Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Ursachen und Ziele der Arbeitskräftewanderung 3
2.1. Deckung von Spitzenbedarf Gastarbeiter in der BRD 4
2.2. Hilfe beim Aufbau des Sozialismus Arbeitsmigranten in der DDR 5
2.3. Fazit 6
3. Arbeitsbedingungen 7
3.1. Hohes Risiko und wenig Chancen Migranten in Westdeutschland 7
3.2. Schichtarbeit als Freundschaftsdienst für die DDR 8
3.3. Fazit 10
4. Unterbringung 10
4.1. BRD Kasernierung und Profit 11
4.2. DDR Segregation in Werkswohnungen 12
4.3. Fazit 13
5. Resümee 13
6. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Die Umstände, unter denen Arbeitsmigranten in der Deutschen Demokratischen Republik und in der Bundesrepublik Deutschland lebten und arbeiteten, werden von der Öffentlichkeit oft als sehr verschieden wahrgenommen. Auf der einen Seite steht ein totalitäres System, dass den Migranten nur einen kurzen aber arbeitsintensiven Aufenthalt unter dem ideologischen Deckmantel des „sozialistischen Aufbaus“ gewährte und sie nach getaner Arbeit bedingungslos in ihre Heimat zurückschickte. Auf der anderen Seite die freie BRD, Traumland für viele Arbeitsmigranten. Hier wurden Arbeitskräfte gebraucht, es wurde „ordentlich“ bezahlt, es existierten schon Netzwerke von ausländischen Arbeitern und von der Anreise über den Wohnheimplatz bis zur eigentlichen Arbeitsstelle war alles geregelt. Wer dann ersteinmal den Fuß in der Tür hatte, konnte sich vom Ersparten eine eigene Existenz aufbauen und die Familie nachholen.
Wie ich in der vorliegenden Arbeit zeigen möchte, waren aber trotz der eminenten Systemdifferenzen zwischen DDR und BRD weder die Gründe für die Anwerbung von Arbeitsmigranten, noch die Bedingungen unter denen sie im „Gastland“ lebten völlig unterschiedlich. Genauer eingehen möchte ich dabei – nach einem historischen Abriss der Migrationsgeschichte in den beiden Staaten – auf Arbeitsbedingungen und Wohnsituation der Migranten. Es soll vergleichend dargestellt werden, wie sich die Lebens- und Arbeitsumstände gestalteten und welche Rolle das jeweilige politische und wirtschaftliche System dabei spielte. Ich beziehe mich bei der Gegenüberstellung vornehmlich auf den Zeitraum der aktiven Anwerbung von Arbeitsmigranten, der in der BRD von 1955 bis 1973 und in der DDR von 1957 bis 1989 anzusetzen ist.
2. Ursachen und Ziele der Arbeitskräftewanderung
Um die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migranten sowohl in der BRD als auch in der DDR untersuchen zu können, ist es notwendig, sich den Gründen der Arbeitskräftewanderung und den Zielen, die Regierungen, Wirtschaft und die Migranten selbst mit den Wanderungen verbanden, zuzuwenden.
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2.1. Deckung von Spitzenbedarf – „Gastarbeiter“ in der BRD
Mit dem wachsenden Wohlstand der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft stieg auch ihr Arbeitskräftebedarf, das „Wirtschaftswunder“ brauchte Arbeiter, die aufgrund des strukturellen und regionalen Arbeitskräftemangels in der BRD jedoch kaum noch zu finden waren. Dieses Problem wurde verschärft durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht 1957 sowie die wieder anlaufende Rüstungsproduktion; der Zustrom von Vertriebenen und DDR- Bürgern konnte den Mangel nicht ausgleichen. Zwar konnte von Vollbeschäftigung keine Rede sein, aber inländische Erwerbssuchende konnten es sich nun leisten, harte körperliche und gering bezahlte Tätigkeiten abzulehnen, darüber hinaus befürchtete das Wirtschaftsministerium unter dem späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard, dass Betriebe untereinander in Konkurrenz treten und verstärkt Lohnzugeständnisse an die verbliebenen potentiellen Arbeitskräfte machen müssten.
