1. Einleitung
Frauen sitzen in den Chefetagen großer Unternehmen oder nehmen hohe Positionen in der Regierung ein. Sie überholen Männer in vielen Bereichen der Bildung und bringen Karriere und Kinder unter einen Hut. Noch nie zuvor haben es so viele „Alpha-Mädchen“ (siehe „Der Spiegel“, 11.06.2007, S.56) in hohe Positionen geschafft und ein Ende ist nicht abzusehen. Heute hat die Macht auf dem Globus ein weibliches Gesicht. Man denke nur an Angela Merkel, die erste Bundeskanzlerin Deutschlands, Indra Nooyi, die Chefin des Getränkekonzerns Pepsi, Hillary Clinton, US-Außenministerindie Liste ließe sich beliebig verlängern. Doch nach wie vor existieren Unterschiede in den Gehältern und Entwicklungsmöglichkeiten, was natürlich auch von Land zu Land unterschiedlich ist. So gibt es immer noch Länder, in denen sich die Frauen den Männern unterzuordnen haben, kein Auto fahren und erst recht nicht für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen dürfen, wohingegen es in den westlichen Ländern zunehmend frauenfreundliche Regelungen gibt, wie beispielsweise in Norwegen, wo sogar gesetzlich festgelegt wurde, dass mindestens 40% der Aufsichtsräte in Firmen weiblich sein müssen.
Heute ist in vielen europäischen Ländern fast die Hälfte der Studenten weiblich. Die Karriere steht im Vordergrund. Ein Kinderwunsch lässt sich nur dann erfüllen, wenn es der Beruf erlaubt. Im Leben steht nicht mehr die Ehe im Mittelpunkt, sondern Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung. Wenn sich die Frau doch für Ehe und Familie entschließen sollte, so ist es - im Gegensatz zu den Gepflogenheiten des 19. Jahrhunderts - zumeist völlig selbstverständlich, nach der Eheschließung und Geburt einer oder mehrerer Kinder die Berufstätigkeit wieder aufzunehmen. Dass Frauen immer mehr in die von Männern dominierten beruflichen Positionen drängen, zeigt sich auch darin, dass das „Forbes Magazine“ seit 2004 auch eine Liste der 100 mächtigsten Frauen veröffentlicht. Frauen managen nicht mehr bevorzugt die Familie, sondern Firmen und Organisationen, und nebenbei noch die Familie. Auch gibt es Familien, in denen der Mann sich um die Kinder kümmert, weil die Frau eine besser bezahlte Stelle hat und/oder er mehr Zeit mit den Kindern verbringen will. Man respektiert ihre Entscheidung für oder gegen eine Familie und nennt sie auch nicht mehr Rabenmütter, weil das Kind tagsüber in eine Krippe gebracht wird. Es gehört einfach zum Alltag dazu.
2
Doch es war ein langer Weg, den die Frauen zum Erreichen von Gleichheit und Unabhängigkeit gehen mussten. Man unterscheidet hierbei 3 Phasen (vgl. Internetquelle: Meyers Lexikon). Die erste Phase oder Welle der Frauenbewegung von Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte das Ziel, das Frauenwahlrecht und das Recht auf höhere Bildung durchzusetzen. Mit Erfolg: 1906 wurde in Finnland, als erstem europäischem Land, das Frauenwahlrecht eingeführt, weitere Länder folgten in den nächsten Jahren. Auch wurde Frauen Zugang zu den gleichen Studienabschlüssen wie Männern ermöglicht, wenn auch nicht gleich an allen Universitäten. In Oxford war es erst ab ca. 1920 möglich, in Cambridge über zwanzig Jahre später (Winther 10). Die zweite Welle ab etwa 1960 hatte zum Ziel, die Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf und in der Ehe zu erreichen, Schutz vor gewalttätigen Übergriffen in der Familie gesetzlich zu verankern und die Reform des Ehe- und Familienrechts durchzuführen. Auch hier konnten wesentliche Erfolge erzielt werden: Frauen wurden mehr Rechte im Ehe- und Familienleben zugestanden. Im Falle einer Scheidung waren sie von nun an finanziell abgesichert, sie hatten das Recht auf Abtreibung und auch bei einem Gewaltakt gegen sie oder ihre Kinder drohte dem Mann eine Strafe. Frauen konnten ab diesem Zeitpunkt eine Tätigkeit ausüben, ohne vorher den Mann um Erlaubnis fragen zu müssen. Dadurch haben sich ihre beruflichen Möglichkeiten weitgehend verbessert.
