Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1
2. Das Mosaik
1
2.1. Historische Rahmenbedingungen und Forschungsstand 1
2.2. Beschreibung der goldenen Pforte des Veisdoms
2.3. Analytische Betrachtung des Prager Mosaiks
2.4. Ikonographische Tradition des Jüngsten Gerichts an Kirchenportalen
2.5. Zur Bedeutung des Mediums Mosaik 14
3. Besonderheit, Bedeutung und Funktion des Prager Mosaiks
15
4. Das Bildnis Karls IV. innerhalb des Mosaiks
19
5. Schlussbetrachtung
23
Literaturverzeichnis
Angabe zum Abbildungsteil
Abbildungsteil (Anlage I- IV)
2. Einleitung
Zu Beginn der Arbeit wird zunächst der historische Rahmen zur ersten allgemeinen Einordnung des Mosaiks am Prager Veitsdom abgesteckt. Direkt anschließend soll der Versuch eines bündigen Überblicks über die Forschung die Grundlage für eine nähere Untersuchung der Goldenen Pforte schaffen. Dabei wird nun wiederum eingrenzend der genaue Ort und der umgebende architektonische Kontext des Mosaiks dargestellt, damit folgend das Werk selbst ausführlich betrachtet werden kann. Innerhalb dieser umfassenden Betrachtung tragen Hintergrundinformationen zur Ikonographie des Jüngsten Gerichts an Portalen und zur Bedeutung des Mediums Mosaik dazu bei, dass es daraufhin in Kapitel 3 seiner Funktion und Bedeutung zugeordnet werden kann. Ein besonders wichtiges Element der Jüngsten Gerichtsdarstellung am Veitsdom ist der Auftraggeber Karl IV. im Portalbild selbst. Dieses bedeutungsvolle Detail begründet die Existenz des vierten Kapitels, in dem das Bildnis des Kaisers an der Goldenen Pforte im Vergleich zu ausgewählten Exemplaren von Bildnissen Karls in anderen Medien und Kontexten untersucht wird. Schließlich soll im Rahmen einer Schlussbetrachtung versucht werden, noch einmal zusammenfassend zu resümieren und ein weiterer Gedankengang soll ergänzend die Möglichkeit veranschaulichen, den Blick auf das Bild aus einem weiteren Winkel zu betrachten.
3. Das Mosaik
3.1. Historische Rahmenbedingungen und Forschungsstand
Das Mosaik der Goldenen Pforte des Veitsdoms in Prag stellt in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Zeugnis der Prager Hofkunst unter Kaiser Karl IV. (1316-1378) aus dem Herrschergeschlecht der Luxemburger dar. Karl IV, der selbst innerhalb des Mosaiks abgebildet und auch dessen Auftraggeber ist, regierte etwa drei Jahrzehnte ab 1346 als König von Böhmen und seit 1355 im Amte des kaiserlichen Herrschers über das Heilige Römische Reich. 1 Der Grundstein für den Veitsdom, an dem sich das Bild über dem Südportal mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts befindet, wurde bereits Anfang des 10. Jahrhunderts durch Herzog Wenzel gelegt. Die Kirche ist anfangs in der Form einer Rotunde mit vier Apsiden errichtet worden und seither dem hl. Veit geweiht. Der sakrale Bau auf dem Hradschin erfuhr in Bezug auf dessen Baugeschichte bereits in der Romanik einige Umbaumaßnahmen und
1 Vgl. Schmid, Wolfgang. “Zur Geschichte und Kunstgeschichte der Luxemburger“. In: Grabmäler der
Luxemburger. Image und Memoria eines Kaiserhauses (= hrsg. v. Michael Viktor Schwarz),
Luxemburg 1997, S.13.
