II
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Deckblatt I
Inhaltsverzeichnis……………………….………….…….................................. II
I. GENESIS 22, 1- 19: eine Hinführung 1
II. TEXTKRITIK 2
2.1 Befragung der Textzeugen und ihre Übersetzungen: Vorgehensweise 2
2.1.1 Der hebräische Text 3
2.1.2 Die Septuaginta 6
2.1.3 Die Vulgata 10
2.1.4 Arbeitsübersetzung Genesis 22, 1-19: Der Text nach der
Einheits übersetzung gegliedert nach Äußerungseinheiten 14
2.2 Auswertung 17
III. LITERARKRITIK 23
3.1 Vorgehensweise 23
3.2 Äußere Literarkritik: Beginn und Ende der Texteinheit 23
3.3 Innere Literarkritik 25
3.3.1 Dopplungen oder Widerholungen? 25
3.3.2 Widersprüche oder Spannungen? 27
3.3.2.1 Erste Bruchstelle 28
3.3.2.2 Zweite Bruchstelle 29
3.4 Auswertung der literarkritischen Beobachtungen 30
IV. STRUKTURANALYSE 32
4.1 Segmentierung von Gen 22,1-19 in Abschnitte 32
4.1.1 Grobgliederung und Aufbau im Überblick 32
4.1.2 Feingliederung der Handlungseinheiten und ihre Beschreibung 34
4.2 Gliederung nach Personen und Ortsangaben 40
4.2.1 Personenkonstellation 40
4.2.2 Ortangaben 49
III
4.3 Strukturierung durch Wechsel von Dialog und Erzählung……………….…...… 53 4.4 Struktursynthese von Gen 22,1-19………………………………….………..…. 57 4.4.1 ›Chiasmus‹ als charakteristisch, benutztes Stilmittel……………….…..… 57 4.4.2 Klimax als weitere gliedernde Stilfigur der Erzählung………….…...….... 60
V. INHALTSANALYSE……………………………………………………………….…. 62 5.1 Beschreibung wichtiger Begriffe (der Leitwortstil)…………………………..... 62 5.2 Verlauf der Sprechhandlungen - die Sprechaktanalyse……………………....... 64 5.2.1 Übersicht der Sprechaktanalyse……...………………………………..….. 64 5.2.2 Erläuterungen zur Sprechaktanalyse…………………………………..….. 67
VI. KONTEXTEINBETTUNG - GEN 22 IM KONTEXT……………..…………………...... 70 6.1 Der analytisch-beschreibende Analyseschritt………………..…………......….... 70 6.2 Der synthetisch-interpretatorische Analyseschritt: Gen 22 und Gen 12…..…..…73
VII. SCHLUSSWORT - eine zusammenfassende Schau der Ergebnisse……………... 77
ANHANG I: Tabellarische Übersicht über den Wechsel zwischen Dialog und Erzählung…………………………………………….…..… IV ANHANG II: Grundformen der Erzählung………………………………..…… V ANHANG III: Gen 12 gegliedert nach Äußerungseinheiten……………..……... VI ANHANG IV: Übersicht über die Parallelität von Gen 22 und Gen 12……...… VII ANHANG V: Erklärung über die eigenständige Anfertigung und Angabe aller Hilfsmittel………………………………….… IX
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS…………………………………….…... X.
1
I. GENESIS 22, 1 - 19: EINE HINFÜHRUNG
Mit diesen Worten des Umberto ECO kann die Erzählung Genesis 22,1- 19, einer der bekanntesten, aber zugleich auch eines der schwierigsten Texte der Bibel, charakterisiert werden. Die Geschichte von einem Gott, der Abraham befiehlt seinen einzigen Sohn, Isaak, als Brandopfer darzubringen, hat zu allen Zeiten viele Kommentare und verschiedene Auslegungen unter höchst verschiedenen Fragestellungen erfahren, die dem Textabschnitt im Sinn und in der Bedeutung einen differenzierten Charakter verleiht. 2 Gerhard von RAD hat die Erzählung als „die formvollendetste und abgründigste aller Vätergeschichten“ 3 bezeichnet und nicht umsonst gehört Gen 22,1-19 zu den ganz großen Texten des Alten Testaments, weil die in neunzehn Versen entfaltete Erzählung mit all ihren Höhen und Tiefen und ihrer literarischen Qualität ihr diesen Platz verschafft. Von daher ist es nicht zu verwundern, dass auch die Exegese sich überaus ausführlich mit dem biblischen Text beschäftigt hat und noch weiter beschäftigen wird, 4 denn die Begegnung mit dieser Erzählung „wird immer wieder unmittelbar ins Leben hineinsprechen, (…). Das einzige, was man als Exeget versuchen kann, ist dies, sich ihr mit den Kenntnissen zu stellen, die es zu ihr zu vermitteln gibt.“ 5