Die letzte Phase der Frauenbewegung begann in den 90er Jahren in den USA. Viele Frauen erkannten, dass die Gleichheit im Beruf, vor allem beim Lohn, noch nicht gegeben war und sich Beruf und Familie in Einem nicht realisieren lassen konnten. Dass es seit der dritten Welle immense Fortschritte in der Emanzipation der Frau gab, verdeutlichen die eingangs erwähnten Beispiele.
In Großbritannien setzte die Diskussion um die Gleichbehandlung der Frau Ende des 18. Jahrhunderts ein. Hervorzuheben ist hier die Schrift „A Vindication of the Rights of Women“ von Mary Wollstonecraft. Die Kritik am seinerzeit vorherrschenden Rollenmodell von Frau und Familie wurde auch in der Literatur des viktorianischen Zeitalters aufgegriffen. So verfolgte die englische Schriftstellerin Charlotte Brontë mit ihrem 1847 erschienen Bildungsroman Jane Eyre 1 ähnliche Ziele: Die Forderung nach Gleichberechtigung, finanzieller Unabhängigkeit und nach höheren Bildungsmöglichkeiten für Frauen wurde durch die fiktive Erzählerprotagonistin Jane Eyre dargestellt. Charlotte Brontё machte auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam, die
1 Charlotte Brontё. Jane Eyre. Penguin Classics: London, 2006. Alle Zitate aus dieser Quelle werden im Folgenden im Text mit JE gekennzeichnet.
3
es in ihren Augen unbedingt zu korrigieren galt. Was ihren Roman auszeichnet, ist das feministische Gespür für die Machtstrukturen des viktorianischen Patriarchats und die massive Kritik an den normativen Geschlechtsrollenbildern dieser Gesellschaft. Charlotte Brontë lebte in einer Zeit fernab jeglicher Gleichberechtigung der Geschlechter. In dieser Zeit war der Heiratsmarkt noch attraktiver als der Arbeitsmarkt und auch das Selbstverständnis der Frau war nicht mit dem heutigen zu vergleichen. So verlangte diese Ungleichheit der Geschlechter auch von Charlotte Brontë, den Roman unter dem männlichen Pseudonym Currer Bell 2 zu veröffentlichen, denn in einer Welt, in der die Literatur hauptsächlich männlich geprägt war, hätte man einem, von einer Autorin geschriebenen, gesellschaftskritischen Werk kaum Beachtung geschenkt. Ihre Figur Jane Eyre hatte andere Vorstellungen von einem ehelichen Leben und von der Rolle der Frau. Sie ist eine junge emanzipierte Frau, die einen außerordentlichen Drang zur Unabhängigkeit verspürt, ihre individuellen Ziele und Wünsche ehrgeizig verfolgt, sich nicht von den Männern, die ihr im Laufe ihres Entwicklungsprozesses begegnen, in ein bestimmtes Rollenverhalten hineinpressen lässt und am Schluss sagen kann, dass sie zu einem für sie befriedigendem Ergebnis gekommen ist.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, aufzuzeigen, dass die Protagonistin Jane Eyre mit dem damals vorherrschenden Rollenmodell bricht und sowohl in ihrer Gedankenäußerung als auch in ihrem Handeln emanzipierte Verhaltensweisen verfolgt. Zunächst gilt es, das gängige Rollenmodell in der viktorianischen Gesellschaft herauszuarbeiten und anhand bestimmter Figuren, denen Jane während ihres Bildungsprozesses begegnet, ausgewählte Facetten im Detail zu diskutieren. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf Janes Freundin Helen Burns, die Schulleiterin Ms. Temple und ihre vermeintliche Konkurrentin Blanche Ingram gelegt. Der Schwerpunkt der Arbeit wird in der Beschäftigung Janes mit den verschiedenen Varianten des „Angel in the House“-Modells wie auch in der Auseinandersetzung mit Vertretern des Patriarchats liegen. Als Konsequenz daraus ergibt sich Janes eigener Lebensweg.
2 Weitere Beispiele aus der viktorianischen Zeit sind ihre Schwestern Emily und Anne Brontë, unter dem männlichen Pseudonym Ellis und Acton Bell bekannt, sowie Mary Ann Evans (alias George Eliot).
