Einleitung 3
Hauptteil. 4
Literarische und politische Orientierung Wittenwilers. 4
1. )
2.) Der Familienrat (Mätzlis Seite, Vs. 3616-5200) 6
2. 1) Die Debatte über den perfekten Ehemann (Vs. 3645 - 3777) 7
2.2) Bertschis Examinierung (Vs. 3782- 3835) 8
2.3) Der Schülerspiegel (Vs. 3836-3931) 9
2.4) Das Laiendoktrinal (Vs. 3932-4187) 10
2.5) Die Gesundheitslehre (Vs. 4188-4401) 12
2.6) Die Tugendlehre (Vs. 4402-4950) 13
2.7) Die Haushaltslehre (Vs. 4951- 5200) 14
Fazit 16
Literaturverzeichnis. 17
2
Einleitung
Das Thema Ehe, mit dem immanenten Problem, diese auch vollziehen zu dürfen, durchzieht die Literatur des Mittelalters (MA). Es oblag den Eheleuten nicht allein, einer Hochzeit zuzustimmen - besonders die Familie musste das Für und Wider einer Verbindung abwägen 1 . Wittenwilers ‚Ring‘ ist ein prägnantes Beispiel für Literatur, die sich mit der Eheproblematik auseinander setzt. Exemplarisch wird der Versuch von Bertschi Triefnas beschrieben, der Mätzli Rüerenzumph in den heiligen Stand der Ehe führen will. Mit dem Anspruch (Vs. 10ff.):
schafft Heinrich von Wittenwiler eine Art Enzyklopädie in der das Leben der gpauren beispielhaft als Vorbild oder ex negativo dargestellt wird. Der Rezipient findet in diesem Buch nutz, tagalt oder mär (Vs. 50f). Durch die Unterstreichung der Textpassagen mit roten Linien wird das Werk in lehrhafte Partien eingeteilt. Die grünen dienen der Veranschaulichung von törpelleben (Vs. 41).
Anfänglich sollen Heinrich Wittenwilers Leben und sein Umfeld dargestellt werden, um die Umstände zu erkennen, unter denen der ‚Ring‘ geschrieben wurde. So wird die Entscheidung, am Exempel der gpauren didaktisch zu wirken ersichtlicher. Ein alleiniger biographischer Anspruch wird nicht erhoben. Die Intention der Dichtung kann unter mittelalterlichen Gesichtspunkten, schließlich wurde das Werk vor nahezu 600 Jahren verfasst, besser herauskristallisiert werden.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Familienrat unter Mätzlis Sippe. Die lehrhaften Partien sollen analysiert werden. Hier tun sich einige Fragen auf: Inwiefern passt der bäuerliche Rahmen zu den Unterweisungen und welche konzeptionellen Mittel benutzt Wittenwiler? Welches Publikum soll durch den ‚Ring‘, auch mittels der Allegorie, angesprochen werden. Und, vor allem, wie reagiert der Protagonist auf die Lehren - wird er sich in Zukunft nach ihnen richten oder sind sie nutzlos für den gpauren Bertschi?
1 In ritterlichen Romanen (Bsp.: Wolfram v. Eschenbachs ‚Parzival‘) tritt die Bedingung, den Rat der Eltern auf Grund der Hochzeit heranzuziehen, zurück. Verliebte und heiratswillige Personen haben ihre Eltern meist schon durch einen Krieg oder eine ritterliche Tjost verloren.
2 Wittenwiler, Heinrich: Der Ring. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart 1999. Im folgenden wird bei den zitierten Versen des ‚Ring‘ die Verszahl angegeben.
3
Hauptteil
1.) Literarische und politische Orientierung Wittenwilers
Heinrich Wittenwilers Dichtung ‚Der Ring‘ ist ein didaktisch - burleskes Epos, einzigartig in Größe und Form. Es entstand wahrscheinlich um 1408/10 in Konstanz 3 . Das besondere an dem Epos ist, dass es keiner der im Mittelalter üblichen epischen und didaktischen Großformen ohne weiteres zuzuordnen ist 4 . Ältere ‚Ring‘- Forschungen plädierten für die Formlosigkeit des Werkes 5 und kritisierten den Mangel an einheitlicher Komposition und die Stilllosigkeit 6 . Oft war es das anstößige Vokabular, das der Ästhetik des 20. Jahrhunderts widersprach 7 . Im ‚Ring‘ besteht die Tendenz zur christlichen Morallehre 8 , was sich durch die Anrufung Gottes im Prolog, dem Laienspiegel, den Sakramente u. ä. theologischer Einschübe belegen lässt. Der in der mittelalterlichen literarischen Dichtung auftretende Aspekt der Erlösung durch heilsgeschichtliche Erfahrungen tritt im ‚Ring‘ nicht als beispielhaftes Kernthema auf 9 . Diese Erfahrungen werden durch didaktische Partien und törpelleben ersetzt. Die Bedeutung der Laster 10 seiner Protagonisten scheint dem Autor wichtiger, als eine streng christliche Konzeption mit gutem göttlichen Ausgang. Wahrscheinlich war die Heilsgeschichte zu Beginn des 15. Jahrhunderts so oft durchexerziert worden, dass es Wittenwiler nicht für nötig hielt, ein weiteres Epos in die Welt zu setzten.
