Inhalt
Vorwort
Seite 9
Calamity Jane
Die Scharfschützin
aus dem Wilden Westen
Seite 11
Katharina Tekakwitha
Die erste
selige Indianerin
Seite 17
Lozen
Die tapfere Kriegerin
der Apachen
Seite 23
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Vorwort
W enn der Begriff „Wilder Westen“ fällt, denkt man
meistens an mehr oder minder tapfere Männer wie indianische Häuptlinge, Krieger, Medizinmänner oder weiße Pioniere, Farmer, Jäger, Soldaten, Sheriffs und Revolverhelden. Von tüchtigen Frauen ist in dieser Welt, in der Gewalt oft eine große und traurige Rolle spielte, weniger die Rede.
Doch in Wirklichkeit haben im Wilden Westen auch
zahlreiche Frauen „mutig ihren Mann gestanden“ und
manchmal sogar – wie die Meisterschützin Annie Oakley
– Mitglieder des angeblich „starken Geschlechts“
übertroffen. Darauf weist das Taschenbuch „Superfrauen
aus dem Wilden Westen“ in Wort und Bild hin.
Die Biografien der „Superfrauen aus dem Wilden Westen“
stammen mit wenigen Ausnahmen – nämlich Lozen, Mohongo und Queen Betty – aus drei Titeln der insgesamt
14-bändigen Taschenbuchreihe „Superfrauen“ von Ernst
Probst. Nämlich „Superfrauen 1 – Geschichte“, „Super-
frauen2 – Religion“ sowie „Superfrauen 7 – Film und
Theater“.
Als „Superfrauen aus dem Wilden Westen“ werden
vorgestellt: die Scharfschützin Calamity Jane, die selige Katharina Tekakwitha, die Kriegerin Lozen, der Showstar Adah Isaacs Menken, die Sachem-Ehefrau Mohongo, die Meisterschützin Annie Oakley, die Indianer-Prinzessin Pocahontas, die Anführerin Queen Betty, die indianische
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Volksheldin Sacajawea, die „Banditenkönigin“ Belle Starr
und die Zirkuspionierin Agnes Lake Thatcher.
„Wilder Westen“ ist laut Online-Lexikon „Wikipedia“
eine geographisch und historisch grob eingegrenzte Bezeichnung für die ungefähr westlich des Mississipi gelegenen Gebiete der heutigen USA, die in der Pionierzeit des 19. Jahrhunderts noch nicht als Bundesstaaaten der Vereinigten Staaten aufgenommen waren. Lebensdaten über Menschen aus dieser Zeit sind oft nicht bekannt oder zweifelhaft, weil die Grenzen zwischen historischen Fakten, Legendenbildung und frei erfundenden Geschichten vielfach verschwommen sind.
Ernst Probst
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Wilden Westen
E ine der berühmtesten Scharfschützinnen des Wilden
Westens war Martha Jane Canarry (1852–1903), genannt Calamity Jane – zu deutsch: „Katastrophen-Jane“. Laut Legende erhielt sie ihren Spitznamen, weil über jeden Mann, der sie beleidigte, eine Katastrophe hereingebrochen sei. Auf den ersten Blick hielt man diese Frau, die als Schützin, Reiterin und Kundschafterin einen gewissen Ruf genoss, für einen Mann. Denn sie war gekleidet wie die Cowboys, oft auf Pferden unterwegs sowie mit Lasso und Winchester-Karabiner bewaffnet.
Martha Jane Canarry wurde am 1. Mai 1852 als ältestes von sechs Kindern einer gläubigen Pioniersfamilie in Princeton (Missouri) geboren. Um 1863 zog sie mit ihrer Familie westwärts und wuchs in Goldgräberstädten des Wilden Westens auf. 1865 kam sie nach Virginia City (Montana), 1869 nach Cheyenne (Wyoming) und Abilene (Kansas).
Schon im Kindesalter musste Martha Jane kräftig mit anpacken und lernte den Umgang mit Pferden und Gewehren. 1866 starb ihre Mutter in Black Foot
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(Montana) und 1867 ihr Vater. Fortan hatte sie für sich selbst aufzukommen. In der Folgezeit zog sie allein mit Pferd und Waffe durch die Prärien von Wyoming, Dakota und Montana.
Die junge Frau verdiente ihren Unterhalt durch Gelegenheitsarbeiten und wurde wegen ihres Alkoholkonsums, ihrer männlichen Garderobe und ihres Tabakkauens zur Kuriosität. Zeitweise verlegte sie Eisenbahnschienen für die „Northern Pacific Railrod“, führte Siedlertrecks durch den Wilden Westen, diente als Kundschafterin für die Armee und transportierte die Post zwischen Custer in Montana und Deadwood in South Dakota.
James Butler Hickok
(1837–1876), alias „Wild Bill Hickok“
Laut Legende war Martha Jane Canarry in den Stadtmarshal von Abilene, James Butler Hickok (1837– 1876), genannt „Wild Bill Hickok“, unsterblich verliebt. Jener führte ein abenteuerliches Leben und hatte offenbar wegen einer Angstneurose einen Killerinstinkt: Wenn er fühlte, dass eine Gefahr heraufzog, zog er schnell und sicher seine Pistole und schoss.
