Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
1.1 Ausgangssituation 4
1.2 Problemstellung 5
1.3 Zielsetzung 6
1.4 Struktur und methodisches Vorgehen 7
2 Joseph A. Schumpeters Entwicklungstheorie 9
2.1 Der Entwicklungsprozess 9
2.2 Die Schumpeter-Renaissance - Wirtschaftsökonomische Aspekte 11
2.3 Schumpeters Theorieelemente der schöpferischen Pionierunternehmung 12
2.3.1 Der Prozess der schöpferischen Zerstörung 13
2.3.2 Der Innovationsbegriff bei Schumpeter 14
2.3.3 Die Träger der Innovationen 15
2.3.3.1 Der dynamische Unternehmer 16
2.3.3.2 Die Unternehmen 17
2.3.4 Zusammenhang von Innovationen, Nachfrage und Investitionen 17
2.3.5 Wettbewerb und Imitation: Das klassische Innovator-Imitator Modell 18
2.3.6 Zusammenhang von Innovationen und wirtschaftlichem Auf- und Abschwung 20
3 Marktdynamik und Wettbewerb - Die entscheidende Rolle der Information
21
3.1 Unternehmen und Märkte 21
3.2 Analyse des Marktgeschehens 23
3.2.1 Die neoklassische Gleichgewichtstheorie 23
3.2.2 Marktprozess und Unternehmertum 25
3.2.2.1 Kirzners Theorie des Marktprozesses 25
3.2.2.2 Vergleich der Theorien: Schumpeter - Kirzner 26
3.2.3 Neue Institutionenökonomik 27
3.2.3.1 Die Property-Rights Theorie 28
3.2.3.2 Die Transaktionskostentheorie 30
3.2.3.3 Die Principal-Agent Theorie 31
3.2.4 Informationsökonomischer Ansatz 33
3.3 Entstehung der Internetökonomie 34
3.3.1 Informations- und Kommunikationstechnolologien 34
3.3.2 Leistungsexplosion der Informations- und Kommunikationstechnologien 34
3.3.3 Die Internetrevolution 35
3.3.4 Konvergenz der Medien- und Kommunikationssektoren 36
4 Die Internetökonomie 38
4.1 Charakteristika 38
4.1.1 Digitalität 38
4.1.1.1 Neue Produkte 39
1
4.1.1.2 Verhältnis von Produktions , Reproduktions- und Distributionskosten 39
4.1.1.3 Produktivitätssteigerung 40
4.1.1.4 Neue Märkte 41
4.1.1.5 Neue Formen der vernetzten Zusammenarbeit, Spezialisierung, Arbeitskooperation und
teilung 41
4.1.1.6 Information als Produktionsfaktor 42
4.1.2 Vernetzung 43
4.1.2.1 Netzwerkeffekte 43
4.1.2.2 Economies of Scale 45
4.1.3 Globalität 46
4.1.3.1 Globalisierung im Zeitalter des Internets 46
4.1.3.2 Business Webs als typische Organisationsform 47
4.2 Neue Strategien 49
4.2.1 Produktstrategien - Versioning 49
4.2.2 Preisstrategien - Follow the Free 50
4.2.3 Kommunikationsstrategien - Eins-zu Eins Marketing 50
4.2.4 Erlösformen 51
4.2.5 Finanzierungsformen 52
4.3 Electronic Business 52
4.3.1 Marktbereiche Business-to Consumer, Business-to Business 53
4.3.2 Grundlagen und Elemente von Geschäfts- und Erlösmodellen 55
4.3.2.1 Marktmodell 56
4.3.2.2 Beschaffungsmodell 56
4.3.2.3 Leistungserstellungsmodell 56
4.3.2.4 Leistungsangebotsmodell 57
4.3.2.5 Distributionsmodell 57
4.3.2.6 Kapitalmodell 57
4.3.3 Geschäftsmodelle im E-Business 57
4.3.3.1 Geschäftsmodell Context 58
4.3.3.2 Geschäftsmodell Connection 58
4.3.3.3 Geschäftsmodell Content 59
4.3.3.4 Geschäftsmodell Commerce 59
5 Amazon 61
5.1 Entwicklung des Unternehmens 61
5.2 Unternehmensphilosophie und Ziele 61
5.3 Das Geschäftsmodell 63
5.3.1 Das Marktmodell 63
5.3.2 Das Beschaffungsmodell 65
5.3.3 Das Leistungserstellungsmodell 67
5.3.4 Das Leistungsangebotsmodell 68
5.3.5 Das Distributionsmodell 69
5.3.6 Das Kapitalmodell 70
5.4 Amazon - eine Schumpetersche Pionierunternehmung? 71
6 BOL 73
6.1 Entwicklung des Unternehmens 73
6.2 Unternehmensphilosophie und Ziele 74
6.3 Das Geschäftsmodell 74
2
6.3.1 Das Marktmodell 75
6.3.2 Das Beschaffungsmodell 75
6.3.3 Das Leistungserstellungsmodell 76
6.3.4 Das Leistungsangebotsmodell 76
6.3.5 Das Distributionsmodell 77
6.3.6 Das Kapitalmodell 77
6.4 Vergleich: BOL - Amazon 78
6.5 BOL - eine Schumpetersche Pionierunternehmung? 80
7 Zusammenfassung 82
8 Literatur 84
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1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
Kaum ein Gebiet entwickelt sich so stark wie die Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere das Internet. Diese Tatsache führt zwangsläufig zu Veränderungen von Unternehmensstrukturen wie beispielsweise zu Neukombinationen von Produktionsfaktoren oder zu veränderten Unternehmensgrenzen, ebenso zu Branchen-, Markt- und Beschäftigungsveränderungen, welche sich letztlich in einem Strukturwandel bemerkbar machen können.
