Inhaltsverzeichnis
A. Der Vanhanen- Index. 3
I. Darstellung. 3
II. Kritik am Vanhanen Index 3
III. Die Unterscheidung von Demokratien und Autokratien. 5
B. Eine evolutionäre Interpretation von Demokratisierung 6
I. Die Auswahl der Variablen. 6
II. Indizes der Macht-Ressourcenverteilung 7
1) Index der beruflichen Diversifikation 8
2) Index der Verteilung der Wissensressourcen. 8
3) Index der wirtschaftlichen Machtressourcenstreuung (DER) 8
4 )Index der Machtressourcenverteilung 8
C. Demokratisierung in Osteuropa. 10
I. Die Entwicklung des ISI 10
II. Die Demokratisierung in Ungarn 10
1. Theorie Vanhanens. 10
2) Der tatsächliche Umbruch in Ungarn 11
Schlussbemerkung. 14
Literatur. 15
2
A. Der Vanhanen- Index
I. Darstellung
Tatu Vanhanen hat für eine erstaunliche Anzahl an Staaten einen Index der Demokratisierung ab dem 19. Jahrhundert bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelt. 1 Grundlage dieser Theorie sind die Schlüsseldimensionen der polyarchischen Demokratie nach Dahl 2 : Partizipation und Wettstreit. Die Partizipation wird dabei anhand des Anteils der an den letzten Wahlen teilnehmenden Wähler an der Gesamtbevölkerung gemessen. Die Formel, die für die Berechnung von P verwendet wird lautet: P=Z/B*100, wobei Z die Anzahl der Wählen, die an der Wahl teilgenommen haben darstellt und B für die gesamte Bevölkerung steht. 3 Der Wettbewerbsgrad W wird durch die Formel W= (100-S) ermittelt, wobei S den Stimmanteil erfasst, der bei der letzten Wahl zur nationalen Volksvertretung auf die stärkste Partei entfiel. 4 Aus diesen beiden Komponenten ergibt sich Vanhanens Index der Demokratisierung. Die Formel zu seiner Berechnung lautet: D= (P*W)/100. Es ist leicht zu erkennen, welche Konstruktion sich hinter diesem Index verbirgt: nehmen beide Dimensionen hohe Werte an, so nimmt auch der Demokratisierungsindex einen hohen Wert an. Ist hingegen entweder P oder W gleich 0, so ist auch D gleich 0. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn es kein Wahlrecht gibt. Dasselbe gilt für den Fall, wenn der Wettbewerbsgrad gering ist, beispielsweise, weil es eine Staatspartei gibt, die das Politikgeschäft monopolisiert. 5
II. Kritik am Vanhanen Index
Vieles von dem was Vanhanens Demokratisierungsindex aufzeigt ist interessant und einleuchtend. Deutlich wird auch, dass die entwickelten Demokratien alle samt im oberen Bereich und die eindeutig autoritären oder totalitären Regime im Unterfeld zu finden sind. 6 Allerdings bringt der Vanhanen-Index auch irritierende Ergebnisse hervor. Irritierend sind zum Beispiel die Unterschiede zwischen den westlichen Demokratien. Die alten Demokratien erreichen dabei Werte, die weit unter denen der Spitzengruppe liegen. So erreicht die Schweiz nur Platz 26 und die USA Platz 30. Beide liegen damit zum Beispiel hinter Papua Neuguinea. Wie ist diese Platzierung zu erklären? Argumentiert wird beispielsweise mit der niedrigen
1 Schmidt: Demokratietheorien; 2000; S. 398
2 Dahl: Polyarchy; S. 4
3 Schmidt verwendet die Formel: P= Z/P*100, die allerdings irreführend wegen der zweifachen Verwendung des
P ist.
4 Schmidt: Demokratietheorien; 2000;S. 398
5 Schmidt: Demokratietheorien; 2000; S. 399
6 Schmidt: Demokratietheorien; 2000; S. 400
Wahlbeteiligung. Aber fraglich ist, ob man unter diesen Umständen wirklich von einer guten Demokratiemessung sprechen kann. So ist es doch unbestritten, dass die Demokratie der Schweiz, mit ihrer Vielzahl an Teilhabechancen, ihren Bürgern mehr Beteiligungschancen und mehr Demokratie bietet, als die meisten anderen Länder.
Jedoch ging rein rechnerisch alles mit rechten Dingen zu. Vanhanen ist seiner Formel zur Berechnung des Demokratisierungsindexes treu geblieben. Allerdings weist der Index einige Probleme auf:
Die Auswahl und Messung der Schlüsselgrößen Wahlbeteiligung und Stimmanteil der stärksten Partei sind nicht über jeden Zweifel erhaben. Hier werden nicht alle wichtigen Größen einbezogen: die Meinungsfreiheit spielt keine Rolle, ebenso wie die Berücksichtigung der Chancen, Interessen frei zu äußern und zu aggregieren, sowie Interessenvertretungen zu bilden. 7 Ferner wird die Partizipation anhand der Wahlbeteiligung ermittelt, nicht anhand der Beteiligungsrechte. Diese Wahlbeteiligung kann unterschiedliches widerspiegeln: Wählerapathie oder Wählerzufriedenheit, Wahlpflicht oder freiwillige Wahl, vielleicht sogar das Wetter am Wahltag. Außerdem wird die Qualität der Wahl nicht berücksichtigt. Ob sie fair sind, oder unfair wird nicht berücksichtigt.
