Inhaltsverzeichnis
1 Dresden zu Beginn des 20. Jahrhunderts 3
2 Die Gründung der Künstlergemeinschaft “BRÜCKE 6
2.1 Programm und Ziele 7
2.2 Impulse, Anregungen, Vorbilder. 8
2.3 Auf der Suche nach dem Ursprünglichen 11
2.3.1 Dangast und Moritzburger Seen 12
2.4 Die Druckgraphik. 15
3 Die Repräsentanten der BRÜCKE 18
3.1 Ernst Ludwig Kirchner 18
3.2 Fritz Bleyl 18
3.3 Erich Heckel. 19
3.4 Karl Schmidt-Rottluff 20
3.5 Max Pechstein 21
3.6 Otto F. Mueller 22
3.7 Emil Nolde, Cuno Amiet, Franz Nölken, Akseli Gallén-Kallela,
Lambertus Zijl, Bohumil Kubišta. 23
Literatur 24
Internet-Quellen 24
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1 Dresden zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Um die Jahrhundertwende ist Dresden königliche Residenz; Beamte und Pensionäre prägen das städtische Leben. Mit Beginn der Industrialisierung wächst in den Randbezirken der Bevölkerungsanteil der Arbeiter und kleinen Handwerker. Die Depressionswelle Ende des 19. Jahrhunderts und die Weltwirtschaftskrise in der Zeit von 1900 bis 1903 erschüttern den Boom der Gründerjahre, in der Folge kommt es zu sozialen Spannungen. Die anschließend einsetzende Konjunktur bringt der Stadt zwar eine neue Zunahme industrieller Betriebe und die Herausbildung von Großunternehmen innerhalb der Stadt. Die sozialen Konflikte verschärfen sich jedoch, Demonstrationen, Streiks und Aussperrungen bestimmen die politische Situation; Höhepunkt ist der bewaffnete Einsatz der Gendarmerie gegen demonstrierende Arbeiter im Jahr 1905.
Im liberalen Bürgertum finden lebensreformerische Gedanken in vielfältiger Form eine wachsende Zahl von Anhängern: Gleichberechtigung der Frauen, Bodenreform und Sozialprogramme, gesundes Leben, freie Schulen... Das kulturelle Leben der Stadt ist rege, im Theater stehen mit Hauptmann, Ibsen, Gorki und Tschechow, die Dramatiker des Naturalismus, auf dem Programm; 1905 gelangt die Oper "Salome" von Richard Strauss zur Uraufführung. Im Bereich der Architektur wird 1906 in der Dresdner Heide mit der Hellerau die erste gemeinnützige Gartenstadt in Deutschland realisiert, weitere Siedlungen nach diesem Muster folgen, z.B. in Mannheim. Allerdings gibt es auch gegenläufige Strömungen im Reich: Die Weltausstellung 1889 in Paris, ganz im Zeichen des Gedenkens an die französische Revolution, wird vom Deutschen Reich offiziell boykottiert. Trotzdem ist eine kleine Gruppe deutscher Künstler unter der Führung von Max Liebermann auf den Ausstellungen präsent. 1892 muss eine Ausstellung von Edvard Munch in den Räumen des “Vereins Berliner Künstler” nach wenigen Tagen abgebrochen werden.
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1 Aber die künstlerische Opposition formiert sich: 1893 wird die Dresdner Sezession gegründet, nur ein Jahr nach der Münchner Sezession, die Berliner Sezession wird erst 1898 folgen. Zwar werden die Arbeiten ihrer Mitglieder wegen ihrer Bezüge auf 2 diffa-die zeitgenössische französische Kunst noch als “seelenlose Ausländerei” miert, aber engagierte Galeristen sorgen zunehmend für Öffentlichkeit und Anerkennung. So zeigen z. B. in Dresden die Galeristen Ernst Arnold und Emil Richter 3 und Paul Gauguin und beeinflussen damit maßgeblich Werke von Vincent van Gogh
die junge Künstlergeneration der Stadt, zu der auch Erich Heckel, Student der Architektur an der Technischen Hochschule, gehört.
Bildbeispiel 1
Erich Heckel: “Mann in jungen Jahren” (1906) 47,5 x 36 cm, Öl/Leinwand, Brücke-Museum Berlin
Das Porträt im Hochformat zeigt eine männliche Figur im Halbprofil, ein Selbstbildnis des Künstlers. Er präsentiert sich in sitzender Position, das Kinn auf die linke Hand gestützt, vor einem unbestimmt gehaltenen Hintergrund. Auffallend sind die Pinselführung und die farbliche Gestaltung, die den Einfluss der Malerei Van Goghs erkennen lassen. Mit kurzen, heftigen Pinselstrichen ist die Farbe auf die Leinwand aufgetragen, die einzelnen Striche bleiben sichtbar, werden nicht zur Fläche zusammengebunden. Das Farbspektrum beschränkt sich auf reinbunte Farben: Gelb, Rot, Blau und Grün. Licht und Schatten werden ausschließlich mit der Eigen-
1 DieSezessionsbewegung formierte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert als Widerstand gegen die verkrusteten akademischen Strukturen innerhalb der künstlerischen Ausbildung. Gleichzeitig bot sie den mit ihr verbundenen Künstlern ein unabhängiges Ausstellungsforum, da diese in der Regel in den üblichen, jurierten Kunstsalons keinen Eingang fanden. Die erste Sezession wurde 1884 als „Société des Indépendants“ in Paris gegründet. 2 Jähner (1996), 18
3 Brugger führt dazu in Moeller, 1995, aus, dass im Jahr der Dresdner Ausstellung der Briefwechsel zwischen Theo und Vincent van Gogh veröffentlicht wurde. War Van Gogh bis zu diesem Zeitpunkt noch eine Randfigur der Kunstgeschichte, so änderte sich dies in den folgenden Jahren grundlegend. Auf die jungen Künstler der "Brücke" übten sowohl sein Schaffen, als auch sein Leben eine große Faszination aus. Mit seiner "schöpferischen Besessenheit", seinem "Sendungsbewußtsein" und seiner "Unempfindlichkeit gegenüber Angriffen von Kollegen und Mißachtung durch den Kunstmarkt" schien er als Identifikationsfigur geradezu prädestiniert. Und seine Aussage: "In gewissem Sinne bin ich froh, daß ich das Malen nicht gelernt habe." (Brief an Theo, 1888, zit. n. Brugger in Moeller (1995), 13) war für Kirchner, Bleyl, Heckel und Schmidt-Rottluff die Bestätigung ihrer Entscheidung zur Bildung einer freien und unabhängigen Künstlergemeinschaft ohne akademische Weihen.