Werden diese Entwicklungen durch technologische Strukturveränderungen hervorgerufen und als Aufeinanderfolge von langfristigen Zeiträumen unterschiedlichen Wachstums aufgefasst, so verläuft der volkswirtschaftliche Strukturwandel - wie der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolaj Kondratieff nachwies - in langen Wellen oder Zyklen, die sich jeweils auf einen Zeitraum von ungefähr 50 Jahren erstrecken. Stets sind es folgeträchtige, innovative Erfindungen, die zu neuartigen Technologien führen und die lang andauernden Aufschwungphasen einleiten (vgl. Little 1997, S. 30). Folgende Zyklen werden beschrieben (vgl. Wirtz 2001, S. 14):
Die erste lange Welle war die industrielle Revolution. Sie umfasste in etwa den Zeit- - raumvon 1782 bis 1845. In ihr kamen der mechanische Webstuhl und die Dampfmaschine zum Einsatz.
- Die zweite Welle wurde vom Eisenbahnbau und der Stahlindustrie getragen und dauerte von etwa 1845 bis 1892.
- In der dritten langen Welle, ca. 1892 bis 1948, bilden die Elektrizität und neue Entwicklungen in der Chemie, vor allem von Düngemitteln, die Aufschwungfaktoren. Hinzu kam die erste wirtschaftliche Nutzung des Verbrennungsmotors.
- Die tragenden Faktoren der vierten langen Welle waren die allgemeine Motorisierung und die Verkehrstechnik, die Molekularbiologie, die Kunststoffindustrien sowie Funk und Fernsehen. Diese Welle begann um 1948 und endete um 1995.
Wirtz ordnet diese, im wesentlichen durch technologische Revolutionen bestimmten Wellen der Industriegesellschaft zu, während die Innovationen in der Informationstechnologie, insbesondere das Zusammenwachsen von bisher getrennten Wirtschaftsbereichen wie Telekommu-
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nikation, Informations- und Kommunikationstechnik zu einem Wandel von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft führten und damit den aktuellen fünften Kondratieff-Zyklus angestoßen haben. Die Informations- und Kommunikationstechnologie stellt die fundamentale Technologie dar welche sich zunehmend zu einem eigenständigen Sektor der Volkswirtschaft herausbildet (vgl. Wirtz 2001, S. 14-15).
1.2 Problemstellung
Die Gleichgewichtstheorien der neoklassischen Ökonomen betrachten Waren, Produktionsanlagen der Betriebe und Märkte ebenso als gegeben wie die Bedarfsstrukturen der Menschen und schließen damit qualitative Änderungen von Gütern aus. Es wird von einem Wirtschaftskreislauf ausgegangen in dem die Gossenschen Gesetze ebenso wie das Ertragsgesetz gelten, in dem Gleichgewichtspreise herrschen und es vornehmlich um Tauschaspekte geht. Qualitative Änderungen werden durch das Ertragsgesetz, das Auftreten neuer Bedürfnisse durch die Gossenschen Gesetze ausgeschlossen. Lediglich Preise, Kosten und Mengen können variieren (vgl. Arndt 1992, S. 24-25).
Charakteristisch an Marktwirtschaften ist jedoch nicht der Wirtschaftskreislauf, sondern die Entwicklung neuer Märkte aufgrund der Veränderungen von Waren, Produktionsverfahren sowie von Bedarfsstrukturen unter unvollkommener Konkurrenz. Die Marktgleichgewichts-theorie vernachlässigt die Bedeutung von Markt und Wettbewerb als Institutionen zur Verbreitung von Informationen und Wissen. Somit sind die Theorien der neoklassischen Kreislaufwirtschaft nicht geeignet, den durch ständige Situationsveränderungen gekennzeichneten Prozessablauf der wirtschaftlichen Entwicklung zu erklären. Die Erfassung dieses Handlungsablaufs im Wettbewerbs- und Marktprozess und seiner wirtschaftlichen Konsequenzen außerhalb von Gleichgewichtslagen beschreiben die dynamischen Wettbewerbstheorien, auch Marktprozesstheorien oder Entwicklungstheorien genannt. Diese ergänzen die neoklassische Markttheorie um die ökonomische Verwertung neuer Ideen durch kreative Unternehmer und Unternehmungen sowie um die Macht der Verbraucher, durch ihre Kaufentscheidungen Preise und Qualitäten zu beeinflussen. Neue Ideen entstehen durch die von den Institutionen Markt und Wettbewerb verbreiteten Informationen. Das Erkennen, die Ausnutzung und die Bedeutung von Informationslücken und unvollständiger Information sind Ausgangspunkte der Analyse von Marktprozesstheorien (vgl. Picot et al. 2001, S. 32).
