II
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
u.a. und andere
Vgl. Vergleiche
z.B. zum Beispiel
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1. Einleitung
1. Einleitung
Quantitative Forschung (z.B. Befragungen in Fußgängerzonen oder schriftliche Befragungen) ist derzeit die vorherrschende Methode zur Erhebung von Daten zu Marktforschungszwecken. Sie eignet sich insbesondere dazu eine möglichst breite Bevölkerungsschicht hinsichtlich eines Themenbereiches zu befragen, deren Meinungen zu erfassen und aus der statistischen Erhebung Informationen zu erhalten. Quantitative Methoden dienen auf Grund ihrer Fundierung auf bereits bestehendem Wissen primär zu Überprüfung bereits aufgestellter Theorien. Sie stoßen demzufolge im Bezug auf die Generierung neuer Erkenntnisse auf
1 2 Qualitative Methoden hingegen zeichnen sich durch eine sehr offene Grenzen.
Gestaltungsweise (mit einem möglichst geringen Maß bereits bestehender theoretischer Konzepte) aus. Dadurch erlauben sie es den Forschungsgegenstand in seiner Tiefe zu
3 Oftmals analysieren und zu verstehen und gewährleisten somit einen Erkenntniszuwachs. reicht die alleinige Datensammlung mittels standardisierter Befragung nicht aus, um Konsequenzen für das Handeln von Unternehmen abzuleiten. Vielmehr ist es notwendig Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen der Konsumenten zu ergründen um daraus mögliche Handlungsalternativen für ein Unternehmen abzuleiten. Da quantitative Forschung nicht dazu geeignet ist, derartig tiefgründige Gedanken zu erfassen, werden vermehrt qualitative Marktforschungsinstrumente eingesetzt, die sich durch eine hohe Flexibilität und Offenheit auszeichnen und es damit ermöglichen die Schwachstellen quantitativer Methoden auszugleichen. Eines dieser Instrumente ist das qualitative Interview, welches innerhalb dieser Arbeit vorgestellt wird.
Zunächst wird dazu im ersten Abschnitt grundlegend erläutert, wodurch ein qualitatives Interview gekennzeichnet ist und wodurch es sich von quantitativen Interviews differenziert. Aufbauend auf den in 2.2 erläuterten Merkmalen, werden dann unterschiedliche Formen qualitativer Interviews dargestellt. Anschließend werden aufbauend auf diesen Grundlagen im dritten Abschnitt die Besonderheiten bei der Durchführung qualitativer Interviews betrachtet Weiterführend wird dann erklärt wie erhaltene Daten analysiert werden und welche Probleme sich durch die Wahl des qualitativen Interviews als Forschungsmethode ergeben können. Im letzten Abschnitt wird abschließend untersucht welche der aufgeführten Formen, mit welcher 1 Vgl. Lamnek (2005), S.368. 2 Vgl. Srnka (2007), S.250 3 Vgl. Srnka (2007), S.250.
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1. Einleitung
Begründung, in der Marktforschung zur Anwendung kommen und wie qualitative und quantitative Interviews miteinander verknüpft werden können.
2. Grundlagen qualitativer Interviews
In diesem Abschnitt werden die wesentlichen Merkmale qualitativer Interviews vorgestellt. Zunächst wird eine Abgrenzung zwischen qualitativen und quantitativen Interviews vorgenommen, um ein klareres Verständnis darüber zu erhalten, wodurch qualitative Interviews gekennzeichnet sind. Im zweiten Unterpunkt werden dann die Eigenschaften herausgestellt, durch welche qualitative Interviews charakterisiert sind. Darauf aufbauend werden verschiedene Formen qualitativer Interviews auf die Ausprägungen der beschriebenen Merkmale untersucht.
2.1 Abgrenzung quantitativer und qualitativer Interviews
Quantitative Interviews sind im Gegensatz zu qualitativen Interviews meist vollkommen standardisiert, das heißt Formulierung und Reihenfolge der Fragen sind bereits im Voraus innerhalb eines Fragebogens festgelegt. Die qualitative Interviewforschung gestaltet sich hingegen nach dem Prinzip der Offenheit. Das Gespräch ist innerhalb seines Ablaufes meist
