In dem Text „Vergleichende Policy-Forschung“ von Manfred G. Schmidt beschäftigt sich der Autor mit einer Teildisziplin der Politikwissenschaft: Der Vergleichenden Policy-Forschung. Manfred G. Schmidt will mit seiner Arbeit Begriffsbedeutungen dieser Disziplin erarbeiten, den Gegenstandsbereich sowie die einzelnen Entwicklungsstufen als auch die Probleme der Vergleichenden Policy-Forschung deutlich machen um so eine Einordnung der Teildisziplin in die Politikwissenschaft zu ermöglichen.
Manfred G. Schmidt behandelt zunächst den Gegenstand der Vergleichenden Policy-Forschung. Dafür klärt er primär die Bedeutung des Begriffes „Policy“. Policy meint im Englischen soviel wie „Inhalt politischer Entscheidungen“ oder „politische Gestaltung“. In der Fachliteratur ist von Policy im engeren und weiteren Sinne die Rede. Im engeren Sinne meint Policy ausschließlich das Handeln von Regierungen, das mit einem Anspruch auf für alle verbindlichen Regeln erfolgt. Im weiteren Sinne umfasst Policy auch Entscheidungen anderer Akteure wie zum Beispiel die Personalpolitik in einem Unternehmen. Den Gegenstand der Vergleichenden Policy-Forschung sieht Schmidt in der Beschreibung und Erklärung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Inhalte politischer Entscheidungsprozesse in verschiedenen Staaten und Zeiträumen. Das Instrument dieser Disziplin ist der Vergleich, welcher auf einem historischen Längsschnitt, einem Querschnitt oder aus einer Kombination basiert. Der Verfasser gibt als Hintergrund der Vergleichenden Policy Forschung den Ausbau der finanz-, wirtschafts-, sozial- und umweltpolitischen Funktionen insbesondere in der angloamerikanischen
Politikwissenschaft der 60er und 70er Jahre an. Heute ist die Vergleichende Policy-Forschung eine anerkannte Disziplin der Politikwissenschaft, ein Schwerpunkt ist der internationale Vergleich von Regierungspolitiken.
Die Vergleichende Policy-Forschung erfüllt laut Schmidt verschiedene Funktionen. Mit der vergleichenden Policy-Forschung will man herausfinden, welche Produkte der politische Prozess in verschiedenen Ländern und Zeiten hervorbringt. Zudem sollen allgemeingültige Hypothesen, Theorien und sogar Prognosen aufgestellt werden können. Außerdem ist der Vergleich ein beliebtes Hilfsmittel zur Forschung in der Politikwissenschaft, da Aussagen über Grund-Folge Wirkungen nur selten über kontrollierte, wiederholbare Experimente gewonnen werden können.
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Die Vergleichende-Policy Forschung lässt sich ein ihrer Geschichte in vier Phasen unterteilen. Mit diesen Entwicklungsstufen beschäftigt sich der Autor Manfred G. Schmidt im zweiten Teil seines Textes zur Vergleichenden Policy-Forschung. Die einzelnen Phasen lassen sich laut Schmidt jeweils durch eine grundlegende Fragestellung charakterisieren. In der ersten Phase, welche in die 60er Jahre einzuordnen ist lautete die zentrale Fragestellung: „Does politics matter?“. Es wurde gefragt, ob Politik eigentlich einen Unterschied für die Inhalte politischer Entscheidungsprozesse macht. Schmidt bringt hier als alternative Beispielfrage die Überlegung ob es in einer Demokratie einen Unterschied macht, ob die Regierung von einer rechten oder von einer linken Partei gestellt wird. Für die zweite Phase der Vergleichenden Policy-Forschung kommt Schmidt zu der Erkenntnis, dass der zentrale Befund der zur zweiten Phase gehörenden Policy-Analysen war, dass Politics sowohl von sozialökonomischen als auch von politischen Determinanten gesteuert werden. Den politischen und den sozialökonomischen Faktoren kam ein gleichrangiger Status zu. Die zentrale Fragestellungen in der zweiten Phase lautete: „Wie groß ist die relative Erklärungskraft, die politische und sozialökonomische Variablen zur Erklärung von unterschiedlichen Policies beisteuern?“ Die dritte Phase in der Entwicklung der Vergleichenden Policy-Forschung sieht der Autor als eine Aufwertung der Rolle der Politik. Es gab Kritik an Phase 1 und 2, da diese sich nur auf die lineare Beziehung zwischen Input und Output stützen, aber die sich einschaltenden politischen Variablen weitgehend nicht beachten. Die zentrale Fragestellung in der dritten Phase lautete: „Auf welche Weise und im Rahmen welcher Handlungszwänge und -grenzen wird Politik (im Sinne von Policy) durch Politik (im Sinne von politics, polity) geprägt?“ In der vierten und letzten Phase, welche in den 90er Jahren anzusiedeln ist lautete die Schlüsselfrage: „Inwieweit wird die Staatstätigkeit auf nationalstaatlicher Ebene durch Vorgänge der Internationalisierung sowie der Europäisierung geprägt, und zwar in zeitlicher, sachlicher und sozialer Hinsicht?“ Manfred G. Schmidt filtert aus vielen Anworten auf diese Frage drei Antwortvarianten heraus. Laut der ersten Antwortvariante schrumpft der
Handlungsspielraum der nationalen Politik sehr stark. Die zweite Antwort sieht die nationalstaatlichen Institutionen und Kräfte in Abhängigkeit von ihren Besonderheiten in den einzelnen Staaten und misst diesen so eine stärkere Bedeutung bei. Schließlich gibt es noch eine dritte Antwortvariante, die das gemeinsame Wirken von inter-, intra- und supranationalen Bestimmungsfaktoren in Mehrebenensystemen betonen.
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Arbeit zitieren:
Florian Schaffer, 2008, Vergleichende Policy-Forschung , München, GRIN Verlag GmbH
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