Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Monopol und kooperative Oligopole (Kartelle) - ein volkswirtschaftlicher
Exkurs 3
3. Der Fall des Standard Oil Trusts - monopolistische Bestrebungen und
Reaktionen der deutschen Politik 7
3.1 Entstehung des Trusts 7
3.2 Standard Oil in Deutschland 9
3.3 Auswirkungen der monopolistischen Besterbungen auf den Markt und
seine Teilnehmer 12
3.4 Der Fall Standard Oil vor dem deutschen Reichstag 14
3.5 Die Entflechtung des Konzerns 17
4. Resümee 19
1. Einleitung
Beinahe täglich begegnen dem aufmerksamen Zeitungsleser Berichte über anstehende Fusionen großer Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche, die sich durch den Zusammenschluss größere Vorteile im Wettbewerb mit anderen Unternehmen versprechen. Dieses Phänomen hat eine lange Tradition, so gilt die Zeit des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts als die Zeit der großen Unternehmenszusammenschlüsse in den Vereinigten Staaten von Amerika. Es formierten sich zahlreiche große Kooperationen, sei es nun auf dem Zuckermarkt, dem Whiskeymarkt oder, mit dem Standard Oil Trust, auf dem Petroleummarkt.
Die zunehmende Kartellierung erregte immer größer werdende Besorgnis innerhalb der amerikanischen Gesellschaft und wuchs sich Ende der 1880er Jahre zu einem Problem politischer Dimension aus. Die politische Debatte führte letztendlich zum weltweit ersten Kartellgesetz in den USA, dem Sherman - Act, das am 2. Juli 1890 in Kraft trat. 1 Der Sherman - Act jedoch konnte zunächst die um sich greifende Kartellbildung nicht stoppen. Gab es vor 1889 in den USA noch 82 Trusts mit einem Gesamtkapital von 1,2 Mrd. $, so kamen in den Jahren zwischen 1889 und 1904 weiter 234 Trusts mit einer Kapitalausstattung von 6 Mrd. $ hinzu. Somit verstärkte sich der Kampf von Bürgerrechtsgruppen und der Politik gegen die Trusts noch, was schließlich im Jahre 1911 zur exemplarischen Zerschlagung der „Mutter der Trusts“ 2 , dem Standard Oil Trust, führte. 3 Der Standard Oil Trust, gegründet 1882, gilt als erster Trust der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte, mit einem Marktanteil von 90% auf dem Petroleummarkt. 4 Dieser Trust, welcher „mit den gnadenlosen Methoden und der ungezügelten Gier des Kapitalismus des späten neunzehnten Jahr-
1 Vgl.Bringhurst, Bruce: Antitrust and the Oil Monopoly. The Standard Oil Cases, 1890-1911. Westport, London, 1979. S. 1ff.
2 Yergin, Daniel: Der Preis. Die Jagd nach Öl, Geld und Macht. Frankfurt am Main, 1991. S. 139.
3 Vgl. ebd. S. 131ff.
4 Vgl. ebd. S. 53.
2
hunderts“ 5 operierte, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit, in der der Frage nachgegangen werden soll, welche Strategien zur Marktbeherrschung speziell auf dem deutschen Leichtölmarkt angewandt wurden und ob diese negative Auswirkungen auf den Markt und seine Teilnehmer hatten.
Weiterhin wird der Blick darauf gerichtet, wie die Politik, speziell der deutsche Reichstag, auf die aggressive Marktpolitik des Trusts reagierte und wie es zur Entflechtung des Konzerns durch die Politik in den USA kam. Hierzu soll zunächst in einem knappen volkswirtschaftlichen Exkurs allgemein geklärt werden, was man unter den Begriffen Monopol und kooperativen Oligopolen (Kartellen) zu verstehen hat und welche Auswirkungen sich hierfür für den Markt und den freien Wettbewerb ergeben.
Anschließend soll speziell der Standard Oil Fall betrachtet werden, wofür zu Beginn ein kurzer Überblick über die Entstehung des Trusts gegeben wird, um im Folgenden die Politik, welche der Konzern speziell auf dem deutschen Leichtölmarkt verfolgte und die Auswirkungen die sich hieraus auf den Markt und seine Teilnehmer ergaben zu beleuchten. Daran anschießend soll die Reaktion des deutschen Reichstags auf das Marktverhalten von Standard Oil im Mittelpunkt stehen. Abschließen soll die Arbeit mit der Zerschlagung und Entflechtung des Konzerns durch die Politik in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Vorfeld soll aber nun den Begriffen Monopol und Kartell mit einer volkswirtschaftlichen Sichtweise begegnet werden, um anhand dieser im Anschluss das Vorgehen des Trusts und die Auswirkungen seiner Unternehmenspolitik auf andere Marktteilnehmer bewerten zu können.
