Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
1.1 Einführung 3
1.2 Gang der Untersuchung 5
1.3 Quasi-Kausalität Wahrscheinlichkeit der Nichtverwirklichung
komplexer Großrisiken 6
1.3.1 Der Begriff Wahrscheinlichkeit Abgrenzungen 6
1.3.2 Das Wort Wahrscheinlichkeit in den Wirtschaftswissenschaften 6
1.3.3 Das Wort Wahrscheinlichkeit in der Umgangssprache 10
1.3.4 Das Wort Wahrscheinlichkeit in den Rechtswissenschaften 12
1.3.5 Das Wort Sicherheit in der Umgangssprache 13
1.3.6 Das Wort Sicherheit in der Wissenschaft 13
1.3.7 Zur so genannten Quasi-Kausalität (Fehl )Behauptungen 14
1.3.8 Sachkritischer Kommentar zu FUCHS und KIENAPFEL HÖPFEL 18
1.3.9 Die FUCHSsche media sententia und Fragen hiezu 19
1.4 Zur Wahrscheinlichkeit in der Prozesspraxis 19
1.4.1 Heisenberg sche Unschärfe-Relation : New Age ante portas 19
1.4.2 Die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit in der öRSpr 22
1.4.3 Die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit in der dRSpr 27
1.4.4 Das beyond a reasonable doubt in der Common Law RSpr 28
1.4.5 Implikationen für die (Prozess )Praxis 28
1.5 Zusammenfassung und skeptisch-ambivalenter Ausblick 30
2
1 Einleitung
1.1 Einführung
Der Problemkreises der sog Unterlassungshaftung, in welchem die sog Quasi- Kausalität von Bedeutung ist, ist für Mediziner/innen von großer Bedeutung. Dies deshalb, da hier zT eine Wahrscheinlichkeits-Urteil verlangt wird 1 .
Bereits von Anfang an werden Mediziner/innen mit statistischen „basics“ betraut. Das Beweismaß einer so genannten „an Sicherheit grenzenden [sic!] Wahrscheinlichkeit“ regt „zum Lachen (oder Weinen) an“ (so manche Wissenschafter/innen): seriös-wissenschaftlich haltbar ist es – wie so manche Medizinerin/so mancher Mediziner dies durchaus rasch durchschaut (nicht zuletzt ob fundierten statistischen Elementar-„Verständnisses“) allerdings – im juristischen Kreis kaum reflektiert – in keinster Weise.
Wenn ich angeklagt bin (etwa wegen fahrlässiger Tötung oder fahrlässiger Körperverletzung durch ein Unterlassen) als Mediziner (Medizinerin), bedarf es eines „Sachverständigen“ welcher besagte „Quasikausalität“ mit der (berühmt-berüchtigten) „an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ festzustellen hat, widrigenfalls ein eingetretener Erfolg nicht zugerechnet werden kann. 2
a) Was nun kann im Prozessverlauf ein angeklagter Mediziner etwa tun? Wie kann/sollte er eventuell argumentieren?
1 Hochgradig verfehlt etwa HAAG 2003: 1ff betreffend die – so genannte – „an Sicherheit grenzende [sic!] Wahrscheinlichkeit“ (es wird zwar gefragt, aber: die entscheidene zentrale Problematik, dass (bereits!) die Wortfolge elementares Unwissen/gewaltige Unkenntnis betreffend die „Relation“ Sicherheit-Wahrscheinlichkeit aus (vollends) seriös-wissenschaftlicher Perspektive kommuniziert, bleibt – de facto – ungeachtet der Mühen der Autorin) – bedauerlicher Weise - unberücksichtigt. [sic!] 2 Der Autor dankt ua Herrn Prof Dr Hannes SCHÜTZ für seine wichtigen Gedanken im Zuge von Prüfungen, für das persönliche, geduldige Gespräch sowie seine wertvollen und wichtigen Ausführungen (ganz grds) im Kontext seiner wichtigen Lehrveranstaltung zum medizinischen Strafrecht (in Ö). Ferner dankt der Autor nicht zuletzt Medizinern, Richtern und Staatsanwälten sowie Statistikern, Vertretern der Polizei und in- wie ausländischen Wissenschaftern für zahlreiche Erwägungen, (sachliche) Kritik und Verbesserungsideen. Insbesondere gilt der Dank des Autors (namhaften) Vertretern (Vertreterinnen) aus Recht, Medizin und Wirtschaft.
