Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Konjunkturen politischen Engagements - Die 68er-Bewegung 1
in Österreich
1. Das Konzept des Homo Oeconomicus als Erklärungsmodell für 1
menschliches Handeln
2. Konjunkturen politischen Engagements 3
2.1. Zur Person von Albert O. Hirschman
3
2.2. Definition des Begriffspaares privat - öffentlich 3
2.3. Grundüberlegungen 4
2.4. Der Begriff der Enttäuschung 5
2.5. Die Rolle der Enttäuschung 5
2.6. Vom privaten ins öffentliche Leben 6
2.7. Mögliche Hindernisse beim Wechsel ins politische Leben 8
2.8. Gründe für den Rückzug vom politischen ins private Leben
9
3. Die 68er-Bewegung in Österreich 10
3.1. Die Hochschulen als Keimzellen der 68er Revolution 11
3.2. Das Ergebnis der Studentenbewegung 12
III. Schlussbemerkungen 13
Literaturverzeichnis
I. Einleitung
Politische Systeme sind in unterschiedlichem Ausmaß von der Beteiligung der Staatsbürger an politischen Prozessen abhängig. Repräsentative Demokratien sind stärker auf Partizipation ausgerichtet als autoritäre und totalitäre Systeme. Die politischen Systeme Westeuropas verstehen sich als repräsentative Demokratien, die auf Partizipation durch Wahlen, freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit, aber auch aktive Mitarbeit in Parteien und Verbänden ausgerichtet sind.
Welches sind nun die Faktoren, die Menschen dazu bewegen, sich politisch zu betätigen oder dies zu unterlassen? Ausgehend vom ökonomischen Erklärungsansatz für menschliches Handeln soll versucht werden, Konjunkturen politischen Engagements anhand eines Modells von Albert O. Hirschman zu erklären. Der Schwerpunkt wird auf dem Wechsel vom privaten ins öffentliche Leben liegen. Am Schluss der Arbeit steht der Versuch einer Anwendung des Modells auf die 68er-Revolution in Österreich.
II. Konjunkturen politischen Engagements - Die 68er-Bewegung in Österreich
1. Das Konzept des Homo Oeconomicus als Erklärungsmodell für menschliches Handeln
Die Ökonomie bedient sich zur Erklärung menschlichen Handelns eines Ansatzes, der auf der Ebene des Individuums angesiedelt ist. Ökonomen gehen in der Regel davon aus, dass nur Individuen handeln können, unter anderem weil das Individuum Wertmaßstäbe besitzt, die Eingang in Entscheidungen und daraus resultierende Handlungen finden. 1 Die grundlegende Prämisse dieses Konzepts beinhaltet, dass der Mensch sich rational verhält. Voraussetzung für rationales Verhalten und Handeln ist ein Bewusstsein über das eigene Tun. Es wird unterstellt, dass Menschen über ihre Handlungen ihre Lebensumstände verbessern wollen, also ihren eigenen Vorteil suchen. Karl-Dieter Opp spricht von der „Motivationshypothese: Die Präferenzen (d.h. Ziele, Wünsche oder Motive) von Individuen sind Bedingungen
1 Vgl.: McKenzie, Richard B. / Tullock, Gordon: Homo Oeconomicus. Frankfurt am Main, New York 1984. S. 28.
1
für soziales Handeln, das - aus der Sicht der Individuen - zur Realisierung ihrer Ziele beiträgt.“ 2
Der Mensch analysiert seine Situation, kommt im Rahmen seiner Wertmaßstäbe dazu, Wünsche zu erkennen und diese dann im Rahmen des möglichen umzusetzen. Diesen Rahmen des möglichen geben Umwelteinflüsse vor. Dazu können unter anderem Gesetze gehören. 3 Opp spricht von der Hypothese d er Handlungsbeschränkungen. Handlungsbeschränkungen determinieren das Handeln von Individuen. 4
Wie findet nun eine Auswahl unter den verschiedenen, vom Individuum erkannten, Handlungsoptionen statt? Ökonomen unterstellen dem Individuum, dass es - vollständige Information vorausgesetzt - unter allen Handlungsoptionen diejenige wählt, die ihm den größten Nutzen bringt. Sind die Informationen, an denen ein Mensch seine Handlungen orientiert, unvollständig, so wird er seine Entscheidung an den vorhandenen Informationen festmachen. In diesem Fall entscheidet der Mensch sich entsprechend seinen Erwartungen, muss allerdings mit Enttäuschungen rechnen, weil Fehler nicht auszuschließen sind. 5 Die Wahl unter verschiedenen Handlungsoptionen impliziert Kosten für das Individuum. Die Entscheidung für eine bestimmte Handlung beinhaltet nämlich immer auch den Verzicht auf eine oder mehrere Alternativen. 6 Aus diesem Grund wägt jeder Mensch Nutzen und Kosten einer Tätigkeit ab und entscheidet sich für die Alternative, bei der Grenzkosten (die Kosten für die nächste Einheit) und Grenznutzen (der Nutzen der nächsten Einheit) gleich sind. Das bedeutet, dass Handlungen, bei denen das Individuum mit steigenden Grenzkosten konfrontiert wird, in geringerem Umfang oder gar nicht wahrgenommen werden. 7 Opp fasst diesen Sachverhalt unter die Hypothese der Nutzenmaximierung: Die Verwirklichung von Handlungen, die einem Ziel unter gegebenen Beschränkungen am nächsten kommen. 8
2 Opp, Karl-Dieter: Ökonomie und Soziologie - Die gemeinsamen Grundlagen beider Fachdisziplinen. In: Schäfer, Hans-Bernd und Wehrt, Klaus (Hrsg.): Die Ökonomisierung der Sozialwissenschaften. Frankfurt am Main, New York 1989. S. 105.
