Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die inhaltliche Gliederung und methodische Vorgehensweise
innerhalb der Studie 2
3. Zur Herleitung’ des Wesens einer Pädagogik der Vielfalt 5
3.1 Grundlegende Begriffsklärungen und theoretische Vorüberlegungen 5
3.2 Der Beitrag aus der Bildungspolitik sowie der erziehungswissenschaftlichen
Forschung und Praxis: Die Interkulturelle, Feministische und Integrative Pädagogik 9
3.3 Die Erträge für die Entwicklung einer Pädagogik der Vielfalt 12
4. Die Studie „Pädagogik der Vielfalt“ von Annedore Prengel
als ein allumfassender Beitrag für die pädagogische Praxis? 14
5. Schlussbetrachtung 18
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
In dieser Arbeit soll die Studie Pädagogik der Vielfalt. Verschiedenheit und Gleichberechtigung in Interkultureller, Feministischer und Integrativer Pädagogik 1 von Annedore Prengel zusammenfassend wiedergegeben und im Zusammenhang mit der Resonanz in der erziehungswissenschaftlichen Forschung vor allem bezüglich pädagogischer Praxis näher untersucht werden. 2 Die Verfasserin der Studie, Annedore Prengel, ist z. Z. Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Potsdam, wobei „Grundschulpädagogik [bzw. der] Anfangsunterricht unter besonderer Berücksichtigung sozialen Lernens und der Integration Behinderter“ 3 ihr Fachgebiet ist. Die Fragen einer Pädagogik der Vielfalt, wie sie Prengel untersucht, sind demnach primär vom Forschungsgebiet der Grundschule aus erforscht, sollen aber laut Prengel auch allgemeingültige Ergebnisse erzielen. 4 Der Begriff Pädagogik der Vielfalt, dem sich Prengel widmet, wurde von Preuss-Lausitz gebildet und u. a. auf dem Bundes-grundschulkongress 1999 diskutiert. Dem Thema der Vielfalt kommt also innerhalb der Erziehungswissenschaft immer mehr Aufmerksamkeit zu und es wird durch Prengel in Bezug auf aktuelle postmoderne Bedingungen und anhand der dialektischen Bestimmung von Gleichheit und Verschiedenheit sowie mit der Berücksichtigung von drei aktuellen pädagogischen Bewegungen 5 diskursiv fundiert. 6 Folgend soll für einen ersten Einblick in die Studie mit ihrer zentralen Fragestellung sowie in die wichtigsten theoretischen und methodischen Zusammenhänge eine inhaltliche Gliederung wiedergeben werden. Auf der Basis dieser Übersicht kann im Anschluss näher auf die zentralen Aspekte ihres Vorgehens eingegangen werden, wobei dann deutlich wird, wie sie zu ihren Ergebnissen kommt, die daraufhin genannt werden. Schließlich lässt sich durch die Bezugnahme zu Argumenten anderer Wissenschaftler aus der Erziehungswissenschaft die Studie kritisch beleuchten, um folglich zu einem Resümee zu gelangen.
1 Anm.: Im gesamten Verlauf der Arbeit werden neben dem Titel der Studie auch die einzelnen Kapitel sowie elementare Begriffe der Arbeit Prengels kursiv hervorgehoben.
2 Prengel, Annedore: Pädagogik der Vielfalt. Verschiedenheit und Gleichberechtigung in Interkultureller, Feministischer und Integrativer Pädagogik. Opladen 1995.
3
Homepage der Universität Potsdam. Zugriff im September 2007.
4 Vgl. Prengel 1995, S.11.
5 Anm.: Anedore Prengel nennt die pädagogischen Arbeitsfelder deshalb ´Bewegungen`, damit deutlich wird, dass sie aus gesellschaftlichen Bewegungen und sozialen Bedingungen resultieren und dass mit ihnen neben der praktischen Dimension auch die der Bildungspolitik und der Wissenschaft verknüpft sind. Vgl. ebd., S.12.
6 Vgl. Katzenbach, Dieter: Integration, Prävention und Pädagogik der Vielfalt. Anmerkungen zur Konzeption, zum Selbstverständnis und zu den Ergebnissen des Hamburger Schulversuchs Integrative Regelklasse. In: Behindertenpädagogik (0341-73019) - 39. Jg., Heft 3/2000, S. 238.