Deshalb begann die Bundesrepublik in den 1950er-Jahren, mit dem Argument, der Bedarf an Arbeitskräften wäre mit anderen Mitteln nicht mehr zu decken, so genannte „Gastarbeiter“ aus südosteuropäischen Ländern anzuwerben. Gedacht war diese Maßnahme zur kurzfristigen Überbrückung der Knappheit an Arbeitern, ein entsprechendes Anwerbeabkommen wurde 1955 mit Italien, später u.a. mit Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Portugal (1964) und Jugoslawien (1968) geschlossen. 1950 lebten 72 000 ausländische Arbeitskräfte in Westdeutschland, 1959 waren es bereits 166 000 und 1966 1,3 Mio. 1 Ein wichtiger Grund für die aktivere Anwerbung zu Beginn der 1960er-Jahre war der Mauerbau 1961, der den Zuzug ostdeutscher Arbeiter unterband. Daneben machten sich demographische Entwicklungen in der deutschen Bevölkerung bemerkbar, die zum starken Rückgang der Erwerbstätigenzahlen führten. Gründe hierfür waren die geburtsschwachen Kriegsjahrgänge, die Senkung der Wochenarbeitszeit und des Rentenalters sowie eine längere Ausbildungszeit. 1973 lebten 4 Mio. ausländische Bürger in der BRD, davon waren 2,6 Mio. beschäftigt. Gegen Ende der 1960er- Jahre verlor das Rotationsprinzip, das die Rückkehr der Gastarbeiter in ihre Herkunftsländer beinhaltete, an Akzeptanz und wurde seltener durchgesetzt. Aufenthaltsgenehmigungen konnten nun leichter erreicht werden und es kam häufiger zum Familiennachzug.
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Münz, Rainer; Seifert, Wolfgang; Ulrich, Ralf: Zuwanderung nach Deutschland, S.43
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Das Wirtschaftswachstum setzte sich jedoch nicht wie erwartet fort, der Ölpreis erreichte 1973 ungeahnte Höhen, es kam zur Rezession. Arbeitsmigranten wurden plötzlich als ökonomische Gefahr gesehen und die Bundesregierung verhängte einen Anwerbestopp. In den folgenden Jahren sank die Zahl der ausländischen Erwerbstätigen auf 1,8 Mio. (1979), die Zahl der in der BRD wohnenden Ausländer stieg dagegen – auch bedingt durch den Familiennachzug - auf 4,7 Mio. Der als restriktive Maßnahme gedachte Anwerbestopp trug dazu bei, aus der fluktuierenden Menge der Arbeiter auf Zeit eine feste Einwandererminorität zu formen.
Die Pull-Faktoren – also die Gründe dafür, dass über Jahrzehnte hinweg Millionen von ausländischen Arbeitssuchenden gerade Westdeutschland zu ihrer neuen Heimat machten – beinhalteten vor allem, dass im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern ein großes, wenn auch nicht vielfältiges Stellenangebot vorhanden war, die Anwerbestellen den Migranten die aufwändige Arbeitssuche vor Ort abnahmen und die Bezahlung, jedenfalls im Vergleich zu den Heimatländern, relativ hoch war. Als Push-Faktoren, d.h. die Umstände, die Migranten zum Verlassen ihrer Herkunftsländer motivierten, sind Krisen der heimatlichen Wirtschaft, in manchen Fällen auch politische Instabilität oder gar Verfolgungen zu nennen.
2.2. Hilfe beim Aufbau des Sozialismus – Arbeitsmigranten in der DDR
Auch die DDR hatte in den 50er-Jahren mit einem Mangel an Arbeitskräften zu kämpfen. Dieser ergab sich hauptsächlich aus der Emigration von DDR-Bürgern, bis zum Mauerbau 1961 war der Wanderungsverlust mehr als doppelt so hoch wie der natürliche Bevölkerungszuwachs. Des Weiteren erhöhte sich das Ausbildungsniveau der ostdeutschen Bevölkerung, so dass sich kaum noch Arbeiter für gering-bezahlte und unqualifizierte Tätigkeiten fanden. Aus diesen Gründen änderte sich die wegen der negativ besetzten Beispiele – die „Gastarbeiter“ in der BRD und „Fremdarbeiter“ im Nationalsozialismus“ – anfangs ablehnende Haltung der DDR-Regierung gegenüber ausländischen Arbeitern und 1957 kam es mit der VR Polen zum ersten bilateralen Vertrag zum Arbeitskräfteaustausch. Es folgten Abkommen mit anderen sozialistischen Ländern, 1989 waren Arbeiter u.a. aus Vietnam (60 000), Polen (52 000) Mosambik (16 000), der Sowjetunion (15 000), Ungarn (13 000) und Kuba (8000) in der DDR tätig. Die Gesamtzahl der Ausländer in Ostdeutschland lag mit 191 000 (1% der erwerbstätigen Bevölkerung) deutlich unter dem Niveau der BRD, trotzdem kam der DDR die Führungsrolle bei der
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Sebastian Heinrich, 2005, "Gastarbeiter" in BRD und DDR, Munich, GRIN Publishing GmbH
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