3
b) Welche Aufgabe hat im Falle von Erfolgs-Unterlassungdelikten sein Verteidiger?
c) Wie kann man den Sachverständigen (intelligent, sachlich) „aufmachen“?
d) Wie überzeugt man (möglichst) den Herrn Rat / die Frau Rat von der Haltlosigkeit besagter (gut-klingender, rhetorischer) Wortfloskel?
e) Wie sieht es beim grob pflichtwidrigen Unterlassen einer Ärztin (eines Arztes; als Drittem) betreffend den Risikozusammenhang aus? Ist auch hier die – so genannte – „an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“ korrekt?
f) Wie kann man Sachverständige zum Umdenken bewegen?
g) Was bedeutet das – aus Sicht der StA – für die Anklage(schrift)?
h) Was kann ein Verteidiger für seinen (Chef-)Arzt „herausholen“ (igZ)?
i) Stichwort „Schriftgutachten“ (etwa von s.g. Kriminologen Prof Dr GRAFL): Was bedeutet hier (bzw hat hier – etwa heute, anno 2009 - „verloren“) die so genannte „an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“ (in „Ausnahmefällen“ etwa von s.g. Kriminologen Prof Dr GRAFL etwa gebraucht)?
j) Stichwort „DNA-Untersuchungen“: Was hat hier – de facto – aus seriös- wissenschaftlicher Sicht – etwa eine – so genannte „an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“ – allen Ernstes zu suchen?
Diesen und anderen Fragen versucht besagte Arbeit (implicite, sachlich, geduldig, entschieden, höflich, aus verschiedenen Perspektiven, für Juristinnen/Juristen wie Nicht-Juristen) nachzugehen.
Es war sohin ein sehr großer (wissenschaftlicher und lebensnaher) „Reiz“ – auch eingedenk der gerichtlichen Erfahrungswerte – die Behauptungen der Theorie und der Praxis auf ihren wissenschaftlichen (!) Aussagegehalt zu untersuchen, etwaige Inkonsistenzen 3 zu untersuchen und Gestaltungsspielraum, nicht zuletzt für die Praxis
3 Prominent für inkorrekte Vorgehensweise (bedauerlicherweise) etwa HAAG 2003: 69, die im
Rahmen dieser Arbeit (Diss.-Thema: „Strafrechtliche Verantwortlichkeit von Ärzten und
medizinischem Hilfspersonal“; Betreuer: FUCHS; TIPOLD an der Uni Wien) stellt, allerdings (auch bei
4
der StrafverteidigerInnen und StaatsanwältInnen aufzuzeigen. Doch soll diese Arbeit auch die Problematik der hier primär untersuchten Wortfolge, wo im (ö) Zivilprozessrecht etwa gebraucht, aufdecken. Hierbei wurde nicht nur die juristische, sondern auch die wirtschaftswissenschaftliche Literatur zT analysiert, sondern es flossen auch zahlreiche praktische Beobachtungen, Gespräche und Diskussionen mit VertreterInnen von Theorie und Praxis ein.
Geduldigen Lesern/Leserinnen vermag diese Arbeit „Türen“ zu öffnen, die ihnen bis dato erfahrungsgemäß typischerweise im Ergebnis durchaus (eher) verschlossen waren. Überdies ermuntert die Arbeit zum selbständigen, (möglichst) „barrierefreien“ Denken.