1
2. Die inhaltliche Gliederung und methodische Vorgehensweise
innerhalb der Studie
Mit Blick auf das Inhaltsverzeichnis lässt sich sagen, dass die Arbeit von Annedore Prengel neben dem Vorwort von Otto Dann und einem bemerkenswert umfangreichen Literaturverzeichnis in sechs Abschnitte eingeteilt ist, denen wiederum einzelnen Kapitel untergeordnet sind. Für eine erste Einsicht in den Aufbau der Studie sollen die Titel der Abschnitte zunächst genannt werden: I. Einleitung (Kapitel 1-2); II. Zur Theorie und Geschichte von Gleichheit und Verschiedenheit (Kapitel 1-5); III. Interkulturelle Pädagogik (Kapitel 1-6); IV. Feministische Pädagogik (Kapitel 1-9); V. Integrationspädagogik (Kapitel 1-6); VI. Perspektiven von Verschiedenheit und Gleichberechtigung in der Bildung (Kapitel 1-4). 7 Die Abfolge der sechs Themen und zudem die Bezugnahmen untereinander ergeben die wesentliche formale Struktur der Arbeit Prengels. Im Rahmen einer Übersicht der inhaltlichen Gliederung können „die drei aktuellen pädagogischen Bewegungen“ 8 , die innerhalb Abschnitt III bis V Gegenstand der Untersuchung sind, zusammengefasst werden. Folglich sind vier Themenschwerpunkte auszumachen. Anhand dieser sollen nun die elementarsten inhaltlichen Aspekte, die methodische Vorgehensweise und thematische Verknüpfungen vorgestellt werden. In der Einleitung führt die Wissenschaftlerin zunächst mittels Erläuterungen zur Fragestellung sowie bündigen Angaben zu ihrem Vorgehen in ihre Arbeit ein. Dabei erklärt sie, dass ihre theoretischen Überlegungen zu einer Pädagogik der Vielfalt vor allem dadurch initiiert wurden, dass die „ in der alltäglichen Schulpädagogik realisierte Vielschichtigkeit [,also die ausnahmslose Anerkennung und Berücksichtigung der Bedürfnisse und Voraussetzungen aller Kinder und Jugendliche] kaum eine Entsprechung in der pädagogischen Theoriebildung und den damit einhergehenden erziehungswissenschaftlichen Diskursen [findet].“ 9 Um dieser ´Lücke in der Erziehungswissenschaft` Abhilfe zu verschaffen, damit ein „Bildungsverständnis (…) zur Demokratisierung des Geschlechterverhältnisses, zur Entfaltung kulturellen Reichtums und zum Respekt vor Individualität in der Erziehung [erreicht werden kann]“ 10 , sollen u. a. die „wesentliche[n] strukturelle[n] Gemeinsamkeiten“ 11 aller drei bereits genannten Pädagogischen Bewegungen herausgearbeitet werden. Ihnen wird zuvor jeweils ein eige-
7 Vgl.Prengel 1995, S.5f.
8 Ebd., S.15.
9 Ebd., S.11.
10 Ebd., S.13.
11 Ebd., S.12.
2
nes Kapitel gewidmet, da sie sich in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Zuge der kritischen Auseinandersetzung mit der Bildungsreform, welche wiederum zuvor in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts initiiert wurde, eigenständig entwickelten und sich ausschließlich auf ihrem speziellen Gebiet der Mannigfaltigkeit ihrer Adressaten widmen.
12
Die Autorin betont, dass jede dieser pädagogischen Richtungen vor allem daraufhin konzipiert wurde, emanzipatorisch zu wirken, d. h. dass in der Praxis gegen hierarchische Strukturen aktiv angegangen werden soll.
13
Deshalb scheint es plausibel, dass Prengel die Bewegungen und ihre jeweils spezifischen Möglichkeiten aber auch Beschränkungen hinsichtlich der Ziels, Verschiedenheit gleichberechtigt anzuerkennen, untersucht, wobei die Ergebnisse dann für theoretische Überlegungen einer Pädagogik der Vielfalt zusammengefasst werden können. Zuvor ist es indessen unabdingbar, die Komplexität der Problemstellung zu erfassen. Prengel formuliert die vielschichtige Problemstellung ihrer Studie folgendermaßen: „Kann pädagogisches Handeln der geschlechtlichen, kulturellen und individuellen Verschiedenheit der Menschen gerecht werden? Wie kann Pädagogik dabei das demokratische Prinzip der Gleichberechtigung verwirklichen?“
14
Antworten darauf können nur gefunden werden, wenn alle Dimensionen dieser Fragen berücksichtigt und im Vorfeld geklärt werden. Im zweiten Teil der Einleitung wird also für eingehende Erläuterungen bezüglich des bildungspolitischen Umgangs mit den Begriffen
Gleichheit und Verschiedenheit
auf die Entwicklung des Bildungswesens der BRD aufmerksam gemacht. Dabei arbeitet Prengel mit Bezug auf die Argumentationen der Wissenschaftler Bourdieu/Passeron, Jencks und Flitner heraus, dass die bildungspolitischen Maßnahmen in der Geschichte der BRD einschließlich der Bildungsreform - obwohl die Reform das Ziel der Chancengleichheit bezüglich Bildung aus einem „radikaldemokratische[n] Verständnis“
15
heraus verfolgte - „die gleichsetzende Gerechtigkeit überbetont, die unterscheidende Gerechtigkeit hingegen vernachlässigt habe“
16
. Das führte schließlich zur zuvor erwähnten Kritik der drei
Pädagogischen Bewegungen
an der Bildungsre-form.
