Er sagt dazu folgendes: „Die Vernunft, da sie kalt und gleichgültig ist, ist kein Motiv zum Handeln und lenkt bloß die von der Begierde oder Neigung erhaltenden Impulse, indem sie uns die Mittel zur Erreichung des Glücks und zur Vermeidung des Unglücks weist.“(S.72). Darüber hinaus argumentiert er mit der Pragmatik der Sittlichkeit. Die Sittlichkeit sei eine praktísche Philosophie, die Einfluss nehme auf die Affekte und Handlungen. Ohne diesen Einfluss auf das Verhalten der Menschen sei die Sittlichkeit mit ihren Gesetzen und Verboten sinnlos. Hume sagt also, dass die Vernunft dem Gefühl des Tadels oder der Missbilligung nur einen Rahmen in Form von Gesetzen gebe. Der Ursprung liege aber weiterhin im Gefühl und ließe sich nicht aus der Vernunft herleiten. Deshalb nicht, weil es ein Gefühl des Tadels sei, welches sich nicht aus dem Gegenstand selbst ergebe. Folglich wird jede Handlung im Kern durch ein Gefühl ausgelöst. Er beweist dies durch das Beispiel mit dem Menschen der seinen Körper trainiert. Die Kausalkette endet mit dem Vermeiden von Schmerz. Genauso verhält es sich mit dem Beispiel wozu der Befragte seine Gesundheit erhalte. Diese Befragung endet damit, dass Geld das Mittel zum Vergnügen sei. Schließlich kann diese Befragung logisch nicht weitergeführt werden. Hume meint dazu: „es kann nicht immer ein Ding y geben, um dessentwillen ein Ding x gewünscht wird: Irgend etwas muß um seiner selbst willen und wegen seiner unmittelbaren Harmonie oder Übereinstimmung mit menschlichem Gefühl und menschlicher Neigung wünschenswert sein“(S.71).
Daraus folgt für Hume, dass Tugend bereits seinen Endzweck beinhalte, weil tugendhaftes Handeln die Abwesenheit negativer Zustände, wie Schmerz, Leid bedeute. Tugend geht damit auf das Gefühl von Menschenliebe zurück. Nach Hume kann nur die Menschenliebe Grundlage der Moral sein. Sie kann sich als einzige über alle Menschen erstrecken und alle Menschen können darüber verfügen. Obwohl Humes’ Denkansatz religions-kritisch ist, mogelt er hier doch noch Gott als „ höchsten Willen“ hinein. Denn er sagt, dass die Menschen in ihren moralischen Ansichten bis zu einem bestimmten Grad übereinstimmten. Voraussetzung sei jedoch: „ Solange das menschliche Herz aus denselben Elementen zusammengesetzt ist wie bisher, wird es gegenüber dem allgemeinen Wohl nie vollkommen gleichgültig sein oder von der Tendenz von Charaktereigenschaften und Sitten gänzlich unberührt bleiben“(S.73).
2
Ich komme jetzt zu Humes’ Kritiker Thomas Reid. Er lebte im 18.Jahrhundert in Aberdeen und Glasgow. Er ist ein wichtiger Vertreter der schottischen Common- Sense- Philosophie. Der gesunde Menschenverstand wird damit zum Ausgangspunkt. Bezeichnend für seine Abhandlung „ Moralische Wahrheit“ ist sein Studium der Theologie und seine Tätigkeit als Geistlicher.
Reid wundert sich nämlich über die Notwendigkeit einer moralischen Diskussion. Er meint die Sittlichkeitsregeln seien allen Menschen so vertraut, dass es verwunderlich sei, darüber zu streiten. Im Gegensatz zu Hume ergänzen sich Gefühle und Vermunft bei Reid nicht. Gefühle sind bei Reid zwar ebenfalls nicht anzweifelbar, also weder wahr noch falsch. Allerdings seien sie nicht wie die Vernunft unwandelbar und ewig gültig. Nur der Verstand käme zu wahren Urteilen. „Alles was der Verstand hinsichtlich dessen aussagt, was wahr oder falsch ist, ist ein Urteil. Daß ich nicht stehlen, nicht töten und nicht lügen darf, sind Sätze, von deren Wahrheit ich ebenso sehr überzeugt bin wie von einem Satz aus dem Euklid“(S.75). Reid setzt hier mathematische Fakten mit moralischen Werten gleich. Diese moralischen Grundsätze sind damit für alle Menschen verbindlich. Deshalb findet Reid es auch überflüssig die Entstehung von Moral zu hinterfragen. Sie sei gegeben durch die obersten Prinzipien der Moral. Diese obersten Prinzipien müssten nicht hergeleitet werden. Sie seien ohne Schlussfolgerung beweisfähig und wahr. Diese ewig gültigen Normen verteidigt Reid auch in seiner Kritik gegen Hume. Er prangert an, dass Hume christliche Gebote wie „ Du sollst nicht stehlen“ anzweifelt, weil in sich unverständlich seien. Das könne nach Reid nicht seien, weil dann das System der Ethik zusammenbreche. Hume verlange ebenfalls eine Herleitung zu den obersten Prinzipien der Moral. Diese seien allerdings bereits evident und sprächen für sich selbst, so Reid. Beim nächsten Kritikpunkt versucht Reid Humes’ Theorie auf den Beruf des Richters anzuwenden. Humes’ Gefühlstheorie zur Folge müsse ein Richter über seine Fälle fühlen und nicht urteilen. Deshalb sei Humes’ Theorie hinfällig, da nur der Verstand wahre Urteile abgeben könne. Generell kann sich Reid mit der emotivistischen Position nicht anfreunden.
Er betont am Ende des Textes noch mal, dass Gefühle als moralische Grundlage nicht genügen, weil sie zu willkürlich seien. Durch die regen Veränderungen der Gefühle läuft der Mensch Gefahr (…) „ dass das, was jetzt unmoralisch ist, moralisch wird und sich Tugend in Laster und Laster in Tugend verwandelt“(S.78).
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Arbeit zitieren:
Alexander Schmieding, 2008, Die emotivistische Position von David Hume , München, GRIN Verlag GmbH
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