1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars in Modul 02 „Entwicklung der sozialen Arbeit dargestellt am Arbeitsfeld der Bewährungshilfe“ ‚Jugendliche Gewalttäter als Klienten der Bewährungshilfe’ entschieden.
Werden Jugendliche gewalttätig, das heißt kriminell, können verschiedene Rechtsfolgen auf sie zukommen. Viel wichtiger ist es jedoch, nach den Hintergründen des gewalttätigen Verhaltens zu fragen, um Möglichkeiten zu erkennen, dieses soziale Problem unserer Gesellschaft erfolgreich zu lösen oder zumindest zu verringern. Erfolgreich heißt in diesem Zusammenhang, den Jugendlichen zu resozialisieren, ihm also zu einem konformem und sozial akzeptiertem Leben zu verhelfen.
Aus diesem Grund werde ich die Gliederung meiner Hausarbeit wie folgt gestalten.
Ich werde zunächst grundsätzlich auf das Thema Jugendkriminalität eingehen. In diesem Zusammenhang werde ich mich mit der Entwicklung Jugendlicher zu einem gewalttätig ausgeführten Verhalten beschäftigen und weiterhin einige Theorien zur Erklärung dieser Verhaltensweisen vorstellen. Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit dem Hauptthema Rechtfolgen. Hier werde ich zunächst allgemein auf formelle Rechtsfolgen, die eintreten können, wenn ein Jugendlicher gewalttätig wird, eingehen. Weiterhin werde ich dieses Kapitel in den Teilaspekt Jugendbewährungshilfe und dessen allgemeine Beschreibung einteilen und mich anschließend mit den ambulanten Maßnahmen beschäftigen. Hierbei werde ich den ‚Täter-Opfer-Ausgleich’ und die soziale Gruppenarbeit kurz vorstellen.
Der letzte Punkt beinhaltet eine Gegenüberstellung von Jugendarrest und ambulanten Maßnahmen.
Das anschließende Fazit soll einen kleinen Ausblick auf die momentane und zukünftige Situation des Themas geben.
2. Jugendkriminalität
„Jugendkriminalität ist die Gesamtheit aller Straftaten Jugendlicher und Heranwachsender“ (Sonnen 2003, S.72). Darin eingeschlossen sind registrierte Straftaten der Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren und Heranwachsende
im Alter von 18 bis 21 Jahren. Der offiziell registrierte Teil der Jugendkriminalität ist abhängig von der Anzeigenbereitschaft der Opfer, der Arbeit der Polizei und der Wertung des Gerichtes. Das bedeutet also, dass der Begriff Kriminalität erst durch die Instanzen strafrechtlicher Kontrolle definiert wird (vgl. Sonnen 2003, S.73). Im Jahr 2001 beispielsweise wurden 6.363.865 Straftaten begangen und 2.280.611 Tatverdächtige festgenommen. Darunter fielen 13,1 % Jugendliche und 10,8 % Heranwachende zum Zeitpunkt der Tat.
Bei allen Straftaten liegt das Bestreben der Gesellschaft darin, die Einhaltung der jeweiligen Normen dadurch zu erreichen, dass bei Missachtung eine bestimmte Form von Sanktion in Erscheinung tritt. Das Ziel ist zum einen, das Verhalten des Täters zu ändern, entweder durch Einsicht oder durch Freiheitsentzug und zum anderen, dass der Staat seinen Bürgern deutlich machen will, dass er handelt und vor Sanktionen nicht zurückschreckt (vgl. Pfeiffer 1982, S. 5 ff). Jugendspezifische Delikte sind beispielsweise Diebstahldelikte, Raubdelikte, Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungsdelikte und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Im Bereich der Gewalttaten Jugendlicher lassen sich grundsätzlich Körperverletzungs- und Sachbeschädigungsdelikte nennen. Von insgesamt 228200 Straftaten deutscher und nichtdeutscher Jugendlicher in den alten Bundesländern im Jahr 2001 konnten 76681 der Straftatengruppe Köperverletzung oder Sachbeschädigung zugeordnet werden (Polizeiliche Kriminalstatistik 2001).
Es stellt sich nun die Frage, warum Jugendliche teilweise delinquent und gewalttätig werden und worauf dieses abweichende Verhalten zurückzuführen ist.