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Der Informations- und Kommunikationssektor gewinnt damit im Zuge des gesellschaftlichen und technologischen Wandels zunehmend an Bedeutung, nicht nur was das Erkennen von Innovationspotentialen betrifft, sondern auch, was die wirtschaftliche Entwicklungsdynamik, also die Veränderungen und Entwicklungen von Volkswirtschaften betrifft.
Die erste evolutorische Theorie des Entwicklungsprozesses von Volkswirtschaften wurde von Joseph A. Schumpeter veröffentlicht (vgl. Behrens 1987, S. 25). Schumpeters Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ von 1912 leistet einen fundamentalen Beitrag zur Entwicklung der ökonomischen Wissenschaft und erfährt hinsichtlich heutiger Entwicklungen im Bereich moderner Informations- und Kommunikationstechnologien eine Renaissance. Die treibenden Kräfte hinter dem langwelligen Auf-und-Ab der volkswirtschaftlichen Konjunktur, so hatte Schumpeter erkannt, sind Unternehmer, Neuerer, die durch Innovationen vorhandene Güter ersetzen, zum Beispiel die Substitution von Schreibmaschinen durch Computer, oder neue Produkte und Dienstleistungen überhaupt erst ermöglichen, zum Beispiel Computersoftware (vgl. u. a. Little 1997, S. 30; Picot et al. 2001, S. 37). Innovationen verändern nach Schumpeter das volkswirtschaftliche Gleichgewicht, indem sie vorhandene Strukturen erweitern und ersetzen und somit die technologische Entwicklung vorantreiben. In seiner „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ zeigt Schumpeter auf, wie einzelne Innovationsaktivitäten, entstanden durch Informations- und Wissensvorsprünge, andere nach sich ziehen und sich gegenseitig verstärken. So erklärt er die Synergiewirkung von Aufschwungphasen, denn wenn Neuerer mit Erfolg vorangegangen sind, folgen oftmals Imitatoren. Drauf aufbauend begründet Schumpeter Konjunkturzyklen als Summenwirkung es einzelunternehmerischen Handelns. Die Erfahrung zeigt, dass die zyklische Natur der Wirtschaftsprozesse makroökonomisch durch Innovationen vorangetrieben wird. Sie zeigt aber auch, dass einige Unternehmen aus mikroökonomischer Sicht in den Wellen der Konjunktur erfolgreich wachsen, während andere vom Markt verschwinden (vgl. Little 1997, S. 38-39).
1.3 Zielsetzung
Das Ziel dieser Diplomarbeit ist es, Schumpeters Theorie des dynamischen Pionierunternehmers darzustellen und das aktuelle Wissen sowohl über die Wichtigkeit der Information auf Märkten und für die Unternehmen als auch über die ökonomischen Aspekte des Internets zu
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erarbeiten. Gemäß dem Titel der Studie wird überprüft, ob Schumpeters Theorie auch für junge Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche zutrifft.
1.4 Struktur und methodisches Vorgehen
Um der Zielsetzung der Arbeit gerecht zu werden, ist sie wie folgt aufgebaut:
In Kapitel 2 wird Joseph A. Schumpeters Entwicklungstheorie dargestellt. Hierzu werden einleitend die Entwicklung und die ökonomisch-wirtschaftlichen Aspekte vorgestellt um das Wissen über die schöpferische Pionierunternehmung gemäß Schumpeter abzurunden. Die einzelnen Elemente der Theorie von Pionierunternehmen werden ausführlich vorgestellt und miteinander in Verbindung gebracht.
In Kapitel 3 wird erarbeitet, weshalb die Informationen das Handeln von Unternehmen und das Geschehen auf Märkten beeinflussen. Vor allem für die jungen Unternehmen in der In-formations- und Kommunikationstechnologie ist dies zur erfolgreichen Etablierung auf dem Markt von entscheidender Bedeutung. Einleitend wird das grundlegende Wissen über die Unternehmen und Märkte vermittelt. Anhand ausgewählter Theorieansätze wird die Bedeutung von Informationen, Normen und Verträgen für die Wirtschaft und für die Unternehmen beschrieben. Ferner wird auf die Bedeutung der asymmetrischen Informationsverteilung zwischen den Marktseiten eingegangen. Als Übergang zu Kapitel 4 wird die Entstehung der Internetökonomie mit der sprunghaften Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien in Zusammenhang gebracht.
Kapitel 4 widmet sich der Internetökonomie. Im einzelnen werden die Charakteristika und die sich aus diesen für die Unternehmen ergebenen Folgen und neuen Strategien vorgestellt. Die für die zu untersuchenden Unternehmen relevanten Marktbereiche und Geschäftsmodelle werden näher beschrieben, daher wird auf einen Vergleich von Wertschöpfungsketten verzichtet.
