Gliederung
1. Beschreibung des ausgewählten Projektes DLG-Nachhaltigkeitszertifizierung für
landwirtschaftliche Betriebe 3
2. Das Leitbild Nachhaltiger Entwicklung anhand des Projektbeispiels 5
3. Operationalisierungsmöglichkeiten und Anwendung im Projektbeispiel 8
zu 3 a) Leitbild und Leitlinien des Projektes DLG-Nachhaltigkeitszertifikat 9
zu 3 b) projektbezogene Bestandsanalyse 9
zu 3 c) Indikatorenauswahl für die landwirtschaftliche Nachhaltigkeit 10
zu 3 d) Zielsetzung der nachhaltigen Entwicklung in Agrarunternehmen 11
4. Erfolgseinschätzung und Stärken-Schwächen-Analyse für das Projektbeispiel
Nachhaltigkeitsstandard der DLG 12
LITERATUR 15
2 NA
1. Beschreibung des ausgewählten Projektes »DLG- Nachhaltigkeitszertifizierung« für landwirtschaftliche Betriebe
Im Zeitraum der Systementwicklung von Juni 2005 bis Januar 2009 (vgl. TUM unter http://www.wzw.tum.de/oekolandbau...) bzw. von September 2005 bis August 2007
(vgl. MLU unter http://www.forschung-sachsen-anhalt.de...) wirkten an dem Projekt »Nachhaltige landwirtschaftliche Produktion in der Wertschöpfungskette Lebensmit- tel« die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) in Frankfurt/Main, der Lehrstuhl für allgemeinen Pflanzenbau Prof. Dr. Olaf Christen vom Institut für Acker- und Pflan- zenbau der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), das Institut für Nach- haltige Landwirtschaft in Halle/Saale (INL) und der Lehrstuhl für Ökologischen Land- bau des Wissenschaftszentrums Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der Technischen Universität München-Weihenstephan (TUM) mit. (vgl. http://www.wzw.- tum.de/oekolandbau..., http://www.forschung-sachsen-anhalt.de...)
Auf Basis des Bilanzierungsmodells REPRO wurde eine Zertifizierung für nachhaltig wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe entwickelt. REPRO ist ein PC-Programm für Betriebsbilanzen zur Bewertung der Stoff- und Energieflüsse mittels ökologischer und ökonomischer Schwachstellenanalysen bei ständiger Dokumentation bzw. Auf- zeichnung in den Betriebszweigmodulen. Im Vorfeld der praktischen Umsetzung können mit Hilfe der REPRO-Anwendung ökologische und ökonomische Wirkungs- szenarien als Entscheidungshilfe abgebildet werden. Mit REPRO sind Betriebsver- gleiche mit anderen Betriebsvarianten oder Zielwerten realisierbar. Das rechnerge- stützte Umwelt- und Qualitätsmanagementmodellsystem REPRO wurde vom agrar- wissenschaftlichen Institut der MLU Halle-Wittenberg von 1998 bis 2000 mit Unter- stützung seitens Landesfördermitteln Sachsen-Anhalts entwickelt. (vgl. KLÄMT, G.; 2007, unveröffentlicht)
Für die Entwicklung des DLG-Nachhaltigkeitsstandards gewährten die private Stif- tung bürgerlichen Rechts Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin finanzielle Un- terstützung bzw. Drittmittel. (vgl. http://www.wzw.tum.de/oekolandbau...,
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Im Sommer 2008 wurden die ersten Zertifikate „Nachhaltige Landwirtschaft - zu- kunftsfähig“ (vgl. Abb. 1) durch den Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) e.V. vergeben. In Zukunft können alle Landwirtschaftsbetriebe, die freiwillig und kon- tinuierlich an diesem Nachhaltigkeitssystem teilnehmen und ihre Wirtschaftsweise nachhaltig ausrichten, dies mit Hilfe eines Zertifikates zum Nachweis der bestande- nen Nachhaltigkeitsbetriebsprüfung kommunizieren.
