Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1.) Der Vater - ein untergehender Patriarch. 5
1.1) Väterlichkeit definiert durch eine eigene Geschichte. 6
1.2) Herrscher der Häuslichkeit. 7
1.3) Untergang von Machtausübung und Männlichkeit 8
1.4) Oburn - ungeliebter Ehemann und Tauschhändler 9
2.) Männlichkeit markiert durch das Fremde 9
2.1) Männlichkeit definiert durch Tauschgeschäfte 10
2.2) Oburn - eine Autorität? 12
3.) Zwei Seiten des Begehrens - Zwei Kämpfe um männliche Integrität 14
3.1) Der Intrigant 14
3.2.) Der positive Held 14
3.3) Vergewaltigung als Machtkonflikt - Untergang alternativer Männlichkeit 15
4.) Fazit: Johanna gegen erstarrte Konzepte von Männlichkeit 16
Literaturverzeichnis. 18
2
Einleitung
Louise Aston, geb. Hoche 1 , fiel schon zu Lebzeiten durch ihr „unangemessenes“ Verhalten auf. Sie wurde, erst als Frau, später dann als Autorin emanzipatorischer und revolutionärer Schriften (Romane, Essays und Lyrik) von männlicher Seite scharf kritisiert und sogar sabotiert. 2 Die Urteile über ihre Person, haben dazu geführt, dass sie noch vor der Veröffentlichung einer ersten Zeile aus ihrer selbst gewählten Wahlheimat Berlin verwiesen wurde. Man(n) warf ihr folgendes vor, nämlich dass sie: „Ideen geäußert, und ins Leben rufen wolle, welche für die bürgerliche Ruhe und Ordnung gefährlich seien“. 3 Astons Publikationszeit erstreckte sich auf einen schmalen Zeitraum von zwei Jahren von 1849 bis 1850 4 . Die Aufmerksamkeit auf ihr Werk zur Publikationszeit war eher aus kritischen Quellen zu entnehmen, da ihr erster Roman Aus dem Leben einer Frau 5 stark biographisch gefärbt erschien und man in diesem Werk einen möglichen Anreiz zur Nachahmung sah. Deshalb stand man dem Roman sehr skeptisch gegenüber. Überhaupt wurde Astons „Einsatz für Frauen und Arbeiter sowie ihre Beteiligung an den 48er Barrikadenkämpfen als bloße Sensationslust oder überspannte Renommiersucht mißdeutet“. 6 Die Aktionen der Autorin wurden also eher als Narzissmus verspottet, als das man ihren literarischen Bemerkungen größere Aufmerksamkeit entgegen gebracht hätte. Astons Werk wurde nicht in einen literarisch-klassischen Kanon aufgenommen, weswegen die Publikationslage analytischer Schriften über ihre Arbeiten eher rar ist.
Das Genre ihres Werkes ist der Tendenzliteratur des Vormärz zuzuordnen. Sie schrieb in der Gattung des trivialen Romans. Karlheinz Fingerhut bemerkt dazu: „Über Handlungsspannung und Illusionsbildung sollen einem Publikum, das Trivialliteratur zu lesen gewohnt ist, neue politische Sichtweisen nahegebracht werden.“ 7 Die Autorin benutzte den trivialen Stil, um
1 Vgl. In: Allgemeine deutsche Biographie. Bd. 52. Leipzig 1906. S. 294. Und in: Blos, Anna: Frauen der deutschen Revolution 1848. Zehn Lebensbilder und ein Vorwort. Dresden 1928. S. 25.
2 Fingerhut, Karlheinz (Hg.): Nachwort. In: Louise Aston: Ein Lesebuch. Gedichte, Romane, Schriften in Auswahl (1846-1849). Stuttgart Hans-Dieter Heinz Akademischer Verlag, 1983. S. 148f.
3 Zitiert nach Möhrmann, Renate: Das groteske Finale. Louise Astons Ausweisung. In. Möhrmann, Renate (Hg.): Die andere Frau. Emanzipationsansätze deutscher Schriftstellerinnen im Vorfeld der Achtundvierziger-Revolution. Stuttgart Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, 1977. S. 145. Möhrmann zitierte nach Aston, Louise: Meine Emanzipation - Verweisung und Rechtfertigung. Brüssel 1846. S. 18.
4 S. Allgemeine dtsch. Biographie 1906. S. 295.
5 Aston, Louise: Aus dem Leben einer Frau. Fingerhut, Karlheinz (Hg.). Stuttgart Akademischer Verlag, 1982. Anm.: Im Folgenden wird aus dem behandelten Werk zitiert und die Seitenzahl des kursiv gesetzten Zitates folgt nach dem Zitar in Klammern ohne weitere Kürzel.
