M änner - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Eine Annäherung an die Geschlechterforschung. 7
2.1 Geschlechtsunterschiede aus biologischer Sicht 8
2.1.1 Der männliche Organismus 9
2.2 Gender Studies 11
2.2.1 Gender Mainstreaming 13
2.2.2 Gender mit Blick auf „den“ Mann 14
2.3 Die kritische Männerforschung 16
2.3.1 Männer und Männlichkeiten. 19
2.3.2 Männlichkeiten und die hegemoniale Männlichkeit 20
3. Die Entwicklung von Männlichkeit. 24
3.1 Das männliche Leitbild als gesellschaftliche Vorgabe. 24
3.2 Die historisch prägende Ausbildung der männlichen Geschlechtsrolle 26
3.3 Die Entwicklung der männlichen Geschlechtsidentität. 31
4. Die gegenwärtige Krise der Männlichkeit 38
4.1. Die Krisenanfälligkeit innerhalb der Macht- und
Produktionsbeziehungen sowie emotionaler Bindungsstrukturen. 40
4.2 Männer als gesellschaftliche Risikogruppe 42
4.2.1 Männer und ihre Gesundheit 43
4.2.2 Männliche Gewalt und Straftaten. 45
5. Männer auf dem Weg zu einem neuen Selbstverständnis. 50
5.1 Neue Männerbewegungen im literarischen Überblick 51
5.2 Männerbewegung und Geschlechterdemokratie 55
6. Die „Spezies“ Mann in der empirischen Befragung 59
6.1 Heutige Männertypen, ihre Lebensinszenierung und Entwicklung 61
6.2 Heutige Männer zwischen Familie, Haushalt und Beruf. 65
6.2.1 Scheidungsväter. 68
6.2.2 Pflegende Männer. 71
6.3 Die Nichtverantwortung des Staates. 73
6.4 Mögliche Veränderungsperspektiven von Männlichkeit. 76
7. Männer im religiösen Kontext 78
7.1 Statistische Erkenntnisse über das Verhältnis von Männern zu Religion
und Kirche 80
7.1.1 Männer und die Evangelische Kirche 82
7.1.2 Männer in der Beschäftigungsstatistik der Evangelischen Kirche. 85
7.2. Statistische Erkenntnisse über die Religiosität Jugendlicher 87
2
M änner - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
8. Ein Versuch zur Bestimmung von Religionspädagogik 89
8.1 Die Geschichte der Religionspädagogik. 89
8.2 Gegenstand, Profil und normativer Bezug 92
8.3 Selbstverständnis, Wissenschaftsbezug bzw. Verortung. 93
8.4 Wesentliche Aspekte religiösen Lernens. 95
8.4.1 Entwicklung und Entstehung von Religiosität 98
8.4.2 Religionsdidaktische Grundprinzipien 101
8.5 Religionspädagogik und Genderperspektive 102
8.5.1 Religiöse Sozialisation 103
9. Die (religions-)pädagogische Arbeit mit Jungen und Männern
als Krisenintervention (?) und Orientierungshilfe 106
9.1 Die Anfänge der Jungenarbeit 106
9.2 Jungenarbeit heute - eine Standortbestimmung. 107
9.2.1 Modelle und Ansätze von Jungenarbeit im Überblick 109
9.3. Zielhorizonte in der praktischen (religions-)pädagogischen Arbeit mit
Jungen. 110
9.3.1 Methoden und Zielgruppenmotivation in der Jungenarbeit 114
9.4 Männerarbeit in der Evangelischen Kirche 115
9.4.1 Neuanfänge kirchlicher Männerarbeit. 116
9.4.2 Konzeptionelle Neuorientierung 117
9.5 Chancen und Grenzen von Frauen in der (religions-)pädagogischen
Arbeit mit Jungen und Männern 119
9.5.1 Einfluss- und Vermittlungsmöglichkeiten als Pädagogin auf Jungen und
M änner. 124
9.6 Kritische Aspekte zum Konzept der geschlechtshomogenen Jungen- und
M ännerarbeit 126
9.7 Genderkompetenz in der pädagogischen Arbeit. 129
9.8 Institutionelle Rahmenbedingungen 131
10. Männer-Bilder in der praktischen religionspädagogischen
Arbeit 133
10.1 Biblische Männer-Bilder in der Arbeit mit Kindern 133
10.1.1 Die Abrahamgeschichte im Kindergottesdienst 135
10.2 Männer-Bilder und ihre Vielfalt in der Arbeit mit kirchenfernen
M ännern 137
10.2.1 Manns-Bilder - ein Fotowettbewerb als Chance zur Auseinandersetzung
mit der Vielfalt männlicher Lebenswelten. 139
11. Schlussbemerkung 142
12. Literatur 144
3
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
1. Einleitung
Ein Blick in das Hannoversche Wochenblatt vom 23. August diesen Jahres zeigt, welche „Kraft“ in „Männer-Bildern“ steckt: Eine mittelgroße Anzeige lädt Männer und Frauen dazu ein „echte Männer im Stadtpark“ zu besichtigen. Bei den „echten“ Männern handelt es sich um Sportler und Politiker, die von der Neuen Presse eingeladen wurden, um über ihre Erfolgskarrieren in der Öffentlichkeit zu berichten. Wenn es nach Aussage dieser Zeitung „echte“ Männer gibt, müsste es demnach auch „falsche“ Männer geben. Besonders diese hier aufgezeigte normierte Wertung über Männer hat mich inspiriert, mehr über die Lebenswelt von Jungen und Männer in Erfahrung zu bringen. Mit verschiedenartiger Literatur im wissenschaftlichen aber auch populären Bereich ist diese Arbeit als ein Versuch anzusehen, sich einen Zugang „zum Land der Männer“ zu verschaffen, denn als Frau fällt es mir nicht immer leicht mich mit Empathie Jungen und Männern zu widmen. Zwar habe ich als Pädagogin bereits vereinzelte positive Erfahrungen mit Jungengruppen sammeln können, doch sind diese meist ohne fundierte Hintergrundinformationen über das männliche Geschlecht geschehen. Daher möchte ich in dieser Arbeit herausfinden, welche Chancen sich in der Arbeit mit Jungen und Männern für mich als Frau ergeben können, ohne ihnen geschlechtlich ab- oder aufwertend zu begegnen. Daraus ergibt sich auch die für diese Arbeit erkenntnisleitende Fragestellung, welche Voraussetzungen für ein gleichwertiges und geschlechtsdemokratisches Miteinander zwischen Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männern in der religionspädagogischen Arbeit von wesentlicher Bedeutung sind. Dafür werde ich im ersten Kapitel die wesentlichsten Erkenntnisse aus der Geschlechter-forschung aufzeigen, um mich dem männlichen Geschlecht und dem wissenschaftlich analysierten Verhalten von Männlichkeit und Männlichkeiten kritisch anzunähern. Innerhalb dieses Abschnittes lege ich das Augenmerk zusätzlich auf die politische Strategie von Gender Mainstreaming, welche als Ausgangslage für die Chancengleichheit von Frauen und Männern bzw. Mädchen und Jungen innerhalb dieser Thematik von wesentlicher Bedeutung ist.
Im zweiten Kapitel beschäftige ich mich mit der Entwicklung von Männlichkeit und zeige dazu die historisch geprägten männlichen Leitbilder und Eigenschaften auf. Im Anschluss frage ich nach der Ausprägung der männlichen Geschlechtsrolle ab dem 18. Jahrhundert und referiere deren Weitervermittlung innerhalb der heutigen gesellschaftlichen Sozialisa-
4
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
tion, die zu einer - zum Teil - problematischen Annahme der männlichen Geschlechtsidentität bei Jungen führt.
Das vierte Kapitel steht unter der Überschrift der Krise von Männlichkeit und beschäftigt sich mit den gegenwärtigen, gesellschaftlich veränderten Strukturen, die zum Wandel der Geschlechterordnung und somit auch zur Veränderung der männlichen Lebenswelt und der männlichen Geschlechtsrolle beitragen. Männer, die in ihrer traditionellen Geschlechtsrolle bzw. -identität weiterhin verharren, bilden für sich und andere eine gewisse Risikogruppe, deren Auswirkungen ich am Ende dieses Abschnittes verdeutliche. Andere Männer wiederum suchen einen neuen Weg aus der Krise mit einem neuen männlichen Selbstverständnis. Sie schließen sich verschiedenartiger Männerbewegungen an, die ebenso unterschiedliche Auswirkungen auf die Geschlechterdemokratie haben, welche ich im fünften Kapitel aufzeigen werde.
Das sechste Kapitel in dieser Arbeit beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Männertypen und ihrem Verhalten bzw. ihrem Umgang, bezüglich der Familie, des Haushalts und ihres Berufslebens anhand aktueller statistischer Untersuchungen. Gesondert werden dabei von mir Scheidungsväter und pflegende Männer in den Blick genommen. Da sich der Umgang mit dem persönlichen Alltag für Männer und Frauen, besonders für Familien mit Kindern, nur unter Schwierigkeiten gestalten lässt, werde ich an dieser Stelle auf die momentan wenig vorhandenen staatlichen Strukturen als Unterstützungsleistung kritisch eingehen und anschließend mögliche Veränderungsperspektiven darstellen. Im siebten Kapitel richte ich den Blick auf die Religiosität der Männer. Dazu sollen empirische Daten zum Verhältnis von Männern und Kirche Auskunft geben. Hierbei werde ich zum einen Männer und männliche Jugendliche als evangelische Kirchenmitglieder und zum anderen Männer als Beschäftigte innerhalb der Evangelischen Kirche unter der Genderperspektive statistisch betrachten. Da Männer und männliche Jugendliche sich von der Kirche immer mehr abwenden, möchte ich den religiösen Bedürfnissen von Männern, welche innerhalb der Befragung deutlich geworden sind, Ausdruck verleihen. Da die Arbeit mit Jungen und Männern in einem religionspädagogischen Rahmen stattfinden soll, wird im achten Kapitel von mir der Versuch unternommen, Religionspädagogik zu bestimmen. Dazu werde ich die Fragen nach der geschichtlichen Entwicklung, dem heutigen Gegenstand und Selbstverständnis, sowie der wissenschaftlichen Verortung von Religionspädagogik beantworten. Anschließend wende ich mich, auf Grund des Traditionsabbruchs und der geringen religiösen Sozialisation von Kindern, dem Aspekt des religiösen
5
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Lernens zu und zeige, im Blick auf die Genderperspektive, Chancen für die religionspädagogische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf, die sich hierbei schon teilweise an den heutigen Bedürfnissen von Jungen und Männern ausrichten lässt. Im neunten Kapitel orientiere ich mich an der männlichen Zielgruppe und zeige im Rahmen der pädagogischen und religionspädagogischen bzw. kirchlichen Arbeit Möglichkeiten zur Krisenintervention und Orientierungshilfe für Jungen und Männer auf. Da ich als Frau in gewisser Weise eher für die Arbeit mit Mädchen und Frauen prädestiniert bin, sollen in diesem Kapitel für Pädagoginnen und Religionspädagoginnen die Chancen und Grenzen, in der Arbeit mit Jungen und Männern, in geschlechtshomogenen und geschlechtsgemischten Gruppen aufgezeigt werden. Auf Grund des religiösen und genderbewussten Anspruchs, bezüglich der Gleichwertigkeit der Geschlechter, beende ich dieses Kapitel mit den Ausführungen über die Genderkompetenz und die dafür wesentlichen institutionellen Rahmenbedingungen.