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Der Ruhm von „Wild Bill Hickok“ beruhte auf einer großen Lüge. Angeblich hatte er am 12. Juli 1861 in der Postkutschenstation Rock Creek (Nebraska) ganz allein zehn Mörder und Pferdediebe erledigt. Diese erfundene Geschichte unter der Überschrift „Wild Bill“ stand 1867 in der Februarausgabe von „Harper’s Magazine“. Knapp
15 Jahre nach der Tat enthüllte ein Abgeordneter aus
Nebraska bei der Unabhängigkeitsfeier am 4. Juli 1876 die Wahrheit über diesen Vorfall, den man später völlig übertrieben als „Kampf von Rock Creek“ und „McCanles Fight“ darstellte.
Hickok erschoss in Wirklichkeit drei unbewaffnete Männer aus einem Hinterhalt. Seine Opfer waren der Farmer David McCanles und dessen zwei Begleiter. McCanles hatte die Postkutschenstation an die „Overland Stage Company“ verpachtet und wollte die längst überfällige Miete kassieren. Offenbar hatte der Posthalter Horace Wellmann das Geld unterschlagen und sein damaliger Stallbursche Hickok den lästigen Mahner erschossen. Erst 1927 erfuhr man die ganze Wahrheit im „Nebraska History Magazine“.
1869 wurde Hickok als Kurierreiter der Kavallerie bei einer Mission zwischen Fort Lyon und Wallace von Cheyenne-Indianern überfallen, wobei ihn eine Lanze in der Hüfte verwundete und er deswegen wochenlang im Lazarett liegen musste. Nach seiner Genesung arbeitete er als Sheriff von Ellis County, zu der die unruhige Grenzstadt Hays City gehörte. Als er unter fragwürdigen Umständen zwei Männer erschoss, wählte man ihn ab. Im April 1871 wurde „Wild Bill Hickok“ Stadtmarshal von Abilene, das seit 1868 erster Verladebahnhof und Umschlagplatz für die aus dem Süden herangetriebenen
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Rinderherden auf ihrem Weg zu den Schlachthöfen des Nordens war. Der als mehrfacher Killer bekannte Hickok machte den Saloon „Alamo“ zu seinem Amtssitz und sorgte in Abilene für Recht und Ordnung. Im Oktober 1871 erschoss er bei einer Auseinandersetzung, die man später phantasievoll „The Texas Street Battle“ nannte, den Saloonwirt Phil Coe und versehentlich seinen eigenen Hilfssheriff Mike Williams.
In den 1870-er Jahren arbeitete Martha Jane Canarry in Männerkleidung zeitweise in Wyoming als Scout (Kundschafter) für die United States Cavalry (Kavallerie) unter General George Crook (1828–1890). Der Offizier führte viele Feldzüge gegen die Indianer und lernte dabei, seine tapferen Gegner zu achten.
Im Mai 1876 heiratete der 40-jährige und am Grünen Star leidende „Wild Bill Hickok“ in Cheyenne die 50 Jahre alte Zirkus-Prinzipalin Agnes Lake Thatcher (1826–1907, S. 71). Sie hatte sich schon 1871 in Abilene während eines Gastspiels für Hickok interessiert und war gerade von einer erfolgreichen Europatournee zurückgekehrt. Das Paar verbrachte seine Flitterwochen in Cincinnati.
Danach ging Hickok allein nach Deadwood in South Dakota, wo er vermutlich Calamity Jane kennen lernte, die laut Legende seine Kameradin, wenn nicht sogar seine Geliebte oder sogar seine Frau, war. Von Hickok soll angeblich Janes Tochter Janey stammen.
„Wild Bill Hickok“ starb am Nachmittag des 2. August 1876 beim Pokerspiel mit drei alten Freunden in „Nuttall & Mann’s No. 10 Saloon“ in der Goldgräber-Town Deadwood: Ein 25-Jähriger namens Jack McCall (1851– 1877) schoss ihn von hinten in den Kopf. Die Kartenkombination, die Hickok aus der Hand fiel – Pik-
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As, Kreuz-As, zwei schwarze Achter und Karo-Bube – hieß fortan „dead mans’ hand“. McCall wurde am 1. März 1877 wegen dieser Bluttat hingerichtet.
Ein Jahr nach dem Tod von „Wild Bill Hickok“ grassierte 1878 in Deadwood eine Pockenepidemie, während der Calamity Jane – aus heute nicht mehr eruierbaren Gründen – zur Heldin geworden sein soll. In Deadwood befindet sich auch das Grab von „Wild Bill Hickok“, vor dem sich Calamity Jane fotografieren ließ. Als Heroine und Schönheit kam sie in einem Groschenheft über den fiktiven Detektiv „Deadwood Dick“ zu Ehren.
