Reproduktion von sozialer Ungleichheit durch das deutsche Bildungssystem
1. Einleitung. 3
2. Gründe im Bildungssystem für die Reproduktion sozialer Ungleichheit. 4
3. Mögliche Maßnahmen zur sozialeren Gestaltung des Bildungssystems. 6
4. Fazit. 7
5. Quellenverzeichnis. 8
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1. Einleitung
Das deutsche Bildungssystem besteht in seiner theoretischen Dreigliedrigkeit mit Haupt- und Realschule sowie Gymnasium (die weiteren Schulformen der Sekundarstufe I - Gesamtschule und Sonder-/Förderschule - werden hier aus verschiedenen Gründen häufig nicht separat betrachtet) schon seit langer Zeit. Es geht im Grunde zurück auf eine nicht mehr zeitgemäße Vorstellung der Standesgesellschaft, in der jede Schulform einer gesellschaftlichen Schicht zu-geordnet wurde. Die Kinder (damals dem Zeitgeist entsprechend nur die Söhne) aus der Oberschicht gingen aufs Gymnasium mit eigenen Vorbereitungsschulen, die Kinder aus der Mittelschicht gingen auf die Realschule bzw. Mittelschule und für die breite Unterschicht war die Volksschule (entsprechend der heutigen Grund- und Hauptschule) vorgesehen (vgl. Gill 2005, S. 108f). „Dieses ständische Denken hat sich, in modifizierter Form, sehr lange gehalten und ist auch heute noch in den Grundelementen der konservativen Bildungspolitik präsent“ (Ebd., S. 111).
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daran anknüpfend mit der Frage nach den Gründen im deutschen Bildungssystem für die Reproduktion sozialer Ungleichheit sowie den Möglichkeiten zur sozialeren Gestaltung des Systems. Denn mittlerweile dürfte klar sein, dass es spezifisch deutsche Probleme gibt, die über die allgemeine Problematik der Chancenungleichheit in Bildungssystemen hinausgeht. „Wahrscheinlich sind Kinder aus niedrigeren Sozialschichten überall auf der Welt in ihren Bildungschancen benachteiligt, in Deutschland ist dieser Effekt aber besonders stark. Die PISA-Studie zeigt, dass in keinem anderen Teilnehmerland dieser Zusammenhang so ausgeprägt ist wie in Deutschland“ (Ebd., S. 123).
Als besonders benachteiligte Gruppen ('Risikogruppen') werden in der Literatur vor allem Jungen, Migranten und Sonderschüler genannt. So hat etwa im Jahr 2003 mit 39,2% der 18- bis 21-jährigen der bisher prozentual höchste Anteil junger Erwachsener Abitur gemacht, während im gleichen Jahr mit fast einer halben Million Schülerinnen und Schülern an Sonder-/Förderschulen auch dort ein (trauriger) Rekord erreicht wurde (vgl. Brenner 2006, S. 128).
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2. Gründe im Bildungssystem für die Reproduktion sozialer Ungleichheit Der erste Aspekt von Bildungsbenachteiligung tritt bereits in der Familie auf. Aufgrund der strukturellen Organisation des deutschen Bildungssystems fällt ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bildungsaufgaben (z.B. Vermittlung vorschulischer Grundkenntnisse, Hausaufgabenbetreuung u.a.) der Familie zu. Je nach sozialem, ökonomischem und finanziellem Hintergrund der Familie gibt es hier bereits große Differenzen, die zu völlig unterschiedlichen Vorkenntnissen beim Schulstart führen und die gesamte Schulkarriere begleiten können (vgl. Brenner 2006, S. 131 & Merten 2006, S. 32).
Das ökonomische Kapital der Familie wird entscheidend, wenn es darum geht wie lange Kinder überhaupt zur Schule gehen können/dürfen, ob Nachhilfe gegeben werden kann oder wie es mit der Wohnungsausstattung in Bezug auf effektives Lernen aussieht. Das kulturelle Kapital bezieht sich auf den Bildungsanspruch der Eltern, welcher Kindern ein bestimmtes Verständnis von Schule und Bildung vermittelt. Das soziale Kapital meint hier den Einfluss der Eltern über Ansehen, Beziehungen oder den Elternbeirat. Alle drei Kapitalarten gehören nach dem Konzept von Bourdieu zur sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler und wirken sich auf ihre Bildungschancen aus (vgl. Brenner 2006, S. 130 & Gill 2005, S. 124ff).
Neben den familiären Gründen wirken sich auch die Schulstruktur und Unterrichtsform benachteiligend für einige Schülerinnen und Schüler aus. Die frühe Selektion des dreigliedrigen Schulsystems lässt wenig Zeit für kompen-satorische Maßnahmen um etwa Sprachprobleme zu verbessern bzw. zu beseitigen. Außerdem findet eine gewisse Stigmatisierung der Schülerinnen und Schüler durch die Aufteilung in verschiedene Schulformen statt. Darüberhinaus sind in einigen Regionen weiterführende Schulen nur schwer zu erreichen, was für viele abschreckend wirken kann. Ebenfalls ein strukturelles Problem ist die Finanzierung des Bildungswesens. Zum einen wird im Vergleich zu anderen Ländern relativ wenig investiert, zum anderen wird mehr Geld in die Gymnasien sowie die Ausbildung und Bezahlung der dortigen Lehrerinnen und Lehrer investiert als in die anderen Schulformen. Die Unterrichtsform des
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts (B.A.) Nicolas Sturm, 2008, Reproduktion von sozialer Ungleichheit durch das deutsche Bildungssystem, München, GRIN Verlag GmbH
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