17
Für ein allumfassendes Verständnis der Begriffe
Gleichheit und Verschiedenheit
und für das Verständnis einer kontinuierlichen Bezugnahme der Begrifflichkeiten in einem erziehungswissenschaftlichen Diskurs, stellt Prengel nach der Einleitung ihrer Arbeit ein umfas-
12 Vgl.ebd., S.20f.
13 Anm.: Prengel nennt in diesem Zusammenhang das sog. ´Paria oder Parvenu`- Dilemma, mit dem sich die pädagogischen Bewegungen auseinandersetzen. Dabei handelt es sich um emanzipatorische Strategien von Gesellschaftsmitgliedern, welche in einem hierarchisch ausgerichteten System auf den unteren Ebenen definiert sind. Den vielschichtigen problematischen Varianten von Abgrenzung oder Anpassung von bzw. an die konstruierte gesellschaftliche Norm sollen Wege zur Lösung durch die Pädagogik der Vielfalt gegenübergestellt werden. Vgl. ebd., S.14f.
14 Ebd., S.15.
15 Ebd., S.22.
16 Ebd., S.25.
17 Vgl. ebd., S.24f.
3
sendes Kapitel zur Verfügung. Darin wird sich zu Beginn durch ein analytisches Vorgehen mit den Begriffen klärend auseinandergesetzt, damit die geschichtliche und gesamtgesellschaftliche Entwicklung sowie die Bedeutung von Gleichheit und Verschiedenheit in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen nachvollzogen werden kann. Darüber hinaus richtet sich der Fokus der Studie innerhalb dieses Kapitels auf das Forschungsfeld der Philosophie, wobei Pluralitäts-, Differenz- und Intersubjektivitätstheorien diskutiert werden. 18 Warum das für die Basis einer grundlegenden Definition der Pädagogik der Vielfalt fruchtbar ist, soll später deutlicher werden. Für Prengel ist außerdem wichtig, dass man ihre Arbeit grundsätzlich im „ Kontext der kritischen Theorie [versteht].“ 19 Das bedeutet, dass die Studie nicht den Anspruch erhebt, hinsichtlich der Fragestellung eine absolute Patentlösung aus den jeweiligen theoretischen Vorüberlegungen und den drei Pädagogischen Konzepten zu generieren. Vielmehr soll aufgezeigt werden, welche Erkenntnisse im Rahmen der einzelnen Theorie und dem jeweiligen pädagogischen Praxisbereich für eine Pädagogik der Vielfalt ertragreich sind. Gleichzeitig sollen dementsprechend auch die jeweiligen eigentümlichen Grenzen sichtbar sein. 20 Infolgedessen ist Prengel davon überzeugt, dass ein „Vergleich von Theorien (…) damit nicht im Hinblick auf Kriterien wie ´wahr` oder ´falsch` erfolgen [kann], sondern letztlich nur im Blick auf praktisches Handeln (…).“ 21 Schließlich lässt sich mit Bezug auf die anfangs ausgemachten Themenschwerpunkte innerhalb der Studie zusammenfassend festhalten, dass nach einer Einleitung, die über den Aufbau, die Vorgehensweise und bildungspolitische Aktualität aufklärt, in zwei weiteren Schritten Erkenntnisse gewonnen werden, die einer Pädagogik der Vielfalt dienlich sind. Mit dem Fokus auf die pädagogische Praxis soll ein Bewusstsein für die Anerkennung und Gleichberechtigung der Unterschiedlichkeit aller Adressaten ermöglicht und Hinweise für eine praktische Umsetzung geleistet werden. Das wiederum lässt sich im letzten und hier als vierten definierten Themenabschnitt der Studie nachlesen. Dabei fasst Prengel vorab die Möglichkeiten und Grenzen der diskutierten Pädagogischen Bewegungen zusammen und zeigt anschließend konkret deren grundlegenden Gemeinsamkeiten auf. Somit kann sie daraufhin die geschichts- und philosophietheoretischen Vorüberlegungen aus dem zweiten Teil der Studie mit den Erkenntnissen aus der Untersuchung der Bewegungen für eine „Annäherung an einen demokratischen Differenzbegriff (…)“ 22 adäquat zusammenführen. Das Resultat dieser Arbeit sind zuletzt 17 Thesen, die im Sinne einer Pädagogik
18 Vgl. ebd., S.29ff.
19 Ebd., S.16.
20 Vgl. Ebd., S.16f.
21 Ebd., S.18.
22 Ebd., S.181.
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Arbeit zitieren:
Studentin Heike Kramer, 2007, Die Studie „Pädagogik der Vielfalt, München, GRIN Verlag GmbH
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