Obendrein wird als Bezugsgröße der Beteiligung die gesamte Bevölkerung verwendet. Jedoch verzerrt dies aufgrund der unterschiedlichen Altersstruktur der untersuchten Gesellschaften die Wahlbeteiligungsquote. Besser wäre es, die Zahl der Wähler auf die Bevölkerung im wahlberechtigten Alter zu beziehen. Jedoch werden im Bereich der Wahl auch nicht andere Beteiligungsmöglichkeiten einbezogen, wie sie grade in direkten Demokratien üblich sind. Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn eine Partei auf legalem Wege einen großen Stimmanteil erhält. Dem Index zur Folge ergibt eine Partei mit einem großen Wähleranhang jedoch einen geringeren Wettbewerbsgrad und somit einen geringeren
Demokratisierungsindex. Außerdem wird die Qualität der in der Demokratie erzeugten Gesetze nicht erfasst, ebenso wie der institutionelle Rahmen der politischen Willensbildung und Entscheidungsfindung.
Das was Demokratie ist, misst der Index so nur zum Teil und möglicher Weise nicht umfassend genug.
7 So auch: Springs: Demokratieindizes als Indikatoren internationaler Ungleichheit; S. 3 http://www.peace-and-
conflict.net/pdf/Demokratieindizes%5B1%5D
III. Die Unterscheidung von Demokratien und Autokratien
Das Ranking zeigt das Kontinuum von politischen Systemen zwischen Demokratien und Autokratien, dabei befinden sich die Demokratien im oberen Bereich der Skala. Nur lassen sich Demokratien und Autokratien nicht ohne weiteres in 2 Lager spalten. Das bedeutet, egal wo man die Unterscheidung von Demokratien und Autokratien ansetzt, bedeutet das, dass die Demokratien mit dem geringsten Indexwert nah an den autokratischen Systemen mit dem höchsten Werten liegen. 8 Da das Anliegen der Untersuchung die Beschreibung der Demokratisierung ist, nutzt Vanhanen die Klassifikation in diese zwei Gebiete. So ist es auch notwendig, Demokratien zu definieren. Dies möchte Vanhanen mit Hilfe empirischer Daten tun. Als Ausgangspunkt seiner Untersuchungen legt er sich jedoch auch auf eine Definition von Demokratie fest: „Democracy is a political system in which different groups are legally entitled to compete for power and in which institutional power holders are elected by the people and are responsible to the people“ 9 . Das Problem liegt allerdings darin, festzulegen, wo der Grenzbereich anzusiedeln ist, das bedeutet: ab welchem Wert von Wettbewerb und Partizipation kann man von den Mindestanforderungen an eine Demokratie sprechen? Wenn der Anteil der kleinen Parteien unter 30 Prozent liegt, so kann man sagen dass die Dominanz der größten Partei so hoch ist, dass man nicht mehr von einer Demokratie sprechen kann. Es scheint Vanhanen also, als wäre ein sinnvoller minimaler Grenzwert für den Wettbewerb bei 30% anzusiedeln. 10
Im Bereich der Partizipation macht es Sinn einen geringeren Wert anzusiedeln, für den Fall, dass die Zahl für die Wählerpartizipation von der gesamten Bevölkerungszahl kalkuliert wurde, nicht nur von der erwachsenen Bevölkerung. Aus diesem Grund nutzt Vanhanen 15% für den Wert der Partizipation als minimalen Grenzwert. Diese Werte sind mehr oder weniger willkürlich ausgewählt, scheinen jedoch sinnvoll um Demokratien von Autokratien zu unterscheiden. Da beide Werte als notwendig für eine Demokratie eingestuft werden, ist es auch notwendig für ein Land in beiden Bereichen einen Wert zu erreichen, der über dem minimalen Grenzwert liegt, um als Demokratie eingestuft zu werden. 11 Wettbewerb und Partizipation stellen zwei gänzlich unterschiedliche Dimensionen von Demokratien dar, daher sind diese auch nur leicht miteinander korreliert.
8 Vanhanen: The Process of Democratization; S. 31.
9 Vanhanen: Prospects of Democracy; S: 31.
10 Vanhanen: The Process of Democratization; S. 32
11 Vanhanen: The Process of Democratization; S. 33
Arbeit zitieren:
Alexandra Kloß, 2008, Transformationheuristiken: Tatu Vanhanen , München, GRIN Verlag GmbH
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