1. Einleitung
Die folgende Hausarbeit zur Vorlesung „Einführung in die Positionen des Positivismus“ im Fach Erziehungswissenschaften beschäftigt sich mit dem Dreistadiengesetz des Philosophen Auguste Comte. Um dieses Gesetz genauer erläutern zu können, wird die Philosophie Auguste Comtes auf der Grundlage seines Discours sur l´esprit positif analysiert, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der von Comte aufgestellten Theorie über die drei Stadien. Die nachfolgende Arbeit beginnt mit einer kurzen Darstellung über Comtes Leben, da die geschichtlichen und gesellschaftlichen Faktoren sowie die persönlichen Erlebnisse sich in Comtes Werken und Theorien niedergeschlagen haben. In dieser Biographie werden die wichtigsten Ereignisse, sowie Werke des Philosophen aufgeführt, in denen die Grundzüge seines philosophischen Denkens zum Ausdruck kommen. Danach wird in einer kurzen Zusammenfassung die Grundidee der Comteschen Philosophie vorgestellt. Es wird auf die Faktoren, die Comtes Philosophie und sein Denken beeinflusst haben, eingegangen, um anschließend das von Comte aufgestellte Dreistadiengesetz und dessen Bedeutung weiter zu erläutern. Es folgt die Beschreibung der Grundmerkmale des Dreistadiengesetzes und dessen Anwendungsgebiete. Im Folgenden wird jedes einzelne Stadium für sich charakterisiert. Da Comte das erste theologische Stadium noch einmal in die drei Phasen Fetischismus, Polytheismus und Monotheismus unterteilt, werden alle drei Phasen einzeln erläutert. Es folgen weitere Gesichtspunkte zur Bedeutung des Dreistadiengesetzes, die auch auf die Rechtfertigungen Comtes in Bezug auf seine aufgestellte Theorie eingehen, dies deutet bereits auf die immer wieder bis heute geäußerte Kritik am Dreistadiengesetz hin. Folgend werden einige dieser Kritiken an der Philosophie Comtes kurz vorgestellt. Abschließend folgt ein kurzes Resümee, indem auf die heutige Bedeutsamkeit des Dreistadiengesetzes im Kontext der fortwährenden Präsenz seiner Überlegungen eingegangen wird.
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2. Kurzbiografie des Auguste Comte - Comtes Leben und die Entwicklung seiner Philosophie
Die beiden Begriffe Positivismus und Soziologie sind maßgeblich von Auguste Comte geprägt worden. Obwohl beide Begriffe schon vor Auguste Comte existierten, wurden sie doch durch ihn zum Kennzeichen einer ganzen philosophischen Richtung. Somit gilt der Philosoph Auguste Comte als Inbegriff eines Positivisten überhaupt.
Auguste Comte wurde am 19.01.1798 in Montpellier als Sohn eines Steuerbeamten geboren und entwickelte die Grundzüge seines Wirkens und Denkens bereits verhältnismäßig früh. In den Jahren 1814 bis 1816 besuchte er die École Polytechnique, eine naturwissenschaftliche Eliteschule in Paris, von der er jedoch 1816 wegen der Teilnahme an einer Studentenrevolte verwiesen wurde. 1 Comte verbrachte vier Monate in Montpellier und besuchte dort medizinische Vorlesungen. In den Jahren 1816 bis 1818 war er als Privatlehrer für Mathematik in Paris tätig. Wichtig in Comtes Leben war die Begegnung mit Saint-Simon im August 1817. 2 Fast sieben Jahre arbeitete er als dessen Sekretär und lernte so dessen Umgebung, die Welt der Industrie, der Hochfinanz und der Politik kennen. Nachdem Comte sich durch die gemeinsame Zeit mit Saint-Simon über seine politische Begabung bewusst geworden war, entfernte er sich von diesem und begann Vorlesungsstunden über die positive Philosophie zu halten und veröffentlichte seine ersten Schriften. Damit war die Philosophie des Positivismus etabliert. 1824 begann er mit seinen Privatvorlesungen über die „Philosophie positive“, welche er jedoch aufgrund einer Nervenkrankheit unterbrechen musste und erst 1829 wieder aufnehmen konnte. Es folgten weitere Jahre in denen Comte verschiedenste Vorlesungen an der École Poythechnique hielt. Eine zweite schicksalshafte Begegnung betraf die viel jüngere Madame Clotilde de Vaux, die Auguste Comtes Liebe jedoch nicht erwiderte und schließlich 1847 an Tuberkulose starb.
Diese Liebe wirkte sich auf sein ganzes weiteres Leben und auch auf seine weiteren Schriften aus. Aus seiner Verehrung für Clotilde Marie de Vaux entwickelte sich Comtes 1847 erstmals
1 Siegfried Berger, Metzler Philosophen Lexikon. Dreihundert biographisch-wertgeschichtliche Portraits von
den Vorsokratikern bis zu den neuen Philosophen, J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1989, 160.