Im zehnten Kapitel werde ich für die religionspädagogische Arbeit mit Jungen und Mädchen, am Beispiel der Abrahamgeschichte, eine bibeldidaktische Möglichkeit vorstellen, die beide Geschlechter gleichberechtigt zum Vertrauen auf Gott einlädt. Des Weiteren zeige ich eine religionsdidaktische Idee auf, die sich an kirchenferne Männer richtet, um ihnen vielfältige männliche Geschlechtsidentitäten zu präsentieren und ihnen zum Nachdenken und Entdecken einer neuen männlicher Lebensinszenierungen zu verhelfen. Abschließend werde ich in kurzer Form einige mir wichtige gewordene Erkenntnisse formulieren.
6
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
2. Eine Annäherung an die Geschlechterforschung
Die moderne Geschlechterforschung ist aus der Frauenforschung hervorgegangen. Im Jahr 1949 veröffentlichte die Philosophin und Schriftstellerin Simone de Beauvoir ein Buch mit dem Titel „Das andere Geschlecht“ und arbeitete die Geschlechterverhältnisse, die historisch unüberwindbar - weil natürlich - schienen, heraus. 1 Ihre Aussage: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“ 2 , betont das soziale und kulturelle „Werden und Gewordensein“ 3 des Geschlechts als konstruiert und kann nach heutigen Erkenntnissen ebenso auf das männliche Geschlecht übertragen bzw. angewendet werden und ist bei vielen Ge-schlechterforscherinnen und - forschern Ausgangslage für weitere Überlegungen und Untersuchungen. 4
Seit Mitte der 70er Jahre betrachtet nun die Geschlechterforschung das Verhältnis zwischen Männern und Frauen als soziale, geschlechtsspezifische Beziehung und untersucht unter diesem Sachverhalt die historische Herausbildung und kulturellen Darstellungen von Geschlechterrollen. Als Ansatz der Forschung gilt das „Konzept der sozialen Konstruktion von Geschlecht“ 5 mit dem Gegenstand der wahrgenommenen Ungleichheit in den Geschlechterbeziehungen - in Anlehnung an Beauvoirs 6 , welches in diesem Kapitel näher betrachtet wird.
Als interdisziplinär angelegte Wissenschaftsdisziplin nimmt die moderne Geschlechterforschung Ergebnisse verschiedener Lehr- und Forschungsgebiete auf. Dazu gehören im Wesentlichen die Geschichtswissenschaft, die historische Anthropologie, die Kulturwissenschaften, die Ethnologie, die Philosophie, die Psychologie, die Religionswissenschaft, die Soziologie als auch die Politikwissenschaft. 7 Die aktuellen und zum Teil auch umstrittenen Erkenntnisse dieser Forschungsrichtungen können hier nur in geringer Form, auf Grund des immensen Umfangs, berücksichtigt werden. In Bezug auf das männliche Geschlecht sollen im weiteren Verlauf dieses Kapitels wesentliche Anhaltspunkte aus der Geschlech-terforschung einen groben Überblick verschaffen. 8
1 Dieses Werk war für die damaligen Verhältnisse skandalös und gilt heute noch als Schlüsselwerk der feministischen Theorie und Geschlechterforschung.
2 Beauvoir, Simone de [1949] 1968 zit. n. Konnertz, Ursula 2005, S. 33
3 Beauvoir, Simone de [1949] 1968 zit. n. Konnertz, Ursula 2005, S. 33
4 vgl. Konnertz, Ursula 2005, S. 26 ff.
5 Beauvoir, Simone de [1949] 1968 zit. n. Konnertz, Ursula 2005, S. 33
6 vgl. Konnertz, Ursula 2005, S. 33
7 vgl. Brockhaus 2001, Geschlechterforschung
8 vgl. Schwerma, Klaus/v. Marschall, Andrea 2004, S. 8 ff.
7
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Da sich die soziale Beschaffenheit von Geschlecht an biologischen Unterschieden festmachen lässt, die in der Gesellschaft weiter be- und verarbeitet werden, dürfen diese dem Leser und der Leserin an dieser Stelle nicht vorenthalten werden und dienen als Einstieg in die anschließende Thematik. 9
2.1 Geschlechtsunterschiede aus biologischer Sicht
Zwischen Mädchen und Jungen werden Unterschiede gemacht. Schon am Beispiel der Namensgebung wird deutlich, dass wir ein wesentliches Interesse haben, die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen zu bestimmen und daran festzuhalten. Wir wollen in erster Linie wissen, welches Geschlecht die Person im Gegenüber hat, um sie in die Kategorie „männlich“ oder „weiblich“ einzuordnen. Anschließend richten wir unsere Einschätzungen, Entscheidungen und unser Handeln darauf aus. 10 Aber welcher Hintergrund liegt bei diesem schemenhaften Denken vor? Wir brauchen diese Einordnung, um die Wirklichkeit zu verarbeiten, vielleicht sogar zu bewältigen. Stammesgeschichtlich bedingt, braucht es die Einteilung nach dem Sexualdimorphismus 11 für die geschlechtliche Fortpflanzung, welche sich positiv auf die Evolution des Menschen auswirkt. Die Geschlechtszugehörigkeit wird nach verschiedenen Möglichkeiten festgestellt: Darunter fallen das Chromosomen- 12 , das Keimdrüsen- und das Hormongeschlecht sowie das morphologische Geschlecht 13 . In großer, jedoch nicht vollständiger Abhängigkeit sind auch das Zuweisungsgeschlecht und das Geschlecht der Geschlechtsidentität zu nennen. 14 Die vier erst genannten Geschlechtsbestimmungen führen nicht immer zum gleichen Ergebnis, letztendlich wird die Geschlechtszugehörigkeit durch Zuweisung greifbar und es stellt sich die Frage: „Wie wird man(n) Mann und frau Frau?“ 15 . Der Weg der biologischen Entwicklung ist zum einen höchst kompliziert und zum anderen nicht gänzlich geklärt, besonders wenn es um den männlichen Organismus geht. Aber welche Erkenntnisse können und haben zur Geschlechtsdifferenzierung, und damit (fälschli-
9 vgl.Elsenbast, Volker 1999, S. 16
10 vgl. Elsenbast, Volker 1999, S. 16
11 Unterschiedlichkeit der Körpergestalt, vgl. Brockhaus 2001, Geschlechtsdimorphismus
12 Diese Aussage muss relativiert werden, da es insgesamt sechs lebensfähige Geschlechter (XX bzw. XY, zudem doch X, XXX, XXY und XYY) gibt.
13 Form und Struktur des menschlichen Organismus sowie dessen kulturelle, soziale, sprachliche und ästhetische Erscheinung. vgl. Brockhaus 2001, Chromosomengeschlecht
14 vgl. Elsenbast, Volker 1999, S. 16
15 Elsenbast, Volker 1999, S. 16
8
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
cherweise) zur gesellschaftlichen Festschreibung von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ als natürliches Fundament beigetragen?
2.1.1 Der männliche Organismus
Das Gehirn ist das Zentrum für alle Sinnesempfindungen und Willkürhandlungen, sowie der Sitz des Bewusstseins, des Gedächtnisses und aller geistigen und seelischen Leistungen. Es gibt anatomisch feststellbare Unterschiede des weiblichen und männlichen Gehirns. So ist das männliche Gehirn schwerer, aber weniger durchblutet, als das weibliche und wird vorurteilsvoll als das überlegene verstanden. 16
Von Beginn der embryonalen Phase bis zum Anbruch der Pubertät entwickelt sich das Gehirn geschlechtsspezifisch. 17 Es konnte bisher jedoch nicht erforscht werden, ob die unterschiedlichen Gehirnstrukturen nun durch Genwirkung oder geschlechtsspezifische Hormone, also Östrogene oder Androgene, zustande kommen. Analysiert worden ist, dass vor-handene Androgene 18 bestimmte Verhaltensweisen prägen. Bei Mädchen, bei welchen das „normale“ Maß an Androgenen erhöht ist, wurde bspw. festgestellt, dass sie „wilde“ Spiele bevorzugen, während sich Jungen mit dem gleichen Syndrom weniger aggressiv verhalten. Als eine weitere Entdeckung gilt, dass Frauen mit erhöhtem Androgenmaß deutlich weniger einen Partner haben und, nach der Deutung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, defizitär in ihrem Mutterverhalten seinen. 19
Für die unterschiedliche Entwicklung und die unterschiedlichen Verhaltensweisen stellt das Gehirn sprichwörtlich die Weichen der geschlechtsspezifischen Entfaltung. Es schafft die Grundlagen für:
• die Gefühlsentstehung, ein Mann oder eine Frau zu sein,
• die Entwicklung und Identifizierung eines bestimmten männlichen oder weiblichen Körperbildes,
• die Entwicklung einer männlichen oder weiblichen Geschlechtsrolle, bedingt durch Kultur und Gesellschaft,
16 vgl. Kuhnle, Ursula/Krahl, Wolfgang 2003, S. 40
17 vgl. Brockhaus 2001, Gehirn: Mensch
18 Androgene sind zwar männliche Sexualhormone, die sich aber auch in geringen Mengen bei Frauen bilden. vgl. Brockhaus 2001, Gehirn: Androgene
19 vgl. Kuhnle, Ursula/Krahl, Wolfgang 2003, S. 38 ff.
9
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
• die Entwicklung einer bestimmten sexuellen Orientierung und
• geschlechtsspezifische Verhaltensweisen bezüglich der Fortpflanzung. 20 Eine weitere geschlechtsspezifische Unterscheidung lässt sich an den Keimdrüsen festmachen, bei Männern befinden sich diese in den Hoden und bei Frauen in den Eierstöcken. In Bezug auf den Mann ist morphologisch betrachtet „die Anwesenheit von männlichen Keimdrüsen für die männliche Entwicklung erforderlich und ausschlaggebend.“ 21 Ohne Androgenproduktion kann der männliche Organismus sich genetisch nicht weiterentwickeln, und es kann zu einer mangelhaften „Vermännlichung“ 22 kommen. 23 Die Entwicklung zum männlichen Fetus muss erst durch Hoden und Androgensekretion zum Anstoß gebracht werden. Beim weiblichen Organismus kann trotz des Fehlens von Eierstöcken, eine Weiterentwicklung erfolgen. Aus Sicht der Ontogenese 24 bedeutet dies, dass das weibliche Geschlecht stammesgeschichtlich das ältere ist. 25
Warum dieser Sachverhalt von großer Bedeutung ist, zeigt sich am Interesse der Geschlechtsbestimmung. Es muss in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, dass z.B. in China weibliche Föten, auf Grund des ungewünschten Geschlechts, abgetrieben werden. Anhand dieses Beispiels werden gesellschaftliche und kulturelle Einflüsse deutlich. Hieraus lässt sich zu dem das Fazit aus diesem Exkurs ableiten: Biologische Unterschiede wurden und werden als Überlegenheit des Mannes gedeutet und sozial bearbeitet. 26 Die Genbiologie und die Hirnforschung bilden die Grundlage, für die Annahme der biologischen Verursachung von Unterschieden, zwischen den Geschlechtern und diese erweist sich bis heute unumstritten. Nach Ansicht von Carol Hagemann-White sind diese biologischen Erklärungsversuche die Verursachung von Geschlechterunterschieden und Geschlechterungleichheit, weil sie eine „verwirrende Mischung aus legitimer wissenschaftlicher Hypothesenbildung und altbackenem Vorurteil“ 27 sind. 28 Diesen Vorurteilen entgegenzutreten soll im Folgenden versucht werden.