Abb.1: Zertifikat „Nachhaltige Landwirtschaft - zukunftsfähig“ und Urkunde
Quelle: www.nachhaltige-landwirtschaft.info
Die Zertifizierung „Nachhaltige Landwirtschaft - zukunftsfähig“ erfolgt mittels einer Nachhaltigkeitstestung jedes einzelnen teilnehmenden Betriebes im Turnus von drei Jahren durch einen unabhängigen Betriebsauditor. Dabei wird geprüft, ob die vorab fixierten Zielwerte eingehalten werden. Gleichzeitig werden gesetzliche Dokumenta- tionspflichten, z. Bsp. über den Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz erfüllt. Sol- che Dokumentationen sind zudem Nachweise für durchgeführte Umwelt- und Quali- tätssicherungsmaßnahmen. Bei Bestehen, können die Betriebe mit dem Logo der nachhaltigen Landwirtschaft werben und somit ihr Engagement in Sachen Umwelt, Soziales und Wirtschaftlichkeit kommunikativ verbreiten. Der Nutzen entsteht direkt oder indirekt für die Umwelt, Gesellschaft und die Betriebsexistenz. Das landwirt- schaftliche Nachhaltigkeitszertifikat kann als Kommunikationswerkzeug im Gespräch mit Abnehmern, Verpächtern, Banken, Versicherungen, Behörden oder der allgemei- nen kritischen Öffentlichkeit förderwürdige Aspekte begünstigen. Bei Zuwendungen des Landes, Bundes oder der EU sinkt beispielsweise das Risiko von unbeabsichtig-
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ten Verstößen und Sanktionen durch entsprechende Eigenkontrolle. (vgl.
2. Das Leitbild Nachhaltiger Entwicklung anhand des Projektbeispiels
Das allgemeingültige Verständnis über den Ausdruck „Leitbild nachhaltiger Entwick- lung“ prägt der Brundtland-Bericht „Our Common Future“ aus dem Jahre 1987. Damit wurde ein Begriff, dessen Ursprung in der Forstwirtschaft liegt, aufgegriffen: In seiner Publikation »Sylvicultura Oeconomica« von 1713 erläutert VON CARLOWITZ, H. C. das erste Mal eine nachhaltende Waldnutzung (vgl. LANGNER, S.; 2006, S.14). Die nachhaltende Waldnutzung beinhaltet in einem bestimmten Zeithorizont und (ange- pflanzten) Waldgebiet nicht mehr Holz zu schlagen als dort in dieser Zeit auch wieder nachzuwachsen vermag. Nachhaltend wurde im Sinne einer gegenwärtigen Nutzung von Holz unter Vorbehalt der Waldressourcennutzung durch alle zukünftigen Genera- tionen verstanden.
Brundtland ist der Nachname der damaligen norwegischen Premier- und Umweltmi- nisterin, die die UN- bzw. später Welt-Kommission für Umwelt und Entwicklung - in der 18 Staaten vertreten waren - leitete. Schon in dem Bericht „Our Common Future“ wurden global bedrohliche Problemfelder und Missstände thematisiert, die der Keim von Armut in vielen Ländern, insbesondere der Dritten Welt sind: Bevölkerungszu- wachs, steigender Nahrungsmittelbedarf, steigende Nahrungsmittelproduktion, Aus- beutung und Zerstörung von (Regen-) Wäldern und Landflächen, Überfischung, Emissionen und anthropogen beschleunigter und intensivierter Klimawandel mit der Folge veränderter Klimazonen-Verläufe und z. T. Extrembedingungen (z. Bsp. Dür- ren) für den Pflanzen- und Ackerbau, sowie die Tierhaltung, insbesondere in den Klima- und Vegetationszonen von Entwicklungsländern (vgl. VEREINTE NATIONEN, 1990 In: LANGNER, S.; 2006).
