Rezipienten ausgeblendet. Nur er ist in dem Moment wichtig. Er blickt über die Kamera hinweg starr nach vorne, die ihn Nah und aus einer leicht untersichtigen Perspektive zeigt, was darauf schließen lässt, dass er
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Gerd Wiesler beobachtet. Er geht sogar ein paar Schritte nach vorne, was sein Motiv andeutet, zu ihm gehen und ihn anzusprechen um sich wahrscheinlich für alles bedanken zu bedanken, was Gerd Wiesler ohne sein Wissen für ihn getan hat. Sobald er seinen Blick nach unten senkt wird aber deutlich, dass er sich psychisch nicht in der Lage fühlt, herüber zu gehen, dass er diese Distanz nicht brechen kann. Er wendet sich ab. Die Nahe Kameraeinstellung zeigt genau seine Mimik und Gestik, dadurch wird die innere Befindlichkeit von Georg Dreyman ausgedrückt und Empathie beim Zuschauer erzeugt, der sich in dem Moment mit der Figur von Georg Dreyman identifiziert. Die Kamera zeigt nun wieder Gerd Wiesler aus der Totalen, der Zuschauer merkt, dass er sich der Tatsache, dass er beobachtet wird immer noch nicht bewusst ist. Die Kamera bleibt statisch und er entfernt sich immer mehr von ihr, schafft unbewusst Distanz zwischen sich und Georg Dreyman. Dadurch wird gezeigt, dass eine Begegnung zwischen den beiden Figuren nicht stattfinden kann, obwohl sie so viel miteinander verbindet. Diese Verbindung hebt die Kamera hervor, indem sie wieder auf Georg Dreyman zeigt, der ins Auto steigt und sich wieder von der Außenwelt abgrenzt. Die Fensterscheibe ist wieder verschlossen, er ist wie kurz zuvor nur verschwommen zu erkennen. Im Fenster spiegeln sich wieder die alten Gebäude, in denen Gerd Wiesler Werbeprospekte verteilt. Dadurch wird erneut betont, dass sich die beiden Männer nicht begegnen werden. Die Kamera übernimmt den Blick von Georg Dreyman, der Gerd Wiesler beobachtet, während das Auto losfährt. Die Kamera zeigt ihn erst von hinten, wie er die Straße entlangläuft, dann wird er von ihr überholt und Georg Dreyman wird wieder gezeigt, wie er Gerd Wiesler mit seinem Blick verfolgt, zu ihm zurückblickt. Die Kamera zeigt in Rückwärtsfahrt wieder auf Gerd Wiesler, der immer kleiner wird, sich immer weiter entfernt. Und zum Schluss wieder auf Georg Dreyman, der Gerd Wiesler aus den Augen verloren hat und nun nach vorne blickt. Zwischen den beiden Männern gibt es eine starke Verbindung, welche die Kamera betont, indem sie in kurzen Einstellungen immer wieder von einem zum anderen zeigt. Es wird hervorgehoben, wie nah sich die Männer stehen, dass sie nur wenige Meter voneinander trennen, dass eine Begegnung dennoch nicht stattfinden kann. Georg Dreyman bleibt in seiner Beobachterrolle, wird von der Kamera immer in Nahaufnahme gezeigt, um seinen seelischen
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Arbeit zitieren:
Sabine Kessel, 2008, Filmanalyse: Das Leben der Anderen, München, GRIN Verlag GmbH
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