1.2 Gang der Untersuchung
Zu Beginn wird das Wort „Wahrscheinlichkeit“ einer mehrfachen Untersuchung unterzogen. Sodann werden die Grundlagen und -probleme va mit HEINE 4 behandelt, es wird dabei insbesondere auf die Frage der sog „Unterlassungshaftung“ eingegangen und in diesem Kontext die Feststellung der sog „Quasikausalität“ unter Darlegung der Kontroversen in Ö und Dtl behandelt. Zugleich wird auf die Durchbrechung des Risikozusammenhangs bei grob sorgfaltswidrigem Verhalten Dritter eingegangen. Ferner wird auf die Wortfolge der sog „an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ in anderen Bereichen außerhalb des (ö) Strafrechts eingegangen. Schließlich wird auch noch kurz auf eine Wortfolge des Common Law-„Rechtskreises“ (kritisch-sachlich) eingegangen.
näherer, gutmütiger, geduldiger) Betrachtung in keinster Weise [sic!] die Problematik im Kern erfasst, ganz zu schweigen von der Quantifizierungs-(Mißbrauchs)Thematik betreffend besagte „Wortwahl“. 4 Kritisch zu den Worten von HEINE (1995: 1ff) ist ua FREIER (1998: 208), wenn er festhält: „Die Sanktionen und mit ihnen das ganze Programm Heines leiden an der unklaren Verhältnisbestimmung zum Strafrecht.“
5
1.3 „Quasi-Kausalität“ – Wahrscheinlichkeit der Nichtverwirklichung
komplexer Großrisiken ?
1.3.1 Der Begriff „Wahrscheinlichkeit“ - Abgrenzungen
Im Folgenden ist der Punkt der sog „Quasi-Kausalität“ auf seinen „tatsächlichen“
Aussagegehalt zu prüfen. Generell ist zu vermerken, dass die sog „an Sicherheit
grenzende Wahrscheinlichkeit“, welche in diesem Kontext zT herangezogen wird,
sachlich iSv wissenschaftlich falsch ist, es müsste „mit sehr großer Wahrscheinlichkeit 5 “ heißen.
Um das verständlich zu machen, wird auf die
unterschiedlichen Wahrscheinlichkeits-„Verständnisse“ , fernerhin die differierenden
Sicherheits-„Verständnisse“ (der Reihe nach) eingegangen.
1.3.2 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in den Wirtschaftswissenschaften
Zu vermerken ist ferner Folgendes: In den Wirtschaftswissenschaften 6 - existiert iRd
sog „Entscheidungstheorie 7 “ im Zuge von sog „Entscheidungsproblemen unter
Unsicherheit 8 “-, das Wort „Wahrscheinlichkeit 9 “ (zahlreiche AutorInnen 10
5 Oder (alternativ): „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“.
6 NEUS (2005: 37) hält dazu fest: „Für ökonomisch relevante Entscheidungen lassen sich objektive Wahrscheinlichkeiten (wie die Wahrscheinlichkeit von je 1/37 für eine der ganzen Zahlen von 0 bis 36 beim Roulette) gewöhnlich nicht angeben.“ NEUS führt allerdings weiter aus, existierende „Informationen“ über „Zukunftsentwicklungen“ [sic!] könne man – so NEUS – „jedoch in subjektiven Abschätzungen“ [sic!] – wie NEUS formuliert – „umsetzen“ [sic!].
7 Vgl diesbzgl ua etwa SCHNECK 1993: 631, der vermerkt: „Die Wahrscheinlichkeiten sind insbesondere in der Entscheidungstheorie (Risikosituation) von Bedeutung.“ 8 SCHWARZE (1997: 27) etwa vermerkt, dass „im Zusammenhang mit Entscheidungsproblemen unter Unsicherheit häufig der Begriff der subjektiven Wahrscheinlichkeit“, die im Folgenden im Rahmen dieser Arbeit näher behandelt wird, „auftauchen“ würde.
