Aristoteles, Politik: Achtes Buch
Einleitung
Als allgemeine Bemerkung ist voranzustellen, dass das Achte Buch von Aristoteles’ Politik aufgebaut ist wie ein Dialog. Allerdings ist es ein Dialog mit nur einem Gesprächspartner. Aristoteles stellt immer wieder Streitfragen zur Debatte, auf die er dann im weiteren Verlauf seiner Erläuterungen selbst antwortet. Die folgende Ausarbeitung ist nach den sieben Kapiteln des Buches gegliedert und die Überschriften wurden von mir übernommen. Die verwendeten Zitate stammen aus der folgenden Ausgabe: Aristoteles, Politik. Reclam 2003, übersetzt von Franz F. Schwarz.
1) Erziehung und Staat
Im ersten Kapitel des Achten Buches erläutert Aristoteles zunächst einige allgemeine Aspekte der Erziehung. Eines der wichtigsten Merkmale einer guten Erziehung ist nach Aristoteles der Umstand, dass sie mit Rücksicht auf die jeweilige Staatsverfassung stattfinden soll, da die Verfassung in ihrer Wesensart zu erhalten sei. Weiterhin müsse für alle Bürger eines Staates die Erziehung dieselbe sein, da jeder Staat ein Ziel habe, auf welches alle Bürger gemeinsam hinarbeiten. Dieses angestrebte Ziel sei das beste Leben bzw. ein tugendhaftes Leben für alle Bürger eines Staates. „Und weil es für jeden Staat nur ein Ziel gibt, muß offenbar auch die
Erziehung ein und dieselbe sein für alle Bürger, und ebenso muß die Obsorge
um sie gemeinsam sein und nicht privat, ...“ (1337a)
Die Erziehung soll nach Aristoteles einheitlich sein, da die Bürger eines Staates Teil desselben seien und nicht sich selbst gehörten. Wer sich also um den einzelnen Bürger sorge, sorge sich zugleich um das Wohlergehen des gesamten Staates.
Erziehung ist somit für Aristoteles eine staatliche Angelegenheit, nicht eine private. Dies bedeutet zugleich, dass die Art der Erziehung durch Gesetze festgelegt werden muss, damit eine rechtliche Grundlage zur Vereinheitlichung der Erziehungsmethoden vorhanden ist.
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2) Ziele der Erziehung
Im zweiten Kapitel formuliert Aristoteles eine Streitfrage über Inhalt und Form der Erziehung im Staat: Soll die Erziehung ihrer Form nach eher auf das Denken angelegt sein oder eher auf das Wesen der Seele? Soll inhaltlich eher das gelehrt werden, was für das Leben oder für die Tugend von Nutzen ist?
Aristoteles spaltet seine gesamte Stellungnahme zum Problem der Erziehung in immer feiner verzweigte Streitfragen auf. So erwähnt er beispielsweise, dass ebenso über den Begriff der Tugend, der in der obigen Frage auftaucht, Uneinigkeit herrsche, da nicht alle Menschen unter ‚Tugend’ dasselbe verstünden.
Ich werde allerdings in meiner Ausarbeitung nicht auf alle von Aristoteles formulierten Fragen gleich stark eingehen und manche eventuell ganz außen vor lassen.
Zunächst antwortet Aristoteles auf die Frage nach den Lerninhalten. Hierfür unterteilt er Tätigkeiten in Arbeiten der Freien und der Unfreien. Seiner Ansicht nach soll vom Notwendigen das Nützliche gelernt werden; aber nur insofern es den Tätigen nicht in den Bereich des Unfreien bringt. Dies bedeutet also, dass Arbeiten, die von den Sklaven zu verrichten sind, in der erzieherischen Tätigkeit außen vor gelassen werden. Nach meinem Verständnis erscheint hier das für Aristoteles typische ‚Mittelmaß’ zwischen zwei Polen. Es gilt hier einen Mittelweg zu finden zwischen vollkommener Muße und sklavischer Arbeit. „Es gibt aber auch von den Wissenschaften, die eines Freien würdig sind, einige, an denen bis zu einem gewissen Grad teilzunehmen nicht unwürdig ist, doch ein allzu genaues Brüten darüber ist den bereits erörterten Schäden unterworfen.“ (1337b)
Eine weitere grundlegende Unterscheidung, die Aristoteles im zweiten Kapitel vornimmt, liegt bei der Motivation des Lernens. Einerseits gibt es das Lernen, das eines Freien würdig ist. Dies ist das Lernen um seiner selbst willen oder für Freunde oder für die Tugend. Andererseits gibt es das sklavische Lernen, von welchem immer dann zu sprechen ist, wenn auf Veranlassung anderer gelernt wird.
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Hier stellt sich nun eine grundlegende pädagogische Frage: Wenn per Gesetz Form und Inhalt dessen festgelegt wird, was gelernt werden soll, lernt man dann nicht von vornherein auf Veranlassung anderer? Wie man erkennen kann, taucht schon zu Zeiten Aristoteles dieses Spannungsverhältnis auf, aus dem die Pädagogik bis heute zum Großteil besteht und welches von Kant mit den Worten formuliert wurde: Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange? Aristoteles selbst sieht diese Dialektik auch und bietet als Lösung das Erlernen der Muße an, worauf er im dritten Kapitel des Achten Buches näher eingeht.
3) Unterrichtsgegenstände und Muße
Aristoteles unterteilt nach alter Manier (Er bezieht sich im Text auf die „Altvorderen“. 1337b) die Unterrichtsgegenstände in vier Fächer: Lesen und Schreiben, Zeichnen und Malen, Körperertüchtigung und künstlerische Bildung. Hierbei erwähnt er zugleich, dass die beiden Paarfächer Lesen und Schreiben sowie Zeichnen und Malen für das Leben nützlich seien, indem sie zum Kapitalerwerb, zur Hausverwaltung, für staatsbürgerliche Handlungen sowie zum richtigen Beurteilen von Handwerkern eingesetzt werden. Aufgrund der Aufzählungen im Text nehme ich an, dass die Mathematik dem Bereich Zeichnen und Malen zuzuordnen ist. Auf diese grundlegenden Fächer geht Aristoteles im Laufe des Kapitels jedoch nicht mehr näher ein, woraus ich schließe, dass die genauen Formen und Inhalte zu seiner Zeit so selbstverständlich und bereits einheitlich waren, dass es ihm schlicht nicht nötig schien, Näheres hinzuzufügen.
Das erste Fach, welches Aristoteles im vierten Kapitel näher beschreibt, ist die Körperertüchtigung. Hier scheinen seiner Ansicht nach genauere Beschreibungen und Festlegungen angebracht, da die Ausübung der Gymnastik ansonsten den Heranwachsenden mehr schadet als nützt. Hierauf komme ich nachher noch einmal zurück. Nach Aufzählung der Unterrichtsfächer erwähnt Aristoteles zunächst die Wichtigkeit der richtigen Muße, die nach seiner Aussage neben der Arbeit einen notwendigen Teil des Lebens ausmache. Die Muße erfülle keinen
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Arbeit zitieren:
Jasmin Frank, 2007, Aristoteles: Politik, Achtes Buch - Über Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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