4 Man verwendet innerhalb nicht vorher definiert, sondern gestaltet sich situationsbedingt.
qualitativer Interviews fast ausschließlich offen beantwortbare Fragen (z.B. „Wie kam es zu Schwangerschaft?“), während sich quantitative Interviews auf geschlossene Fragen fokussieren (z.B. „War die Schwangerschaft gewollt?“). Folgedessen sind die Antwortmöglichkeiten innerhalb der quantitativen Interviewforschung stark begrenzt (der Interviewte kann meistens nur mit „ja“ oder „nein“ antwortet), wodurch subjektive Empfindungen des Befragten vollständig unterdrückt werden. Innerhalb qualitativer Interviews, ist die Antwortmöglichkeit des Befragten dagegen meist uneingeschränkt, dadurch
5 6 Kurz gesagt, innerhalb werden auch subjektive Bedeutungen des Interviewten ersichtlich.
quantitativer Forschung werden lediglich Daten erhoben, während bei qualitativen Interviews
7 8 Qualitative Interviews eignen sich folglich, um komplexe Texte produziert werden.
Sachverhalte zu verstehen und Hypothesen zu generieren, während quantitative Interviews zur
4 Vgl. Jarrat (1996), S.9. 5 Vgl, Kruse (2007), S. 13. 6 Vgl. Hyde (2000), S.83. 7 Vgl. Lamnek (2005), S.331. 8 Vgl. Aghamanoukjan/ Buber/ Meyer (2007), S.417.
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2. Grundlagen qualitativer Interviews
9 Qualitative Interviews Überprüfung von vorab formulierten Hypothesen dienlich sind. werden primär dann eingesetzt, wenn es darum geht Erzählungen zu generieren, Begründungen zu explorieren oder ausführliche Beschreibungen einzuholen. Zur reinen Abfrage von Wissensbeständen eigenen sie sich jedoch nicht. Hierbei sollten quantitative
10 11 Quantitative Interviews eignen sich auch bei einem großen Methoden bevorzugt werden.
Stichprobenumfang, da sie im Vergleich zu qualitativen Interviews weniger aufwendig sind
12 und ihre Daten leicht miteinander verglichen werden können. Ein weiteres
Differenzierungskriterium ist die Auswahl der Interviewpartner. Während bei quantitativen Interviews die Befragten per Zufallsstichprobe ausgewählt werden, muss die Auswahl der
13 Interviewpartner innerhalb qualitativer Interviews bedachter erfolgen.
Nachdem nun der Standardisierungsgrad, das Interviewziel und die Auswahl der Interviewten als primäre Unterscheidungskriterien zwischen quantitativen und qualitativen Interviews herausgestellt wurden, sollen letztere nun näher betrachtet werden.
2.2 Grundlagen und Merkmale qualitativer Interviews
Seinen Ursprung hat das Wort Interview im Angloamerikanischen, konnte sich im 20 Jahrhundert jedoch auch in Deutschland durchsetzen. Es stammt vom französischen Wort „untreue“ ab, was so viel bedeutet wie „sich kurz treffen“, „verabredete Zeit“ oder „sich begegnen“. Dementsprechend ist ein Interview keine Alltagssituation, sondern eine „Gesprächssituation“, welche bewusst und gezielt von den Beteiligten hergestellt wird um Daten zu generieren. Die Rollen der Gesprächspartner sind dabei eindeutig festgelegt. Der
14 In Folge dessen Interviewer stellt Fragen, welche vom Interviewten beantwortet werden. erfährt der Interviewer, wie die befragte Person sich selbst und ihr Umfeld innerhalb des zu
15 Ziel des qualitativen Interviews ist es demnach Grunde liegenden Forschungsfeldes erlebt.
die Bedeutungsmuster (subjektive Meinungen, Ansichten, Einstellungen, Dinge die für den
16 Damit dies gewährleistet werden Befragten von Relevanz sind) des Befragten zu erkennen.
kann, muss das Interview gewisse grundlegende Merkmale aufweisen, die im Folgenden erläutert werden.
9 Vgl. Kruse (2007), S.13. 10 Vgl. Mey/ Mruck (2007), S.272. 11 Vgl. Hyde (2000), S.83ff. 12 Vgl. Lamnek(2005), S. 331. 13 Vgl. Kurz u.a. (2007), S.468. 14 Vgl. Lamnek (1995), S.35 ff. 15 Vgl. Friebertshäuser (2003), S. 374. 16 Vgl. Forschauer/Lueger (2003), S.16.