2.1 Entwicklung junger Menschen
Der Begriff Jugend wird grundsätzlich für die Phase zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter verwendet (Sonnen 2003, S.71). Das heißt, dass in der heutigen Zeit die Jugend als eigenständige Phase angesehen wird, in welcher Jugendliche verschiedene Entwicklungsaufgaben durchlaufen müssen, um eine eigene personelle und soziale Identität entwickeln zu können. Unter Entwicklungsaufgaben versteht man kulturelle und gesellschaftliche Anforderungen, die an Individuen einer bestimmten Altersstufe gestellt werden. Auch die persönlichen Normen und Ziele und die biologischen Reife beeinflussen diese Entwicklung. Wenn die Entwicklungsaufgaben erfolgreich bewältigt werden, entsteht ein positives Gefühl, welches maßgeblich für die Bewältigung nachfolgender Entwicklungsaufgaben verantwortlich ist. Es
kann aber auch zu einer Nicht-Bewältigung kommen. Dies kann zum einen zum Unglücklichsein und zum anderen zur Missbilligung durch die Gesellschaft führen.
Wichtige Entwicklungsaufgaben, die ein Jugendlicher bewältigen muss, sind -nach Havighurst (1948)- vor allem die Identitätsentwicklung, der Aufbau von neuen und reiferen Beziehungen zu Altergenossen beiderlei Geschlechts, das Internalisieren eines moralischen und ethischen Bewusstseins, das Akzeptieren der eigenen körperlichen Veränderungen, die Vorbereitung und Auseinandersetzung mit der Zukunft und ein sozial verantwortliches Handeln zu erstreben.
Das heißt also, das die Jugendphase eine Phase des „biologischen, psychologischen und soziologischen Übergangs“ (Sonnen 2003, S. 71) ist. In diesem Prozess der Sozialisation erwirbt der Jugendliche die oben genannten Entwicklungsaufgaben und Handlungskompetenzen.
Empirische Befunde zum Thema Jugendkriminalität geben an, dass es sich in den meisten Fällen, in denen Jugendliche Straftaten begehen, um einen episodenhaften Verlauf handelt oder auf Bagatelleverstöße zu reduzieren ist (Pfeiffer 1982, S.8). Das heißt also, dass diese Täter entweder gar nicht registriert werden oder nur ein- bis zweimal und dann nicht mehr in Erscheinung treten. Dieser Episodencharakter von Jugendkriminalität ist weitgehend auf die oben beschriebenen Entwicklungsaufgaben zurückzuführen. Der Anpassungsprozess, in dem die Jugendlichen sich befinden, ist meist von internen und externen Konflikten gekennzeichnet. Sie durchleben einen Prozess des Experimentierens und testen Grenzen aus. Somit konnte festgestellt werden dass im Durchschnitt über 90 % der Jungen und jungen Männer bereits eine illegale Handlung begangen haben (Nickolai 1993, S. 29). Die Entwicklung zur Konformität wird dadurch beeinflusst, dass die Jugendlichen erst durch den Prozess des Erwachsenwerdens die für die Identitätsentwicklung notwendige Selbstständigkeit erlangt haben. Sobald der Jugendliche das Gefühl hat, selbst sein Leben strukturieren zu können, wird das Bedürfnis schwächer, sich durch aggressives und gewalttätiges Verhalten zu profilieren. Auch erhöht sich im Zusammenhang mit dem Älterwerden und der schulischen Ausbildung das Einkommen der Jugendlichen und sie haben keinen Grund mehr, sich auf kriminelle Art und Weise Güter zu verschaffen.
Grundsätzlich ist der Aspekt wichtig, dass sich für viele Jugendliche im Verlauf des Reifungsprozesses die Lebensperspektiven klären und sie die erforderlichen Kompetenzen erwerben und dadurch zu einer eigenen Identität gelangen.
Aufgrund dessen werden Unsicherheiten, die durch Gewalttaten kompensiert wurden, schwächer und die Möglichkeit für ein konformes Leben in der Gesellschaft ist gegeben.
Da es jedoch auch Gewalttaten von Jugendlichen gibt, die mehrfach ausgeführt werden und die somit strafrechtlich geahndet werden, gibt es verschiedene Ansatzpunkte, die dieses Verhalten zu erklären versuchen.
2.2 Theorien zur Entstehung
Prinzipiell lassen sich diese Teilaspekte in die Anomietheorie, die Labeling-Theorie, die Lerntheorie und die Subkulturtheorie zusammenfassen. In diesem Zusammenhang werden weiterhin noch Störungen im Sozialisationsprozess und die soziale Randständigkeit beschrieben.