1
wurde dann im 14.Jh. zunächst unter König Johann von Luxemburg, dem Vater von Karl IV. dazu bestimmt, dem angestrebten Prager Metropolitansitz durch diverse Neugestaltungen zu entsprechen. 2 Am 21. November 1344 sollte sodann der Neubau unter Karl IV, der laut Petás „(…) eine für die damalige Zeit außergewöhnlich Erziehung genossen [hatte], (…) geistig hochstehend, ein guter Staatsmann und Diplomat [war] und (...) viel Sinn und Empfinden für Kunst hatte“ 3 , begonnen werden. 4 Innerhalb der Bauaktivitäten wurde, nachdem der französische Architekt Matthias von Arras verstorben war, durch die Verpflichtung des aus einer berühmten Architektenfamilie stammenden zweiten Dombaumeisters Peter Parler die für diese Arbeit bedeutsame Zeit eingeleitet, da während seiner Aktivitäten als Architekt des Veitsdoms in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch das Mosaik an das Portal des südlichen Querhauses angebracht wurde. 5 Um weiterhin auf die kunstgeschichtliche Forschung bezüglich des Mosaiks in Prag sprechen zu kommen, bietet sich die Anbringung des Mosaiks an den Dom als Stichwort an. Die spezielle Technik dafür, die Beschreibung des Materials und besonders die umfangreichen Konservierungsmaßnahmen seit der Entstehung des Mosaiks bis heute werden von František Petás in seiner Abhandlung über das Prager Mosaik von 1958 ausführlich dokumentiert. Diese Aspekte sind hier jedoch eher von sekundärem Interesse. Hauptsächlich wird die zur „(…) dauernde[n] Erhaltung dieses wertvollen Kunstwerkes (…)“ 6 beitragende vollständige Beschreibung des Mosaiks sowie der umfangreiche Bildteil vor allem bezüglich der Personenangaben berücksichtigt. Zur Einordnung des Mosaiks in einen übergeordneten Funktionszusammenhang, wie es folgend zumindest ansatzweise versucht werden soll, stellt Michael Viktor Schwarz mit den in dieser Arbeit einbezogenen Beiträgen von 1997 und 2005 zur “Funktionsweise“ des gesamten Veitsdoms sind, durchaus ein aktueller Forschungsansatz dar. Auch die „Geschichte und Kunstgeschichte der Luxemburger“ von Wolfgang Schmidt, die umfangreiche Studie zur Ikonographie und Ikonologie Karls IV. von Bogade sowie der Katalog zur Ausstellung „Die Parler und der schöne Stil 1350-1400“ sollen exemplarisch neben anderer, innerhalb dieser Arbeit verwendeten Literatur als relativ aktuelle Quellen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genannt werden. Sie präsentieren durchaus unterschiedliche Gesichtspunkte zum Thema sowie überlieferte Fakten und sind daher zur Einordnung und Diskussion des Mosaiks als hilfreich zu bezeichnen. Jedoch scheint es daneben auch unvermeidbar zu sein, dass durch die Vielzahl der mannigfachen Quellen einige Unstimmigkeiten bezüglich der Bestimmung des Mosaiks auftreten können. Diese
2 Vgl. Pavel, Jakub. “Der Veitsdom zu Prag“, Berlin 1962, S.1ff.
3 Petás, František. “Das Jüngste Gericht -Mittelalterliches Mosaik vom Prager Veitsdom“, Prag 1958, S.6. 4 Vgl. ebd, S. 6. Siehe auch: Anlage I, Abb. 1.
5 Vgl. ebd.
6 Vgl. ebd, S.19.
2
Problematik tritt u. a. bei der Bestimmung der am Mosaik beteiligten Künstler sowie der Frage nach der Autorschaft auf, die die Forschung laut Petás zumindest zum Zeitpunkt des Verfassens seiner Abhandlung wohl besonders interessierte. 7 Warum solch ein reges Interesse an diesem Aspekt innerhalb der Forschung bestand, wird folgend beiläufig deutlicher werden, soll aber nicht Hauptinteresse dieser Arbeit sein.
3.2. Beschreibung der Goldenen Pforte des Veitsdoms
Das Mosaik zeichnet das Südportal des Veitsdoms auf bedeutungsvolle Weise aus. Die materielle Eigenheit der Darstellung des Jüngsten Gerichts gewährt dem in die Kathedrale eintretenden Betrachter gewissermaßen einen strahlenden Anblick auf die Fassade der Vorhalle, die das innere mit dem äußeren Portal verbindet. 8 Auch die besondere Komposition, insbesondere im Bezug auf die abgebildeten Personen innerhalb dieser Darstellung ist auffällig und verdient gleich zu Beginn Erwähnung, weil sie anfangs irritierend wirkt, geht man von einer allgemeinen ikonographischen Tradition der Jüngsten Gerichtsdarstellung aus. Allerdings wird auf diese Aspekte nachfolgend noch ausführlicher eingegangen. Zunächst soll festgehalten werden, dass das Portal der Kathedrale den in der Literatur vorherrschenden Titel Porta Aurea oder einfach Goldene Pforte offensichtlich dem herausragenden Mosaik zu verdanken hat. 9 Der Entstehungszeitraum der Goldenen Pforte wird in der Forschungsliteratur unterschiedlich angegeben. Eingrenzend und mit allen im Verzeichnis aufgeführten Quellen übereinkommend lässt sich aber sagen, dass die Vorhalle Ende der 1360er Jahre durch den Architekten Peter Parler fertig gestellt worden ist und dass das Mosaik kurz danach, Anfang der 1370er Jahre an die Frontseite des Portals angebracht wurde. Betrachtet man den Grundriss des Veitsdoms, so ist das Südportal bzw. die Vorhalle am südlichen Querhaus des Doms gut zu erkennen. 10 Sie ragt zwischen der Wenzelskapelle mit der Grabstätte des Heiligen Wenzels, die sich links mit quadratischem Grundriss fast bis zur Hälfte an das nördliche Mauerwerk der Vorhalle anschmiegt, sowie dem Südturm zur rechten Seite heraus und markiert somit den südlichsten Ort der Kathedrale. Ursprünglich war hier der Haupteingang mit einem heute nicht mehr erhaltenen Skulpturenprogramm am gestuften Innenportal geplant. 11 Dieser südliche Eingangsbereich der Kathedrale präsentiert jedoch heute noch, wie bereits erwähnt, das Mosaik auf der oberen Hälfte der Frontseite. Es bedeckt