Die Landwirtschaft nimmt demzufolge einen ganz wesentlichen Stellenwert bei der nachhaltigen Entwicklung weltweit ein. Unzureichende Nahrungsmittelmengen und - qualitäten gefährden das Leben der Menschen direkt; die Ausbeutung der Natur für die Nahrungsmittelbereitstellung indirekt.
Die Brundtland-Kommission vertrat dennoch die Überzeugung, eine für alle Men- schen glücklichere, gerechtere und sicherere Zukunft sei möglich. Dazu entwarf sie das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung – eine Entwicklung, in der die Be-
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dürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne dabei künftigen Generationen die Möglichkeit zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu nehmen (VEREINTE NATIONEN, 1990). Das bereits v. g. Prinzip der nachhaltenden Wald- nutzung von VON CARLOWITZ (1713) wurde hier genutzt, um zur generationen- übergreifenden Orientierung zukunftsverträgliche Grundrichtungen für menschliches Handeln zur Bedürfnisbefriedigung abzuleiten. Im englischen Original heißt es: „Sus- tainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.” (BRUNDTLAND, In: LANGNER, S.; 2006).
Erkenntnisse über die Grenzen des Wachstums und die Grundbedürfnisse des Le- bens eines jeden Menschen sind bei der Umsetzung und richtigen Interpretation der Nachhaltigkeit und der Nachhaltigen Entwicklung heranzuziehen. Im englischen Original: „It contains within it two key concepts: 1. The concept of “needs”, in particu- lar the essential needs of the world`s poor, to which overriding priority should be given; and 2. The idea of limitations imposed by the state of technology and social organization on the environment ability to meet present and future needs” (BRUNDTLAND, In: LANGNER, S.; 2006).
Die Ökosystemaren Grenzen der Erde müssen im Sinne nachhaltiger Entwicklung demzufolge mit den Sozialen und Ökonomischen Bedürfnissen aller Menschen mit Hilfe des umwelttechnischen und umweltwissenschaftlichen Fortschritts und mit Hilfe umweltgerechter bzw. -schonender Sozial- und Wirtschaftssysteme in Einklang ge- bracht werden. Nachhaltige Landwirtschaft ist nur die umwelterhalten- de/umweltverträgliche/umweltschonende/umweltgerechte Landbewirtschaftung, wel- che genügend Nahrungsmittel und Energie in Mindestqualitäten erzeugt, zu denen alle Menschen der heutigen wie kommenden Generationen ausreichenden Zugang haben („Überfluss ist genauso wenig nachhaltig wie Armut“).
In Rio de Janeiro, an der südatlantischen Ozeanküste Brasiliens unterzeichneten rund 180 Staaten der Erde das Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert. Eines der fünf auf dieser Konferenz hervorgegangen Dokumente, ist die Agenda 21. Insgesamt wurden Dokumente mit Grundsätzen bzgl. ökologischer und ökonomischer Rechte (sog. Deklaration von Rio), mit Maßnahmen, Lösungen und globalen Partnerschaften unter dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung (sog. Agenda 21), mit Grundsätzen für eine globale ökologische Waldwirtschaft und zum Waldschutz (sog. Waldkonvention),
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mit Verpflichtungen zur Senkung von THG-Emissionen auf den weltweiten Stand von 1990 (sog. Klimaschutzkonvention) und mit Regelungen zum Schutz bedrohter Arten und der Biodiversität sowie zur umweltverträglichen Landnutzung außerhalb von Schutzgebietszonen (sog. Artenschutzkonvention) verabschiedet (vgl. LANGNER, S.; 2006). Alle diese Konventionen, Deklarationen und Programme haben Einfluss auf die nachhaltige Gestaltung der Landwirtschaft, aber die Förderung einer nachhal- tigen Landwirtschaft und der ländlichen Entwicklung greift explizit die Agenda 21 auf und ist darum das wichtigste Dokument der Konferenz von Rio auch für den DLG- Nachhaltigkeitsstandard. Die Agenda 21 ist Aufgabe der Regierungen auf nationaler Ebene, der internationalen Zusammenarbeit - insbesondere der Vereinten Nationen (UN) - , der Öffentlichkeitsbeteiligung sowie der Mithilfe nichtstaatlicher Organisatio- nen (NRO) und anderer Gruppen (vgl. AGENDA 21, Präampel unter http://www.agrar.de/agenda/agd- 21k00.htm).