Das Interesse des Autors lag nicht auf Seiten des Klerus: als Hofmeister der Kurie 11 setzte er sich mit Recht und Justiz auseinander. Die Thematisierung gerichtlicher Aspekten war, auf Grund von Familienfehden und der Inquisition, nützlich für die Menschen des Mittelalters. Sie konnten so gerichtliches Benehmen und angemessene Rhetorik erlernen 12 .
3 Vorwort. In.: Wittenwiler, Heinrich: Der Ring. Stuttgart 1991. S. 3.
4 Ebd.
5 Vgl. Vertreter der Formlosigkeit des Ring. In.: Heuristische Überlegungen. In.: Arpad, Stephan Andeánszky (Hg.): Topos und Funktion - Probleme der literarischen Transformation in Heinrich Wittenwilers ‚Ring‘. 1. Aufl. Bonn 1977. S. 29.
6 Ebd.
7 Ästhetik: seit dem 18. Jahrhundert manifestiert. Deshalb darf sie nicht auf Wittenwilers Zeit bezogen werden.
8 Heinrich Wittenwiler und die Tradition. In.: Lutz, Eckart Conrad (Hg.): Spiritualis Fornicatio: Heinrich Wittenwiler, seine Welt und sein ‚Ring‘. Sigmaringen 1990. S. 408.
9 Bertschis Leben als Einsiedler, was den Ausgang des Buches beschreibt, ist in der Forschung umstritten. Allerdings weist das Epos keineswegs auf einen erlösenden Ausgang hin. Im Gegenteil: es ist eher auf einen Untergang hin konzipiert.
10 Ebd.
11 Nachwort. In.: Wittenwiler: Der Ring. Stuttgart 1991. S. 655.
12 Siehe Mittler, Elmar: Das Recht in Heinrich Wittenwilers ‚Ring‘. Freiburg zu Breisgau 1967. S. 35.
4
Seit jüngster Zeit beruft sich die ‚Ring‘- Forschung darauf, Wittenwilers Werk allegorisch zu lesen 13 . Wittenwiler arbeitete als Jurist in gehobener Position am Konstanzer Hof 14 . Dieser Hof war eines der wichtigsten Machtzentren 15 in Europa und soll sich an Österreich und dessen Landadel orientiert haben 16 . Wittenwiler selbst lebte in dieser Zeit des Umbruchs in adeligen Kreisen. Schließlich sahen sich die Herzöge von Österreich und der mit ihnen verbündete Adel der zunehmenden Opposition der Bauernbünde gegenüber [...]“ 17 . Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Österreich und dem Bund aus Appenzellern und Schwyzern. 18 Seit dieser Zeit wurden [d]ie Gegner der Adelsherrschaft [...] generell geburen ‚Bauern‘ genannt 19 . Allerdings wird der Appenzeller Krieg im ‚Ring‘ nicht zum Programm. Wittenwiler verspottet die Feinde des adeligen Systems alle-gorisch, indem er sie zu gpauren macht 20 (Vs. 43 f.):
Ein Zeichen für Wittenwilers literarische Orientierung [ist seine] Anlehnung an die lateinisch allegorische Dichtungstradition 21 . Nach Frank Fürbeth orientiert sich die dreiteilige Grundstruktur des ‚Ring‘ [...] an dem aristotelisch - scholastischen Modell der ‚philosophia practica‘, das das menschliche Handlungswissen in die drei Bereiche der ‚ethica‘, ‚oeconomica‘ und ‚politica‘ ordnet 22 . Im ‚Ring‘ sollen die richtigen Verhaltensweisen mittels ‚doctrinae‘ und ‚exempla‘ 23 veranschaulicht werden. Die Lehren sind in die falsche Welt der gpauren eingesetzt. Der ländliche Rahmen ist jedoch nicht für ein bäuerliches Publikum gewählt -Wittenwiler kritisiert mit Hilfe der Allegorie die standesunangemessene Selbsterhöhung der Bauern 24 .
13 Der ‚Ring‘ ist bisher nicht allegorisch gelesen worden, und blieb von daher bei Überlegungen zur Allegorie im Mittelalter unberücksichtigt. Siehe: Lutz 1990. S. 223.
14 Ebd. S. 215
15 Ebd.
16 Vgl. ebd.
17 Der Autor, die Zeitumstände am Bodenseeraum, die Datierung. In.: Nachwort. In.: Wittenwiler: Der Ring. Reclam 1999. S. 657.
18 Vgl. Wittenwiler, Heinrich: Der Ring. Reclam 1999. S. 657. Lutz 1990. S. 216.
19 Wittenwiler: Der Ring. Reclam 1999. S. 657.
20 Vgl. Lutz 1990. S. 219.
21 Wittenwiler und die Tradition. In.: Lutz: Spiritualis Fornicatio. 1990. S. 412.
22 Fürbeth, Frank Nutzt, tagalt oder mär. Das wissensorganisierende Paradigma der philosophia practica als literarisches Mittel der Sinnstiftung in Heinrich Wittenwilers ‚Ring‘. In DVjs 76 (2002). S. 497.
23 Ebd.
24 Ebd.
5
Arbeit zitieren:
Jana Muschick, 2003, Der Familienrat unter Mätzlis Sippe in Heinrich Wittenwilers "Ring", München, GRIN Verlag GmbH
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