20 vgl. Kuhnle, Ursula/Krahl, Wolfgang 2003, S. 40
21 Elsenbast, Volker 1999, S. 16
22 Kuhnle, Ursula/Krahl, Wolfgang 2003, S. 38 ff.
23 vgl. Kuhnle, Ursula/Krahl, Wolfgang 2003, S. 38 ff.
24 Die gesamte Entwicklung eines Einzelwesens, von der Eizelle über die Keimesentwicklung, das Heranwachsen zur Fortpflanzungsfähigkeit und das Altern bis zum Tod. vgl. Brockhaus AG 2001, Ontogenese
25 vgl. Elsenbast, Volker 1999, S. 16 f.
26 vgl. Elsenbast, Volker 1999, S. 17
27 Hagemann-White, Carol 1984 zit. in Gildemeister, Regina 2005, S. 197
28 vgl. Hagemann-White, Carol 2003, S. 33 ff.
10
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
2.2 Gender Studies
Die Geschlechterforschung unterscheidet zwischen der Geschlechtsrolle „gender“ und dem biologischem Geschlecht „sex“. Gender bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechtsrollen, d.h. die zugewiesenen Verhaltensweisen und Fremderwartungen von Männern und Frauen. Anders als beim biologischen Geschlecht, welches angeboren ist, ist die Geschlechtsrolle erlernt und damit nicht ein für alle Mal festgelegt, sondern auch veränderbar. 29
In der Geschlechterforschung gibt es eine Vielzahl an Theorien zum Thema „gender“ und so sprechen West und Zimmermann vom Konzept des „doing gender“. 30 Drei nicht von-einander abhängige Faktoren spielen bei der sozialen Konstruktion von Geschlecht eine Rolle: Das körperliche und biologische Geschlecht „sex“, die soziale Zuordnung zum Geschlecht „sex category“ und das soziale Geschlecht „gender“. 31 Im alltäglichen „doing gender“, dem Prozess, in dem geschlechtsspezifische Lebenssituationen entstehen, wird die Geschlechterdifferenz dadurch erzeugt, dass sich die Handelnden kontinuierlich zu Frauen und Männern machen und machen lassen. Am Beispiel der Toilettentrennung wird diese Aussage besonders deutlich. Das Individuum antwortet auf die kulturellen und gesellschaftlichen Mechanismen und Institutionen, dabei konstruieren Organisationen Gender durch geschlechtsbezogene Regeln indirekt mit. 32 Die soziale Praxis nutzt den biologischen Unterschied und macht ihn damit im Alltag bedeutsam. Nach Goffman erfolgen im Alltag weibliche und männliche Darstellungen aus ungleichen Positionen, und um diese zu analysieren, bedarf es den Blick auf die Dominanz- und Unterordnungsverhältnisse sowie auf die Macht- und Herrschaftsstrukturen, die sich im Alltag äußern aber auch durch den Alltag hergestellt werden. 33
Judith Butler stellte vor 15 Jahren alle bisherigen Erkenntnisse der Geschlechterforschung auf den Kopf, indem sie nicht nur das soziale Geschlecht sondern den Körper als sozial konstruiert ansieht. 34 Ihrer Überlegung nach, gibt es zwischen Geschlechtskörper und Geschlechtsrolle keinen notwendig kausalen Zusammenhang und nach ihrer Erkenntnis ist
29 vgl. Schwerma, Klaus/v. Marschall, Andrea 2004, S. 22
30 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 105 f.
31 vgl. Leitner, Andrea 2005, S. 3 f.
32 vgl. Stiegler, Barbara 2006, S. 7
33 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 105 f.
34 vgl. Wegener, Hildburg 2001, S. 577
11
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
das Geschlecht das, was wir tun, nicht das, was wir sind. 35 Also ist es nicht von Bedeutung, was eine Person ist, schon gar nicht ihre biologische Herkunft, sondern das, was sie zu dieser Person macht - also ihr Handeln. Somit müssten die Veränderungsmöglichkeiten der Identitäten von Personen unendlich sein. 36 Butlers These wird durch die Wandelbarkeit der Geschlechtsrolle, gegenüber dem als gegeben und angenommenen biologischen Geschlecht, fundiert. Denn die moderne Gesellschaft macht es Frauen und Männern möglich, einen individuellen Spielraum ihrer Geschlechtlichkeit und Geschlechtsidentität zu gestalten, der weit über die traditionellen Geschlechtsrollen hinausgeht. Somit müssten sich die Grenzen zwischen den Geschlechtern immer mehr auflösen können. 37 Deswegen fordert Butler, dass es ,in der aktuellen Debatte, um Gender den Begriff „sex“ nicht mehr bedarf, denn „gender“ umfasst alle geschlechtlichen Aspekte - also auch den Geschlechtskörper -, die insgesamt als Konstruktion aufgefasst werden. 38 Gudrun A. Knapp stellt zu dieser Überlegung kritisch fest: „Inwieweit aber das Geschlecht, auch das biologische Geschlecht, sozial bestimmt ist, wie dies von Butler ... argumentiert wird, oder ob es einen Rest Biologie gibt, ist weiterhin in Diskussion“ 39 . Auch Nitzschke sieht die Inszenierung des geschlechtlichen Körpers nicht individuell beliebig, da nicht jede Person frei entscheiden kann, wie weiblich oder männlich er oder sie in Erscheinung treten will. 40 Viele Gendertheorien setzen voraus, dass es nur zwei Geschlechter gibt und auf dieser Basis werden Unterschiede gesucht und Zuschreibungen gemacht. Dagegen stellte Carol Hagemann-White mit ihrem 1988 erschienenen Aufsatz: „Wir werden nicht zweigeschlechtlich geboren ...“ 41 eine erweiterte Erkenntnis aus sozialkonstruktivistischer Perspektive dar. Sie ist ebenfalls der Meinung, dass das soziale Geschlecht im Alltag erst „gemacht“ bzw. „konstruiert“ wird, jedoch bedeutet dies für Hagemann-White auch, dass die Geschlechtsrolle zahlreiche Facetten hat, weil sie unterschiedlich geprägt bzw. gemacht ist und wird. Es gibt also nicht „den“ Mann bzw. die „Männlichkeit“ sowie „die“ Frau“ bzw. die „Weiblichkeit“, doch es gibt das Bild als idealtypische Konstruktion von ihm bzw. ihr, obwohl jeder Mann und jede Frau verschieden ist. 42
35 vgl. Butler, Judith 1991 in Wegener, Hildburg 2001, S. 577
36 vgl. Rogge, Katrin 2003, S. 10
37 vgl. Jakobs, Monika 2003, S. 73 ff.
38 vgl. Jakobs, Monika 2003, S. 73-78
39 Knapp, Gudrun-Axeli 2000 zit. n Leitner, Andrea 2005, S. 16
40 vgl. Nitzschke, Bernd 2004, S. 50
41 Hagemann-White Carol 1988 zit. n. Gildemeister, Regina 2005, S. 195
42 vgl. Gildemeister, Regina 2005, S. 195 ff.
12
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Aus diesen Ausführungen ergibt sich zusammenfassend die Botschaft, dass die Konflikte aus der Geschlechterdifferenz es überhaupt erst möglich machen, uns am anderen Geschlecht abzuarbeiten und uns darüber hinaus auch selbst zu erkennen. Denn das jeweils Andere bzw. Fremde verhilft uns zur eigenen Identität und die Spannung zwischen den Geschlechtern ist die herausfordernde Grundlage, dass wir uns verändern können. 43
2.2.1 Gender Mainstreaming
Verschiedene Erkenntnisse der Geschlechterforschung wurden von der Bundesregierung aufgenommen und diese verpflichtet sich seit 1999, Gender Mainstreaming als Strategie und Methode, zur Verbesserung bzw. Gewährleistung der Chancengleichheit, Gleichstellung und Geschlechterdemokratie von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen auf allen Ebenen umzusetzen. 44 Gender Mainstreaming bedeutet, dass die Frage der Geschlechtsrolle in den „Hauptstrom“ 45 bzw. in die „Mitte der Gesellschaft“ gehört und gegen Geschlechterdiskriminierung in allen Politik- und Arbeitsbereichen bewusst gehandelt wird. 46 In erster Linie soll nicht die festgestellte Ungerechtigkeit das Vorgehen bestimmen, sondern Organisationen - und dazu gehört auch die christliche Kirche - sollen sich fragen, wie diese von ihnen produziert werden und wodurch diese verändert werden können, damit in Zukunft Chancenungleichheit gar nicht erst entstehen kann. 47 D.h., nicht die weiblichen Mitarbeiterinnen und männlichen Mitarbeiter sollen der Organisation angepasst werden, sondern sie selbst soll sich den Unterschiedlichkeiten von Frauen und Männern anpassen. 48 Der Blick richtet sich dabei immer auf beide Geschlechter, an denen sich Erwartungen und Rollenzuschreibungen des Umfelds fest machen, denn Frauen und Männer stehen in einem wechselseitigen Beziehungsgefüge, sie können sich selbst verändern durch neue Zugänge zu sich selbst und dem Gegenüber. 49
43 vgl. Nitzschke, Bernd 2004, S. 48
44 vgl. dazu folgende rechtliche Vorgaben: Art. 2 u. 3 Abs. 2 EG-Vertrag/Art. 3 Abs. 2 GG/§ 2 GGO/§ 9 SGB VIII
45 Schwerma, Klaus/v. Marschachall, Andrea 2004, S. 22
46 vgl. Schwerma, Klaus/v. Marschachall, Andrea 2004, S. 22
47 Bisher ist aber noch nicht geklärt, wo und wie Männer und Frauen benachteiligt werden, um dies zum Ansatzpunkt des zu veranlassenden Handlungsprozesses zu machen. In diesem Zusammenhang stellt sich vor allem auch die Frage, wer das Recht hat, Unterschiede zu definieren und zu bewerten. vgl. Howe, Nicole/Schön, Franz K. 2004, S. 11 ff.
48 vgl. Döge, Peter 2001, S. 22
49 vgl. Riegel, Ulrich/Kaupp, Angela 2006, S. 81 ff.
