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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Konstrukthaft idealisierte Darstellungen höfischer Kultur und Ethik durch
Gewanddeskriptionen bei Hartmann von Aues Erec’ und Iwein’ 4
2.1 Inkongruenzen von Kleid, Körper und Charakter 4
2.2 Kongruenzen von Kleid, Körper und Charakter 8
2.3 Iweins Krise und sein Erwachen 10
3. Schlussbetrachtungen 12
Literaturverzeichnis 13
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1.Einleitung:
„Und als die Leute an diesem Ort ihn erkannten, schickten sie Botschaft ringsrum in das ganze Land und brachten alle Kranken zu ihm und baten ihn, daß sie nur den Saum seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die ihn berührten wurden gesund.“ 1 (Mt 14.35f.) Schon seit jeher wurden Gewandbeschreibungen, nicht nur in der epischen Dichtung, sondern auch in christlichen Texten stark konstruiert und idealisiert, wie dieser Bibelauszug aus dem Matthäus-Evangelium beweist. Entsprechende Idealisierungen, Kongruenz bzw. Inkongruenz von Kleid-Körper-Charakter, positive bzw. negative Konnotationen hinsichtlich Kleiderbeschreibungen sind ein wesentlicher Teil besonders der mittelalterlicher Kleidersymbolik. Die Ursprünge für die idealisierenden Elemente in der mittelalterlichen Dichtung und explizit den Artusromanen ‚Iwein’ und ‚Erec’ Hartmann von Aues, die in dieser Arbeit untersucht werden, sind in der Bibel zu finden. Raudszus merkt hierzu an: „.. läßt sich konstatieren, daß die mittelalterliche Kleidersymbolik auf der Bibelexegese basiert, ja ohne sie überhaupt nicht denkbar wäre.“ 2
Selbst in der heutigen Gesellschaft ist noch ein hoher vestimentärer Symbolcharakter virulent. Die moderne Mode- und Werbewelt trägt ebenso wie im Mittelalter die epische Dichtung ihren Teil zur Idealisierung der Kleidung bei, indem sie in ihr mehr sieht, als Schutz vor Nässe, Kälte und Witterung. Kleidung stellte und stellt einen Prestigewert dar, der von den Anfängen der Gewandbeschreibungen in der griechischen Antike, bis in die Zeitgenössische Medienlandschaft als präsent postuliert. König fasst passend zusammen: „Die Mode ist in der Tat eine verkannte Weltmacht.“ 3
Es gibt ein rigides Muster, das von mittelalterlichen Autoren angewandt wurde, um dem Leser die Zeichenfunktionen von Gewandbeschreibungen näher zu bringen. Der Rezipient kann durch diese festgelegten Eigenschaften, die im Abschnitt 2 eingehender erläutert werden z.B. von äußeren Merkmalen der Kleidung auf die seelische Situation des/der Kleidungsträgers/-in schließen. Bei diesen Betrachtungen spielt unter anderem der Zeichencharakter der Farben eine wichtige Rolle. Farben verweisen, ebenso wie Schnitt und Material des Gewandes stark auf die emotionale und soziale Befindlichkeit des/der Kleidungsträgers/-in. Diese/dieser identifiziert sich in der mittelalterlichen Epik mit dem von ihr/ihm getragenen Kleidungsstückes völlig und projiziert durch dieses das Gefühlsleben des Helden
1 Die Bibel; Lutherbibel Standardausgabe, Deutsche Bibelgesellschaft. Stuttgart 1985.
2 Raudszus, Gabriele.: Die Zeichensprache der Kleidung. Untersuchungen zur Symbolik des Gewandes in der deutschen Epik des Mittelalters (Ordo. Studien zur Literatur und Gesellschaft des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Bd.1). Hildesheim/Zürich/New York 1985, S.231.
3 König, Rene: Macht und Reiz der Mode, Verständnisvolle Betrachtungen eines Soziologen. Düsseldorf 1971, S.39.
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offensichtlich für den Leser nach außen. Diese drei angesprochenen Komponenten, Farben, Schnitt und Material liefern neben der allgemeinen Schönheit und Kostbarkeit die stärkste spezifische Evidenz für den sozialen Status und den Seelenzustand der/des Protagonistin/Protagonisten.
Auf all diese, von der Forschung leider viel zu wenig beachteten Aspekte hinsichtlich der idealisierenden Symbolfunktion von Kleidung in den Artusromanen Hartmann von Aues soll in dieser Arbeit eingegangen werden und anhand von Textstellen aus den beiden Romanen exemplarisch untersucht werden.
2. Konstrukthaft idealisierte Darstellungen höfischer Kultur und Ethik durch Gewanddeskriptionen bei Hartmann von Aues ‚Erec’ und ‚Iwein’
Allgemein ist zu sagen, dass im ‚Erec’ sehr viel mehr und ausführlichere Textpassagen zu Gewandschilderungen der fiktiven Akteure zu finden sind, als im ‚Iwein’, wo Kleiderdeskriptionen nur noch rudimentär vorhanden sind und meist in wenigen Versen abgehandelt werden. Nicht eingegangen wird im Folgenden auf die extensiven Pferdeschilderungen im früheren Werk.
Wie bereits in der Einleitung angedeutet, gab es in der höfischen Dichtung des Mittelalters bestimmte literarische Mittel, wie die Idealisierung und Utopisierung der höfischen Kultur und Ethik, die die Autoren in ihren Werken anwandten, um beim Leser bestimmte, von ihnen gewünschte Assoziationen hervorzurufen. Besonders augenscheinlich zu beobachten ist dies bei Textstellen, die auf die Garderobe referieren. Wie andere mittelalterliche Autoren griff auch Hartmann von Aue, zu Mitteln der kongruenten bzw. inkongruenten Verknüpfung von Kleid, Körper, Charakter und sozialem Stand, wobei in diesem Zusammenhang die Begriffe des positiven und negativen Kleides eine Rolle spielen. Und auch die Bedeutung der typischen Farbsymboliken der Kleidung, die im ‚Erec’ und im ‚Iwein’ vorhanden sind werden im Folgenden untersucht.
2.1 Inkongruenzen von Kleid Körper und Charakter
Im ‚Erec’ und ‚Iwein’ werden die weiblichen Protagonisten Enite und Laudine dem Helden sowie dem Leser jeweils im zerrissenen, negativ konnotierten Kleid vorgestellt. Enite aufgrund ihrer Armut und Laudine da sie sich im Klagestatus das Gewand zerfetzt hat. 4 In beiden Textpassagen herrscht eine Inkongruenz von Kleid, Körper und Charakter.
4 vgl. Raudszus, S.89.
Arbeit zitieren:
Marco Kerlein, 2003, Idealisierende Elemente in Gewanddeskriptionen der mittelalterlichen Artusepik, München, GRIN Verlag GmbH
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