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ist der Hinweis zu finden, dass man seit alters her das Fest des Nazarius feierte und deswegen das Patrozinium der Kirche diesem Heiligen zugeordnet hat.
Die dazugehörigen Reliquien - wenn überhaupt- des Hauptaltars hatte man offensichtlich beim Neubau der Vorgängerkirche erhalten. Steiner schreibt in der „Geschichte und Alterthümer des Rodgaus im alten Maingau „ [4] , dass die Kirche 1660 aus Spendengeldern erbaut wurde, da sie im 30 jährigen Krieg zerstört worden war. Am 8.12.1660 wurde sie samt dem Hochaltar durch Weihbischof von Wellenburg eingeweiht.
Aus dieser Notiz kann man entnehmen, dass es zu diesem Zeitpunkt nur einen Altar gab, nämlich den Hochaltar. Dies ist auch verständlich, da die spärlichen Spendengelder sich auf die notwendigste Ausstattung der Kirche beschränkten.
Die Einweihung des Hochaltares erfolgte also mit Reliquien eines Heiligen, der nichts mit Nazarius zu tun hatte. Entweder hatte man die Reliquien als die des Nazarius ausgegeben oder man weihte schon damals die Kirche einem anderen Heiligen, vergaß diesen aber bald und verehrte ihn nicht mehr, so dass er in Vergessenheit geriet. Die Zerstörung der Vorgängerkirche erfolgte wohl im Juni /Juli / August 1622. Tilly war nach der Schlacht von Bad Wimpfen am 6.5.1622 aus taktischen Gründen den Neckar hinunter gezogen etwa bis Neckargemünd. Von dort zog er in einem Eilmarsch, den Tross hinter sich lassend, quer durch den Odenwald auf Aschaffenburg zu, vereinigte sich mit dem Teilheer von Caracciolo, überschritt am 18.6.den Main und stellte das Heer des Christian von Braunschweig am 19./20.6.1622. Nach der gewonnenen Schlacht bei Frankfurt /Höchst überschritt Tilly am 24.6. auf einer Schiffsbrücke den Main bei Steinheim und vereinigte sich wieder mit seinem Tross. Der Durchzug und die Verwüstung des Rodgaus und des Odenwaldes dauerten bis zum September, da ab 1.9.1622 die Belagerung Heidelbergs begann. So lag die Kirche zwischen 1622 und 1660 als Ruine da. Es ist total unwahrscheinlich, dass Reliquien der Vorgängerkirche Brand, Zerstörung, Plünderung und Witterungseinflüsse schadlos überstanden, so dass sie in die Nachfolgekirche hätten übernommen werden können. Es gibt auch keinerlei Beleg darüber, dass man im Kriegsjahr 1621, in dem Jahr also, in dem das Kloster Lorsch durch die Kriegsereignisse in Asche gelegt wurde, eine Delegation nach Lorsch gesandt hätte, um sich Reliquien von dem Hl. Nazarius zu beschaffen. In dem gleichen Jahr ist auch die Dorfkirche von Lorsch zerstört worden. Sie ist ebenfalls 1660 wiederaufgebaut und dem Hl. Nazarius geweiht worden. Auch hier bestand ein Bedarf an Nazariusreliquien. Man kann sicher sein, dass eher die Dorfbevölkerung von Lorsch die Reliquien sichergestellt hätte als dass etwas für Oberroden übrig geblieben wäre..
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Natürlich wäre dafür Voraussetzung gewesen, dass die Nazariusreliquien in Lorsch zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch dagewesen wären.
Nachweislich hatten die Nazariusreliquien 1090 den Brand des Klosters Lorsch unbeschadet überstanden. 1248 wurde das Kloster von Prämonstratensern übernommen, die die Verpfändung des Klosters an die Kurpfalz durch das Erzbistum Mainz miterlebten. Unter dem neuen Landesherrn erlebten die Mönche 1556 die Einführung der Reformation, die letztlich 1556 zur Aufhebung des Klosters führte. Falk schreibt 1866 in der „Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch an der Bergstraße „[5] : „Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Reliquien infolge der Glaubenserneuerung am Anfang des 16.Jahrhunderts von Lorsch verschwunden.“ Auf Seite 192 der gleichen Quelle lesen wir, dass Anfang des 30- jährigen Krieges vergeblich in Lorsch nach den Gebeinen des Hl. Nazarius gesucht worden ist. Nach den Ausgrabungen, die Prof. Dr. Schallmayer etwa um 1985 unter der heutigen Kirche von Oberroden durchführte, konnte eine Steinkirche nachgewiesen werden, die wohl Ende des 8. / Anfang des 9. Jahrhunderts errichtet wurde. Sie war einschiffig, geostet und erlebte 2 Brände: der eine um 1160 -1180 , der zweite um 1230. Die Kirche erfuhr im 14.Jahrhundert einen Choranbau und 1518 den Anbau eines nördlichen Seitenschiffs. Auffallend ist, dass die Zeitangabe für die Errichtung dieser Kirche ziemlich genau mit dem Datum der Synode Karls des Großen in Frankfurt im Jahre 794 übereinstimmt. Auf dieser Synode werden erhebliche Vorschriften für Eigenkirchenherren erlassen. In „794 Karl der Große in Frankfurt“ [6] heißt es über die Kirchen, dass sie erhalten werden müssen. Die Eigenkirchenherren, so [6] S.137, waren verpflichtet, den Erhalt der Bauten, die ungestörte Abhaltung des Gottesdienstes und die wirtschaftliche Versorgung der Priester zu sichern“.
