Inhalt
1. Einleitung 3
2. Soziale Konstruktion von Geschlecht? 4
2.1 Geschlechterverhältnis und Geschlechterdifferenz 5
2.2 Geschlecht Natur oder Kultur 6
2.3 Sex und Gender 7
2.4 Geschlechterattribution und Geschlechtersozialisation 8
3. Intersexualität 10
3.1 Das Biologische Geschlecht 12
3.2 Geschlechtliche Norm. 14
4. Wandel im Geschlechterverhältnis 15
5. Kritische Schlussbemerkung/ Zusammenfassung 16
6. Literatur 18
1. Einleitung
Die Frage nach dem Geschlecht wirkt zunächst so, als läge die Antwort auf der Hand. „Ein Mann ist ein Mann und eine Frau ist eine Frau“, ist somit aber tautologisch und verdient es hinterfragt zu werden. Unsere heutige Gesellschaft, bestimmt durch soziale und kulturelle Konstruktion, Politik, Wissenschaft und Religion die Geschlechterdichotomie. Eine binäre Geschlechtlichkeit ist gegeben und von Geburt an werden Kinder und Heranwachsende, ihrem Geschlecht „gerecht“ sozialisiert. Mädchen spielen mit Puppen, Barbies, schminken sich und tragen rosafarbene Kleidung. Den Jungen hingegen wird internalisiert, dass „ein Indianer keinen Schmerz kennt“, Handwerken toll ist und Spielzeugautos das „richtige“ Spielzeug für einen Jungen sind. Diese Ansichten sind nur kleine Beispiele für die soziale Konstruktion von Geschlecht und zeigen, dass das Geschlecht auch in unserer Gesellschaft sozialen und kulturellen Stellenwert hat. Demnach scheint es ein gesellschaftlich fundiertes Interesse zu geben, welches Geschlecht ein Individuum hat und einen optionalen dritten Geschlechtseintrag gibt es nicht. Die Frage, ob es allerdings doch mehr als nur diese beiden Geschlechter gibt bleib offen. Diese Hausarbeit versucht der sozialen und kulturellen Konstruktion von Geschlecht nachzugehen, betrachtet das Geschlecht vor dem Hintergrund Natur und Kultur, den Gender-Aspekt und schaut auch auf die „Grauzonen“ die sich beispielsweise bei der Intersexualität finden.
Aufgabe der Anthropologie ist es, einerseits allgemeingültige Wesensbestimmungen des Menschen zu liefern und auf der anderen Seite dessen kulturelle Besonderheiten zu definieren, daher bietet sich auch der Aspekt der Geschlechtszugehörigkeit als Diskussion an. Vor dem Hintergrund von kulturellen, sozialen und biologischen Aspekten und der Frage, welchen Einfluss die gesellschaftliche Verortung von Geschlecht bzw. die Geschlechterdifferenz auf dieses hat, soll hier nachgegangen werden. Des Weiteren soll Intersexualität als „ Zwischenform“ der Geschlechter beleuchtet werden, daher gilt es zu klären, in wie weit die kulturell geformte Zweigeschlechterordnung in einen anderen Fokus gelangen kann und auch alternative Geschlechter bestehen. Denn auch in unserer Gesell-
schaft werden eben diese alternativen Geschlechter diskutiert. Das erste
inhaltliche Kapitel stellt die soziale Konstruktion von Geschlecht dar, be-
trachtet das Geschlechterverhältnis und die Geschlechterdifferenz. Des
Weiteren wird das Geschlecht als Natur und Kultur Konstrukt beschrieben
und dieser Aspekt mit den Sex und Gender Begriffen abgleichen. Zum
Ende des ersten Kapitels wird dann die Geschlechterattribution und ge-
schlechtsspezifische Sozialisation angerissen um dann im folgenden Kapi-
tel , Intersexualität, das biologische Geschlecht und in der westlichen Ge-
sellschaft bestehende geschlechtliche Normen zu besprechen. Danach
folgt ein Blick auf den bisherigen Wandel im Geschlechterverhältnis und
eine krische Schlussbemerkung reflektiert dann nochmals die zu Grunde
liegende Fragestellung.