Die Agenda 21 umfasst im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen Landwirt- schaft und der ländlichen Entwicklung beispielsweise die Überprüfung der Agrarpoli- tik, die Planung und Entwicklung integrierter Programme für nachhaltige Entwicklung, einen integrierten Pflanzenschutz, integrierte Pflanzenernährungskonzepte in allen Ländern ohne Schädigung der Umwelt und Bodenfrucht-barkeit, Wasser für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion, die Bodenerhaltung, die Steigerung der Ag- rarproduktion in Entwicklungsländern mit Bevölkerungswachstum um mindestens 4 Prozent ohne Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit, die Abschätzung der Auswirkungen der UV-B-Strahlung infolge des Abbaus der stratosphärischen Ozonschicht auf Pflanzen und Tiere und die Erhaltung der nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen. (vgl. AGENDA 21, Kapitel 14 unter
Im Zuge der globalen Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft im Sinne der Agenda 21 wurden im Arbeitsprogramm der UN-Kommis-sion für nach- haltige Entwicklung in den Jahre 2008/09 die Schwerpunktthemen Landwirtschaft, Ländliche Entwicklung, Boden- und Flächennutzung, Dürre, Wüstenbildung und Afri- ka festgelegt (vgl. LANGNER, S; 2006, S.52). An der nationalen Umsetzung der Agenda 21 in Deutschland, auf der das Nachhaltigkeitszertifizerungssystem für landwirtschaftliche Betriebe durch die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) beruht, arbeiten verschiedene durch die Bundesregierung eingerichtete Gremien mit. Im Jahr 2002 wurde die nationale Nachhaltigkeitsstrategie von der (damals rot-
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grünen) Bundesregierung verabschiedet (vgl. LANGNER, S.; 2006, S. 71). Die nach- haltige Landwirtschaft, welche natur- und umweltverträglich ist und den vorsorgen- den, insbes. gesundheitlichen Verbraucherschutz beachtet, wurde zu den Hand- lungsbereichen aufgenommen. Themenfeld der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie ist die Ernährung mit den Schlüsselindikatoren Anteil der Fläche des ökologischen Landbaus und Stickstoffüberschuss (vgl. nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bun- desregierung Deutschlands In: LANGNER, S.; 2006, S. 73, 75). Der Fortschrittsbe- richt 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie konkretisiert die Ziele der Indikato- ren von 2002: Hinsichtlich des Stickstoffüberschusses wird eine Verringerung bis auf 80 kg/ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) bis 2010 und eine weitere Absen-
kung bis 2020 verbindlich gemacht. Der Ökologische Landbau soll in den nächsten Jahren auf einen Anteil von 20 Prozent der LF erhöht werden. Des Weiteren be- schäftigt sich der Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie in Bezug auf die Landwirtschaft in Deutschland unter anderem mit der Agrobiodiversität und mit Anpassungsstrategien der Landwirtschaft an den Klimawandel (vgl. PRESSE- UND INFORMATIONSAMT DER BUNDESREGIERUNG, 2008, S. 209, 154,102).