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2. Grundlagen qualitativer Interviews
Ein erstes Differenzierungskriterium stellt die Richtung des Informationsflusses dar. Es wird grundsätzlich zwischen vermittelnden, innerhalb derer der Befragte über einen bestimmten Sachverhalt informiert werden soll, und ermittelnden Interviews, bei denen er als „Informationslieferant“ angesehen wird, unterscheiden. Innerhalb der qualitativen Interviewforschung werden primär vermittelnde Interviews geführt. Der Befragte soll zum Nachdenken über einen bestimmten Themenbereich angeregt werden, indem durch Informationen sein Bewusstsein verändert wird. Aber auch ermittelnde Interviews werden angewandt. Ziel ermittelnder Interviews kann die Generierung von Informationen sein (z.B. journalistische Interviews), Analyse des Gesagten oder die Diagnose eines bestimmten
17 Merkmalsprofils des Befragten.
Eine weitere Einordnung qualitativer Interviews kann mittels des Standarisierungsgrades vorgenommen werden. Dieser bezieht sich auf den Freiheitsgrad des Interviewers bei der Fragenauswahl. Innerhalb der qualitativen Forschung werden hauptsächlich, wie schon weiter
18 Dadurch wird oben herausgestellt, nicht standardisierte Interviews verwendet. gewährleistet, dass der Interviewer situationsbedingt auf die Antworten des Befragten reagieren kann und dadurch wiederum das Gespräch in Hinblick auf das Forschungsziel lenken kann. Aber auch halb-standardisierte, das heißt durch einen Leitfaden gestützte,
19 20 Ein Leitfaden in diesem Sinn bedeutet, dass das qualitative Interviews werden angewandt.
Gespräch mittels eines Gesprächsleitfadens so strukturiert wird, dass es einem bestimmten Themenbereich folgt. Der Strukturierungsgrad, kann jedoch in Abhängigkeit der
21 Auch der Befragte hat innerhalb des Interviews durch das Interviewform stark schwanken.
Kriterium der Offenheit der Fragestellungen einen entsprechenden Freiraum. Bei offenen Fragen kann der Interviewte die Antwort selbstständig formulieren und somit die Tatsachen zum Ausdruck bringen, die er selbst als wichtig empfindet. Bei geschlossenen Fragen hingegen werden die Antwortmöglichkeiten vorab verfasst oder sind implizit in den Fragestellungen enthalten (z.B. „Sind sie für oder gegen Abtreibung“?). Der Befragte kann somit nur sehr eingeschränkt antworten und die Antworten entsprechen eher den
22 Innerhalb qualitativer Interviews Vorstellungen des Forschers, als denen des Befragten.
werden in der Regel offene Fragestellungen verwendet, da dadurch subjektive Bedeutungen
17 Vgl. Lamnek ( 2005), S.333. 18 Vgl. Mayring, S. 66. 19 Vgl. Lamnek (2005), S.346. 20 Vgl. Kepper (1996), S.180. 21 Vgl. Kruse (2008), S.31. 22 Vgl. Lamnek (2005), S.345.
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2. Grundlagen qualitativer Interviews
des Interviewten angesprochen werden und er somit aktiver in das Gespräch eingebunden
23 ist.
Die Kommunikationsform in qualitativen Interviews ist fast ausschließlich mündlich. Die meistens Befragungen sind „face-to-face“ Interviews. Telefonische Befragungen sind zwar nicht ausgeschlossen, jedoch auf Grund der Unpersönlichkeit nicht in der Form geeignet, wie persönliche Interviews. Schriftliche Interviews sind wegen des Wegfalls des Interviewers, der innerhalb qualitativer Interviews eine wichtige Rolle einnimmt, ausgeschlossen Es werden in der Regel Einzelinterviews durchgeführt, da in qualitativen Interviews häufig sehr intime,
24 persönliche Themen angesprochen werden.
Der Kommunikationsstil (das Verhalten des Interviewers innerhalb der
Kommunikationssituation) sollte innerhalb eines qualitativen Interviews möglichst neutral bis weich sein. Weich heißt in diesem Zusammenhang, dass der Interviewer während des Gespräches versucht ein Vertrauensverhältnis zu dem Befragten aufzubauen, indem er ihm seine Sympathie demonstriert. Ein solches Vertrauensverhältnis gilt als wichtige Grundlage für den Erhalt einer wahrheitsgetreuen Erzählung. Unter dem Begriff der Neutralität versteht man in diesem Zusammenhang eine gewisse Distanz zwischen den Gesprächspartnern. Diese ist notwendig damit eine Beeinflussung des Befragten durch den Interviewer vermieden
25 werden kann.