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helle der Farben herausgearbeitet. Dabei dominieren Gelb, Orange und Rot die Kopfpartie, Hell- und Dunkelgrün das Schulterdreieck. Durch zwei gegeneinander gesetzte Farbflächen im Hintergrund - links mit einigen grünen Pinselstrichen, rechts mit hellblauen skizziert, die eine dunkelblaue Vertikale gegeneinander abgrenztwird beim Betrachter eine räumliche Assoziation angeregt. Es bleibt jedoch bei dieser Andeutung, denn für den Künstler steht die Farbe im Zentrum des Interesses. Ziel ist nicht die naturalistische Darstellung, sondern das Ausloten der Gestaltungsmöglichkeiten mit der Farbe.
1901 wird die 1893 gegründete Dresdner Sezession 4 bereits wieder aufgelöst,
nachdem maßgebliche Repräsentanten an die Kunstakademie berufen wurden und damit die neue Kunst Eingang findet in die offiziellen Ausstellungen. Damit ergibt sich für junge Künstler die Notwendigkeit, ihr künstlerisches und soziales Umfeld jenseits der nun integrierten alten Opposition neu zu gestalten, nach neuen Wegen und Möglichkeiten der Darstellung und Selbstdarstellung zu suchen.
4 Sie tritt als „Freie Vereinigung Dresdner Künstler“ an die Öffentlichkeit.
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2 Die Gründung der Künstlergemeinschaft “BRÜCKE”
Am 7. Juni 1905 schließen sich vier Studenten der Technischen Hochschule Dresden zur Künstlergemeinschaft “Brücke” zusammen. Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl kennen sich bereits seit 1901 und stehen unmittelbar vor dem Abschluss ihres Architekturstudiums, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff haben ihr Studium dagegen gerade erst aufgenommen. Heckel findet in Dresden-Friedrichstadt eine leer stehende Metzgerei als Atelierraum, den sie als “Keimzelle gemeinsamen Arbeitens“ 5
anmieten, später erfolgt der Umzug in eine ehemalige Schusterwerkstatt. Da bisher 6 erhalten hat, steht zu Beginn das ge-nur Kirchner eine künstlerische Ausbildung
meinsame autodidaktische Lernen im Mittelpunkt. Arbeit im Atelier heißt in den ersten Monaten vor allem graphisches Arbeiten: Holzschnitte für Plakate, Einladungen usw. sowie Zeichnungen, vor allem sog. “Viertelstundenakte” 7 .
Ab 1906 rücken die Malerei und die Auseinandersetzung mit der Farbe mehr und mehr in den Vordergrund. Bereits 1905 stellen die jungen Künstler erste Werke in Leipzig und Braunschweig aus, 1906 beteiligen sie sich an der Dresdner Kunstgewerbeausstellung. Im Mustersaal der Dresdner Lampenfabrik Seifert zeigen sie 1906/07 mehrfach ihre Arbeiten der Öffentlichkeit. Um eine Präsentation im Rahmen des Kunstvereins oder anderer anerkannter Institutionen bemühen sie sich nicht. Oft genug erfahren sie die Ablehnung der etablierten Kreise; so wird 1906 ein Plakat mit einer Aktdarstellung von Fritz Bleyl als zu anstößig verboten. Rückhalt finden die Mitglieder der BRÜCKE vor allem untereinander, nicht nur als Atelier- und Lebensgemeinschaft, sondern auch in der Unterstützung durch ihre passiven Mitglieder, die sie schon früh werben. Ihr Gründungsmanifest richtet sich 8 Ab 1907 wächst die gleichermaßen an “die Schaffenden” wie “die Genießenden”.
Zahl der Förderer rasch auf 68 an, darunter die Kunsthistorikerin Dr. Rosa Schapire
5 Heckel in Jähner (1996), 20 6 Mehr dazu siehe Kapitel 3.3
7 Darunter versteht man eine besondere Übungsform innerhalb des Aktstudiums, bei der das Modell nach jeweils 15 Minuten die Pose wechselt. Ziel ist das rasche Erfassen und Wiedergeben der Körperhaltung in ihren wesentlichen Merkmalen. 8 Mehr dazu in Kapitel 2.1
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Arbeit zitieren:
M. A. Sigrid Weyers, 2005, Künstlergemeinschaft "Brücke", München, GRIN Verlag GmbH
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