1 ECO, Umberto, Interpretation und Geschichte, 45.
2 Die Erzählung hat die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte seit Jahrtausenden beschäftigt: innerhalb der Bibel, Theologie, Kunst, rabbinischen Auslegung, Psychologie und Philosophie bis hin zur schneidenden Kritik der beginnenden Aufklärung, bei der sowohl der Gottesbefehl als auch die Bereitschaft Abrahams als unmoralisch herabgestuft werden. Immanuel Kant hat dabei seinen Standpunkt zu Gen 22 deutlich gemacht, als er schrieb: ››Abraham hätte nicht auf diese vermeinte göttliche Stimme antworten müssen: „Daß ich meinen guten Sohn nicht töten solle, ist ganz gewiß; daß aber du, der du mir erscheinst, Gott sei, davon bin ich nicht gewiß, und kann es auch nicht werden“, wenn sie [die Stimme] auch vom (sichtbaren) Himmel herabschallte‹‹ (KANT, Der Streit der Fakultäten, 62).
3 RAD, Genesis, 203. Gleichzeitig ist man mit den warnenden Sätzen konfrontiert, die Gerhard von Rad in seiner Studie „Das Opfer des Abraham“ (1971) zusammenfasst: ››Wer sich auf diese Erzählung einläßt, muss darauf gefasst sein, dass er immer wieder wie vor einem Abgrund zurückschaudert‹‹ (RAD, Opfer des Abraham, 11).
4 Vgl. STEINS, „Bindung Isaaks“ im Kanon, S. 6.
5 SEEBASS, Genesis II, 199.
2
II. TEXTKRITIK
2.1Befragung der Textzeugen und ihre Übersetzungen: Vorgehensweise
FOHRER setzt das Ziel der Textkritik an, „mit Hilfe der uns vorliegenden Textgestalten im Vergleich jeweils den Text zu rekonstruieren, der dem ursprünglichen am nächsten kommt“ 6 . Das methodisch reflektierte Lesen der Texte in der ‚Originalsprache’ ist eine Voraussetzung für die unterschiedlichen Interpretationsverfahren, „ein Akt, der den Ereignissen der einzelnen interpretatorischen Zugriffe immer schon vorausliegt“ 7 . Erst dadurch kann es gelingen, neue Verstehensdimensionen in festgefahrene Auslegungstraditionen freizulegen. 8
Im folgenden Versuch einer textkritischen Analyse wird der masoretische Text (= MT) 9 , Ausgangspunkt textkritischen Arbeitens und Grundlage der BHK und BHS, mit den in der Textgeschichte entstandenen Übersetzungen in der Reihenfolge befragt werden: MT als hebräische Textvariante, LXX 10 als griechische Übersetzung aus der Ursprache und die Vulgata 11 . Die Textzeugen 12 sollen mit ihren auffälligen Varianten nun vergleichend in den Blick genommen werden.
6 Zugleich fügt er warnend hinzu: „Eine Wiederherstellung des erstmals konzipierten Wortlauts liegt jenseits einer so verstandenen Textkritik […]“ (FOHRER, Exegese des AT, 32).
7 ISER, Akt des Lesens, 37.
8 Vgl. HARDMEIER, Realitätssinn und Gottesbezug, 5.
9 „Mit dem MT wird auf einen anerkanntermaßen gut überlieferten Text zurückgegriffen, dessen Entstehung nachvollziehbar ist, von dem ein breiter Traditionsstrom ausgegangen ist, der in seinem Konsonantenbestand eine große Nähe zu den nicht mehr vorhandenen Originalen aufweist“ (BECKER-SPÖRL, Und sang Debora an jenem Tag, 9.10). Wobei FABRY in seinem Aufsatz „Der Text und seine Geschichte“ (1995) auf die Problematik des MT hinweist, nämlich „dass die ältesten bekannten Handschriften um weit mehr als ein Jahrtausend jünger sind als die Edition der biblischen Schriften selbst. Wenn auch die Texte in der Zwischenzeit mit bemerkenswerter Sorgfalt weitergegeben worden sind, so liegt hier doch eine Quelle für viele Abschreibefehler, die die exegetische Methode der Textkritik herausfordert“ (FABRY, Der Text und seine Geschichte, 36). Vgl. hierzu Erich ZENGER, Theorien über die Entstehung des Pentateuch, in: DERS. (Hrsg.), Einleitung in das Alte Testament ( 5 1995), 74-123.
10 Die Überlieferungsgeschichte der Septuaginta, entstanden zwischen Mitte des 3. Jh. v. Chr. und 2. Jh. n. Chr., erweist sich als kompliziert, nicht zuletzt aufgrund der Vielfalt interpretierender Eingriffe, bei dem sich folgend ihr Verhältnis zum hebräischen Text als äußerst problematisch erweist.
11 Hieronymus unternahm seine Übersetzung aus dem Hebräischen in den Jahren 390-405 (vgl. WÜRTHWEIN, Einführung in die Biblia Hebraica, 107).