7 Vgl. ebd, S. 16.
8 Vgl. Anlage I, Abb. 2.
9 Vgl. Pavel, S.19.
10 Vgl. Anlage I, Abb. 3.
11 Vgl. Petás, S.6.
3
die Fläche über drei gotischen Arkadenöffnungen, die durch vier Strebepfeiler mit dreieckigem Grundriss gerahmt sind und durch welche man über eine Treppe in die Vorhalle gelangen kann. Diese Öffnungen bilden somit das Außenportal der Goldenen Pforte. 12 Die mit Kreuzblumen geschmückten Fialen der Strebepfeiler wiederum teilen das Mosaik in ein Mittelfeld und zwei Seitenfelder ein. 13 Dabei ragen die Arkaden jeweils in die unteren Drittel der drei Felder und verbannen somit den Bildinhalt in diesem Bereich in die Zwickel. Im oberen Drittel der Seitenfelder wurde das Mosaik um zwei kleine gestufte und vergitterte Bogenfenster, die das Mauerwerk jeweils mittig durchbrechen, angebracht. 14 Auch im Mittelfeld soll es ein solches Fenster hinter dem Christus in der Mandorla gegeben haben, der in etwa dieselbe Fläche einnimmt. In seiner Abhandlung über das Prager Mosaik schreibt Petás, dass 1890 im Rahmen der Konservierungsarbeiten das Mosaik vom Portal entfernt wurde, wobei man ein eingemauertes Fenster an der oben beschriebenen Stelle entdeckt hatte, was als Beweis für ein drittes Fenster derselben Art gelten darf. Außerdem lässt ihn diese Tatsache schließen, dass ein derartiger Wandschmuck wie wir ihn heute vorfinden nach Beendigung der Baumaßnahmen an der Fassade der Vorhalle zunächst nicht geplant war. 15 Auch Schwarz geht von diesem Gedanken aus und beschreibt die “rohe“ Fassade mit den drei vergitterten Fenstern vor der Anbringung des Mosaiks um dadurch auf den vermeintlichen „Tresor“ 16 hinter dem Mosaik aufmerksam zu machen. Dieser Raum ist bis heute existent, wird durch eine Wendeltreppe von der Wenzelskapelle aus erreicht und birgt seit dem 18. Jahrhundert die böhmischen Kroninsignien. Er stellt somit eine Schatzkammer gleich hinter der Fassade der Vorhalle dar. 17 Direkt unter dieser Kammer befindet sich das Gewölbe der Portalvorhalle. Es wird vom Trumeaupfeiler und den zwei Stützen des Außenportals mit den Arkadenöffnungen getragen. Der Trumeau ist der Tür, die in den Innenbereich des Doms führt, also dem Innenportal vorgestellt und disponiert dieses gleichzeitig mittig in zwei Teile. 18 Im Rahmen dieser Arbeit soll jedoch nicht näher auf das hier vorzufindende und dennoch bemerkenswerte „Paradebeispiel (…) für Parler“ 19 bzw. dessen Architektur eingegangen werden. Letztlich ist außerdem zu erwähnen, dass es mutmaßlich ein Skulpturenprogramm gab, welches sich durch gewisse Merkmale heute noch
12 Vgl. Anlage I, Abb. 2.
13 Vgl. Petás, S.10.
14 Vgl. Anlage I, Abb. 2.
15 Vgl. Petás, S.10.
16 Schwarz, Michael Viktor. “Kathedralen verstehen. (St.Veit in Prag als räumlich organisiertes Medienensemble)“ In: “Virtuelle Räume. Raumwahrnehmung und Raumvorstellung im Mittelalter“ (= hrsg. v. Elisabeth Vavra), Berlin 2005, S.57.