6 Möhrmann 1977. S. 144.
7 Fingerhut. Karlheinz: Das Porletariat im bürgerlichen Unterhaltungsroman: Über Louise Aston (1814-1871). In: Die Horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik, 30/1 1985. S. 40.
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einen Leserkreis zu erreichen, der nicht in Ämtern oder Universitäten saß. Es ging ihr vielmehr um die Vermittlung ihrer Gedanken und den Anspruch, ein politisches Bewusstsein zu schaffen oder zu fördern. Besonders die Rezeption männlicher Kanonkonstrukteure muss als Ursache für die „triviale“ Wirkung, die Louise Astons Texten zugesprochen wird, erkannt werden. Der innovative Versuch einer Darstellung der Emanzipation einer Frau und ihr Kampf gegen ein besitz- und triebgesteuertes Patriarchat wird oftmals marginalisiert oder gänzlich verkannt.
Für die Literaturwissenschaft ist es sehr irritierend, dass die Lebensart der Autorin in der schmalen Werkinterpretation oft eine dominantere Rolle einzunehmen scheint, als die Betrachtung ihrer Texte für sich. Diese Auffälligkeit kann in mangelhaften „analytischen“ Texten von Ruth-Esther Geiger (1981) 8 oder Anna Blos (1928) 9 deutlich erkannt werden. Auch ältere lexikalische Beiträge zeugen von diesem „Interpretationsproblem“. 10 Die Masse an Interpretationen von Louise Astons Werk und ihres Romans Aus dem Leben einer Frau hat sich bis zum Jahr 2007 kaum gesteigert. Unter den Rezeptionen befindet sich die herausragende Arbeit von Renate Möhrmann: „Die andere Frau“ 11 . In dieser Arbeit wird ein Aspekt betrachtet, den es in der Forschung zu Astonschen Texte noch nicht gab. Der Fokus der Analyse richtet sich auf die Konstruktionen der männlichen Figuren in Aus dem Leben einer Frau. Deshalb ist diese Analyse in folgende Abschnitte unterteilt: Als erstes soll der Vater und dessen Verhaltensmuster analysiert werden. Die Frage nach dem letzten Akt einer greisen Männlichkeit wird versucht, zu beantworten. Darauf folgt die Beleuchtung des Ehegatten Oburn, der ein Meister des Tausches ist - auch was seine Frau angeht. Wieweit er damit Erfolg hat und inwiefern er als autoritäre und hegemoniale Männlichkeit funktioniert, soll erklärt werden. Die letzten Männlichkeiten werden der Prinz C** und Eduard von Stein sein, die einander als Konzepte verschiedener Männlichkeiten gegenüber gestellt werden sollen. Das abschließende Fazit führt die analysierten Männlichkeiten noch einmal zusammen und soll zeigen, inwieweit diese schematisch skizzierten Männertypen wichtig für die Protagonisten Johanna waren, um sie aus ihrem Objektstatus in den individuelleren Subjektstatus einer freien Frau zu führen.
8 Geiger, Ruth-Esther: Louise Aston 1818-1871. In: Schultz, Hans Jürgen: Frauen. Portraits aus zwei Jahrhunderten. Stuttgart 1981.
9 Blos 1828.
10 Bsp.: „Jedenfalls bleibt die ‚Luise Aston‘ als eine seltsame Erscheinung interessant“. In: Allgemeine deutsche Biographie. Bd. 52. Leipzig 1906, S. 294-296.
11 Möhrmann 1977.
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1.) Der Vater - ein untergehender Patriarch
Der Roman Aus dem Leben einer Frau ist ein Figurenroman. Die dargestellten Protagonisten - vier Männer und eine Frau - werden schematisiert dargestellt. Mann kann die Protagonisten in verschiedene Verhaltensmustern unterteilen. Barbara Wimmer sagt dazu: „Erscheinungsbild und Charakter stimmen völlig überein“ 12 . So erscheint der Vater als unbarmherziger Vollstrecker des Schicksals seiner Tochter und als Patriarch. Ihr späterer Ehemann ist von der Sucht nach Besitzt und Luxus gesteuert. Der später auftauchende Prinz ist ein narzistischer Egomane und der Retter von Johanna, Eduard von Stein, stellt die sensible Alternative zu unabänderlicher männlicher Verfügungsgewalt dar. Johanna selbst wird so zum Spielball der Männer, nimmt ihre eigene Position aber nicht immer willenlos hin. Der Charakter der Figuren sowie ihre Art zu reden und zu handeln, bleibt bei Männern (Eduard als Ausnahme) im gesamten Handlungsverlauf bestehen - bei ihnen existieren keine Brüche oder Entwicklungen. Und bis auf Eduard von Stein reflektiert auch keine der Figuren ihre Handlung. Alle Männer arbeiten stringent auf ihr Ziel hin - sei es aus Gründen des sexuellen Triebes oder der materiellen Besitzsucht. Stringent gehen sie ihren Weg und nehmen dafür jede Art von moralischen Verstöße in Kauf.