3 Vgl.: McKenzie, Richard B. / Tullock, Gordon: a. a. O., S. 29.
4 Vgl.: Opp, Karl-Dieter: a. a. O. S., 105.
5 Vgl.: McKenzie, Richard B. / Tullock, Gordon: a. a. O., S. 29.
6 Vgl.: Ebenda, S. 30f.
7 Vgl.: Ebenda, S. 39 und Zintl, Reinhard: Der Homo Oeconomicus: Ausnahmeerscheinung in jeder Situation oder Jedermann in Ausnahmesituationen? In: Analyse und Kritik 11, Opladen 1989. S. 53.
2
2. Konjunkturen politischen Engagements
2.1. Zur Person von Albert O. Hirschman
Zum besseren Verständnis von Albert O. Hirschmans Arbeit, vor allem seiner Vorgehensweise in der sozialwissenschaftlichen Forschung sollte auch die Person eine Würdigung erfahren. Hirschman wurde 1915 in Berlin als Sohn einer jüdischen - aber nicht religiösen - Familie des gehobenen Bürgertums geboren und protestantisch getauft. Er besuchte das Französische Gymnasium in Berlin, wo er mit der französischen Lebensweise vertraut gemacht wurde. Die Machtergreifung Hitlers veranlasste Hirschman, nach Frankreich und später in die USA zu emigrieren. Danach lebte er einige Jahre in Südamerika. 9 Das Wirken in verschiedenen Ländern beeinflusste wohl nicht nur den Kosmopoliten Hirschman, sondern auch seine Arbeitsweise. Hirschmans Arbeitsweise muss als eher unkonventionell betrachtet werden: Er trachtete nicht danach, Gesetze zu finden und zu formulieren, sondern kreativ einzigartige Phänomene zu erklären. „Quite possibly, all the successive theories and models in the social sciences and the immense efforts that go into them, are motivated by the noble, if unconscious, desire to demonstrate the irreducibility of the social world to general laws!“ 10 Es zeigt sich, dass Hirschman weder an der Entwicklung noch Weiterentwicklung von allgemeingültigen Theorien interessiert ist, sondern vor allem an unkonventionellen Ansätzen, die vor einer Bearbeitung durch ihn nicht unmittelbar offensichtlich und einleuchtend erscheinen. 11
2.2. Definition des Begriffspaares privat - öffentlich
Die Begriffe öffentliches Handeln, öffentliches Interesse oder öffentliches Wohl „beziehen sich auf Formen des Handelns im Bereich der Politik, auf die Teilnahme des Bürgers an Angelegenheiten des Staates oder des Gemeinwesens.“ 12 Privates Handeln meint die Verbesserung
8 Vgl.: Opp, Karl-Dieter: a. a. O., S. 105.
9 Vgl.: Hirschman, Albert O.: Tischgemeinschaft. Zwischen öffentlicher und privater Sphäre. Wien 1997. S. 34.
10 Hirschman, Albert O.: A bias for Hope: Essays on Development and Latin America. Yale 1971. S. 1-37. Zitiert nach: McPherson, Michael S.: The Social Scientist as Constructive Skeptic: On Hirschman’s Role. In: Foxley, Alejandro / McPherson, Michael / O’Donnel, Guillermo: Development, Democracy and the Art of Trespassing. Notre Dame 1986. S. 306.
11 Vgl.: McPherson, Michael S.: The Social Scientist as Constructive Skeptic: On Hirschman’s Role. In: Foxley, Alejandro / McPherson, Michael / O’Donnel, Guillermo: Development, Democracy and the Art of Trespassing. Notre Dame 1986. S. 313.
12 Hirschman, Albert O.: Engagement und Enttäuschung. Frankfurt am Main 1984. S. 13.
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Arbeit zitieren:
Thomas Zimmerling, 2000, Konjunkturen politischen Engagements - Die 68er-Bewegung in Österreich, München, GRIN Verlag GmbH
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