3. Operationalisierungsmöglichkeiten und Anwendung im Projektbeispiel
Zur Operationalisierung von Nachhaltigkeitskonzepten auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene können als Subgliederung
a) die Erarbeitung von Leitbildern (Nachhaltigkeitsentwicklungen einschl. Präven- tion) und Leitlinien (strategische Handlungsprinzipien, Managementregeln),
b) die Bestandsanalysen (Ist-Zustand),
c) die Auswahl geeigneter Indikatoren (naturwissenschaftliche Ökosystem- Größen zur Messung der Ist-Umweltsituation und des Soll-Umweltqual- itätssstandards hinsichtlich der Nachhaltigkeitstrendentwicklung zur Zielerrei- chung)
und
d) die Zielsetzung der nachhaltigen Entwicklung
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grundlegend erfolgen (vgl. LANGNER, S.; 2006). Nach dieser Untergliederung wird nachstehend die Anwendung beim Kooperationsprojekt der Nachhaltigkeitssystem- einführung in der Landwirtschaft dargelegt.
zu 3. a) Leitbild und Leitlinien des Projektes DLG-Nachhaltigkeitszertifikat
Bezüglich des Leitbildes und seiner Leitlinien wurde im Projekt „Nachhaltige Land- wirtschaft - zukunftsfähig“ auf einen Mix aus Vorsorge-, Integrations- und Kooperati- onsprinzipien gesetzt. So werden anhand des landwirtschaftlichen Nachhaltigkeits- zertifizierungssystems Risiken für Mensch und Umwelt, wie z.B. Emissionen unter Nutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts der Gegenwart (z.B. precision farming) vorgebeugt, Umweltaspekte werden in die Ausgestaltung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes stark einbezogen und somit wirken Akteure aus Umwelt- , Agrarwirtschafts-, Wissenschafts- und öffentlichen Verwaltungsbereichen wie auch Privatpersonen zusammen.
Mit Blick auf die angewandten Managementregeln werden Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Soziale Dimensionen landwirtschaftlicher Unternehmen im Dreiklang gefördert; Ökologie, Ökonomie und Soziales werden dabei gleich stark bewertet (vgl. www.nachhaltige-landwirtschaft.info).
zu 3. b) projektbezogene Bestandsanalyse
Bei der Bestandsanalyse zu Entwicklungsbeginn des Zertifizierungssystems »Nach- haltige Landwirtschaft - zukunftsfähig« waren verschiedene Ansätze der Dimensio- nen möglich: Zum Einen musste das Innovationspotential des Projektes abgesteckt werden:
- Wie verbreitet ist die nachhaltige Entwicklung in landwirtschaftlichen Einzelun- ternehmen?
- Werden bereits Konzepte im Sinne des Leitbildes für Nachhaltige Entwicklung in der Agrarurproduktion realisiert? Falls ja, im Bundesgebiet Deutschlands, in Österreich, in der Schweiz oder in anderen Mitgliedstaaten?
usw.
Zum Anderen musste die Aussgangssituation der praktizierten Landwirtschaft erfasst werden:
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- Wie ist die Flächenbewirtschaftung ohne Nachhaltigkeitsstandard zu bewer- ten? Wie hoch sind die Anteile der konventionellen Landwirtschaft, des Integ- rierten Pflanzenbaus und des Ökologischen Landbaus?
- Welche Entwicklungen sind mit der Einführung eines Zertifizierungssystems unter dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung zu erwarten?
usw.
zu 3. c) Indikatorenauswahl für die landwirtschaftliche Nachhaltigkeit
Für die Nachhaltigkeitsentwicklung in landwirtschaftlichen Produktionsbetrieben wur- den Indikatoren nach den Kategorien Umwelt, Wirtschaft, Soziales strukturiert aus- gewählt (vgl. Tab. 1). Die Dimension der Institution ist durch die Anwendung in ver- schiedenen Agrarproduktionsunternehmen variabel. Die Messungen der einzelnen Indikatoren bilden zusammengenommen das Nachhaltigkeitsprofil eines Landwirt- schaftsbetriebes ab.