9 Hinzuweisen ist, dass aus wissenschaftlicher Sicht, etwa auf dem Boden der Wissenschaftstheorie aber auch auf jenem etwa der betriebswirtschaftlichen Teildisziplin der Investitionsrechnung, wie etwa KRUSCHWITZ (1995: 251-252) dies festhält, „verschiedene miteinander konkurrierende Wahr- scheinlichkeitsinterpretationen“ existieren, „va“ sei die Unterscheidung zwischen „objektiver Wahrscheinlichkeit“ und „subjektiver Wahrscheinlichkeit“ nennenswert. LOISTL (1994: 97) etwa deutet diese Kontroverse auch an, indem er (ua) von einer „Diskussion über Inhalte des Wahrscheinlichkeits-Begriffs“ schreibt. Was die sog „subjektive Wahrscheinlichkeit(sdefinition)“ anbetrifft, so wird etwa mit BLEYMÜLLER/GEHLERT/GÜLICHER (2008: 28) vermerkt: „In vielen Fällen, beispielsweise bei Entscheidungssituationen im Wirtschaftsleben, lassen sich Wahrscheinlichkeiten weder unter Verwendung der klassischen noch unter Zuhilfenahme der statistischen Wahrscheinlichkeitsdefinition bestimmen.“ Man müsse sich dann – so BLEYMÜLLER/GEHLERT/GÜLICHER (2008: 28) – „sogenannter subjektiver Wahrscheinlichkeiten“ bedienen. Ferner halten RASCH/HERRENDÖRFER/BOCK/GUIARD (1996: 30) ua fest: „[…]Will man
6
unterscheiden zwischen „der“ sog objektiven Wahrscheinlichkeit 11 bzw. sog objektiven
Wahrscheinlichkeiten 12 - nicht zuletzt die, auf dem Gedanken der Symmetrie 13
fußende, mit dem sog „Gesetz des zwingenden Grundes“ 14 und dem sog „Prinzip
vom unzureichenden Grund“ 15 in (enge) Verbindung gebrachte sog „klassische“
Wahrscheinlichkeit 16 (auch „Wahrscheinlichkeit nach Laplace“ 17 , „Laplace’sche
vor dem Versuch eine a priori-Wahrscheinlichkeit angeben oder ohne Versuch die Wahrscheinlichkeit ermitteln, so kann man versuchen, den Überzeugtheitsgrad [sic!] zu quantifizieren.“ Festzuhalten ist, dass letztlich allerdings - entgegen dem oben genannten Artenspektrum – zufolge DROSG das entscheidende Kriterium für alle (!) Arten von Wahrscheinlichkeit Folgendes ist: die Unterscheidung zwischen sog theoretischer Wahrscheinlichkeit einerseits gegenüber sog praktischer Wahrscheinlichkeit andererseits (private Mitteilung von Prof Dr. Otto DROSG vom 18.3.2009).
10 Vgl etwa RÜGER (1999: 120f).
11 RÜGER (1999: 120) etwa verweist darauf, dass es die „objektive Wahrscheinlichkeit“ in – wie er schreibt – „drei Versionen“ gäbe: „als klassische (a priori) Wahrscheinlichkeit, als frequentistische (a posteriori) Wahrscheinlichkeit und als logische Wahrscheinlichkeit.
12 RÜGER (1999: 120) etwa verweist darauf, dass es „drei Versionen“ der sog „objektiven Wahrscheinlichkeit“ gebe: die sog „klassische“ (a priori) Wahrscheinlichkeit, die sog „frequentistische“ (a posteriori) Wahrscheinlichkeit“ sowie die sog „logische“ Wahrscheinlichkeit. Zur sog „klassischen Definition der Wahrscheinlichkeit“ siehe ua ZÖFEL (2003: 19).
13 MISES (1951: 85) etwa, will (erfolglos) die Vertreter der sog „a priori-Auffassung“ widerlegen und sie zu seiner – wissenschaftlich unhaltbaren - Behauptung überreden, was ihm keinesfalls gelingt, wenn er schreibt: „Wenn man einmal einen Vertreter der a priori-Auffassung zu einer deutlichen Erklärung zwingt, was er eigentlich unter der vollkommenen Homogenität versteht, so beschränkt er sich schließlich auf die Forderung, daß der Schwerpunkt des Körpers mit dem geometrischen Mittelpunkt zusammenfallen muß und – falls der Befragte über genügende Kenntnis der Mechanik verfügt – daß die Trägheitsmomente für die zwölf Kanten als Drehachsen gleich [sic!] sein sollen“: Das Wort „gleich“ sagt überhaupt nichts aus. Was heißt „gleich“? MISES müsste sagen, dass es z.B. auf ein ppm (part per million) genau muss. KEEL (1992: 8) stellt etwa klar, dass betreffend die sog „klassische“ Wahrscheinlichkeit eine sog „faire (symmetrische) Münze“ zu werfen ist. Er stellt fernerhin klar, dass das vorgenommene Zufallsexperiment auf der sog „Gleichwahrscheinlichkeit“ basiert: „Die Versuchsanordnung (faire Münze) gibt“ – so KEEL (1992:8) – „keinen Anlass, einen der möglichen Ausgänge [maW: den Ausgang „Kopf“ oder den Ausgang „Zahl“ bei Werfen der sog „symmetrischen“ Münze] zu bevorzugen.“ RÜGER 1999: 120 hält fest, dass es um „Symmetrieeigenschaften des betreffenden Zufallsexperiments“ iZm der sog „klassischen“ Wahrscheinlichkeit gehe. 14 Siehe hierzu ua DILLMANN (1990: 1).
