Der Text folgt einer Abfassung aus dem Jahre 1989 und wurde neuen orthografischen Regeln angepasst. Er wurde geringfügig überarbeitet und durch Abbildungen ergänzt.
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Reinhard Borchers · Dipl.-Päd.
Johann Heinrich Pestalozzi
Einleitende biographische und ideengeschichtliche Kontexte zu seinem Leben und Werk
Inhalt
1. Biographischer Kontext ……………….. Seite 6
2. Ideengeschichtlicher Kontext …………. Seite 20
Bildnachweis ……………………………… Seite 28
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1. Biographischer Kontext
Johann Heinrich PESTALOZZI wurde am 12. Januar 1746 als Sohn des verarmten Chirurgen Johann Baptist PESTALOZZI und dessen aus begüterter Familie stammenden Frau Susanne als zweites von drei Kindern in Zürich geboren. 1 Mit fünf Jahren verlor er seinen Vater, der an einem heimtückischen Fieber starb. Fortan war seine Mutter auf die finanzielle Unterstützung durch ihre Verwandten angewiesen. 2 Trotz der bescheidenen Verhältnisse, in denen er aufwuchs, erfuhr Johann Heinrich eine zärtliche Erziehung 3 durch seine Mutter, deren Liebe ebenso wie deren protestantischpietistische Religiosität prägenden Einfluss auf ihn ausübten. 4 Jene wurde
1 Vgl. Reinert, Gert-Bodo u. Peter Cornelius: Johann Heinrich Pestalozzi. Anthropologisches Denken und Handeln. Ein Konzept für unsere Zeit. Düsseldorf, 1. Aufl., 1984, S. 12f.
2 Vgl. Soetard, Michael: Johann Heinrich Pestalozzi. Sozialreformer - Erzieher - Schöpfer der modernen Volksschule. Eine Bildbiographie. Zürich, 1987, S. 10.
3 Vgl. ebd.
4 Vgl. z. B. Pestalozzi, Johann Heinrich: Wie Gertrud ihre Kinder lehrt, ein Versuch, den Müttern Anleitung zu geben, ihre Kinderselbst zu unterrichten in Briefen, 1801, in: Ders. : Sämtliche Werke, hrsg. v. Arthur Buchenau, Eduard Spranger u. Hans Stettbacher. Berlin u. Leipzig 1927ff.), Bd. XIII, S. 349. [Im Folgenden wird die soeben zitierte Ausgabe des Gesamtwerks zugrunde gegelegt. Die römischen Ziffern verweisen auf den entsprechenden Band.) - An dieser Stelle führt die Erinnerung an die Mutter zu einem emotionalen Ausbruch während des Schreibens: „Mutter! Mutter! heilge du mir den Übergang von deinem Herzen zu dieser Welt durch die Erhaltung deines Herzens! -Lieber Freund! Ich muß schweigen, mein Herz ist gerührt, und ich sehe Tränen in meinen Augen.“
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bei der Erziehung Johann Heinrichs von der treuen Magd Babeli unterstützt, die der Familie bis zu ihrem Tode diente. 5
Das Vorherrschen weiblicher Einflüsse in seiner frühen Erziehung ist von PESTALOZZI einerseits an verschiedenen Stellen bedauert worden 6 , andererseits muss er aber die von jenen erzeugte „Wohnstubenatmosphäre“ als einen so beglückenden Umstand erfahren haben, dass er diese zu einem wesentlichen Teil seines Erziehungsverständnisses erhoben hat. 7
Nach dem Besuch der Elementarschule kam er als Sohn eines mit Bürgerrechten ausgestatteten Vaters in den Genuss höherer Bildung: 1761 trat er in das Collegium Humanitas ein, eine dem heutigen Gymnasium vergleichbare Bildungsanstalt. 8 Anschließend (1763-1765) absolvierte er ein Studi-
5 Vgl. Soetard, Michael, a. a. O. , S. 10; vgl. ferner: Reinert, Gerd-Bodo u. Peter Cornelius, a. a. O. , S.12, unter Rekurs auf Pestalozzi, XXVIII (Schwanengesang, 1826), S. 213.
6 Vgl. Pestalozzi, XXVIII, S. 212: „Mein Vater starb mir sehr frühe, und ich mangelte von meinem sechsten Jahre an in meinen Umgebungen alles, dessen die männliche Kraftbildung in diesem Alter so dringend bedarf.“; vgl. auch ebd., wo er sich als „Weiber- und Mutterkind“ bezeichnet. Vgl. auch Reinert, Gerd-Bodo u. Peter Cornelius, a. a. O. , S. 13.
7 Vgl. Pestalozzi, XIII (Über den Aufenthalt in Stanz. Briefe Pestalozzi’s an einen
Freund, 1799), S. 7f.: „Jedegute Menschenerziehung fordert, dass das Mutteraug in der Wohnstube täglich und stündlich jede Veränderung des Seelenzustandes ihres Kindes mit Sicherheit in seinem Auge, auf seinem Munde und seiner Stirn lese.“ - Das Bild seiner Mutter war für Pestalozzi sicherlich auch Vorlage für die Gestalt der Gertrud in Lienhard und Gertrud, 1781f. (vgl. Pestalozzi II u. III).
8 Vgl. Reinert, Gerd-Bodo u. Peter Cornelius, a. a. O. , S. 13.
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Dipl.-Päd. Reinhard Borchers, 1989, Johann Heinrich Pestalozzi - Einleitende biographische und ideengeschichtliche Kontexte zu seinem Leben und Werk, München, GRIN Verlag GmbH
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