13
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Da Gender Mainstreaming in der Um- und Durchsetzung von Konzepten der Chancengleichheit abhängig von ihren Akteurinnen und Akteuren ist, muss in diesem Fall kritisch darauf hingewiesen werden, dass diese ausgehend von ihren eigenen Geschlechterleitbildern handeln. 50 Auch der Hinweis, dass politische Maßnahmen mehrere, unter Umständen auch widersprüchliche Ziele verfolgen, darf an dieser Stelle als kritische Anmerkung nicht fehlen. Regine Gildemeister kritisiert an der politischen Strategie zusätzlich, dass die Ansätze in den Gender Studies zwar gesellschaftlich akzeptiert werden, immer noch ein „Nischendasein“ 51 führen, oder als Vorhaben begriffen werden, und weit entfernt von der praktischen Umsetzung sind. 52 Nur in den Gewerkschaften und Kirchen 53 finden sich bisher Aktivitäten zur Umsetzung von Gender Mainstreaming. 54 Ebenso sieht Peter Döge das „Konzept der Geschlechterdemokratie“ 55 als unscharf und die Umsetzung als noch ausstehend an. 56 Bisher liegen keine Untersuchungen, über das Ausmaß der Aktivitäten zur Implementierung von Gender Mainstreaming auf den unterschiedlichsten Ebenen bzw. Organisationen vor. 57 Außerdem ist für viele Männer bisher noch nicht deutlich geworden, welche Vorteile sie von einer aktiven Beteiligung im Umsetzungsprozess von Gender Mainstreaming haben.
2.2.2 Gender mit Blick auf „den“ Mann
Es wäre nach diesen vorhergehenden Ausführungen falsch, Gender als ein reines Frauenthema zu betrachten, auch wenn dies zunächst ein vordergründiger Gedanke, bestimmend durch die Benachteiligung von Frauen, die zweite Frauenbewegung und -forschung, war bzw. ist. Geschlechterforschung ist weitestgehend Mädchen- und Frauenforschung geblieben und Männer werden meist als „Verhinderer“ 58 der Gleichstellung von Frauen angesehen oder sie werden aufgefordert die Bedürfnisse von Frauen zu unterstützen. Die Gleich-
50 vgl.Leitner, Andrea 2005, S. 9
51 Schwerma, Klaus/v. Marschall, Andrea 2004, 2004, S. 27
52 vgl. Schwerma, Klaus/v. Marschall, Andrea 2004, 2004, S. 27
53 So war 2003 in der kirchlichen Männerarbeit Gender Mainstreaming zum Jahresthema auserkoren und gemeinsam mit der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) wurde ein Papier, mit dem Titel: Alles Gender oder was? dazu erstellt.
54 vgl. Döge, Peter/ Stiegler, Barbara 2004, S. 148
55 „ … gleiche Rechte, gleiche Pflichten und gleiche Freuden für Frauen und Männer in allen Bereichen von Leben und Arbeit“ Hollstein, Walther 1995 zit. n. Döge, Peter 2001, S. 6
56 vgl. Döge, Peter 2001, S. 18
57 vgl. Döge, Peter/ Stiegler, Barbara 2004, S. 136
58 vgl. Keddi, Barbara 2003, S. 13
14
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
stellungspolitik hatte schließlich zum Ziel, Frauen die Möglichkeit zu geben, sich an den Männern - durch Erwerbstätigkeit und Führungsposition - anzunähern. 59 Momentan ist zu beobachten wie die Gewissheit dessen, was als männlich gilt, zu schwinden beginnt. Junge Männer haben ihre Einstellung zu ihrer Geschlechterrolle verändert, sie probieren sich in der Partnerschaft, Liebe, in Beruf und Karriere, mit Kindern und Familie aus. 60 Es eröffnet sich eine Art Spiel des Infragestellens und auch der Überbietung, was die männliche Geschlechtsrolle anbelangt. 61 In Blick auf die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen und einer neuen Freiheit aus alten Zwängen, geprägt durch die Vielfalt der Möglichkeiten, aber dem Konflikt an die männliche Geschlechtsrolle „gefesselt“ zu sein, bildet sich bei Männern ein Dilemma ab. 62
Viele emanzipierte Männer erleben sich bspw. wegen ihrer aktiven Vaterschaft und der damit einhergehenden Erwerbsunterbrechung als Einzelkämpfer, weil sie von „traditionellen“ Männern im Beruf belächelt, wenn nicht sogar abwertend behandelt werden. Die als weiblich erachteten Handlungen können nur schwer von Männern angenommen werden, weil dadurch ein Verlust der „Männlichkeit“ befürchtet wird. Damit ist der Kernbereich männlicher Identität als „Erwerbs- oder Machtmann“ nicht weiter ignorierbar und auch nicht mehr Privatsache von einigen „Softis“. Männer müssen vielmehr in die Geschlechterpolitik mit einbezogen werden. 63 Die Genderfrage muss damit bestehende Sichtweisen und Standards überprüfen und ihre scheinbare Selbstverständlichkeit „entselbstverständlichen“ 64 , um Männer aus der gesellschaftlichen Festschreibung zu befreien. Somit muss auch das Modell der „sozialen Konstruktion von Geschlecht“, statt die Vorstellung der Zweigeschlechtlichkeit, konstruktiver Teil von Gender Mainstreaming sein. 65 Momentan verharrt die bundesdeutsche Geschlechterpolitik in ihren Genderanalysen bei der Datenerhebung von Frauen und Männern bspw. in der Besetzung von Führungspositionen in Organisationen. Damit besteht die Gefahr, die Fehler der bisherigen Gleichstellungspolitik zu wiederholen. 66
59 vgl. Keddi, Barbara 2003, S. 13
60 vgl. Keddi, Barbara 2003, S. 13
61 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S. 7 ff.
62 vgl. Hagemann-White, Carol 2003, S. 33 ff.
63 vgl. Schwerma, Klaus/v. Marschall, Andrea 2004, S. 29 f.
64 Keddi, Barbara 2003, S. 13
65 vgl. Keddi, Barbara 2003, S. 13
66 vgl. Döge, Peter/ Stiegler, Barbara 2004, S. 153
15
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Gender Mainstreaming kann die patriarchalen Strukturen vom Grundsatz her nicht ändern, sie bedient sich vielmehr der Ergebnisse der (traditionellen) Geschlechterforschung. Hieraus entsteht ein Widerspruch, der sich nicht auflösen lässt. Wenn weiterhin Benachteiligungen von Frauen und Männern parallel nebeneinander gestellt und unkommentiert bleiben, bleiben auch die strukturellen Unterschiede im Macht- und Ressourcenzugang nicht bedacht. Und weil bspw. Transsexuelle oder Homosexuelle nicht in Gender Mainstreaming vorkommen, so bleibt es bei einer Dualität des sozialen Geschlechts, obwohl Jede und Jeder verschieden ist. 67 Neue Entwicklungen in der Geschlechtertheorie fragen hingegen nach Möglichkeiten, die Unterscheidungen von Frauen und Männern bedeutungslos werden lassen, so dass sich an diesen Unterscheidungen keine sozialen Unterschiede mehr anknüpfen können. Denn die Dekonstruktion der Sozialordnung der Zweigeschlechtlichkeit würde die ungleiche Teilhabe, von Frauen und Männern an gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten, abbauen. 68
Wie die Unterstützungsangebote für eine individuelle männliche Lebensgestaltung aussehen und in der religionspädagogischen Arbeit aufgenommen werden können, wird am Ende dieser Arbeit einen Schwerpunkt bilden. Doch zuvor ist es wichtig sich der Erforschung von „Männlichkeiten“ und der Geschlechterverhältnisse bzw. -hierarchie näher zu widmen, da der Mann immer noch die Norm des Menschlichen in unserer Gesellschaft darstellt. 69 Denn, wenn es wirklich um geschlechterdemokratische Politik gehen soll, ist Männerforschung ein wesentlicher Baustein. 70
2.3 Die kritische Männerforschung
Woran liegt es, dass Männer schon immer das dominante Geschlecht darstell(t)en? Dieser Fragestellung geht die kritische Männerforschung nach, sucht nach Antworten für das Phänomen der sozialen Konstruktion von Männlichkeit und dem ungleichwertigen Geschlechterverhältnis. Um die junge Forschungsdisziplin mit ihren Theorien und Modellen zu erläutern, ist es zunächst notwendig, einige Anmerkungen vorzunehmen und die Wurzeln kritischer Männerforschung aufzuzeigen.
67 vgl. Schwerma, Klaus/v. Marschall, Andrea 2004, S. 30 f.
68 vgl. Meuser, Michael 2004, S. 322
69 vgl. Döge, Peter 2001, S. 9
70 vgl. Döge, Peter 2001, S. 24
16
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Seit Mitte der 70er Jahre gibt es in Amerika erste sozialwissenschaftliche Ansätze und darüber hinaus eine Forschungsrichtung, welche die Geschlechtlichkeit des Handelns von Männern in den Blick nimmt. Vielfältige Umbrüche hatten und haben zur Folge, dass sich die männliche Herrschaft als das Wahre und Selbstverständliche nicht mehr unhinterfragt durchsetzt und damit in Legitimationsdruck gerät. 71 Mittlerweile behauptet sich die kritische Männerforschung in den USA als (ernstzunehmende) Wissenschaft neben der feministischen Geschlechterforschung. Die Annahme der Geschlechterkonstruktion ist nicht nur für die feministischen Ansätze, sondern auch für die Männerforschung von grundlegender Bedeutung und beide üben Kritik an den traditionellen Theorien, Männer als die Norm anzusehen und damit zum Synonym Mensch zu machen. 72
Deutsche Männer verhalten sich bisher zurückhaltend, wenn es darum geht eigene Beiträge zur Geschlechterforschung zu erstellen, melden sich in der Debatte um Geschlechterdemokratie und Gender Mainstreaming kaum zu Wort und so ist „Männlichkeit“ fast ausschließlich ein Thema der Frauenforschung. 73
Die wenigen Männerforscher in Deutschland, insbesondere der Soziologe Walter Hollstein und der Politologe Peter Döge, riefen Ende 1997 zu einem Zusammenschluss von Ge-schlechterforschung und kritischer Männerforschung auf. Bis dahin waren deutsche Män-nerforscher vereinzelt in ihren Einrichtungen tätig und wurden von ihren männlichen Kollegen, als auch von der Frauenforschung mit großer Skepsis betrachtet. Auch wollten die Männerforscher nicht, dass die politischen Auswirkungen der Geschlechterforschung nur Frauensache bleiben. Der Männerforschung geht es nicht darum, feministische Kritik an den herrschenden patriarchalen Verhältnissen zurückzuweisen, sondern im ersten Schritt um die Thematisierung negativer Folgen patriarchaler Verhältnisse für Männer und deren Bewusstsein, sowie die Unterdrückung und das Leiden zu erheben. Damit sollen Männer zu gemeinsamen Aktionen mit Frauen motiviert werden. Ein zweiter Ansatz kritischer Männerforschung ist es, Männlichkeiten im Kontext von Geschlechterverhältnissen und Männlichkeiten als soziale Struktur im Kontext der Geschlechterforschung zu analysieren. 74 Dazu wurden und werden qualitative und quantitative Methoden der Sozialforschung genutzt. Die Forschung steht in Deutschland noch am Anfang und richtete ihren bisherigen Blick auf die männliche Therapiearbeit, die Entwicklungspsychologie, die historische Männerforschung sowie die Jungenarbeit. Erst seit ein paar Jahren werden Ansätze zur
71 vgl. Walter, Willi 2004, S. 41
72 Norm nach dem sprachgebräuchlichen Motto: „Nicht frau, sondern man(n) lässt es, man(n) tut es, man(n) macht es“.
73 vgl. Döge, Peter 2001, S. 22 f.