15 Diese „Prinzip“ bestehe – zufolge LEINER (2004: 73) – in Folgendem: „(man hat dann keinen zureichenden Grund, dem Ereignis z.B. eine größere Chance zuzumessen)“. RÜGER 1999: 123 vermerkt in diesem Kontext: „Dabei wird die Anwendung des Prinzips vom unzureichenden Grund entweder durch Symmetrieeigenschaften (klassische Wahrscheinlichkeit), als logische Prämisse (logische Wahrscheinlichkeit) oder in Form subjektiven Vorwissens (subjektive Wahrscheinlichkeit) gerechtfertigt.“ DILLMANN 1990: 7 vermerkt iZm dem sog „Prinzip vom unzureichenden Grund“: „Dabei bedeutet „unzureichender Grund“, daß keine Gründe für die Begründung der Behauptung unterschiedlicher Plausibilität der endlich vielen verschiedenen Alternativen vorliegen, weshalb Gleichverteilung als vernünftigste [sic!] Annahme angesehen wird.“ 16 Zur sog „klassischen“ Wahrscheinlichkeit siehe ua KEEL (1992:8), BOSCH (1997: 302), HEINRICH (2006: 219), ZEIDLER (1996: 1020f), ZÖFEL (2003: 18-19), SCHAICH/EBERHARD/KÖHLE/SCHWEITZER/WEGNER (1993: 19f), STOYAN (1993: 90). Verfehlt ist in diesem Zusammenhang etwa der (vermeintliche) „Einwand“ etwa von SPIEGEL/STEPHENS (2003: 161) gegen diese Wahrscheinlichkeit(sdefinition).
17 Vergleiche diesbezüglich etwa BIERMANN/GROSSER (1999: 194).
7
Wahrscheinlichkeit[sdefinition]“ 18 oder sog „logische Wahrscheinlichkeit“ 19 genannt, die sich dem KANTschen „a priori“ 20 verpflichtet wissen und von einer sog „Gleichmöglichkeit 21 “ 22 sowie einer „Gleichwahrscheinlichkeit“ im Kontext einer sog „Gleichverteilung“ ausgeht), fernerhin die sog „statistische“ Wahrscheinlichkeit 23 iSd sog Grenzwertes [sic!] der sog „relativen Häufigkeit(en)“ 24 bei unendlich 25 [sic!] vielen (unabhängigen) Wiederholungen (nach MISES) 26 - im Gegensatz 27 zu – meist „hilfsweise“ 28 herangezogenen - sog subjektiven Wahrscheinlichkeiten 29 bzw. zu