Kapitel 5 beschäftigt sich mit dem Internetunternehmen Amazon. Hierzu wird die Entwicklung des Unternehmens aufgezeigt, die Unternehmensphilosophie und Ziele beschrieben und das Geschäftsmodell untersucht. Dabei wird der Schwerpunkt auf den Bereich Commerce gelegt. Letztlich wird analysiert, ob Amazon eine Schumpetersche Pionierunternehmung ist.
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Kapitel 6 widmet sich dem Internetunternehmen BOL. Ähnlich Kapitel 5 wird die Entwicklung des Unternehmens und die Unternehmensphilosophie und Ziele beschrieben. Das Geschäftsmodell wird ebenfalls im Bereich Commerce untersucht. In der Folge werden BOL und Amazon miteinander verglichen, da es sich bei beiden um Online-Buchhändler handelt, die aber zu unterschiedlichen Zeiten auf dem Markt erschienen. Letztlich wird analysiert, ob BOL ein Schumpetersches Pionierunternehmen ist.
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2 Joseph A. Schumpeters Entwicklungstheorie
2.1 Der Entwicklungsprozess
Niemand hat im 20. Jahrhundert die wirtschaftliche Entwicklung so umfangreich zu erklären versucht, wie Joseph Alois Schumpeter (vgl. Recktenwald 1988, S.15). Aufbauend auf dem Stand der ökonomischen Wissenschaft Anfang des 20. Jahrhunderts, welche von einem statischen Wirtschaftskreislauf ausging, hiervon handelt sein erstes Buch „Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“ von 1908, stellt er in seinem erstmals 1912 herausgegebenen zweiten großen Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ den Entwicklungsaspekt in den Vordergrund seiner Analyse. Seine Theorie des waagemutigen, des dynamischen Unternehmers ist der wohl wichtigste Beitrag zur theoretischen Ökonomie bei der Untersuchung wirtschaftlicher Entwicklung. Die traditionell vorherrschende statische Gleichgewichtstheorie der Neoklassiker, welche nicht in der Lage ist, die wirtschaftlichen Phänomene hinsichtlich der Entwicklung von Volkswirtschaften zu erklären, wird um den Aspekt des Entwicklungsgedankens bereichert, indem der innovative Unternehmer als Träger des Fortschritts fungiert. Die traditionelle Theorie geht davon aus, dass der Mechanismus von Angebot und Nachfrage auf dem Markt zu einem statischen Gleichgewicht führt. Während diesem Zustand des Gleichgewichts werden die gleichen Waren in gleichen Mengen und zum gleichen Wert verkauft. Es herrscht kein Wettbewerb mehr. Nach Schumpeter aber ist die Konkurrenz von Produktionsverfahren und die Qualität von Gütern für die Entwicklung viel bedeutsamer als die Preiskonkurrenz. Die Wirtschaft bringt so durch ihr eigenes Funktionieren Hochkonjunkturen oder Krisen hervor (vgl. Koesters 1983, S. 162-163). Er versteht die wirtschaftliche Entwicklung als eine Abfolge von Auf- und Abschwüngen, ausgehend von einem von ihm unterstellten Gleichgewichtszustand. Die Dynamik der kapitalistischen Wirtschaft resultiert aus der Existenz von Unternehmern, welche das Wirtschaftssystem ruckweise verändern, indem sie es von einem Gleichgewicht zu einem anderen treiben und somit die wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben.
Schumpeters Gedanken kreisen in seinem Werk „Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“ noch um den statischen Gleichgewichtszustand der zeitgenössischen Ökonomie, welcher sich aus dem konkurrenzwirtschaftlichen Marktmechanismus immer wieder neu einstellt. In seinem nachfolgenden Hauptwerk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ betont er dagegen die Verschiebung des Gleichgewichtszustands im Gegensatz zum Vorgang der Bewegung nach einem Gleichgewichtszustand. Damit ist unter Entwicklung
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die Veränderung der Bahn zu verstehen, in welcher sich der Kreislauf erfüllt (vgl. Schumpeter 1997, S. 93).