Diese Rolle der Eigenkirchenherren war durch die Schenkung der Aba auf das Kloster Lorsch überkommen.
Mit gewisser Berechtigung kann davon ausgegangen werden, dass der im Codex Lorsch [2] genannte Niwenhof die Gründung des Klosters Rotaha bewirkte. Dafür spricht, dass der Niwenhof als Schenkungsgegenstand in der Übertragungsurkunde nicht genannt wird, somit also offensichtlich seine Selbständigkeit bewahrte. Er dürfte die Funktion eines Vogtshofes ausgeübt haben, der sowohl die Belange des Dorfes Roden (Oberroden und Nieder-Roden) als auch die kirchlich-rechtlichen Belange des Klosters Rotaha regelte. Der letztgenannte Teil des Aufgabenbereiches entfiel durch die Schenkung der Aba an Lorsch. Damit wurde das Kloster Lorsch zum Eigenkirchenherren über das Kloster Rotaha.
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Als Reichskloster unterstand das Kloster Lorsch in besonderer Weise und Gefolgschaft den Anordnungen König Karls.
Es stand also in der Pflicht, für ungestörten Gottesdienst im Kloster zu sorgen. Nichts lag dabei näher, als einen Priester aus den umliegenden Ortschaften von Rotaha mit der Wahrnehmung der Seelsorge in dem Frauenkloster Rotaha zu betrauen. Um die Konstanz der priesterlichen Versorgung im Kloster zu garantieren, war man wohl seitens Lorsch zu erheblichen Zugeständnissen bereit, als die Wahl auf Oberroden fiel. Damit erhielt die Kirche Oberroden eine führende Rolle der kirchlichen Versorgung im oberen Rodgau, die noch weit in das Mittelalter hineinreichte.
Durch den Neubau einer Steinkirche in Oberroden wurde der Sitz des Priesters attraktiv gemacht. Hinzu kam noch eine Pfründenausstattung des Hauptaltars der Kirche, die die wirtschaftliche Sicherstellung des Priesters bewirkte.
Auffallend ist, dass im Grundbuch [7] der Erstvermessung viele Grundstücke auf der Gemarkung Nieder-Roden enthalten waren, die noch der katholischen Pfarrgemeinde von Oberroden gehörten.
Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass das Erreichen des Priesteramtes in dieser Kirche allein schon von der wirtschaftlichen Ausstattung stets erstrebenswert war. Zwei Urkunden sind aus dieser Zeit bekannt, die sich mit den Einkünften der Kirche in Oberroden beschäftigen.
In der Teilungsurkunde [8] zwischen Sygfrid von Eppstein und Ulrich von Hanau vom 13.4. 1303 ist zu lesen:“ Man hait auch gedeilit , daz den Kirchensazt dir parre imme dorf der lehinherre geiben sal unde su erbin und nit der vod noch sin erbin..“ Daraus kann man entnehmen, dass noch zu diesem Zeitpunkt die Einkünfte der Kirche so interessant waren, so dass sich die Herrschaften Eppstein und Hanau darum stritten. An dieser Stelle ist ein Beitrag von G. Grein in „Kulturelle Entdeckungen Südhessen“ [9] (S.251) zu erwähnen, der sich auf die Kirche Oberroden bezieht: „Eine 1303 erwähnte Vorgängerkirche war ebenfalls St. Nazarizus geweiht.“ Die Begründung für eine derartige Interpretation wird nicht gegeben.
Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1303, Oberroden betreffend, ist auch nicht bekannt. Aus der angeführten Textstelle der Urkunde kann man zwar schließen, dass Oberroden eine Kirche hatte, aber ein Patrozinium der Kirche wurde nicht erwähnt.
Aus der nachfolgend genannten Urkunde [10] (HStA 14.7 174/5 vom 6.11.1472) können ganz andere Schlüsse gezogen werden.
Arbeit zitieren:
Dipl.Ing. (TU) Karl Pohl, 2009, Die wechselvolle Geschichte des Patroziniums der St. Nazarius-Kirche in Oberroden / Rödermark, München, GRIN Verlag GmbH
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