18 So etwa EPELT/HARTUNG (2004: 24-25).
19 So etwa MEISSNER (2004: 228).
20 Siehe diesbezüglich ua ZEIDLER (1996: 1033), der festhält: „Im Sinne der Philosophie von Immanuel Kant (1724-1804) geht der moderne Aufbau der Wahrscheinlichkeitsrechnung davon aus, dass Wahrscheinlichkeiten a priori existieren.“ Zum „a priori“ siehe ua LEONHART (2009: 113). 21 BUCHNER in CORSTEN (1993: 1327) etwa vermerkt, dass iZm dem Bruch „günstige Fälle zu mögliche Fälle“ diese Definition – so BUCHNER – voraussetzen würde, „dass man a priori die Anzahl der gleichmöglichen Ereignisse kennt“ und – so BUCHNER – „wegen dieser Voraussetzung“ [sic!] sei diese Definition heftig kritisiert worden: BUCHNER wirft dieser Definition sohin vor, dass man nicht wisse [sic!], wie viele günstige Fälle es sein werden, sei dies ein Grund für Kritik an dieser Definition gewesen. Dem ist entgegen zu halten, dass man – wüsste man, wie viele günstige Fälle es sein werden, das ja dann sicher [sic!] wäre. Kritisch ist ferner BUCHNERs Hinweis zu sehen, wonach als Konsequenz besagter Kritik ua von MISES den sog „klassischen“ a priori Wahrscheinlichkeitsbegriff durch einen sog „objektiven“ „a posteriori Wahrscheinlichkeitsbegriff ersetzt“ habe, welcher von MISES – zufolge BUCHNER in CORSTEN (1993: 1328) „als Grenzwert, gegen den die relative Häufigkeit für ein zufälliges Ereignis in einer unendlich [sic!] langen Versuchs[sic!]-reihe strebt“, definiert habe, und zwar insofern als es eine unendlich lange Versuchsreihe nicht gibt (!). Es handelt sich bei einer „unendlich langen Versuchsreihe“ um eine contradictio in ipso (!). „Unendlich lang“ und „Versuchsreihe“ „gehen“ nicht (praxisbezogen-sinnvoll) in einen Satz. In der Theorie (!) kann man unendlich viele Messungen fordern, um zB den sog „wahren Wert“ festzustellen, in der Praxis ist das völlig unmöglich, da unendlich viele Messungen nicht durchführbar sind. An dieser Stelle herzlichen Dank Prof Dr Otto DROSG für zahlreiche Erwägungen und Anregungen qua privater Mitteilung vom 4.4.2009.
22 Ins Leere geht in diesem Zusammenhang etwa der „Vorwurf“ von MISES (1951: 82f), wenn er iZm dem sog „Erkennen der Gleichmöglichkeit“ – wie er schreibt – sich den Kopf über die Vorgeschichte [sic!] des Würfels iZm dem Würfeln macht: In Wahrheit geht es hier um ein sog „Bauchgefühl“; Menschen glauben [sic!], dass die Wahrscheinlichkeit höher ist (etwa iZm dem Lotto-Spiel, es spielen mehr Leute mit, dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit in der Tat: dies allerdings ist ein Aspekt der sog „self-fulfilling prophecy“ [sic!]. MISES (1951: 82f) will uns kommunizieren, die Vorgeschichte [sic!] sei interessant. Die Vorgeschichte ist völlig uninteressant, Beim Würfel fängt man immer beim Punkt „0“ an. 23 Diese Wortwahl verwendet etwa MEISSNER (2004: 228f). Verfehlt iSv rein theoretisch und praktisch nicht überprüfbar ist freilich auch seine „n gegen unendlich“-„Limes“-Bildung in seiner Formel zu dieser Wahrscheinlichkeit. Kann man hier überhaupt – allen Ernstes und aus praktischer, lebensnaher Sicht - einen sog Grenzwert – aus wissenschaftlicher Sicht – bilden?
24 ZEIDLER(1996: 1033) stellt in diesem Kontext fest: „Relative Häufigkeiten werden durch Experimente a posteriori festgestellt.“ 25 Es handelt sich um eine rein theoretische [sic!] Annahme, die in der Praxis nicht erfüllbar ist. 26 Siehe dazu etwa HEINRICH (2006: 219).
27 SCHNECK 1993: 631 will uns wissen lassen, dass sich [erg wohl, nach SCHNECKs Ansicht: erst] „nach der neuen (statistischen) Wahrscheinlichkeitstheorie“ sich „subjektive und objektive Wahrscheinlichkeiten“ unterscheiden ließen.