Entwicklungen im Sinne Schumpeters sind jedoch nur solche Veränderungen, welche die Wirtschaft aus sich selbst heraus (endogen) erzeugt, die also durch das Auftreten von dynamischen Unternehmern mittels Innovationen entstehen. Äußere (exogene) Anstöße werden nicht betrachtet, ebenso wenig kontinuierliche endogene Veränderungen (vgl. Heertje 1996, S. 264). Das Resultat ist ein wirtschaftliches Gleichgewicht, welches sich auf einer veränderten Ebene einstellt, vergleichbar mit einem veränderten Gravitationszentrum (vgl. Schumpeter 1997, S. 99). Damit beschreibt er ein logisch geschlossenes Modell der Wirtschaftentwicklung, ohne jedoch die neoklassische Annahme einer Bewegung zum Gleichgewicht innerhalb eines Gravitationszentrums zu leugnen. Mit anderen Worten: Die Entwicklung des Kapitalismus als Reproduktionsprozess schließt den Gleichgewichtszustand, wie ihn die Neoklassiker deuten, nicht aus (vgl. Müller 1990, S. 33). Schumpeter (1997, S. 99) beschreibt dieses wie folgt: „Unsere Entwicklungstheorie ist ... eine Theorie der so abgegrenzten Veränderungen der Bahn des Kreislaufs, eine Theorie des Übergangs der Volkswirtschaft von dem jeweils gegebenen Gravitationszentrums zu einem anderen („Dynamik“) im Gegensatz zur Theorie des Kreislaufs selbst, zur Theorie der steten Anpassung der Wirtschaft an wechselnde Gleichgewichtszentren und ipso facto auch der Wirkungen dieses Wechsels („Statik“)“. Für den Antrieb dieser Entwicklung sind innovative Unternehmer verantwortlich, auf welche später eingegangen wird. In seinem späteren Werk „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ von 1950 nennt er diesen Entwicklungsprozess schöpferische Zerstörung, denn hier geht es detaillierter um den Entwicklungsprozess als solchen. Ausschlaggebend ist, dass laufend unternehmerische Aktivitäten, zum Beispiel Technologien, revolutioniert und verändert werden; also Revolution oder Absorption der Ergebnisse der Revolution im Gang sind, welche schließlich den Konjunkturzyklus begründen (vgl. Schumpeter 1993, S. 134-142). Der fundamentale Antrieb der wirtschaftlichen Entwicklung durch Unternehmer ist derselbige wie in „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“. Letztendlich resultiert aus diesem Antrieb ein Wandel der Industriestrukturen, indem sich zunehmend Großunternehmen herausbilden. Hinsichtlich der Entstehung von Großunternehmen kann damit das Bild einer vollständigen Konkurrenz, von der Schumpeter vorher noch ausging, nicht aufrechterhalten werden. Die durch Kosten- und Qualitätsvorteile entstehenden Oligo- und Monopole werden zum kräftigsten Motor des Fortschritts.
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Warum Schumpeters Gedankengut von Ökonomen und Politikern gerade heute wieder aufgegriffen werden, ist in erster Linie jenem Umstand zu verdanken, dass Schumpeter Antworten zu Fragen unterbreitet hat, die für Lösungen der Probleme der heutigen Zeit mit Gewinn studiert werden können, beispielsweise das Problem der Langen Wellen, die Rolle des dynamischen Unternehmers oder das Innovationsproblem. Letzteres im Kontext mit der Frage nach der Rolle des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und den möglichen Triebkräften für die weitere ökonomische Entwicklung (vgl. Müller 1990, S 11). Er machte wichtige Aussagen über das Innovationsverhalten von Unternehmen, die auch in der heutigen Zeit prinzipiell noch gelten. So führen Innovationen meist zu größeren Umstellungen wie die Um- oder Neu-organisation von Unternehmen. Innovationen stehen sehr oft in einem engen Zusammenhang mit dem Entstehen und Vergehen von Firmen. Denn wird der Zweck und die Idee, aus denen heraus ein Unternehmen gegründet wurde unzeitgemäß, verliert es an Lebenskraft (vgl. Koesters 1983, S. 165).
Im folgenden werden Teilaspekte dieser Schumpeter-Renaissance vorgestellt. Teilaspekte deshalb, weil eine Untersuchung aller seiner Werke dass Maß dieser Arbeit überschreiten würde und Aufgabe vieler Teildisziplinen der ökonomischen Wissenschaft ist. Nachfolgend werden die für das Verständnis der Schumpeter-Renaissance wesentlichsten ökonomischen Hintergründe dargestellt.
2.2 Die Schumpeter-Renaissance - Wirtschaftsökonomische Aspekte
Die ausschlaggebendsten Gründe, weshalb sich sowohl Ökonomen als auch Politiker auf Schumpeters Theorien besinnen, sind die durch den technischen Fortschritt hervorgerufenen Veränderungen in der Kapitalverwertung und Reproduktion in den kapitalistischen Industrieländern. Neue Ideen und neue Kombinationen induzieren den technischen Fortschritt, sind unerschöpfbar und nicht vorhersehbar. Daher unterliegen technische Innovationen nicht dem Gesetz des abnehmenden Ertrages, wie es viele Ökonomen annehmen, Keynes eingeschlossen (vgl. Recktenwald 1988, S. 25). Diese Strukturveränderungen initiieren die Rückbesinnung auf die in Schumpeters Werk „Business Cycles“ dargestellte Theorie der Langen Wellen, ähnlich der schon in der Einleitung erwähnten Kondratieff-Zyklen und werfen ökonomische sowie wirtschaftspolitische Fragen auf (vgl. Müller 1990, S. 69).