4
2. Das Rollenmodell des „Angel in the House“ im viktorianischen Zeitalter
Im Zuge der Industriellen Revolution kam es im 19. Jahrhundert zu einem gesellschaftlichen Wandel, der, ausgehend von der patriarchalischen Mittelschicht, durch eine strenge Gesellschaftsordnung gekennzeichnet war. Von klein auf sollten Mädchen gemäß der viktorianischen Vorstellung auf die Rolle der Frau vorbereitet werden. Dazu gehörte die „Unterdrückung und Kontrolle frühkindlicher Affekte“ (Honegger 28) und die Erziehung zu Selbstdisziplin, Passivität und Selbstverleugnung. Die Äußerung eigener Gefühle und Wünsche galten als verpönt und sollten von klein an unterdrückt werden.
Aus der Obhut der Mutter entlassen, kamen die Mädchen oftmals in eine Institution, in der sie allerlei Fähigkeiten erlernten, um auf dem Heiratsmarkt einen angemessenen Partner zu finden. Diese Fähigkeiten, auch „female accomplishments“ genannt, bestanden in der Regel aus dem Erlernen einer oder mehrerer Fremdsprachen, Lesen, Malen, Tanzen und Singen, verschiedene Näharbeiten, der Beherrschung eines Musikinstruments (häufig das Piano) und auch dem Erlernen von wohlgeformter Konversation (Loesser 268). Zusätzliche Fähigkeiten waren natürlich von Vorteil; und wenn die Frau noch dazu hübsch war, hatte sie gute Chancen einen Mann aus einer höheren Gesellschaft zu ehelichen. All das sollte sie natürlich auch geschickt in Szene zu setzen wissen. Religiöse Tugenden wie Selbstverzicht, Frömmigkeit und Altruismus wurden konsequent befolgt und sollten auf das spätere Familienleben vorbereiten. Die sexuelle Unversehrtheit vor der Ehe wurde als gegeben vorausgesetzt. Nachdem die jungen Frauen die Schule erfolgreich absolviert hatten, wurden sie entweder gleich verheiratet oder traten einen Beruf als Lehrerin oder Gouvernante an, um sich ein Mindestmaß an finanzieller Unabhängigkeit zu verschaffen. Ein höherer Bildungsabschluss war zu jener Zeit für eine Frau nicht vorgesehen, ebenso wenig wie ein Besuch der Universität ausgeschlossen war. Höherwertige Bildung war ausschließlich den Männern vorbehalten. Sobald ein geeigneter Ehemann gefunden war, häufig durch die Eltern arrangiert, wurde die berufliche Tätigkeit aufgegeben, um sich ganz auf die Rolle als Ehefrau und Mutter zu konzentrieren - das höchste und einzige Lebensziel im viktorianischen Zeitalter. Nach gängiger Sicht war die Frau ein Mängelwesen (Rublack 66), eine „relative creature“, die sich erst durch die Verbindung zum Mann definierte (Basch 1974). Der Frau wurde eine Rolle zugedacht, für die man
5
den Begriff des „Angel in the House“ 3 prägte: Eine sich völlig selbstlos der Familie aufopfernde, vor Reinheit strotzende, engelsgleiche Frau, die dem Mann, der einer harten und skrupellosen Wirklichkeit der industriellen Revolution ausgesetzt war, einen Ort des Friedens bot und ihm vor dem Sittenverfall beschützte. Nach John Ruskin war das Zuhause „A sacred place, a vestal temple“ (Houghton 343). Das Heim galt als Zufluchtsort für den Mann, eine Stätte der Tugend, wo er von seiner Frau liebevoll und aufopfernd umsorgt wurde, aber auch zu ihr aufschaute und hoffte, von ihrer Reinheit zehren zu können.
Der öffentliche Bereich (public sphere) wurde der Frau ganz vorenthalten, um sie vor den Gefahren der Außenwelt zu schützen. Dafür erhielt sie einen eigenen Bereich (domestic sphere), wo sie auch mal aktiv sein durfte. Zu ihren Aktivitäten zählte, in liebevoller Hingabe den Haushalt zu leiten, sich ausschließlich um die Bedürfnisse der Familie zu kümmern und den Mann am Abend zu verwöhnen. Hierbei konnte sie nun ihre Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Der endgültige Höhepunkt im Leben einer Frau war mit der Geburt ein oder mehrerer Kinder erreicht. Dieses Idealbild war in sich jedoch widersprüchlich: Als „Angel in the House“ oder „Woman on the pedestal“ übertrug man der Frau die Regentschaft im häuslichen Bereich und vermittelte ihr das Gefühl einer verantwortungsvollen Aufgabe. Gleichzeitig stellte dies auch eine Erniedrigung dar, weil klar wurde, welche Position für sie vorgesehen war. In der gesellschaftlichen Wirklichkeit besaß die Frau keinerlei Macht und war dem Mann noch immer untergeordnet. Trotz ihrer Verantwortung im häuslichen Bereich, waren ihr sämtliche Rechte vorenthalten: Sie durfte sich nicht scheiden lassen und dürfte auch kein Vermögen besitzen. Ein eventuelles Vermögen, in die Ehe eingebracht, wurde sofort dem Mann übertragen (Winther 8). Aufgrund der finanziellen Abhängigkeit konnte der Mann von der Frau alles verlangen, was ihm beliebte, vor allem Gehorsamkeit. Er stand im Mittelpunkt, ihn galt es zu beglücken und sich seiner anzunehmen, eigene Bedürfnisse und Wünsche waren unbedeutend, es wurde stets die Meinung des Mannes vertreten (Winther 8). Eine individuelle Selbstverwirklichung auf weiblicher Seite war nicht denkbar. Die Frau durfte den Mann nie in seiner Selbstwahrnehmung herausfordern, sondern ihm vielmehr das Gefühl vermitteln, ihr überlegen zu sein. Konnte sie seine sexuellen Bedürfnisse nicht befriedigen, durfte er auf die Prostitution zurückgreifen. Zugleich jedoch sollte sie