Im August 1885 heiratete Calamity Jane in El Paso (Texas) den Kutschenfahrer Clinton Burk. Am 28. Oktober 1887 brachte sie die Tochter Janey zur Welt. Ihr Ehegatte verließ sie bald wieder, aber sie behielt seinen Namen. Dann gab Mrs. Burk ein kurzes Gastspiel bei Buffalo Bills Wild-West-Show, wo man sie wegen ständiger Trunkenheit feuerte, und zog danach mit der „Palace Museum Show“ durch das Land. Mit Hilfe eines weiblichen Ghostwriters brachte sie ihre vor Erfindungen strotzenden Memoiren „Life and Adventures of Calamity Jane“ (1895) zu Papier. Als Mrs. Burk wegen Trunkenheit und schlechten Benehmens auch bei der „Palace Museum Show“ ihren Job verlor, vagabundierte sie durch den Westen und verkaufte selbst ihre Memoiren. Manchmal sah man sie in einem Bordell, wo sie ihre Liebesdienste anbot, oder trinkend und fluchend in Saloons. Gar nicht selten wurde sie mit Schimpf und Schande aus einer Stadt gejagt.
Am 2. August 1903 starb Calamity Jane im Alter von 51 Jahren in einem Hotelzimmer in Terry bei Deadwood. Wie „Wild Bill Hickok“ wurde auch sie in Deadwood begraben. Ihre Tochter Janey erhielt erst Jahre nach dem
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Tod der Mutter deren während der Wanderschaft geschriebene Briefe. In zahlreichen Wild-West-Filmen ist Jane als Nebenfigur zu sehen, in dem Streifen „Calamity Jane“ (1953) mit Doris Day steht sie im Mittelpunkt der Handlung.
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A ls erste Indianerin, die selig gesprochen wurde, ging
Katharina Tekakwitha (1656–1680), eigentlich Katerí Tekakwitha, in die Geschichte der katholischen Kirche ein. Die tugendhafte junge Frau vom wildesten und grausamsten Stamm der Irokesen, den Mohawks, ließ sich ungeachtet aller Anfeindungen nicht von ihrem christlichen Glauben abbringen. Nach ihrem frühen Tod nannte man sie die „Lilie der Mohawks“. Ihr Gedenktag ist der
17. April.
Katerí Tekakwitha kam im April 1656 als erstes Kind des Kriegshäuptlings Tsonitowa („Großer Biber“) und dessen Frau Kahonta („Wiese“) in der Siedlung Ossernénon – heute Auriesville im US-Bundesstaat New York (USA) – zur Welt. Weil sie geboren wurde, als die Sonne aufging, erhielt sie den Kosenamen „Jorágode“ („Sonnenschein“). Bei den Irokesen gab die Mutter jeweils gleich nach der Geburt ihrem Kind einen Kosenamen. Dieser wurde bis zum siebten oder achten Lebensjahr beibehalten und dann durch einen persönlichen Namen ersetzt, den Mädchen
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gewöhnlich bis zum Tod trugen. Jungen dagegen wechselten den Namen erneut, wenn sie mit 17 oder 18 Jahren in den Kriegerstand traten.
Die Mutter von Katerí gehörte einem Stamm der Algonkin an und hatte mit ihren Eltern in einer Siedlung am Sankt-Lorenz-Strom in Kanada gewohnt. Sie wurde in früher Jugend zur Waise und danach von einer französischen Familie katholisch aufgezogen. Als Zwölfjährige geriet sie bei einem Überfall in die Gewalt der Mohawks, arbeitete als Sklavin im Haushalt des Kriegers, der sie gefangen genommen hatte, und wurde mit 19 Jahren die Frau des Häuptlings Tsonitowa.
1658 schenkte die Mutter der zweijährigen Katerí einem Jungen das Leben. Das Mädchen fand seinen jüngeren Bruder nach seiner Geburt „süß“. Deswegen bekam der Junge den Kosenamen „Otsikéta“ („Zucker“).
1860 starben der Vater, der Bruder und die Mutter von Járagode an Pocken. Auch Járagode selbst litt an dieser Krankheit, wurde jedoch von Anastasia Tegonhadschóngo, einer Freundin ihrer Mutter, gesund gepflegt. Danach trug das Gesicht der Kleinen zahlreiche Pockennarben. Außerdem wurde sie stark kurzsichtig und so empfindlich gegen helles Sonnenlicht, dass sie im Freien ihr Kopftuch über die Stirn zog, um die Augen zu beschatten.
Nach dem Tod ihrer Eltern lebte Jarágode bei ihrem Onkel, dem Krieger Jowanero („Kalter Wind“), der Karitha („Köchin“), die Schwester ihres Vaters, geheiratet hatte. Jowanero wurde neuer Kriegshäuptling und zog mit seiner Frau, seiner verwitweten Schwester Aroson („Eichhörnchen“) und dem zwölfjährigen Waisenkind „Onida“ („Mond“) in Tsonitowas Wigwam.
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Quote paper:
Ernst Probst, 2008, Superfrauen aus dem Wilden Westen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
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