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Lösungen sucht man gerade deshalb in Schumpeters Theorien zu finden, weil er ein dynamisches Konzept entworfen hat, welches Strukturveränderungen analysiert, mittels derer die Entwicklung der Wirtschaft erklärt wird und weil die an der Keynesschen Wirtschaftstheorie ausgerichtete Wirtschaftspolitik keine hinreichenden, langfristigen Lösungen der Strukturprobleme bietet. Hierin besteht einer der Hauptgründe der Schumpeter-Renaissance (vgl. Müller, 1990 S. 69-72): Das Versagen der staatlichen nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik wurde vor allem durch die Krise der kapitalistischen Weltwirtschaft Mitte der siebziger Jahre sichtbar. Die Lösung im Sinne einer ökonomischen Anpassungsstrategie der Politik wäre nach Schumpeter eine Politik der Förderung von unternehmerischen Innovationen, insbesondere von Basisinnovationen, also die Regulierung der Angebotsseite der Produktion, vor allem der Investitionstätigkeit und des Arbeitskräftemarktes, um durch wissenschaftlich-technischen Fortschritt neben einer Produktivitätssteigerung eine Intensivierung des Reproduktionsprozesses zu fördern. Basisinnovationen ist gemein, dass es sich hierbei um die erstmalige Anwendung eines neu entwickelten Produktes oder Verfahrens handelt (vgl. Keßler 1992, S. 19). Insbesondere Schumpters „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ bietet effektive Ansatzpunkte für einen Ausweg aus die mit dem Strukturwandel einhergehenden Konjunkturkrisen. Nach Schumpeters Theorie stellen einzelwirtschaftliche Innovationen des schöpferischen Unternehmers die Triebkräfte für einen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungsprozess der Wirtschaft, also des Wirtschaftsaufschwungs dar. Auch Heertje (1996, S. 266) betont, dass die wirtschaftliche Erholung in den achtziger Jahren im speziellen der Förderung der Angebotsseite zu verdanken war. Somit hält er ein Wiederaufblühen der Schumpeterschen Theorie für möglich.
Schumpeters Theorien bilden die Grundlage für künftige Modelle der wirtschaftlichen Entwicklung, welche Schumpeters Ansatz erweitern und verbessern, beispielsweise für die Theorie von Kirzner (vgl. 3.2.2.1) und für die Institutionenökonomik (vgl. 3.2.3).
2.3 Schumpeters Theorieelemente der schöpferischen
Pionierunternemung
In Kapitel 2.1 wurde Schumpeters Konzept der wirtschaftlichen Entwicklung vorgestellt. Anschließend wurden die zum Verständnis dieses Kontextes wichtigsten Hintergründe der Schumpeter-Renaissance erläutert. Zu erwähnen sei an dieser Stelle, dass hier nur die Skizze
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der Schumpeterschen Erklärung seines Modells der wirtschaftlichen Entwicklung dargestellt wurde. Es kann hier nicht die komplette Theorie wiedergegeben werden, sondern lediglich der Rahmen, welcher das in unserem Zusammenhang noch zu analysierende Gebiet der Schumpeterschen Pionierunternehmung beinhaltet.
Komprimiert lässt sich der Inhalt der vorangegangenen Kapiteln am deutlichsten in Müllers Worten wiedergeben: Schumpeters Theorie ist darauf ausgerichtet zu erklären, wie sich die Wirtschaft durch das Auftreten des dynamischen Unternehmers und durch den Prozess der schöpferischen Zerstörung mittels Innovationen von einem Gleichgewicht zu einem neuen Gleichgewicht auf höherem wissenschaftlich-technischen und Produktivitätsniveau entwickelt (vgl. Müller 1990, S. 108).
Da Schumpeter das gesamtwirtschaftliche Wachstum von dem einzelwirtschaftlichen Wachstum ableitet, bedingt durch unternehmerische Innovationen, ist es Aufgabe der weiteren Ausarbeitung, die theoretischen Grundlagen für die Fragestellung herauszuarbeiten, inwieweit Schumpeters Theorie der schöpferischen Unternehmung auf heutige Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie, speziell der Internettechnologie zutrifft. Für Schumpeter ist der Prozess der schöpferischen Zerstörung wesentliches Merkmal des Kapitalismus. Im folgenden wird dieser Prozess als Theorierahmen benutzt in welchem die Ursache dieses Prozesses beschrieben wird.
2.3.1 Der Prozess der schöpferischen Zerstörung
Schumpeter beschreibt in seiner Darstellung des Prozesses der schöpferischen Zerstörung, wie der Kapitalismus die Wirtschaft verändert indem er „... unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft“ (Schumpeter 1993, S. 137-138). Zerstört werden jene Strukturen, die von Unternehmern und Unternehmungen nicht aufrechterhalten werden können, weil sie nicht anpassungsfähig sind (vgl. u. a. Kessler 1992, S. 10; Schumpeter 1993, S. 148). Dem Prozess der schöpferischen Zerstörung fallen also jene Unternehmer zum Opfer, die sich nicht rechtzeitig dem technischen Fortschritt des Marktes angepasst haben und unrentabel arbeiten. Im Wettbewerb werden die alten Herstellungsmethoden und Waren durch neuere und qualitativ hochwertige ersetzt. Unternehmerische Innovationen sind es, welche diesen ständigen Prozess auslösen. Sie sorgen aber auch dafür, dass immer höhere Stufen materiellen Wohlstandes entwickelt und verwirklicht werden. So sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu alle Güter qualitativ hochwertiger, billiger und für die Massen erreichbarer geworden
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(vgl. Koesters 1983, S. 160-161). Die wirtschaftliche Entwicklung vollzieht sich, wenn der statische Kreislauf durch das Auftreten besserer Kombinationen sprunghaft in der Art geändert wird, dass die Wirtschaft am Ende der Veränderung ein neues und höheres Gleichgewicht erreicht (vgl. Scherer 1988, S. 79). Da diese Innovationen die herausragende Rolle im Prozess der schöpferischen Zerstörung oder allgemeiner ausgedrückt, für die wirtschaftliche Entwicklung einnehmen, wird im folgenden der Begriff der Innovation sowie deren Träger näher präzisiert.