17 Diese Schatzkammer hätte laut Schwarz im bedeutungsvollem Zusammenhang mit dem Mosaik stehen können, wenn sich die Reliquien der im Bild dargestellten Heiligen darin befunden hätte. Da jedoch aus der Literatur nicht ersichtlich wird, was die Funktion des kleinen Raums vor dem 18. Jh. gewesen sein könnte, ist dieser Aspekt für diese Arbeit nicht weiter zu beachten. Siehe dazu: Schwarz 2005, S.57.
18 Vgl. Anlage I, Abb. 4.
19 Nussbaum, Norbert. “Die Kirchenbaukunst der Gotik“, Darmstadt 1994, S.188.
4
erahnen lässt. Baldachine am Trumeaupfeiler und den Seitenwänden der Vorhalle lassen auf gotische Gewändefiguren schließen und Indizien wie „(…) Weintrauben am mittleren Schlussstein des Gewölbes und die Konsolen mit Pelikan und Phoenix (…)“ 20 , die zur Symbolik Christi zählen, lassen vermuten, dass sich eine Statue desselben am Trumeau befand. Daneben sollen Kaiser Karl IV. und seiner letzten von vier Ehefrauen, Kaiserin Elisabeth von Pommern mit Schildträgern und an den Seitenwänden jeweils links und rechts davon gleichmäßig aufgeteilt sechs Apostel das Portal flankiert haben. 21 Für die letztgenannten Figuren lassen sich in der Literatur und auch beim eigenständigen Betrachten des Innenportalbereichs, sofern es die Abbildungen erlauben, jedoch keinerlei Hinweise finden, die die ehemalige Existenz des Figurenprogramms eindeutig belegen können. 22 Bildnisse des Kaisers aber sind an prominenten Orten in ganz Prag und Umgebung im jeweiligen Bedeutungszusammenhang immer wieder anzutreffen. Dabei ist das nächst gelegene innerhalb des Mosaiks, auch hier wieder mit seiner Gattin Elisabeth von Pommern, ebenfalls an der Goldenen Pforte jedoch in einem völlig anderen Medium und eingebettet in den ikonographischen Zusammenhang des Jüngsten Gerichts vorzufinden. Dieses einzigartige Mosaik auf der Frontseite der Porta Aurea gilt es nun folgend näher zu betrachten.
3.3. Analytische Betrachtung des Prager Mosaiks
Das Prager Mosaik ist im wahrsten Sinne des Wortes als einmalig zu bezeichnen, da nördlich der Alpen zu dieser Zeit keine zweite Darstellung des Jüngsten Gerichts im Medium Mosaik und dazu in einem solchen Ausmaß über einem Portal bekannt ist. Es bedeckt eine Fläche von insgesamt 85 m² und wurde durch ein aufwändiges Verfahren an das Südportal des Veitsdoms angebracht. Bei diesem Verfahren ist ein Netz mit Haken an das Mauerwerk der Portalfassade fixiert worden, welches dann mit mehreren Schichten Mörtel bedeckt den Grund für die Mosaiksteinchen bildete, die mit großer Sorgfalt eingearbeitet wurden. 23 Eine genaue Bestimmung der Auftraggeberschaft und der Datierung des Mosaiks wird in der Forschungsliteratur fast immer mit den zwei prominenten Zitaten des Chronisten Beneš Krabice von Veitmile (14. Jh.) angegeben. Petás gibt Beneš, übersetzt vom Lateinischen ins Deutsche wie folgt wider:
20 Homolka, Jaromir.“ Zu den ikonographischen Programmen Karls IV.“ In Aust.-Kat: “Die Parler der schöne Stil 1350-1400. Europäische Kunst unter den Luxemburgern“ (= Ein Handbuch zur Ausstellung des Schnütgen-Museums in der Kunsthalle Köln, Bd.2, hrsg. v. Anton Legener), Köln 1978, S.613. 21 Vgl. ebd, S.613.
22 Vgl. Anlage I, Abb. 4.
23 Vgl. Petás, S.8ff.
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Studentin Heike Kramer, 2006, Das Prager Mosaik , München, GRIN Verlag GmbH
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