74 vgl. Döge, Peter 2001, S. 27
17
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
wissenschaftlichen Männerforschung entwickelt. Einmalig in der deutschen Männerforschung ist die Männerstudie von Paul M. Zulehner und Rainer Volz zum Einstellungswandel von Männern. 75
Das Anliegen der kritischen Männerforschung ist es, Hierarchien (auch unter Männern), die in der Geschlechtersozialisation begründet sind, aufzudecken und Angebote für ein verändertes Mannsein, im Gegensatz zum gesellschaftlichen Männlichkeitsbild, welches sich auch auf die Beziehung unter den Geschlechtern und den Generationen auswirkt, zu entwickeln. 76
Problematisch ist bei der kritischen Männerforschung die Beziehung zwischen Frauen- und Männerforschung. So gibt es Wissenschaftler die sich dafür aussprechen, dass Frauenforschung weiterhin von Frauen betrieben werden soll und andere, die die Ergebnisse der Frauenforschung durch die kritische Männerforschung überprüfen wollen. Auch die Frau-enforschung kritisiert die Männerforschung, weil sie damit eine Gefahr der Konkurrenz für die Frauenforschung und die Interessenverschiebung begünstigend für die Männer sieht, insbesondere in Hinblick einer knappen Finanzierungsgrundlage. Die Frauenforscherinnen sind geteilter Meinung, einige von ihnen sehen die beiden Forschungsrichtungen als eine Erweiterung der Geschlechterforschung an. 77 Nach Kimmels Meinung hat die Frauenforschung Geschlecht sichtbar gemacht und somit muss Frauenforschung nicht zur Ge-schlechterforschung werden, weil sie bereits Geschlechterforschung ist. „Durch die Sichtbarmachung der Frauen dezentrierte die Frauenforschung die Männer als nicht in Frage gestellte, körperlose Stimmen des akademischen Kanons und zeigt, dass Männer genauso wie die Frauen ganz und gar körperliche Wesen sind und ihre Identitäten gleichermaßen wie die der Frau sozial konstruiert sind“ 78 . Indem also die Frauenforschung Geschlecht sichtbar macht handelt sie ebenso von Männern, weil sie diese dadurch auch sichtbar macht, die ja vorher unsichtbar - besonders für sich selbst - waren. So kam die Zeit, dass auch Männer das Thema Gender aufgreifen 79 , oder nach dem chinesischen Sprichwort ausgedrückt: „Der Fisch entdeckt das Meer als Letzter“ 80 .
75 vgl. Döge, Peter 2001, S. 27 ff.
76 vgl. Brandes, Hologer/Bullinger, Herrmann 1996, S. 36
77 vgl. Döge, Peter 2001, S. 28 f.
78 Kimmel, Michael 2004, S. 338
79 vgl. Kimmel, Michael 2004, S. 337 ff.
80 Kimmel, Michael 2004, S. 339
18
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
2.3.1 Männer und Männlichkeiten
Generell wird in der Geschlechterforschung Männlichkeit und Geschlecht als sozial konstruiert verstanden. „Geschlechtlichkeit als soziale Praxis bezieht sich ständig auf den Körper und auf das, was Körper machen, reduziert sich allerdings auch nicht auf den Körper. Eigentlich verdreht der Reduktionismus 81 die wirkliche Situation vollständig. Das soziale Geschlecht existiert genau in dem Ausmaß, indem die Biologie das Soziale nicht determinier“ 82 . Die soziale Praxis ist nicht ursprünglich, sondern sie reagiert auf bestimmte Situationen und entsteht innerhalb sozialer Beziehungen und Strukturen. In unserer westlichen Gesellschaft hat sich das Konstrukt von Männlichkeit historisch, erst am Ende des 18. Jahrhunderts herausgebildet. Zuvor hat es immer einen Auseinandersetzungsprozess von Menschen und Gruppen mit ihrer historischen Situation des Geschlechts gegeben. Somit ist das Handeln als eine Einheit, durch die sich die anfänglichen Projektionen und Entwürfe in Geschlechterstrukturen transformiert haben, zu verstehen und damit werden Männlichkeiten und Weiblichkeiten zu Konfigurationen der Geschlechterpraxis bzw. zu prozesshaften Geschlechterprojekten. 83 Die Kategorie Geschlecht, welche sich auf eine zweigeschlechtliche Grundform beruht, stellt demnach immer eine soziale Ordnung her, „bei der es keine Möglichkeit zum sozialen Auf- und Abstieg gibt. Mann oder Frau ist man [räumlich gesehen durch Teilung von Tisch und Bett] lebenslang“ 84 . Nach den neusten Forschungsergebnissen zu urteilen, äußert sich Männlichkeit in einem vergeschlechtlichen und vergeschlechtlichenden Habitus 85 mit speziell männlicher Körperlichkeit und darauf bezogene Empfindungen. 86 Der jeweilige männliche bzw. weibliche Habitus drückt nicht nur eine Handlung oder Einstellung aus, sondern ist nach Ansicht vom Soziologen Pierre Bourdieu durch ökonomische, kulturelle und soziale Verhältnisse verschiedenartig ausprägt. Nach diesem Habituskonzept agieren Menschen je nach Sozial-und Klassenlage strategisch auf unvorhergesehene Situationen, mit entsprechenden Wahrnehmungs-, Handlungs- und Denkmustern, die sich zur Bewältigung herausbilden. 87 Fakto-
81 vereinfachteZurückführung
82 Connell, Robert W. 2000, S. 92
83 Psychologen würden diese Konfigurationspraxen „Persönlichkeit“ nennen.
84 Bürger, Tim 2006, S. 108
85 Habitus stammt aus dem Lateinischen und steht für das äußere Erscheinungsbild und Verhalten des Menschen. vgl. Brockhaus 2001, Habitus.
86 vgl. Döge, Peter 2001, S. 34
87 Auch in Ablösungsritualen wird wiederholend und meist religiös legitimierend der Junge darauf vorbereitet sich von der Mutter zu emanzipieren um ein Mann zu werden.
19
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
ren wie Kultur, Generation und Geschlecht haben einen wesentlichen Einfluss in der Ausprägung und Unterteilung der Habitusformen. Je nach Lebenslage von Männern unterscheiden sich auch deren geschlechtsbezogene habituelle Sicherheiten. 88 Michael Meuser sieht in Anlehnung am Konzept „doing gender“ den Habitus „als einverleibte, zur Natur gewordene und damit als solche vergessene [bzw. unsichtbare] Geschichte“ 89 . Damit ist jedem Mann ein geschichtlich geprägtes Verhalten seines Auftretens zugeschrieben, welches nicht nur individuell, sondern auch geschlechtlich übertragen werden kann. Der Habitus erzeugt nicht nur das männliche Handeln, sondern sorgt zusätzlich für eine Bewertung des fremden Handelns, ob diese angemessen oder unangemessen erscheint. 90 Für Meuser ist der geschlechtliche Habitus weiter gefasst als das Konzept der Geschlechtsrollen, auch wenn der Vergleich nahe liegt, da sich die verschiedenen sozialen Rollen wie Vater oder Lehrer im Konzept des geschlechtlichen Habitus zusammenfassen lassen. So kann man sich von den spezifischen Rollen wie Beschützer oder Ernährer lösen und neue annehmen, aber der Habitus als „fleischiges Gedächtnis von Darstellungen erinnert beständig an die Macht der Struktur“ 91 innerhalb der geschlechtsdifferenzierenden Gesellschaft. 92 Für Robert Connell gibt es im Kontext der Kulturen verschiedene Ausprägungen von Männlichkeit und er bedient damit auch die Vorstellung des „doing difference´s“ innerhalb eines Geschlechts. 93 Deshalb gehen einige Forscher davon aus, dass es mindestens 17 Differenzierungsmöglichkeiten von Männern und Männlichkeiten gibt. 94
2.3.2 Männlichkeiten und die hegemoniale Männlichkeit
Zu den wesentlichsten Theoriekonzepten männlicher Herrschaft zählt nicht nur der „männliche Habitus“, sondern auch die „Hegemoniale Männlichkeit“. 95 „Hegemonie“ bezieht sich nach Ansicht von Antonio Gramsci auf die gesellschaftliche Dynamik, mit welcher eine Gruppe eine Führungsposition in der Gesellschaft einnimmt und aufrechterhält. 96
88 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 109 f
89 Bourdieu, Pierre 1993 zit. n. Bürger, Tim 2006, S. 111
90 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 110
91 Hirschhauer, Stefan 1994 zit. n. Bürger, Tim 2006, S. 111
92 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 111
93 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 109 ff.
94 vgl. Döge, Peter 2001, S. 34
95 vgl. Döge, Peter 2001, S. 34
96 vgl. Connell, Robert W. 2000, S. 90
20
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Als Herrscher der Welt 97 haben Männer die Werte und Normen gesetzt. Diese unsichtbaren und vergeschlechtlichen Normen dienten als Maßstab und schienen geschlechtsneutral zu sein. 98 (Sprach man(n) von sich als Mann, sind alle gemeint gewesen.) Männliche Sichtweisen, Bedürfnisse und Verhaltensmuster sind damit nicht männlich, sondern universal auch für Frauen und Kinder definiert. Die Illusion der Geschlechtsneutralität hat ernsthafte Konsequenzen für Frauen, aber auch für Männer hervorgebracht. Denn wer herrscht, sieht sich selbst als stark bzw. gesund an und muss sich nicht in Frage stellen. Dagegen erscheinen die Anderen als pflegebedürftig, seltsam oder defizitär, weil sie mit dem Maßstab eines Anderen beurteilt werden. 99 Männlichkeit ist wie Männer sein sollen, also in der westeuropäischen Gesellschaft weiß, heterosexuell, zwischen 45 und 55 Jahre alt 100 , körperlich fit und erfolgsorientiert, aber eben nicht sind. 101 Männlichkeit wird trotzdem als soziale Norm für männliches Verhalten definiert und verschiedene Männer nähern sich als Folge dessen, diesem Standard verschieden weit an. Hier entsteht das Paradoxe, denn realistisch gesehen, erfüllen nur sehr wenige Männer die geforderte Norm. 102 Demzufolge muss es auch abweichende Männlichkeitsformen geben, welche sich nicht oder nur teilweise in das traditionelle Sozialisationsschema einfügen lassen. 103 Dies gilt insbesondere für homosexuelle Männer, die als nicht normal - wegen ihrer Sexualität - gelten und herabsetzt werden. Dadurch erfährt sich Männlichkeit eben nicht nur aus Abgrenzung zur Frau, sondern auch aus der Beziehung, welche Männer untereinander haben. 104 Diese Erkenntnis stammt vom australischen Soziologen Robert Connell, der den Begriff der Hegemonialen Männlichkeit etablierte. Im Allgemeinen versteht man darunter eine männliche Vormachtstellung, für Connell erklärt sie das Verhältnis und die Beziehungsstrukturen zwischen den Geschlechtern und unter Männern, die einer männlichen Sinnstiftung, Herrschaftssicherung und Unsicherheitsreduktion dienen. Männerbünde und andere Beziehungen, welche Männer untereinander pflegen, fungieren als Abgrenzung gegenüber Frauen, untergeordne-
97 DieUSA als angebliche Weltmacht kann hier als bildhaftes Beispiel angegeben werden. Die anderen Länder sind „die anderen“, die bspw. ihre Ländercodierung für Internetseiten ausdrücken müssen. Deutschland hat die Abkürzung „de“, Südafrika „za“ etc. Die Vereinigten Staaten „edu“ für Bildungseinrichtungen, „org“ für Organisationen oder „com“ bzw. „net“. Somit hat die USA ein Privileg wie das Geschlecht, welches unsichtbar ist. vgl. Kimmel, Michael 2004, S. 342
98 vgl. Kimmel, Michael 2004, S. 342
99 So wird eine Alkohol trinkende Frau, als peinliches Ärgernis beurteilt, wobei ein Mann in der gleichen Situation seine Trinkfestigkeit und seine vollständige Männlichkeit beweist. vgl. Hollstein, Walter 2004, S. 199 f.