2.3.2 Der Innovationsbegriff bei Schumpeter
In „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ definiert Schumpeter Innovationen als die Durchsetzung neuer Kombinationen, welche sich nicht „... durch kleine Schritte, kontinuierlich anpassend ...", sondern spontan und diskontinuierlich auftreten (Schumpeter 1997, S. 100). Fünf Fälle der Durchsetzung neuer Kombinationen werden unterschieden (vgl. Schumpeter 1997, S. 100-101):
1. Herstellung eines neuen Produktes oder Verbesserung der Qualität eines Produktes,
2. Verbesserung einer vorhandenen oder Einführung einer neuen Produktionsmethode, die nicht notwendigerweise auf einer wissenschaftlich neuen Entdeckung zu beruhen braucht,
3. Erschließung eines neuen Absatzmarktes, auf dem der betreffende Industriezweig noch nicht eingeführt war, mag dieser Markt schon existiert haben oder nicht,
4. Erschließung einer neuen Bezugsquelle, mag diese bereits existiert haben, wurde jedoch nicht genutzt oder sie wurde neu geschaffen,
5. Neue Organisationsformen in einem oder zwischen Unternehmen.
Unter Innovationen werden also nicht nur Neuerungen im Sinne von völlig neuen Erfindungen verstanden. Auch kann nicht jede neue Idee oder Erfindung, in der Folge Invention genannt, als Innovation bezeichnet werden. Es handelt sich nur dann um eine Innovation, wenn eine Erfindung oder neue Idee auch wirklich auf dem Markt durchgesetzt wird. Nach Koesters (1983, S. 165) sind bei den Produkten nur ungefähr vier Prozent aller Erfindungen Innovationen. Inventionen müssen also nicht unbedingt zu Innovationen führen, können somit ohne ökonomische Konsequenzen bleiben (vgl. Heertje 1996, S. 264).
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Des weiteren betont Schumpeter, dass neue Kombinationen von den selben Leuten durchgesetzt werden können, die alte, eingelebte Kombinationen desselben Betriebszweiges beherrschen, dies aber nicht zum Wesen der Sache gehört. Vielmehr treten die neuen Kombinationen einschließlich neu gegründeter Unternehmungen zunächst neben die alten, um diese durch Konkurrenzwirtschaft und Arbeitskräfteentzug, begründet durch Andersverwendung des volkswirtschaftlichen Produktionsmittelvorrates, allmählich zu verdrängen. Hinsichtlich der Definition von Innovationen spielt es keine Rolle, wer diese Neuerungen erzeugt hat. Entscheidend ist „... die erste kommerzielle Nutzung einer Neuerung in einer Volkswirtschaft überhaupt“ (Keßler 1992, S. 17).
Innovationen treten in zeitlich ungleichmäßigen Abständen und in unterschiedlich großen Mengen auf. Sie werden weniger durch Bedürfnisveränderungen der Verbraucher hervorgerufen, vielmehr durch die Kreativität und Motivation der dynamischen Unternehmer (vgl. Koesters 1983, S. 166).
2.3.3 Die Träger der Innovationen
Während in „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ noch die Unternehmer die Träger der Innovationen sind und dabei Innovation und Invention unabhängig voneinander betrachtet werden, dass heißt die Invention als exogene Variable durch den unternehmensgründenden Unternehmer endogenisiert und damit zur Innovation wurde, werden die Innovationen und die Inventionen in „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ von vornherein als endogene Faktoren des Wirtschaftsprozesses aufgefasst. Der Grund dieser veränderten Auffassung liegt darin, dass Schumpeter in seinem neueren Werk nicht mehr unbedingt von neu gegründeten Unternehmungen ausgeht. Er betont jedoch, dass es weitaus typischer für den Unternehmer wäre, ein völlig neues Unternehmen aufzubauen, um seine Projekte zu verwirklichen (vgl. Scherer 1988, S. 81). In „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ sind vor allem die mono- und oligopolistischen Großunternehmen mehrheitlich Träger sowohl der Inventionsentwicklung, vordergründig als Produkt der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, als auch Träger der Innovationsentwicklung. Damit wird die Unabhängigkeit von Invention und Innovation aufgegeben. Beide werden zu einem kontinuierlichen Vorgang mit systematischer Inventions- und Innovationsplanung. Dieser Prozess verlangt in zunehmenden Maße geschulte Spezialisten, welche fähig sind, das von ihnen Verlangte zu liefern um damit zur Förderung des technischen Fortschritts beizutragen (vgl. Keßler 1992, S. 21-22).