3 So auch der Name des Gedichts von Coventry Patmore (London, 1854).
6
ihm helfen, seine Triebe zu unterdrücken, was zur Folge hatte, dass ihre sexuellen Bedürfnisse ganz außen vor gelassen wurden (Rublack 68, 69). Das Zulassen von Emotionen galt als unschicklich, eher selten kam es zu einer Liebesheirat. Der Ehemann wurde in den häufigsten Fällen von den Eltern ausgesucht, wer dagegen verstieß, hatte mit einem Ausschluss aus der Familie zu rechnen. Man ging davon aus, dass die Liebe sich mit der Zeit von alleine einstellte. Zurückhaltung und Affektkontrolle, wie man es in früher Kindheit erlernt hatte, wurden vom Mann hoch geschätzt. Leidenschaftliche Ausbrüche dagegen galten als unnatürlich und wurden in den häufigsten Fällen als krankhaftes Verhalten gedeutet. Dieses Rollenverhalten war das einzige Modell, das die patriarchalische Gesellschaft für eine verheiratete Frau aus der Mittelschicht vorsah und meist blieb ihr keine andere Möglichkeit, als es zu akzeptieren.
3. Verschiedene Varianten des Modells am Beispiel ausgewählter Frauenfiguren
Nachstehend soll auf drei wichtige Kontrastfolien Janes eingegangen werden, die alle bestimmte Facetten des „Angel in the House“-Modells verdeutlichen. Der Roman beschreibt auch andere Frauenfiguren, deren Einfluss auf Janes Entwicklung jedoch von geringerer Bedeutung ist.
3.1 Helen Burns - die Inkarnation des selbstlosen Engels
Die erste Figur in dieser Analyse ist die 14-jährige Helen Burns 4 . Jane Eyre begegnet ihr einzig und allein in der „Lowood Institution“, einer Schule für Waisenkinder. Hier sind beide bis zu Helens Tod unzertrennlich. Helen kommt ursprünglich aus Northumberland und wurde zwei Jahre vor Janes Ankunft von ihrem Vater nach Lowood geschickt, ihre Mutter war vor längerer Zeit verstorben (JE, 61). In ihrer ersten Begegnung mit Jane sitzt sie alleine auf einer Bank und liest. Das Buch, in das sie vertieft ist, ist allerdings kein Kinderbuch, sondern eine tief religiöse Schrift aus dem 18. Jahrhundert: Rasselas von Samuel Johnson. Es beschäftigt sich hauptsächlich mit dem richtigen Pfad zur Glückseligkeit.
4 Zur Namensgebung vgl. Thaden, 57.
7
Helen wird dem Leser als äußerst religiös, aufopferungsvoll und selbstlos geschildert. Ihren Körper verleugnet sie ebenso wie ihre persönlichen Wünsche und Bedürfnisse. Widerstandslos passt sie sich dem von der Schule vorgegebenen Erziehungsmodell an, das Demut, Aufopferung und Selbstverzicht für die Mädchen vorsieht. Auch ist Helen Burns sehr gebildet, besitzt Kenntnisse über Literatur und Naturkunde (JE, 87) und beherrscht neben Französisch auch Latein. So bezeichnet Elaine Showalter sie zutreffend als „The Angel of Lowood“: Sie sei „pious, intellectual, indifferent to her material surroundings, resigned to the abuse of her body, and inevitably, consumptive.” (Showalter 118). Man könnte also meinen, Helen würde den Prototyp des „Angel in the House“ verkörpern.