28 Vgl diesbezüglich etwa SCHWINN 1993: 844, der iZm der sog „richtigen“ [sic!] Schätzung [sic!] im Rahmen der (damaligen, der d Rechnungslegung, bezogen auf den Finanzbereich und hier auf den
8
(„einer“) so genannten subjektiven Wahrscheinlichkeit 30 oder Wahrscheinlichkeit
„subjektiver Natur“ 31 bzw „subjective estimates of probabilities“ 32 ). In diesem Kontext
ist auch auf die meist der objektiven Wahrscheinlichkeits-Auffassung zugeordnete,– mit KOLMOGOROW (eng) verbundene - sog „axiomatische“ 33 Wahrscheinlichkeit 34
zu verweisen, zu der STOYAN 35 etwa vermerkt: „Die Kolmogorowschen Axiome sind
Bereich der Rückstellungen folgenden) Rückstellungshöhe auf einen „Weg“ verwiese, nämlich die Verwendung subjektiver „Wahrscheinlichkeiten“, wobei SCHWINN festhielt: „Diesen Weg beschreitet man hilfsweise dann, wenn keine bekannten Daten und Wahrscheinlichkeitsverteilungen existieren. An ihre Stelle treten dann subjektiv geschätzte Glaubwürdigkeitsziffern, die in die Prognoserechnungen einbezogen werden.“ 29 SCHNEIDER (1970: 66) verwendet statt diesem Wort auch die Worte „Glaubwürdigkeiten, Vertrauensgrade“, an anderer Stelle verwendet SCHNEIDER (1970: 89) auch das Wort „Glaubwürdigkeitsziffern“, wobei er einräumt: „Ob der Begriff „subjektive Wahrscheinlichkeit“ anstelle des Ausdrucks „Glaubwürdigkeiten“ gut ist, sei dahingestellt.“ RÜGER (1999: 121) etwa verweist darauf, dass eine so genannte subjektive „Wahrscheinlichkeit“ „den Grad“ ausdrückt, „mit dem die Person an das Eintreten des Ereignisses glaubt [sic!], oder“ – so RÜGER – „auch die Chance, welche die Person dem Eintreten des Ereignisses gibt“. VIERTL (2003: 22) etwa verweist darauf, dass im Falle des Fehlens einer „große[n] Zahl identischer Versuche“ man „subjektive Wahrscheinlichkeiten“ (in Gestalt „eine[r] numerische[n] Angabe für den Grad des Vertrauens in den Eintritt von Ereignissen“) für den als – wie VIERTL (2003: 22) schreibt – „numerische Grade des Vertrauens in den Eintritt von Ereignissen betrachtet“, die – so VIERTL – „vom Informationsstand H (= Vorwissen)“ abhängen würden, so VIERTL. Fraglich könnte igZ sein, inwieweit – bei lebensnaher Betrachtung – von einem „Vor-Wissen“ (in strengem Sinne) gesprochen werden darf, insbesondere von einem „Wissen“. Ist es – bei lebensnaher Betrachtung – oftmals so, dass – allen Ernstes – ein so genanntes (Vor-)Wissen existiert?
30 Im Englischen mit den Worten „subjective probability“ bezeichnet, soll diese „Wahrscheinlichkeit“ – zufolge VOGT (1993: 179) – „a guess [sic!] or feeling [sic!] about some probability“ sein, die („that“) – so VOGT – „is not based on any precise computation.“ RÜGER 1999: 121 hält fest: „Eine subjektive Wahrscheinlichkeit P (A) wird einem Ereignis A von einer Person zugeordnet und drückt den Grad aus, mit dem die Person an das Eintreten des Ereignisses glaubt, oder auch die Chance, welche die Person dem Eintreten des Ereignisses gibt.“ MEISSNER 2004: 230 hält fest, dass es sich bei „der“ subjektiven „Wahrscheinlichkeit“ um eine subjektive Schätzung handelt.
31 So etwa SCHWINN (1993: 27), der igZ festhält: „Im zweiten Fall sind sie Ausdruck des Überzeugungsgrades [sic!] eines Entscheidungsträgers. In diesem Zusammenhang spielt häufig die Erfahrung [sic!] aus ähnlichen Entscheidungssituationen eine große Rolle.“ Dabei ist allerdings festzuhalten: Würde argumentiert, weil etwas früher so und so oft der Fall war, muss es jetzt auch so sein, so wäre dies völlig falsch.
32 So etwa CHAPMAN/WARD 2003: 170.
33 So irrt ua etwa KEYNES in JOHNSON/MOGGRIDGE (1973: 145), wenn er die „P“ (= probability) der „certainty“ in eine Gleichung zwingt. Ebenso irren SCHRIEVER/SCHUH (1981: 4931), wenn sie ua iZm den sog „Kolmogorow-Axiomen“ ua formulieren: „0 kleiner gleich w kleiner gleich 1“: Wahrscheinlichkeit ist kein ja/nein-Begriff; Sicherheit hingegen schon. Ferner sind „0“ und „1“ theoretische Begriffe, die lebensfern sind.