100 Nach dem jetzigen Kenntnisstand bezüglich des Arbeitsmarktes dürfte sich das Alter um mindestens 10 Jahre reduzieren.
101 vgl. Döge, Peter 2001, S. 147
102 vgl. Connell, Robert W. 2000, S. 90
103 So nützt auch keine gesetzlich verankerte Gleichberechtigung, wenn gesellschaftliche Rollenmuster weiterhin wirken.
104 Bisher wurde dieser Aspekt von der Frauen- bzw. Geschlechterforschung kaum berücksichtigt.
21
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
ten Männern und marginalisierten 105 Männlichkeiten. Von daher sind selbst unterschiedliche Männlichkeitskonstrukte nicht gleichwertig, sondern stehen in einem hierarischen Verhältnis zueinander. 106 Andere Formen von Männlichkeit, wie z.B. Homosexualität, dunkelhäutige Männer oder so genannte „neue“ Männer werden unterdrückt und ausgegrenzt, weil sie einem unangemessenen Status zugeordnet werden. 107 Jeglicher Ausschluss durch die patriarchale Ideologie der Männlichkeit wird dem Schwulsein zugeordnet und mit Weiblichkeit gleichgesetzt. So können auch heterosexuelle Männer und Jungen durch die Betitelung als „Schwächling“, „Schlappschwanz“, „Muttersöhnchen“, „Streber“ usw. aus dem Legitimiertsein ausgeschlossen werden. Dieses Männlichkeitskonstrukt muss nicht immer personell gebunden sein, sonder kann auch ein vermitteltes Bild sein, welches eine „akzeptierende Antwort auf das Legitimationsproblem des Patriarchats verkörpert und die Dominanz der Männer sowie die Unterordnung der Frauen gewährleistet (oder gewährleisten soll)“ 108 . Trotz einer vaterlosen Gesellschaft ist die Vorherrschaft des Vaters verinnerlicht, die sich nun nicht mehr auf den individuellen Vater bezieht, sondern auf patriarchalische Strukturen wie Institutionen, Staat oder Leitbilder der Werbung, die alle Repräsentanten das Vaterprinzip verkörpern. 109 Demnach bilden auch Institutionen eine hierarische und hierarisierende Besetzung unterschiedlicher Männlichkeiten, die sich unterschiedlich verdichten. Dadurch ist das Handeln dieser Institutionen, wie Staat oder Kirche, als komplexe Interaktion unterschiedlicher Männlichkeiten zu verstehen. 110 Männer, aber auch Frauen unterdrücken sich in den unterschiedlichsten Rollen durch Machtkämpfe wechselseitig, wobei nach Connell nur Männer ihre Dominanz- und Machtbeziehung auf das andere Geschlecht ausdehnen. Von den Männern, die der sozialen Norm für männliches Verhalten entsprechen bzw. es „eisern“ praktizieren, profitiert die überwiegende Zahl der Männer von der Vorherrschaft dieser Männlichkeitsform. Sie nehmen an der „patriarchalen Dividende“ 111 teil, also dem materiellen und immateriellen Vorteilen von Männern, aus der Unterdrückung der Frauen bezogen werden. 112 Obwohl nicht alle Männer das hegemoniale Männlichkeitsmuster leben, werden Täter und Opfer zu Kompli-
105 randständig,nicht der Norm entsprechend bzw. nebensächlich
106 vgl. Conell, Robert W. 2000, S. 97 f.
107 Welche Kriterien ausschlaggebend für eine Abwertung oder Wertschätzung sind, ist bisher noch ungeklärt.
108 Connell, Robert 1987 zit. n. Döge, Peter 2001, S. 36
109 vgl. Frass, Hans-Jürgen 1993, S. 81
110 vgl. Döge, Peter 2001, S. 35
111 Conell, Robert W. 2000, S. 97
112 vgl. Conell, Robert W. 2000, S. 97
22
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
zen des Konzepts durch das kulturell erzeugte Einverständnis der Unterprivilegierten. 113 Da Männer noch immer eine Vielzahl an Machtpositionen besetzen und mehr als Frauen verdienen geht Hollstein davon aus, dass diese männliche Privilegierung die Bereitschaft herstellt, sich in das enge Korsett von Härte, Konkurrenz und Kampf „pressen“ zu lassen. Auch der Erwerb von Macht z.B. bei einem Vorstandsmitglied eines Konzerns, ist ein harter Kampf gewesen, welcher auch weiterhin gegen Neider und Konkurrenten verteidigt werden muss und diese dafür aufgebrachte Anstrengung spricht entschieden gegen eine Veränderung bzw. Machtabgabe. 114 Und so ist auch dieses Dilemma auf die Gleichstellungspolitik anzuwenden bzw. zu verstehen. Die Politik hält in vielen Bereichen noch an den traditionellen männlichen Rollenbildern fest, um die Erhaltung der Macht von Politikern als ihr Lebensziel aufrechtzuerhalten. Das männliche Machtprinzip funktioniert jedoch nur, wenn ihm alle folgen und dies zeigt sich besonders deutlich, wenn sich Politiker (und Politikerinnen) narzisstisch darstellen. 115
113 vgl. Conell, Robert W. 2000, S. 97 ff.
114 vgl. Hollstein, Walter 2004, S. 200
115 vgl. Hollstein, Walter 2004, S. 197 f.
23
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
3. Die Entwicklung von Männlichkeit
Um einige Anhaltspunkte für die - bis heute geprägte Sichtweise - der Männlichkeit zu finden, muss erst einmal das männliche Bild aufgezeigt werden, um dann zu verstehen welche historischen Bedingungen dazu beigetragen haben bzw. welchen Sinn sie hatten, „den“ Mann so entstehen zu lassen. Ein Blick in die Menschheitsgeschichte (die auch Männergeschichte ist) erfolgt hier nur punktuell.
3.1 Das männliche Leitbild als gesellschaftliche Vorgabe
Die Kategorien „männlich“ bzw. „weiblich“ dienen bis heute auch der gesellschaftlichen Ordnung. So wird schon ein Säugling nach einer der beiden Einteilungen behandelt. Infolgedessen kann und muss jede Person sich einem Geschlecht zuordnen und zuordnen lassen. Diese Unterscheidung nach dem Geschlecht bestimmt das weitere Verhalten gegenüber eines oder einer Unbekannten. Die anschließend aufgezeigten Kategorien stehen für geschlechtsspezifische Fähigkeiten oder Eigenschaften im Alltag, aber nicht in der Wissenschaft. 116
Männlichkeit hat demnach folgende Merkmale: „Stark, mutig, durchsetzungsfähig, dominant, leistungs- und konkurrenzorientiert, aggressiv (vor allem bei der Durchsetzung sexueller Wünsche), unabhängig, selbständig (sic!), zweckrational, emotional kontrolliert. Die Beherrschung von Gefühlen (insbesondere von Gefühlen der ,Schwäche‘ wie Hilflosigkeit, Angst oder Depression) und die dadurch mögliche Kontrolle der Beziehung zu anderen Menschen gehören demnach - neben der behaupteten Effektivität im Leistungsbereichzum ,männlichen´ Stereotyp“ 117 .
Die weiblichen Konnotationen verhalten sich wie Gegensätze, so dass von Frauen eher häusliche, fürsorgliche oder beziehungsorientierte Eigenschaften erwartet werden. Nach Durkheims funktionaler Ansicht sind Mann und Frau in der modernen Gesellschaft aufein-ander verwiesen, so dass ein Geschlecht die Gemütsfunktionen und das andere die Vers-tandesfunktionen übernimmt. 118 Diese stereotypen Inhalte bzw. Bilder der Geschlechter begreifen so genannte Alltagstheoretiker und Alltagstheoretikerinnen trügerisch als biologisch bedingt. Der Inhalt ist aber als Ausdruck geschlechtsspezifischer Leitbilder zu ver- 116 vgl.Nitzschke, Bernd 1996, S. 19 f.
117 Nitzschke, Bernd 1996, S. 19
118 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 78
24
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
stehen, welche die gesellschaftlich organisierte Sozialisation der Geschlechter bestimmen. Denn „das“ 119 Kind verhält sich anfangs geschlechtsneutral, auch wenn es gesellschaftlich vorgeschriebene Geschlechtsrollen gibt. Dagegen umfasst die Geschlechtsrolle das (scheinbar) typisch männliche oder weibliche Verhaltensrepertoire. 120 Dabei ist das androgyne Leitbild, welches männliche und weibliche Merkmale aufweist, an den traditionell männlichen Werten orientiert und diese Einheit ist zugleich ein Widerspruch. Sport, Gesundheit, Dominanz, Durchsetzungsvermögen und Erfolg sind Ideale, an denen sich heute Frauen und Männer gleichermaßen orientieren. 121 Über Jahrtausende waren männliche Leitbilder wie „Jäger-Krieger“ und später „Priester-Mönch“ für die männertypische Sozialisation auserwählt. Somit waren Kennzeichen wie der Held, die Askese, der Verzicht und der Heldentod für das Leben eines „richtigen“ Mannes über lange Zeit ausschlaggebend. Diese Darstellungen kriegerischer Männlichkeit zeigen sich noch zur Zeit des Ersten Weltkriegs, wo Männer begeistert an die Front marschierten und am faschistischen Männerkult, der ein (selbst-)mörderisches Ideal in der männlichen Psyche erscheinen ließ. 122 Selbst in den Medien wird der Mann heute immer noch mit Ehrgeiz und Ellenbogentaktik z.B. im Profisport vorgeführt, um mit egozentrischer Überlegung seine Konkurrenten abzufertigen und dadurch an der Spitze der Leistungsgesellschaft zu stehen. Denn erst auf der Menge der Verlierer hebt sich der Sieger bzw. der Held ab. 123
In den USA wird zu Ende des 19. Jahrhunderts das Bild des Cowboys geprägt, das bis heute von der Hollywoodindustrie als Vorbild wahrer Männlichkeit in Szene gesetzt wird. Der Westernheld enthält nicht nur Aspekte mittelalterliche Ritterbilder, sondern vor allem chauvinistische und rassistische Merkmale. Auch seine Verkörperung des innerlich Einsamen und äußerlich Freien gibt den Helden ab, ist zwar voller Widersprüche aber eben in einer moderneren Männlichkeitsideologie verhaftet. 124 Jedoch ist der Cowboy kein realer Mensch, sondern eine von der Filmbranche erschaffene Figur und es stellt sich die Frage, ob bei der Erschaffung des historisch-falschen Cowboys an Freud gedacht worden ist.