2. Soziale Konstruktion von Geschlecht?
TREIBEL schreibt „das was wir an Frauen-Männer-Beziehungen vorfinden,
haben wir selbst gemacht und konstruieren wir täglich neu“ (TREIBEL,
2004, S. 280) Sie stellt hiermit den Geschlechterdualismus und die Ge-
schlechterstereotype als soziales Konstrukt heraus. Auf der anderen
wird von der Ethnomethodologie, diese Klassifikation von zwei Geschlech-
tern (Mann vs. Frau) bezweifelt und die Frage nach Zwischenformen auf-
geworfen (vgl., ebd.) Die Frage nach Beziehung zwischen den Ge-
schlechtern beantwortet die Anthropologie von zwei, sich aber nicht aus-
schlei ßenden Perspektiven „Geschlecht kann zum einen als symbolisches
Konstrukt und zum anderen als Sozialbeziehung verstanden werden“
(MOORE, 1990, S.38) In diesem Kapitel wird der Versuch unternommen,
der sozialen und kulturellen Konstruktion von Geschlecht nachzugehen.
2.1 Geschlechterverhältnis und Geschlechterdifferenz
Das Verhältnis zwischen Mann und Frau war von Anfang an Gegenstand der Anthropologie. Das hierarchische Verhältnis zwischen Mann und Frau beschreibt auch CONNELL.
Familie, Haushalt, sexueller Kodex und Statuszuweisungen findet man bei der Stereotypisierung und Kategorisierung der Geschlechterrollen immer wieder vor, ist aber von der jeweiligen Kultur und sozialen Konstruktion von Geschlecht internalisiert. Der Körper dient als Ort kultureller und sozialer Interpretation (vgl., MAIHOFER, 1997, S.41). Der Mann, als das handelnde Geschlecht auf der einen Seite und das schwache weibliche Geschlecht auf der anderen Seite, ist ein seit Jahren vorherrschendes Verhältnis, welches sich nur äußerst langsam zu wandeln scheint. Frausein und Mannsein hat viele Seiten und nicht alle stehen im Gegensatz zuei-nander. Wie später noch beschrieben wird, sind es nicht nur die femininen oder maskulinen Attribute und Verhaltensweisen, die diesen Unterschied bestimmen, sondern durchaus der jeweiligen Kultur spezifische Begebenheiten, die das Geschlechterverhältnis ausdrücken. Die beiden Geschlechter werden konstruiert. Die Menschen ordnen sich wie selbstverständlich der weiblichen oder männlichen Seite zu. In unserer Kultur wird die Zweigeschlechtlichkeit als eindeutig verstanden und in der Regel nicht hinterfragt.
„Das soziale Geschlecht ist eine Art und Weise, in der soziale Praxis geordnet ist. In Geschlechterprozessen wird der alltägliche Lebensvollzug organisiert in Relationen zu einem Reproduktionsbereich, der durch körperliche Strukturen und menschliche Reproduktionsprozesse definiert ist. Dieser Bereich beinhaltet sowohl sexuelle Erregung und Geschlechtsverkehr, also auch das Gebären und aufziehen von Kindern, die körperlichen Geschlechtsunterschiede und -gemeinsamkeiten“ (CONNELL, 2000, S. 92).
Im eigenen Lebenslauf erfährt man, wie und auf welche Art und Weise das Geschlechterverhältnis der eigenen Kultur organisiert ist. Die Unterscheidung, und damit impliziert auch das Verhältnis zwischen Mann und Frau, ist für heutige Gesellschaften fundamental. Die eindeutige Zuordnung zu einem der beiden Geschlechtern ist ihnen wichtig. Ist diese Einordnung nicht gegeben, wirkt es verunsichernd auf die Menschen (vgl., TREIBEL, 2004, S. 122). In wie weit sich der Aspekt, der eindeutigen Ei-nordnung in die Geschlechterdichotomie, ausweitet und sich geschlechts-
Arbeit zitieren:
Stefanie Hagen, 2008, Soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht und die Frage der Intersexualität, München, GRIN Verlag GmbH
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