34 Zur sog „axiomatischen“ Wahrscheinlichkeit ist zu vermerken, dass es sich, betreffend das Axiom iZm dem sog sicheren Ereignis und einer ihm zugeordneten Wahrscheinlichkeit (!) um einen (logischen) Widerspruch (!) handelt. SCHAICH/KÖHLE/SCHWEITZER/WEGNER (1993: 16) formulieren: „Ein Axiomensystem ist nicht beweisbar. Es wird nach Gesichtspunkten der Zweckmäßigkeit festgelegt. Dabei muss es das Kriterium der Widerspruchsfreiheit [sic!] erfüllen und soll unter anderem knapp und einfach sein.“ Ist es nicht ein Widerspruch, dass Wahrscheinlichkeit, die gerade nicht an Sicherheit grenzt, in ein sog „Axiom“ gezwängt wird? Kann etwas, wenn es sicher ist, wahrscheinlich sein? Und „umgekehrt“: Wenn etwas wahrscheinlich ist: kann es dann – allen Ernstes – sicher sein?
35 STOYAN 1993: 78.
9
zwar in Analogie zu Formeln für relative Häufigkeiten eingeführt worden, sie können aber auch zur Beschreibung von Situationen ohne einen frequentistischen (auf relativen Häufigkeiten beruhenden) Hintergrund benutzt werden“ 36 Dies – so STOYAN 37 – betrifft „im Extremfall sog. subjektive Wahrscheinlichkeiten 38 “, unter denen er „gefühlsmäßige [sic!] Vorstellungen über die „Wahrscheinlichkeit“ 39 [sic!] gewisser Ereignisse“ versteht. Des weiteren wird auf so genannte „unscharfe 40 Wahrscheinlichkeiten“ verwiesen können. 41
1.3.3 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in der Umgangssprache
DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT 42
verweisen betreffend das Wort „wahrscheinlich 43 “ auf das Wort „anscheinend 44 “. Sieht man beim Wort „anscheinend“ nach, so findet sich dort (ua): „dem Anschein nach 45 “, „wie es scheint 46 “, „vermutlich 47 “, „vermeintlich 48 “, „es sieht so aus 49 “, „es ist denkbar/möglich 50 “, „es kann sein 51 “, „es ist nicht ausgeschlossen, daß…[…] 52 “: Zeigt
36 STOYAN 1993: 78.
37 STOYAN 1993: 78.
38 STOYAN 1993: 78.
39 STOYAN 1993: 78.
40 Vgl zum Begriff der „Unschärfe“, ua iZm sog „unscharfen Wahrscheinlichkeiten“ ua VIERTL/HARETER (2005:1ff). Zum Begriff der „Unschärfe“ iZm sog „unscharfen Daten“ siehe ua (knapp) RÜGER (1999: 111).
41 Bedauerlicher Weise bedient sich auch der Jurist und Volkswirt s.g. Prof Dr Robert REBHAHN (im Kontext entgangener Kapitalmarktzinsen) besagter Wortfolge, was – im Lichte statistischer Grundkenntnisse (mag der, gleichwohl menschlich sympathische und typischerweise gutmütige, typischerweise sachliche sowie – erfreulicherweise – typischerweise unüberhebliche, wissenschaftlich interessierte, multidisziplinäre, gebildete) Autor auch hierbei durchaus nicht allein sein!) – als – aus seriös-wissenschaftlicher Sicht [sic!] - bedauerlich zu werten ist. Siehe diesbzgl – leider Gottes - REBHAHN 1993: 10.
42 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 1ff). 43 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 750). 44 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48). 45 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48). 46 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48). 47 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48). 48 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48). 49 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48). 50 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48). 51 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48). 52 DROSDOWSKI/KÖSTER/MÜLLER/SCHOLZE-STUBENRECHT (1986: 48).
10
Quote paper:
Mag. Georg Schilling, 2009, Strafrechtliche Arzthaftung und "an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit"?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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