2. Monopol und kooperative Oligopole (Kartelle) - ein
volkswirtschaftlicher Exkurs
In der Volkswirtschaftslehre teilt man Märkte nach der Anzahl der Marktteilnehmer auf der Angebots- und Nachfrageseite ein. Wie nachfolgende Graphik verdeutlicht ergeben sich je nach Kombination unterschiedliche Marktformen, mit jeweils typischen Charakteristiken.
5 Ebd. S. 43.
3
Begegnen sich auf einem Markt viele Anbieter und Nachfrager so spricht man von einem Zustand der vollständigen Konkurrenz oder Polypol. Sind auf einer Marktseite hingegen nur wenige Akteure aktiv, so herrscht die Marktform des Oligopols (einseitig oder zweiseitig) vor. Findet sich auf einer Marktseite nur ein einziger Akteur, so liegt ein Monopol vor. 6 Was zeichnet nun speziell Angebotsmonopole und Oligopole aus und welche Konsequenzen entstehen hierbei für den Markt?
Ein Angebotsmonopol liegt vor, wenn viele Nachfrager nur einem Anbieter gegenüberstehen. 7 Konkret bedeutet dies, dass der Monopolist aufgrund der fehlenden Konkurrenz Preis und Menge des abzusetzenden Produkts festlegen kann. Der Monopolist wird demzufolge die Kombination von Preis und Absatz wählen, die für ihn gewinnmaximal ist.
6 Vgl. Graf, Gerhard: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 2. Auflage. Heidelberg, 2002. S. 68f.
7 Vgl. ebd.
4
Die gewinnmaximale Menge eines Monopolisten ergibt sich an dem Punkt, an dem die Grenzkosten 8 der Produktion gleich den Grenzerträgen 9 sind. Im Gegensatz zum Zustand der vollständigen Konkurrenz ergibt sich hierbei ein höherer Preis und eine geringere Menge des abgesetzten Gutes. 10 Für den Nachfrager bedeutet dies, dass er dieselbe Menge zu höheren Preisen erwerben muss und hierdurch einen Verlust erleidet. Dieser Verlust ist messbar im Rückgang der Konsumentenrente. 11
Demgegenüber steht der höhere Preis, den der Monopolist im Vergleich zum Konkurrenzpreis erwirbt, was sich im Zuwachs der Produzentenrente 12 widerspiegelt.
Saldiert man den Gewinn an Produzentenrente und den Verlust an Konsumentenrente, so bleibt ein Nettoverlust der Konsumentenrente über, welcher den gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsverlust darstellt. 13
Im Gegensatz hierzu zeichnen sich Angebotsoligopole dadurch aus, dass sich wenige Anbieter und viele Nachfrager auf einem Markt gegenüberstehen. Im Falle eines Oligopols ist nun einerseits ein „Konkurrenzkampf auf Leben und Tod“ 14 , oder andererseits eine „mehr oder weniger weitgehende Kooperation“ 15 zwischen den wenigen Anbietern denkbar.
8 Beschreibt nach Heertje/Wenzel (2002) die marginalen Zusatzkosten bei marginaler Outputsteigerung.
9 Beschreibt nach Heertje/Wenzel (2002) die marginale Ertragsänderung bei marginalem Faktormehreinsatz.
10 Vgl. Heertje, Arnold/Wenzel, Heinz-Dieter: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. 6. Auflage. Berlin, Heidelberg u.a., 2002. S. 150ff.
11 Beschreibt nach Heertje/Wenzel (2002) die Differenz zwischen Gleichgewichtspreis und tatsächlichem Nutzengewinn.
12 Beschreibt nach Heertje/Wenzel (2002) die Differenz zwischen dem auf dem Markt erzielten Erlös und den tatsächlichen Kosten der Produktion.
13 Vgl. Heertje, Arnold/Wenzel, Heinz-Dieter: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. 6. Auflage. Berlin, Heidelberg u.a., 2002. S. 424ff.
14 Ebd. S. 154.
15 Ebd. S. 155.
5
Arbeit zitieren:
Fabian Wahler, 2007, Marktbeherrschende Strategien des Standard Oil Trusts, München, GRIN Verlag GmbH
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