Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
Seite 03
II. Kurzbiographie zu Rafik Schami
Seite 03
III. Die Erzählungen in der Erzählung
Seite 04
IV. Schlussbemerkung
Seite 08
V. Literaturverzeichnis
Seite 09
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Rafik Schami ist ein Erzähler, dem es hervorragend gelingt, seinen Lesern die Erzählungen aus dem orientalischen Damaskus äußerst bildreich und schmuckvoll näher zu bringen. Seine literarische Tätigkeit zwischen dem orientalischen Märchen- und Geschichtenerzählen und der Wiedergabe seiner Erfahrungen als Migrant in Deutschland bilden einen Brückenschlag zwischen Orient und Okzident, der den Leser in seinen Bann ziehen kann. Die gesellschaftliche Komponente sowohl in seiner syrischen Heimat als auch in seiner deutschen Wahlheimat betreffen viele und wecken das Interesse, sich näher mit diesen Erzählungen zu beschäftigen. Der „Erzähler der Nacht“ lässt sich zum einen unter dem abenteuerlichen Aspekt von Tausendundeiner Nacht lesen, der den Horizont des Orients öffnet und den Leser in die Geschichten Rafik Schamis eintauchen lässt.
Zum anderen lässt sich differenzierter lesen, wie Rafik Schami gerade diesen Effekt erzielt? Wie er den Leser / die Leserin in seine Erzählung mit hineinzieht und ihn zum Teil einer Erzählwelt werden lässt, in der die Ränder von Fiktion und Realität verwischen?
Der in 1946 unter dem Namen Suheil Fadél geborene syrisch-deutsche Schriftsteller gründete schon mit 19 Jahren die Wandzeitung ‚Al-Muntalek’ im alten Stadtviertel von Damaskus. Mit 25 Jahren emigrierte er in die Bundesrepublik Deutschland und ging als Gastarbeiter diversen Tätigkeiten im Industrie- und Dienstleistungsgewerbe nach, studierte nebenbei Chemie und promovierte 1979 in Heidelberg. Sein Künstlernamen Rafik Schami ist eine Erfindung, die ihn als Freund (Rafik = Freund) seiner Heimatstadt Damaskus (Schami = Damaszener) ausweist. Seit 1980 veröffentlicht Schami seine Werke in deutscher und arabischer Sprache und war Gründungsmitglied der Literaturgruppe ‚Südwind’ und des ‚Polynationalen Literatur-und Kunstvereins’ (PoLiKunst) . Seine Mitarbeit drückt sich in der Mitherausgeber- und Autorenschaft der Reihe ‚Südwind-Gastarbeiterdeutsch’ und ‚Südwind-Literatur’ aus. Als
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freier Schriftsteller ist Schami seit 1982 tätig und wurde 2002 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Seit 1985 hat Rafik Schami schon mehr als zwanzig Literaturpreise erhalten, darunter 1990 den Rattenfängerpreis der Stadt Hameln und den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar für den ‚Erzähler der Nacht’. Seine Bibliographie umfasst fünfundzwanzig epische Werke und drei dramatische Stücke.
Zu Beginn einer jeden Geschichte stellt sich die Frage: „Womit fängt die Erzählung an?“ 1 Bei Rafik Schamis ‚Erzähler der Nacht’ wird dem Leser schon eingangs vermittelt, dass es sich um eine „seltsame Geschichte“ 2 handelt. Schami wählt die Form des „erzählten Anfang(s)“ 3 , denn er vermittelt dem Leser nicht das Gefühl, dass er sich am Anfang der Erzählung befindet, sondern, dass ihm nun eine Geschichte erzählt wird, in die der Erzähler eingreift, Vorausdeutungen liefert und geschichtliche Rückgriffe vermittelt. Es ist schon eine seltsame Geschichte: Der Kutscher Salim wurde stumm. Wäre sie nicht vor meinen Augen geschehen, ich hätte sie für übertrieben gehalten. Sie begann im August 1959 im alten Viertel von Damaskus. Wollte ich eine ähnlich unglaubliche Geschichte
erfinden, so wäre Damaskus der beste Ort dafür. 4
Schami spielt schon am Anfang seiner Erzählung mit dem Zwiespalt von Historizität und Fiktivität, in dem er den Erzähler als Augenzeugen anführt, der die Geschichte als Tatsachenbericht vermitteln möchte. Erst nach einer ausführlichen Einleitung und Beschreibung des Kutschers und der anderen Personen tritt der Erzähler selbst als „Kind der Nachbarschaft“ 5 auf. Demgegenüber steht die Aussage, dass die Erfindung einer solchen Geschichte vom Erzähler ebenfalls nach Damaskus verortet werden würde, weil in dieser Stadt eine Vielzahl „sonderbare(r) Menschen“ fände, die mit vielen „Merkwürdigkeiten“ 6 ausgestattet seien. Damaskus wird folglich als idealer Ort für fiktive Erzählungen angeführt und überlässt es dem Leser, diese Geschichte für wahr zu nehmen oder als Fiktion anzuerkennen.
1 Waldenfels S. 21.
2 Schami S. 5.
3 Waldenfels S. 21.
4 Schami S. 5.
5 Schami S. 22.
6 ebd.
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Arbeit zitieren:
René-André Kohl, 2007, Erzählungen in der Erzählung „Erzähler der Nacht“, München, GRIN Verlag GmbH
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