2 Reinhard Müller, 50 Klassiker der Soziologie. Biographie Auguste Comte,
URL: http://agso.uni-graz.at/lexikon/klassiker/comte/08bio.htm (24.03.2009)
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verkündete „Religion de l´Humanité“ (Religion der Menschheit). Comte starb am 5. September 1857 in Paris. 3
Die von ihm ins Leben gerufene „Société positiviste“ besteht noch heute und in Brasilien ist die „Comtesche Religion der Menschheit“ offizielle Staatsreligion. 4
3. Die Grundidee der Comteschen Philosophie
Den vielen verschiedenen Bildungs- und Lebensmächten, während seiner Entwicklung, hat Comte sein geistiges Wesen zu verdanken. In seiner Jugend ist der Katholizismus zu nennen, den er als Organisation und Mittel der sozialen Ordnung im Mittelalter zeitlebens hoch geschätzt hat. Ein weiterer Gedankenkreis mit dem Comte schon früh in Berührung kam, ist der revolutionäre und so wurden die geistigen Strömungen der französischen Revolution für Comtes Denken bestimmend. 5 Sein Denken ist von der Erfahrung einer geschichtlichgesellschaftlichen Krise, die mit der französischen Revolution begann, bestimmt. Desweiteren kommt als entscheidender Faktor auch Comtes naturwissenschaftliche Ausbildung hinzu, die er auf der École Polytechnique empfing und die später seine Theorien beeinflusste. 6 Das Problem, vor das sich die Generation Comtes gestellt sah, lautete: Die Revolution beenden, ohne die Errungenschaften aufgeben zu müssen. Comte fand für dieses Anliegen die Formel: „Versöhnung von Ordnung und Fortschritt“. 7 Er übte Kritik an seiner Zeit. Als Grundmangel empfand er die fehlende geistige Einheit, weil drei miteinander unverträgliche Denkweisen (Philosophien) verwendet wurden, die theologische, die metaphysische und die positive. Solange diese drei Philosophien nebeneinander angewendet werden, ist eine Einigung unmöglich.
Da die Krise somit geistiger Natur ist, kann sie auch nur durch geistige Lösung überwunden werden. Das Problem sollte jedoch nicht mit der Veränderung der politischen Institutionen beseitigt werden, sondern durch die Veränderung der Gesinnungen. Die Wissenschaft soll auf die politischen Angelegenheiten ausgedehnt werden, um so die Krise zu überwinden. Die positive Philosophie nannte Comte den Inbegriff wissenschaftlichen Denkens. Durch sie sollte
3 Wilhelm Ostwald, Auguste Comte. Der Mann und sein Werk, Leipzig 1914, 1-11.
4 Iring Fetscher, „Einleitung“, in Comte, Hamburg 1994, XIX.
5 Fetscher, XX.
6 Werner Fuchs-Heinritz, Auguste Comte. Einführung in Leben und Werk, Opladen 1998, 85.
7 Fetscher, XXI.
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die geistige und moralische Integration der Gesellschaft erreicht werden. „Diesem „neuen Geist“ schreibt Comte offenbar eine weltgeschichtlich erlösende Funktion zu: Er wird das Durcheinander seit Ende des Mittelalters beenden, wird die Folgen der Reformation aufhalten, die Revolutionszeit beenden und eine erneuerte Weise ruhig-geordneten Zusammenlebens ermöglichen, wird ins letzte höchste Entwicklungsstadium der Menschheit führen“ (Werner Fuchs-Heinritz, 88).
Das von Comte beschriebene positive Denken untersucht die von den Phänomenen regierten Gesetzmäßigkeiten, fragt aber nicht nach den letzten Ursachen der Phänomene oder nach ihrem eigentlichen Sinn. Es geht somit darum, das „Wie“, nicht jedoch das „Warum“ zu untersuchen. Nach Comtes Position soll die Welt für den Wissenschaftler nicht mehr Schöpfung sein, Gott hat somit in seinen Vorstellungen keinen Platz mehr. 8 In seinem Discours stellt Comte sechs Bedeutungen für das Wort „positiv“ auf, dabei spielt die Anzahl der verschiedenen Bedeutungen keine Rolle, denn jede Beschreibung charakterisiert das Wort auf seine eigene Weise und ist somit kein Widerspruch. Nach Comte beschreibt das Wort positiv das Tatsächliche im Gegensatz zum Eingebildeten, das Nützliche im Gegensatz zum Überflüssigen (im Bereich der Erkenntnis), die Gewissheit im Gegensatz zur Unentschiedenheit, das Genaue im Gegensatz zum Ungewissen, die Fähigkeit zum Organisieren statt zum Zerstören und das Relative im Gegensatz zum Absoluten (im Bereich des Denkens). Im Spätwerk versteht Comte unter positiv vor allem das Zusammenspiel von „nützlich“ und von „mit der Wirklichkeit übereinstimmend“, also gewissermaßen, das erreichte Gleichgewicht zwischen intellektueller und moralischer Sphäre in der positiven Gesellschaft. 9 Comtes Philosophie ist vor allem eine Geschichtsphilosophie und könnte ihrer Intention nach auch als wissenschaftliche Geschichtstheorie bezeichnet werden.
Comte machte seiner Gegenwart somit die Anarchie zum Vorwurf, diese führte er aber auf die rein negative Metaphysik zurück, das souveräne moderne Denken. Auguste Comte stellte zwei Gesetze auf, deren Zusammenwirken die Entwicklung der menschlichen Naturkenntnis bestimmt. Das Dreistadiengesetz stellt drei Stadien auf, die von jeder der 6 Grundwissenschaften durchlaufen werden müssen. Das zweite Gesetz nennt er das Hierarchiegesetz. Es bestimmt die Reihenfolge der Grundwissenschaften selbst. 10
8 Fuchs-Heinritz, 85-96.
9 Auguste Comte, Rede über den Geist des Positivismus, hg. v. Iring Fetscher, Hamburg 1994, 45-46.
10 Fetscher, XXIII - XXIV.
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Arbeit zitieren:
Sophie Grünewald, 2009, Positivismus - Das Dreistadiengesetz von Auguste Comte, München, GRIN Verlag GmbH
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