119 Die Betonung liegt auf dem mit sächlichem Artikel.
120 vgl. Nitzschke, Bernd 1996, S. 18 f.
121 vgl. Nitzschke, Bernd 2004, S. 51
122 vgl. Nitzschke, Bernd 1996, S. 20 f.
123 vgl. Hollstein, Walter 2004, S. 197
124 Während er seine unbewusste Homosexualität in Männerfreundschaften umwandelt oder in Pistolenduellen mit anderen Männern mörderisch auslebt sucht er das Weite, wenn eine ernsthafte Beziehung zu einer Frau sich für ihn anbahnt. Auch verdrängt er seine Heterosexualität und lebt stattdessen lieber in Verbindung mit der Natur als mit einer Frau. vgl. Nitzschke, Bernd 1996, S. 26
25
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Nach Freud sind alle Menschen bisexuell veranlagt, weil männliche und weibliche Neigungen nebeneinander bestehen und viele Homosexuelle den psychischen Charakter der Männlichkeit bewahrt haben. 125
Das erkorene Männlichkeitsideal der Spanier stellt der „Macho“ dar. Er lebt seine Heterosexualität aus, indem er seine ständig neuen Frauen verachtet und zugleich idealisiert. Seine Mutterbindung hat sich nie aufgelöst, er ist emotional vaterlos geblieben und hasst Frauen. Das Schicksal resultiert auf die eingeschränkte Funktion der Mutter als Hausfrau mit ihrer Überbeschützung gegenüber dem Sohn. Daraus entsteht eine emotionale Abhängigkeit durch eine ewige Dankbarkeitsverpflichtung, denn die Mutter hat sich für ihr Kind „geopfert“. Ziel dieser (widersprüchlichen) Erziehung ist es, den Sohn männlich zu machen und zu verhindern, dass er erwachsen wird. 126
So exotisch diese Leitbilder auch erscheinen mögen, sie zeigen eine in unsere Gesellschaft weit verbreitete Mutter-Kind-Zentriertheit innerhalb der Familie an, die aus der Vaterlosigkeit als Konsequenz entstanden ist und kaum modifizierbar scheint. 127 Das daraus sich etablierende Dilemma schreit förmlich nach einer stärkeren Beteiligung der Väter an der Kinderbetreuung. Alternative Männlichkeitsmodelle bzw. -bilder wie der teilzeitarbeitende Vater, der Teilnehmer einer Männergruppe oder der mitverantwortliche Partner in einer Beziehung werden wenn, dann nur am Rande öffentlich erwähnt. Dass Jungen und Männer im Laufe ihres Lebens auch von patriarchalen Denkmustern, Verhaltensweisen und Organisationsstrukturen der Gesellschaft geformt werden, soll im Folgenden ausgeführt werden, wird aber anhand der eben aufgezeigten Leitbilder schon annähernd deutlich. Mit Hilfe unterschiedlichster Strategien werden bis heute diese Bilder aufrechterhalten. Aber welche Gründe führten zu dieser stereotypen männlichen Rollenannahme, welche immer noch in so vielen „Köpfen“ präsent ist?
3.2 Die historisch prägende Ausbildung der männlichen Geschlechtsrolle
Aufgrund der Moderne, der Arbeitsteilung durch die Industrialisierung wurde das, bis in das 18. Jahrhundert reichende, gültige Modell des einen Geschlechts des Menschen abge-
125 vgl.Connell, Robert W. 2000, S. 27
126 In der Kultur des Machos behält die Mutter für ihren Sohn immer einen idealen Wert. Für ihn gibt es kein reineres Mutterbild als sie, ähnlich der Verehrung der heiligen Jungfrau. Der Macho sperrt seine Frau ins Haus, wendet sich anderen zu und stellt seine sexuelle Potenz unter Beweis in dem er sie schwängert. Auch seine Söhne wachsen wiederum in enger Beziehung zur Mutter und ohne Vater auf.
127 vgl. Nitzschke, Bernd 1996, S. 26 f.
26
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
löst. Die daraus folgende Denkweise der Zweigeschlechtlichkeit kann als eine Erfindung der Humanwissenschaften begriffen werden. Die damals festgestellte biologische Differenzierung des Geschlechts wurde genutzt, um dem Sozialen eine neue Grundlage zu geben und fortan galten die sozialen Differenzen als Ontologische 128 , d.h. dass seither nun zwei Charaktere mit ihren physiologischen Merkmalen als naturgegebene Differenzbestimmungen aufgefasst wurden. 129 Um 1900 wurden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die - wie im Vorfeld schon erläutert - in Eigenschaften und Personenprofilen einander entgegengesetzt sind, debattiert. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde dann die Geschlechterforschung mit dem Konzept der sozialen Rolle konfrontiert, woraus sich der Begriff „Geschlechtsrolle“ entwickelte, der bis heute in fast aller „Munde“ ist. Dass das Leben ein Theaterstück ist und Jeder und Jede darin seine bzw. ihre Rolle spielt ist dazu eine bekannte Metapher aus älterer Zeit. Die Geschlechtsrolle als soziales Konzept zu verstehen - und damit wird die patriarchalisch geprägte Gesellschaft zum Regisseur des „Theaters“ -, etablierte sich durch die Vorstellung, dass die kulturellen Normen und die soziale Struktur eine Verbindung eingehen und die Geschlechtsrolle dadurch bestimmt und religiös legitimiert wird. 130 Geschlechtsrollen sind demnach entweder von bestimmten Situationen abhängig oder das „Mann- und Frausein“ ist eine Bündelung von allgemeinen Erwartungen, die dem biologischen Geschlecht anhängen. Beim letzteren Ansatz, der immer noch am gebräuchlichsten ist, werden Männlichkeit und Weiblichkeit als die verinnerlichten Geschlechtsrollen, als Folge der Sozialisation betrachtet. Früher ging man davon aus, dass die verinnerlichte Geschlechtsrolle zur sozialen Stabilität, psychischen Gesundheit und Aufrechterhaltung notwendiger sozialer Funktion wichtig sei. 131 Mit der sich entwickelnden Geschlechterforschung wurde nunmehr erkannt, dass die Verinnerlichungstheorie besonders dazu dient(e), die weibliche Rolle zu unterdrücken und die Machthierarchie unter Männern zu rechtfertigen. 132 Denn die Geschlechtsrolle existiert nur als gesellschaftliche Vorstellung - also in den „Köpfen“ der sozialen Gemeinschaft. Der Ausgangspunkt für die Herausbildung der männlichen Geschlechtsrolle ist die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der früheren Gesellschaft. Männer waren für die Außenwelt, welche die Erwerbsarbeit und Politik mit einschließt, zuständig und galten bis
128 Lehre vom Sein, vom Wesen und den Eigenschaften des Seienden; vgl. Brockhaus 2001, Ontologie
129 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 36
130 vgl. Hormel, Ulrike/Scherr, Albert 2003, S. 20 f.
131 vgl. Hormel, Ulrike/Scherr, Albert 2003, S. 23 f.
132 vgl. Connell, Robert W. 2000, S. 39 f.
27
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
zur Mitte des 20. Jahrhunderts als alleinige Träger der Kultur. 133 Sie traten als politische Obrigkeit, Richter 134 und Stellvertreter Gottes auf Erden auf. 135 Mittlerweile haben sich die Bedingungen geändert und die daran gebundenen Geschlechtsrollen lösen sich immer mehr auf. 136 Aber historisch gesehen führte die Einschränkung der Frau, durch das Kindergebären und -stillen dazu, dass Männer für die Ernährung und Beschützung zuständig waren. 137 Bis heute behaupten sich die Bilder des Erwerbs- und des Machtmanns und werden paradoxerweise von der Frauenpolitik reproduziert. 138 In nichtwestlichen Kulturen werden heute noch Jungen zu Männern gemacht, indem sie von der Mutter, die sich ausschließlich bis zum zehnten Lebensjahr um sie kümmert, ab diesem Zeitpunkt von ihnen getrennt werden. Dazu benutzt man strenge und überaus grausame Initiationsriten, die der Junge über sich ergehen lassen muss. So werden z.B. in Papua-Neuguinea Jungen in den Wald gejagt, geschlagen und ausgehungert. Danach beginnt die Einführung in die Sexualität in der Männerhorde, indem Jungen das Ejakulat von jungen Männern trinken müssen um ihre Männlichkeit hervorzubringen. 139 Die Herstellung kriegerischer Männlichkeit hat immer einen Mutter-Verzicht zum Anliegen. Der Wunsch eines Jungen, bei der Mutter zu bleiben und sich dort weiterhin wohl und aufgehoben zu fühlen entwickelt keine Distanz zu ihr. Nur durch eine Form der Übermännlichkeit, die sich gegen alles Weibliche wendet, kann die Nähe der Mutter besiegt werden und die weiblichen Anteile, die in Männern verankert sind, zerstören. Somit waren und sind Männlichkeitsriten immer auch Wunschverzichtsriten. 140 Auch im heutigen Sozialisationsprozess des Kindes entspricht die Abwesenheit des Vaters einer Ohnmacht und die Mutter hat die Allmacht. Kommt der Sohn in die Pubertät wird die emotionale und enge Bindung an die Mutter abrupt und somit traumatisch abgerissen und der Prozess der Abgrenzung gegenüber allem Weiblichen erzwungen. Nach Meinung dieser Kriegerstämme hat das Zusammenleben der Jungen mit ihren Müttern eine weibliche Geschlechtsidentität hervorgebracht, die durch diese brutale Weise in männliches Verhalten verwandelt werden muss, um Jungen zu aggressiven Kriegern zu machen. Dieser Abgrenzungsprozess steuert
133 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 40
134 vgl. Brandes, Holger/Bullinger, Hermann 1996, S. 46
135 Männer fühlten sich selbst als Schöpfer und als Vater, der die Welt und seine Kinder erschafft. vgl. Schwanitz, Dietrich 2001, S. 105 f.
136 vgl. Gildemeister, Regina 2005, S. 200 ff.
137 vgl. Nitzschke, Bernd 1996, S. 20 f.
138 vgl. Döge, Peter 2001, S. 9
139 vgl. Schwanitz, Dieter 2001, S. 63 f.