Aus dem Leben einer Frau ist in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil wird die Familie der Protagonistin von Seite 1 bis Seite 18 zum einzigen Handlungsraum. Die Handlung findet im Elternhaus der Hauptfigur statt - sie und ihr Vater stehen hier im Mittelpunkt. Im Dialog besitzt der Vater die größten Redeanteile. Johanna ist mit der Verheiratung an einen reichen Industriellen nicht einverstanden und will das Familienoberhaupt von der Richtigkeit ihrer Entscheidung überzeugen - ihr Vater akzeptiert aber eigenständige Entscheidungen der Tochter nicht und es kommt zum Konflikt. Durch die Art der Darstellung des Vaters und seiner Beziehung zu der Tochter wird seine Vormachtstellung deutlich. Die Protagonistin wird hier zum ersten Mal im Roman durch einen Mann in ihren „weiblichen“ Aufgabenbereich - nämlich den der Ehe, eingeführt.
12 Wimmer, Barbara: Die Vormärzschriftstellerin Louise Aston. Selbst- und Zeiterfahrungen. Frankfurt a. M. 1993, Europäische Hochschulschriften: Rühe 1, Deutsche Sprache und Literatur, 1424. S. 16.
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1.1) Väterlichkeit definiert durch eine eigene Geschichte
Im ersten Kapitel sitzen Vater und Tochter in einer Art Tableau bei einander. Der Patriarch „thront“ auf seinem Stuhl in der Mitte des Raumes und Johanna kniet zu seinen Füßen: Vor diesem Greise [Anm.: dem Vater] knieete ein liebliches Mädchen von siebzehn Jahren. (vgl. S. 3). Schon durch die Stellung der Figuren kann eine Veranschaulichung von patriarchalischer Macht erkannt werden. Der Vater sitzt „über“ der Tochter; sie liegt ihm „zu Füßen“. Dadurch wird die männliche Gewalt als Familienoberhaupt symbolisiert. Das Tableau befindet sich in einem spartanisch eingerichteten Raum, da es der Familie an finanziellen Mitteln fehlt: Ein blankgebohnter Nußbaumtisch, drei geflochtene kleine Rohrsessel, ein Spielgel in Duodezform bildeten mit dem Sopha das ganze Meublement. (S. 4) Doch die einfache Idylle ist nur Oberfläche und dient zum starken Kontrast des Konflikts. Johanna ist die benachteiligte Verteidigerin ihrer Rechte und ihr Vater ist der unnachgiebige Vollstrecker. Die Pfarrhauswohnung erscheint wie eine abgeschlossene Sphäre. Die Darstellung des Vaters bedient eine Interpretation Männlichkeitskonzeptes von Erhart: „Während Weiblichkeit nach 1800 zumeist auf immanente Geschlechtseigenschaften zurückgeführt wird, erwirbt man sich Männlichkeit durch die angeeignete Form einer männlichen Geschichte“ 13 . Tatsächlich versucht der Vater den Befehl einer Hochzeit an seine Tochter durch die Erzählung „seiner“ Lebensgeschichte zu verstärken. Ausgiebig erzählt er, dass er eine Liebesheirat vollzogen hat und dadurch sich und seine Frau in großes Unglück stürzte: ‚Deine Mutter ist edel und liebenswürdig; - dennoch waren wir Beide elend; deine Mutter, weil sie alle gewohnten Annehmlichkeiten des Lebens entbehren mußte; ich, weil ich nicht im Stande war, sie ihr zu verschaffen‘. (S. 11) Die Figur des Vaters ist durch das Erzählen der Geschichte charakterisiert. Der Vater fühlt sich als Versager, weil er seiner Frau und sich selbst nicht den Reichtum erarbeiten konnte, den er sich für ein befriedigendes Leben erhofft hatte. Nun will er dieses Versagen durch die Verheiratung seiner Tochter ausgleichen. Durch das Weiterreichen seiner Lebenserfahrungen an Johanna, übergibt er ihr gleichzeitig das schwere Erbe, aus einem einfachen Leben ein „besseres“ zu machen. Als Vater und Richter widerfährt ihm hier allerdings eine zweifache Nichterfüllung der an ihn gestellten Ansprüche. Er hält sein eigenes Leben für wertlos, weil er es in keine finanziell besser gestellte Position bringen konnte. Das ist der erste Punkt seiner Nichterfüllung, die er nun seinem Kind aufbürdet. Der zweite ist, dass er meint, seiner Tochter diese Schmach ersparen zu müssen und dass er nicht den Fehler erkennt, sie
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Arbeit zitieren:
Jana Muschick, 2007, Darstellung der männlichen Figuren in Louise Astons "Aus dem Leben einer Frau", München, GRIN Verlag GmbH
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