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Nachfolgend wird dargestellt, weshalb Schumpeter sein Unternehmermodell dergestalt änderte, dass er später die Unternehmen als Träger der Innovationen favorisierte. Dazu wird zuerst sein Unternehmermodell aus „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ beschrieben (vgl. 2.3.3.1), anschließend wird das Modell aus „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ vorgestellt (vgl. 2.3.3.2).
2.3.3.1 Der dynamische Unternehmer
Sowohl die Gabe, als auch das erfolgreiche Bestehen der Aufgabe, als erster neue Kombinationen durchzusetzen, zeichnet den dynamischen Unternehmer im Schumpeterschen Sinne aus. Die Eigenschaft dieses Unternehmers ist seine Energie, durch schöpferische Handlung Neues zu produzieren. Zwar ist der Unternehmer an Gewinnmaximierung interessiert, da es sich jedoch um völlig neue Kombinationen handelt, ist es schwierig, eine unbekannte Funktion zu bewerten und zu maximieren, weil der Markt für neue Güter erst noch geschaffen werden muss. Eine Innovation erweist sich also erst dann als gewinnbringend, wenn sie eine ausreichende Verbreitung gefunden hat. Dieses stellt eines der größten Anfangsprobleme dar. Eine Gewinnmaximierung kann so lediglich durch rationales und wirtschaftliches Handeln erzielt werden.
Die Motivationen unternehmerischer Kreativität kann unterschiedliche Ursachen haben, von der Freude am Schaffen bis zum Wunsch, eine Familiendynastie zu gründen (vgl Recktenwald 1988, S. 45-47). Nach Koesters (1983, S. 167) sieht Schumpeter die Hauptmotive des innovativen Unternehmers im Aufstieg innerhalb der Kapitalistenklasse und im Extra-Gewinn. Letzterer entsteht, wenn der Fabrikant seine Waren aufgrund von Innovationen, zum Beispiel günstigerer Einkauf, billiger herstellen kann als die Konkurrenz, sie aber zu deren Preis verkauft. Der Pionierunternehmer unterscheidet sich von Nachahmern dadurch, dass diese lediglich Bekanntes fortführen. Nach Heertje (1996, S. 264) agiert Schumpeters Unternehmer in einer ungewissen Umwelt, weil Entwicklung prinzipiell nicht vorhersehbar ist. Er hat den Mut, Wagnisse einzugehen und ist stark genug, dem Strom der Gesellschaft entgegen zu schwimmen. Neue Kombinationen werden über Bankkredite finanziert, so dass der Unternehmer niemals Risikoträger ist. Die Risikoübernahme für die zukünftige Unternehmung ist nicht Bestandteil der Unternehmerfunktion (vgl. Schumpeter 1993, S. 217). Schumpeter erkannte dass diese, auf den individuell agierenden Unternehmertypus beschränkte Sicht nicht unbedingt der Realität entsprach und änderte sein Modell des Innovationsträgers dergestalt
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um, dass in seinem Werk „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ die Unternehmungen an die Stelle der Unternehmer traten.
2.3.3.2 Die Unternehmen
Im Unterschied zu seinem ersten Innovationsträgermodell schwächt Schumpeter in seinen weiteren Werken die Rolle der Unternehmerpersönlichkeit als Innovationsträger ab, ebenso die Neugründung von Unternehmen und die Erfindung als exogene Variable. Er benutzt den Begriff des innovativen Unternehmers als eine Art Auszeichnung, die nun auf verschiedene innovative Personen zutreffen kann, so auf den Eigentümer, den erfinderischen Techniker, den Manager in hoher Position oder auf Gruppen innerhalb einer Unternehmung. Der Unternehmertyp verschmilzt somit auf Dauer mit der Unternehmerfunktion. Inventionen und Innovationen werden im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprozesses als plan- und erzeugbar angesehen, dass heißt, Inventionen können auch intern stattfinden. Deshalb ist eine Neugründung nicht mehr zwingend erforderlich (vgl. Keßler 1992, S. 26-27). Damit ist dieses Model realitätsnaher als das vorherige, auf welches modifiziert aufgebaut wurde.
2.3.4 Zusammenhang von Innovationen, Nachfrage und Investitionen
Wie oben aufgezeigt, sind die Unternehmungen Träger der entwicklungs- und wachstumsfördernden Innovationen. Nun wird der unternehmensinterne Innovationsgenerierungsprozess nach Schumpeter erläutert. Da Schumpeter vor allem die technischen Innovationen für besonders wichtig hält, stehen diese im Vordergrund dieses Kapitels. Schumpeter geht davon aus, dass größere Unternehmen eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen besitzen, in denen systematisch Inventionen, speziell Prozess- und Produktinventionen erzeugt werden können. Ferner besteht die Möglichkeit des externen Hinzukaufs von Inventionen, die innovativ investiert werden können. Zum Zeitpunkt der Durchsetzung werden temporäre Monopolgewinne realisiert, welche zu weiteren Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen und daher eventuell zu innovativen Investitionen und letztlich zu einer Änderung der Nachfrage und Nachfragestruktur führen. Folglich schafft sich nach Schumpeter die Innovation ihre eigene Nachfrage.
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Silke Nieder, 2003, Amazon & Co. - Schumpetersche Pionierunternehmungen?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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