Allerdings interessiert sie sich nicht für ein Leben im Diesseits. Helens Bestreben ist nicht auf ein irdisches Ehe- und Familienleben ausgerichtet, sondern auf ein Leben nach dem Tod. Sie ist der selbstlose Engel, der Diener Gottes, der sich in liebevoller Hingabe den vorgegeben Pflichten widmet, weil er darin das Schicksal sieht, das Gott für ihn vorgesehen hat. Oft wirkt sie verträumt und vergeistigt („She looks as if she were thinking of something beyond her punishment - beyond her situation: of something not round her nor before her.” JE, 62). Die dominierende Leitfigur ist für sie nicht der Ehemann, sondern Gott Vater, dem sie ihr ganzes Leben unterordnet. Die eigenen Bedürfnisse werden zum Wohle Gottes zurückgestellt, seine Lehren werden vertreten. Helens Körper hat für sie keine Bedeutung, auch sexuelle Bedürfnisse sind offenbar völlig untergeordnet, weil sie weiß, dass Gott nach ihrem Tod nur ihre Seele zu sich holen wird (JE, 83).
Wenn sie den Erwartungen in der Schule nicht nachkommt, lässt sie auch Strafen über sich ergehen, denn sie ist schließlich zu ihrer Erziehung nach Lowood gekommen (JE, 66). Fast täglich wird sie von den Lehrern (hauptsächlich von Ms. Scatcherd) aufgrund kleinerer Unachtsamkeiten (keine sauberen Fingernägel, keine gerade Haltung, keine aufgeräumte Schublade) und Fehlverhalten getadelt oder muss beispielsweise den ganzen Schultag mit einem Schild, das sie als „slattern“ (JE, 87) brandmarkt, herumlaufen. Wenn sie gar zu unartig ist, wird sie mit einer Rute geschlagen (JE, 65). Doch Helen nimmt die Bestrafungen gleichmütig hin: Sie wehrt sich nicht, noch verzieht sie eine Miene. Stets wirkt sie gefasst und hat ihre Gefühle völlig unter Kontrolle. Eine Träne mag ihr vielleicht entrinnen, doch sie würde nie in lautes Schluchzen ausbrechen. Helen findet die Strafen berechtigt, denn sie sieht sich folgendermaßen: “[…] slatternly; I seldom put, and never keep, things in order; I am
8
Arbeit zitieren:
Nadine Aldag, 2009, Charlotte Brontes "Jane Eyre" als kritische Auseinandersetzung mit dem Rollenmodell des "Angel in the House", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Gender roles in Charlotte Brontë's "Jane Eyre"
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Werkstätten eines lernenden Menschen - Lern-, Reise- und Lesetagebüche...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Kartelle - Definition, Ziele, genehmigte und verbotene Kartelle
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Hausarbeit, 16 Seiten
Berufsvorbereitung ohne Nutzen? Das neue Fachkonzept der Bundesagentur...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Bachelorarbeit, 34 Seiten
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit, 15 Seiten
Phantastische Strukturen in "Alice im Wunderland" von Lewis ...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 15 Seiten
Daily Life in Victorian England: The Middle Class and its Values
Anglistik - Kultur und Landeskunde
Seminararbeit, 21 Seiten
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Racial attitudes in Melville’s 'Benito Cereno' and Twain’s ...
Examensarbeit, 54 Seiten
Hinduismus und Kastenwesen in Indien - Früher und Heute
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Bachelorarbeit, 55 Seiten
Social Criticism in The Adventures of Tom Sawyer and Huckleberry Finn
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Sozialisation und ihre Bedeutung im Rahmen der Schule
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit, 12 Seiten
The role of women in Victorian England reflected in Jane Eyre
Hausarbeit, 18 Seiten
Selbstorganisiertes Lernen als Konzept für den Wirtschaftsunterricht z...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Examensarbeit, 35 Seiten
Nadine Aldag's Text Charlotte Brontes "Jane Eyre" als kritische Auseinandersetzung mit dem Rollenmodell des "Angel in the House" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Nadine Aldag hat den Text Charlotte Brontes "Jane Eyre" als kritische Auseinandersetzung mit dem Rollenmodell des "Angel in the House" veröffentlicht
Nadine Aldag hat einen neuen Text hochgeladen
Charlotte & Emily Brontë: Jane Eyre, Wuthering Heights
Uni-Wissen Anglistik-Amerikani...
Marion Gymnich
Imagining Characters: Six Conversations about Women Writers: Jane Aust...
A. S. Byatt, Ignes Sodre
0 Kommentare