140 vgl. Nitzschke, Bernd 1996, S. 21
28
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
sich durch Initiationsriten, die eine symbolische Form der Kastration und der rituellen Form der Homosexualität beinhalten. 141
Ebenfalls zur männlichen Ideologie gehört die Pflicht des Mannes die Ernährung bzw. finanzielle Sicherstellung der Familie aus eigener Kraft zu leisten. Jedoch konnte schon vor über einem Jahrhundert der „einfache“ Mann diese Aufgabe nicht ohne weiteres erfüllen. So mussten alle Familienmitglieder dazu beitragen das Überleben zu sichern. Damit veränderte sich auch die Rolle des Mannes, weil er immer mehr die bis dahin abgesicherte Macht verliert. 142
Männlichkeit ist in der Gesellschaft immer mit Macht und Autorität besetzt und schon am Ende des Ersten Weltkrieges wird die Krise der Männlichkeit spürbar. So erscheint 1919 das Buch: „Die vaterlose Gesellschaft“ 143 von Peter Federn, der die „Verweiblichung“ 144 anspricht, neue autoritäre Männerideologie, mit der Verachtung der Weiblichkeit , entstehen lassen will. Zunächst gab es die väterliche Autoritätsperson, welche im wechselseitigen Austauschverhältnis zwischen dem Vaterbild des Sohnes und der Kultur stehen. In Zeiten stabiler religiöser Systeme richtete sich dieses auf Gott aus und innerhalb des totalitären Staates, auf den Kaiser. 145 So sieht Federn die Gefahr nach dem Verlust der väterlichen Autorität durch den Sturz des Kaisers mit einem immensen Weitblick, dass mehrere Menschen, die „nur auf eine geeignete, neu auftretende Persönlichkeit warten, die ihrem Vaterideal entspricht, um sich wieder als Sohn zu ihm einzustellen. Mit großer Regelmäßigkeit hat deshalb nach dem Sturz von Königen die Republik der Herrschaft an einen Volksführer Platz gemacht“ 146 . Diese Aussage, dass die Hitlerdiktatur aufgrund der verinnerlichten Vaterautorität entstehen konnte, kann dabei keine Entschuldigung für die nationalsozialistische Zeitepoche in unserer Geschichte sein, aber sie zeigt einen von vielen Gründen auf, der zu diesem Holocaust führte. Nach Kriegsende waren die Väter kaum noch Vorbild, sondern eher ein Abbild der Niederlage. Und so zeichnete sich zu Beginn des 20. Jahrhundert schon ab, was heute zur Regel geworden ist: Die väterliche Autorität verschwindet mehr und mehr aus der gesellschaftlichen Bedeutung, aufgrund der Kriegsniederlage und modernen Industriegesellschaften, aber sie ist im Kern unserer Kultur erhalten geblieben. Die Abwesenheit des Mannes aus dem Familienleben erzeugt die Allein- 141 vgl.Nitzschke, Bernd 1996, S. 20 f.
142 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 61 f.
143 Federn, Paul 1919 zit. n. Bürger, Tim 2006, S. 61 f.
144 Federn, Paul 1919 zit. n. Bürger, Tim 2006, S. 61 f.
145 vgl. Nitzschke, Bernd 1996, S. 21 f.
146 Federn, Paul 1980 zit. n. Bürger, Tim 2006, S. 61 f.
29
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
herrschaft der Mutter im privaten Bereich. 147 Durch das Auftreten der Mutter im Bereich der Erwerbsarbeit stehen sich Männer und Frauen im öffentlichen Bereich zunehmend gleichberechtigt gegenüber. Männer sind nicht mehr die machtvollen Gestalten, als die sie einst hingestellt wurden, sondern sozial abgeschwächte Respektpersonen. Frauen haben sich verändert und Männer müssen sich durch die neue Struktur notwendigerweise mit verändern. Dies bringt gerade wegen der zwiespältigen gesellschaftlichen Vorgaben an ihrem Geschlecht individuelle Krisen mit sich. 148
Männer und Männlichkeit rückten etwa 1985 in Deutschland in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Zunächst gingen die Fragestellungen an den Mann und dessen Rolle von Frauen aus, da sich die Lebenssituation von Frauen nur mit dem Blick auf die Männerwelt verändern lasse. 149 Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Untersuchungen zu beiden Geschlechtern und deren Unterschieden, die mit unterschiedlichsten Methoden und Interessen durchgeführt wurden (und werden). Die Ergebnisse sind gleich bleibend, da Geschlechtsunterschiede zum größten Teil nicht vorhanden sind und wenn, dann doch sehr gering, da wir kulturell - durch die Vorstellung der Geschlechtsrollen - bereits darauf „gedrillt“ sind. 150 Im Gegensatz dazu sind viele Ungleichheiten zwischen den sozialen Positionen zu erkennen. Hierzu zählen bspw. unterschiedliche Löhne, unterschiedliche Fähigkeiten bei der Kinderversorgung oder ein ungleicher Zugang zur „gesellschaftlichen Macht“. 151 Es ist zu beobachten, dass sowohl bei Männern als auch Frauen Wünsche und Fähigkeiten oft über die engen Grenzen der traditionellen Geschlechterrollen hinausgehen. Damit ist der Begriff Geschlechtsrolle eine ungeeignete Metapher für geschlechtsbezogene Interaktion. Spricht man bspw. von der „Männerrolle“ werden viele Aspekte, wie z.B. Homosexualität oder ethnische Herkunft, gar nicht erst berücksichtigt. Demzufolge sind diese vereinfachten und verallgemeinernden Reduzierungen von Charakteristika, die als typisch für Männer und Frauen gelten, eher implizierte Regeln und somit traditionelle Geschlechtsrollenzuweisungen - bzw. stereotype. 152 Sie sind jedoch fest in unseren Vorstellungen verankert und spiegeln sich eben auch in der Geschlechtsidentität wider. Schlussfolgert man nun aus den bisherigen Ausführungen, dass alle Erkenntnisse von Geschlechtern nunmehr erfasst sind, so bleiben doch immer noch so genannte blinde Flecken,
147 vgl. Nitzschke, Bernd 1996, S. 26 f.
148 vgl. Bürger, Tim 2006, S. 58 ff.
149 vgl. Gildemeister, Regina 2005, 2005, S. 198
150 vgl. Konnertz, Ursula 2005, S. 52 f.
151 vgl. Gildemeister, Regina 2005, S. 194 ff.
152 vgl. Gildemeister, Regina 2005, 2005, S. 204
30
Männer - Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Wahrnehmungsblockaden und Ideologien zurück. Die Frage was es bedeutet, wenn Forschungen nur von Frauen oder Männern betrieben werden und was unbeachtet bleibt steht noch aus. 153 So formuliert Susan Griffin den Wunsch „ ... die uneingeschränkte Wahrheit zu erkennen, zu verstehen und zu wissen, was im Dunkeln liegt oder was vergessen wurde [...]. [Dieser Wunsch] ist auf das engste mit einer Haltung verbunden, die jedes Leben ehrt“ 154 .
3.3 Die Entwicklung der männlichen Geschlechtsidentität
Die Geschlechtsidentität stellt ein Konzept dar, das aus der Sicht des einzelnen Menschen seinen stetigen Prozess der Vermittlung innerer und äußerer Ansprüche darstellt und wohl eher die Antwort auf die Frage: „Wer bin ich?“. „Das Konstrukt der Identität lässt sich dabei differenzieren nach kognitiven Aspekten wie dem Selbstkonzept, emotionalen Aspekten wie dem Selbstwertgefühl, motivationalen Aspekten wie Überzeugung über die personale Kontrolle sowie sozialen Aspekte wie die erlebte Wahrnehmung der eigenen Person durch die soziale Umwelt.“ 155 Der Begriff „Identität“ schafft nunmehr viele Verwirrungen, so dass er selbst in Identitätsschwierigkeiten gerät.
Das soziologische Rollenkonzept umschreibt die gesellschaftlichen Erwartungen an ein Geschlecht, wobei das psychologische Identitätskonzept eher mehr das individuelle Resultat einer geschlechtsspezifischen Sozialisation zum Ausdruck bringt. 156 Es gibt dabei keine allgemein gültige Definition für die männliche und weibliche Geschlechtsidentität. Zur Entwicklung der Geschlechtsidentität lässt sich sagen, dass sie sich schrittweise vollzieht und die unterschiedlichsten Einwirkungen entscheidend für ein unterschiedliches männliches Verhalten sind. 157 In den anschließenden Ausführungen können jedoch keinesfalls alle Faktoren erfasst werden, da diese individuell unterschiedlich auf die männliche Geschlechtsidentität einwirken. Deswegen sollen hier nur die grundlegendsten Wirkungen benannt werden. 158
Wie also erwerben Jungen im Verlauf des Entwicklungs- und Sozialisationsprozesses ihre männliche Identität? Das vorangegangene Beispiel aus Papua-Neuguinea zeigt in gewisser
153 vgl. Konnertz, Ursula 2005, S. 53
154 Griffin, Susan 1989 zit. n. Konnertz, Ursula 2005, S. 53
155 Faltmaier, Toni 2004, S. 27
156 vgl. Faltmaier, Toni 2004, S. 27
157 vgl. Elsenbast, Volker 1999, S. 17 ff.
158 vgl. Kuhnle, Ursula/Krahl, Wolfgang 2003, S. 43
31
Arbeit zitieren:
Yvonne Dix, 2006, Männer-Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Darstellung und kritische Würdigung der Prozesskostenrechnung
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Studienarbeit, 29 Seiten
Managing Diversity - Abschied von der Monokultur
Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Seminararbeit, 17 Seiten
Managing Diversity - Führung von gemischten Teams
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 44 Seiten
Diversity Management - Umsetzung eines amerikanischen Konzeptes in Deu...
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 91 Seiten
Konsequenzen der Einführung eines Europäischen Qualifikationsrahmens f...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Bachelorarbeit, 39 Seiten
Business Plan: Internetcafé 'Café Click'
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 40 Seiten
Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) - Entstehung, Ziele, Perspe...
Unter besonderer Berücksichtig...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Seminararbeit, 22 Seiten
Können Tiere denken? - Eine Arbeit über Verstand, Vernunft und Rationa...
Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
Examensarbeit, 70 Seiten
Sind Tiere moralisch zu berücksichtigen?
Das Verhältnis von Mensch und ...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Aristoteles - Glückseligkeit als Lebensform
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 18 Seiten
Personalmanagement im Ehrenamt: Kommunale Förderung des ehrenamtlichen...
BWL - Personal und Organisation
Masterarbeit, 120 Seiten
Yvonne Dix's Text Männer-Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Yvonne Dix hat den Text Männer-Bilder als Herausforderung religionspädagogischer Arbeit veröffentlicht
Yvonne Dix hat einen neuen Text hochgeladen
Entfaltungen. Bilder und Schilderungen aus meiner Arbeit mit Kindern
Elfriede Hengstenberg, Ute Strub
Konzepte zum Management der Ag...
Sven Voelpel, Marius Leibold, Jan D. Früchtenicht
Erinnerung an Viktor Hartmann....
Modest Mussorgskij, Manfred Schandert
Religionspädagogische Arbeit im evangelischen Kindergarten
Grundlegung und Praxis
Simone Wustrack
Florian Süssmayr. Bilder für Deutsche Museen
Buch zur Ausstellung in Münche...
Florian Süssmayr, Dominik Wichmann
0 Kommentare