3
2.1.1 Der hebräische Text 13
12 Die Textzeugnisse mit ihrer jeweiligen Übersetzung werden tabellarisch aufgeführt. Dabei markiert im Vers ein Kleinbuchstabe mit angeschlossenem „R“ einen Relativsatz; Vokative werden als satzhafte Einheiten durch „V“ am Kleinbuchstaben angegeben. Infinitive markiert „I“ am Kleinbuchstaben. Auf Pendenskonstruktionen weist „P“ an der Satzzählung hin. „J“ kennzeichnet Interjektionen.
13 Dieses und alle folgenden hebräischen Zitate nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia, hrsg. v. Karl ELLIGER und W. RUDOLPH ( 5 1997), 31f. Übersetzung des hebräischen Textgestalt durch die Autorin.
6
2.1.2 Die Septuaginta 14
14 Nach Alfred RAHLFS und Robert HANHART (Hrsg.), Septuaginta, Stuttgart 9 1971, S. 29f. Übersetzung der griechischen Textgestalt durch die Autorin.
10
2.1.3 Die Vulgata 15
15 Nach Robert WERNER und Bonifatius FISCHER, Biblia Sacra. Iuxta Vulgatam Versionem, Stuttgart 3 1983, S. 29f. Übersetzung der lateinischen Textgestalt durch die Autorin.
11
16 Symmachus übersetzt hammoriyyâ mit VJ L QX RVCUK CL. Optasia heißt übersetzt „Gesicht“ oder „Erscheinung“. Diese Bedeutung wurde hier von der Vulgata übernommen, die den Ort, an den sich Abraham begeben soll, mit „in terram visionis“ übersetzt. Vgl. dazu den textkritischen Apparat in der BHK, 29 und BHS, 31 der Anm. 22,2 a .
14
18 a et benedicentur in semine tuo 18 a Und gesegnet werden in deiner
omnes gentes terrae, Nachkommenschaft alle Völker der Erde,
b quia obbedisti voci meae. b weil du auf meine Stimme gehorcht hast.
19 a Abraham kehrte zu seinen Knechten zurück
19 a Reversus est Abraham ad pueros suos,
b abieruntque Bersabee simul, b und sie gingen zusammen nach Beerscheba
c et habitavit ibi. c und dort wohnte er.
2.1.4 Arbeitsübersetzung Genesis 22, 1-19 17 : Der Text nach der Einheitsübersetzung
gegliedert nach Äußerungseinheiten
1a Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe.
1b Er sprach zu ihm:
1bV Abraham
1c Er antwortete:
1d Hier bin ich.
2a Gott sprach:
2b Nimm deinen Sohn, deinen einzigen,
2bR den du liebst,
2bV Isaak,
2c geh in das Land Morija
2d und bring ihn dort auf einem der Berge,
2dR den ich dir nenne,
2d als Brandopfer dar.
3a Frühmorgens stand Abraham auf,
3b sattelte seinen Esel,
3c holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak,
3d spaltete Holz zum Opfer
3e und machte sich auf den Weg zu dem Ort,
3eR den ihm Gott genannt hatte.
17 Für die Perikope wurde die Einheitsübersetzung „DIE BIBEL. Altes und Neues Testament“ von 1999
benutzt
15
4a Als Abraham am dritten Tag aufblickte,
4b sah er den Ort von weitem.
5a Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten:
5b Bleibt mit dem Esel hier
5c Ich will mit dem Knaben hingehen
5d und anbeten
5e dann kommen wir zu euch zurück.
6a Abraham nahm das Holz für das Brandopfer
6b und lud es seinem Sohn Isaak auf.
6c Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand.
6d So gingen beide miteinander.
7a Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham:
7aV Vater
7b Er antwortete:
7bJ Ja,
7bV mein Sohn
7c Dann sagte Isaak:
7d Hier ist Feuer und Holz.
7e Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?
8a Abraham entgegnete:
8b Gott wird sich das Opferlamm aussuchen,
8bV mein Sohn.
8c Und beide gingen miteinander weiter.
9a Als sie an den Ort kamen,
9aR den ihm Gott genannt hatte,
9b baute Abraham den Altar,
9c schichtete das Holz auf,
9d fesselte seinen Sohn Isaak
9e und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz
16
10a Schon streckte Abraham seine Hand aus
10b und nahm das Messer,
10bI um seinen Sohn zu schlachten.
11a Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu:
11aV1 Abraham,
11aV2 Abraham
11b Er antwortete:
11c Hier bin ich.
12a Jener sprach:
12b Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
12c und tu ihm nichts zuleide
12d Denn jetzt weiß ich,
12e dass du Gott fürchtest
12f du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.
13a Als Abraham aufschaute,
13b sah er:
13c Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
13d Abraham ging hin,
13e nahm den Widder
13f und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
14a Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire (Der Herr sieht),
14b wie man noch heute sagt:
14c Auf dem Berg lässt sich der Herr sehen.
15 Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
16a und sprach:
16b Ich habe bei mir geschworen
16bJ - Spruch des Herrn:
16c Weil du das getan hast
16d und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast,
Arbeit zitieren:
Claudia Curcuruto, 2008, Bibelwissenschaftliche Exegese der Texteinheit Gen 22,1-19 , München, GRIN Verlag GmbH
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