Nachdem nun ein generelles Verständnis dafür entwickelt wurde was qualitative Interviews sind, werden nun im folgenden Abschnitt verschiedene Formen qualitativer Interviews hinsichtlich der hier aufgeführten Differenzierungskriterien unterschieden werden.
2.3 Formen qualitativer Interviews
Hinter dem Begriff qualitatives Interview verbergen sich viele, ganz unterschiedliche Interviewformen. Diese verwenden nicht nur differenzierte Frageformen und Vorgehensweisen, sondern produzieren auch unterschiedliche Daten. Folglich ist je nach Forschungsinteresse und Anwendungsbereich die Auswahl einer bestimmten Interviewform
26 Im Folgenden werden einige dieser Interviewformen, naheliegender als die einer Anderen.
23 Vgl. Aghamanoukjan/ Buber/ Meyer (2007), S. 421. 24 Vgl, Lamnek (2005), S.346. 25 Vgl. Lamnek (2005), S.344 26 Vgl. Mey/ Mruck (2007), S. 271.
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2. Grundlagen qualitativer Interviews
die im weiteren Verlauf der Arbeit relevant sind, an Hand der vorgestellten Merkmale, differenziert.
Das narrative Interview: Das narrative Interview wurde maßgeblich von dem Soziologen Fritz Schütze (1977) entwickelt. Es ist eine weitgehend unstrukturierte und offene
27 Während des Interviews Interviewmethode, mit einem Höchstgrad an Hörerorientiertheit.
wird der Befragte zu einer Spontanerzählung über eine bestimmte Erfahrung aufgefordert, die er dann vollkommen frei schildern kann. Diese Erzählung soll nicht nur ein oberflächiges zeitliches Geschehen abbilden, sondern primär über Beziehungen, Gefühle, Erfahrungen und Meinungen des Befragten innerhalb einer erlebten Situation Aufschluss geben. Die Absicht die sich dahinter verbirgt, ist der Versuch einen bestimmten Themenbereich aus der Perspektive des Interviewten zu betrachten und subjektive Bedeutungsstrukturen
28 Hieraus ergibt aufzudecken, welche durch gezieltes Abfragen eher verschlossen blieben. sich, dass diese Interviewform weitestgehend nicht standardisiert ist. Im Idealfall hat sich der Interviewer vor der Interviewdurchführung kein wissenschaftliches Konzept über den Themenbereich erarbeitet, um den Gesprächsverlauf nicht durch eigene Gedanken zu behindern, sondern erstellt dieses spontan während des Gespräches, ohne zuvor einen
29 Insgesamt sollte der Interviewer während der Interviewsituation Leitfaden ergänzt zu haben.
möglichst wenig Fragen stellen, sondern den Befragten vielmehr zur freien Erzählung auffordern, bei der der Interviewer nur dann interveniert, wenn der Befragte dazu tendiert
30 31 vom roten Faden seiner Geschichte abzuweichen. Während des gesamten
Gesprächsverlaufs kommt dem weichen Kommunikationsstil eine erhebliche Bedeutung zu, da nur auf der Grundlage einer Vertrauensbasis zwischen den Akteuren völlig frei erzählt wird. Abschließend lässt sich feststellen dass das narrative Interview nur dann angewandt
32 Ist dies der Fall, sind werden kann, wenn der Interviewte einen Bezug zum Thema aufweist. die erhaltenen Informationen durch die offen gestaltete Gesprächsführung, sehr umfassend und bedeutend. Jedoch sind sie auf Grund ihrer Komplexität und Individualität schwer mit anderen zu vergleichen. Desweiteren kann es zum Problem werden, Personen zu finden, die in
33 Narrative Interviews diesem Maß über ihre eigenen Gedanken zu sprechen bereit sind. 27 Vgl. Kruse (2008), S. 31. 28 Vgl. Wattanasuwan/Buber/ Meyer (2007), S. 366. 29 Vgl. Lamnek(2005), S.364. 30 Vgl. Kruse (2008), S. 31. 31 Vgl. Lamnek (2005), S .357ff. 32 Vgl .Lamnek (2005), S.357ff. 33 Vgl. Moises (o.J).
Arbeit zitieren:
2008, Qualitative Interviews in der Marktforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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