Unter dem Begriff Anomie versteht man die Orientierungslosigkeit in der Gesellschaft aufgrund von Regellosigkeit. Im Hinblick auf die Jugendphase beschreibt Anomie den Zustand der Ablösung von den Autoritäten und die Orientierung an neuen, eigenen Normen, die noch unklar sind (Pfeiffer 1982, S.16). Weiterhin beschreibt dieser Zustand die Tatsache, dass das Individuum kulturell erwartete Ziele nicht mit kulturell gebilligten Mitteln erreichen kann. Dadurch kommt es zu einer Orientierungslosigkeit und das Individuum weicht auf abweichendes Verhalten aus (Merton 1964, S.213). Auf den Jugendlichen übertragen bedeutete das, dass er seinem Entwicklungsstand entsprechend dem Konsumzwang ausgesetzt ist, jedoch nicht über die nötigen Mittel verfügt und sich somit beispielsweise mit Gewalt seinen Vorteil erwerben möchte. Aus der eben genannten Orientierungslosigkeit und somit dem Versagen der Kontrolle entsteht Frustration, welche sich dann in aggressivem Verhalten und Gewalt zeigen kann.
Ein weiterer Erklärungsansatz ist die Labeling-Theorie oder auch der Etikettierungsansatz. Dabei geht es darum, dass der Jugendliche deviant wird, weil die Reaktionen in seiner Umwelt auf eine einmalige oder nur episodenhafte Normverletzung stigmatisierender Art sind. Dadurch, dass das Verhalten von der Gesellschaft bewertet wird, wird es erst provoziert und stabilisiert. Auch kann dies dazu führen, dass die Straftäter die ihnen zugeschriebene Rolle als Selbstbild oder Selbstkonzept übernehmen und sie deshalb gefestigt wird. Diese Stigmatisierung ist besonders dann prägend, wenn der Jugendliche sich zwischen zwei Entwicklungsstufen befindet (vgl. Pfeiffer 1982, S.26 ff). Grundsätzlich hat auch die bisherige familiäre Entwicklung einen großen Einfluss auf die Entstehung krimineller Gewalttaten Jugendlicher. Hierbei geht es vor
Arbeit zitieren:
Nina Bethke, 2009, Jugendliche Gewalttäter als Klienten der Bewährungshilfe, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Pluralisierung der Lebensformen: Von der bürgerlichen Kernfamilie ...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 15 Seiten
Armut und Ungleichheit in Deutschland
Ein kurzer Einblick in die Pro...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 17 Seiten
Regulationsstörungen in der frühen Kindheit
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Seminararbeit, 23 Seiten
Soziale Probleme und Soziale Arbeit unter besonderer Berücksichtigung ...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Störungen des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalter
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Hausarbeit, 17 Seiten
Jugendkriminalität in der stationären Jugendhilfe - (K)Ein besonderes ...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Bachelorarbeit, 122 Seiten
Junge Intensiv- und Mehrfachtäter - Was sind Intensiv- und Mehrfachtät...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 57 Seiten
Kriminalität und Kriminalisierung allochthoner Jugendlicher im öffentl...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 116 Seiten
Doing Gender - Geschlechterdifferenz in der Sozialarbeit
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 27 Seiten
Beratung im Kontext der Humanistischen Psychologie
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 14 Seiten
Praktikumsbericht im Hauptdiplom - Bewährungshilfe
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Praktikumsbericht / -arbeit, 31 Seiten
Das Verhältnis von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Grundlagen, Carl Rogers Verhal...
Hausarbeit, 14 Seiten
Nina Bethke's Text Jugendliche Gewalttäter als Klienten der Bewährungshilfe ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Nina Bethke hat den Text Jugendliche Gewalttäter als Klienten der Bewährungshilfe veröffentlicht
Nina Bethke hat einen neuen Text hochgeladen
Schemapädagogik bei jugendlichen Gewalttätern
Diagnose von Schemata, Konfron...
Marcus Damm, Stefan Werner
Bewährungshilfe aus der Sicht jugendlicher und heranwachsender Proband...
Ein Vergleich zwischen deutsch...
Eva Kutajová
Gewalttätige Jugendkulturen - Symptom der Erosion kommunikativer Struk...
Gundula Schäfer-Vogel
Klassifikation der Betreuungsintensität in der Bewährungshilfe
Die Evaluierung des Kategorien...
Wilhelm S. Schmitt, Strafrecht und Kriminalpolitik DBH-Fachverband für Soziale Arbeit
Rechtsextremistische Gewalttäter im Jugendstrafvollzug
Der Einfluss von Jugendhaft au...
Figen Özsöz
"Mögen Sie Ihre Klienten und mögen Ihre Klienten Sie?"
Synergieeffekte einer allgemei...
Udo Baumann, Ulrich Meier, Wolfgang Neumann
0 Kommentare