Tab.1: Die 22 Indikatoren der DLG-Nachhaltigkeitszertifizierung
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Nachhaltige Einzelindikator-Messergebnisse werden für Verbesserungssprozesse herangezogen. Nahm zum Beispiel in den letzten acht Jahren kein Beschäftigter (m/w) oder der Betriebsleiter (m/w) selbst an einer Fortbildungsveranstaltung teil, kann der Besuch eines Pflanzenschutz-Anwenderseminars fortan neben diesem so- zialen Indikator gleichzeitig den Pflanzenschutzmitteleinsatz optimieren, was sich wiederum langfristig ökonomisch in Form der besseren relativen Faktorentlohnung auszahlen kann. Aufgrund dieses wechselseitigen Einflusses werden die Soll-Ist- Vergleiche als Netzdiagramme dargestellt, um das Netzwerk der Schwächen und Stärken eines Betriebes herauszufiltern. Die Betriebsleistung wird im Wertbereich zwischen 0 und 1 abgebildet, wobei 1 die höchste Nachhaltigkeitsstufe ist (vgl. SCHAFFNER, A.; PACKEISER, M; 2007). Ein kontinuierlich aufrechterhaltenes Sys- tem in dem sich wandelnden Umfeld erfordert die stetige Optimierung.
Abb.2: Beispiel eines Netzdiagramms zur landwirtschaftlichen Nachhaltig- keitsbestimmung
zu 3 d) Zielsetzung der nachhaltigen Entwicklung in Agrarunternehmen
Ziel sind nachhaltig wirtschaftende landwirtschaftliche Marktfruchtbetriebe im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und im deutschsprachigen Raum bzw. im Wir- kungskreis des DLG e.V., deren Existenzen und Existenzgrundlagen (Boden, Klima,
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Wasser, Arbeitskräfte, Technik, Finanzmittel) in Gegenwart und Zukunft gesichert sind. Nachhaltige Landwirtschaft verfolgt ökologische, ökonomische und soziale Ziel- stellungen wie die Vermeidung oder Reduzierung schädlicher Umwelteinwirkungen, Ressourceneffizienz beim Betriebsmitteleinsatz und Verantwortungsbewusstsein. (vgl. SCHAFFNER, A.; PACKEISER, M.; 2007) Die konkreten Ziele der Etablierung des Nachhaltigkeitsprinzips in der Landwirtschaft und damit in der Nahrungs- bzw. Energiekette durch die Zertifizierung der DLG sind:
- der Schutz und Schonung der Umweltmedien, Ressourcen, Roh- stoffe und der Diversität
- Verbesserung von Klimawirkungen und Energieeffizienz
- optimale Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen
- Stärkung von Akzeptanz (Transparenz, Kommunikationsgrundla- ge), Wettbewerbsfähigkeit u. Wirtschaftlichkeit und Innovation
- (Fort-)Bildung von Betriebsleitern und Beschäftigten und
- Lebensmittelsicherheit und Hygiene
(vgl. www. nachhaltige-landwirtschaft.info).
4. Erfolgseinschätzung und Stärken-Schwächen-Analyse für das Projektbei-
spiel »Nachhaltigkeitsstandard der DLG«
Die DLG hat sieben Landwirtschaftsbetriebe mit ihrem Zertifikat „Nachhaltige Land- wirtschaft - zukunftsfähig“ ausgezeichnet. DLG-Präsident Carl-Albrecht BARTMER überreichte die Urkunden am 24. Juni 2008 im Rahmen der DLG-Feldtage in Buttel- stedt bei Weimar. Die Betriebe wurden nach dem DLG-Nach-haltigkeitsstandard zer- tifiziert, der ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeitsindikatoren mit den entsprechenden Zielwertbereichen umfasst. Dabei unterzogen die Betriebe sich einer umfassenden Nachhaltigkeitsanalyse und haben die DLG-Prüfkriterien für Nachhalti- ge Landwirtschaft erfüllt. Das Zertifikat „Nachhaltige Landwirtschaft - zukunftsfähig“ haben folgende Betriebe erhalten:
• Agrargenossenschaft „Schwarzbuntzucht“ Fischbeck e.G., Kabelitz, Sachsen- Anhalt
• Gut Piesdorf GbR, Gut Welfesholz GbR, Piesdorf, Sachsen-Anhalt
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• Lorenz Lex, Bockhorn, Bayern
• Schlossgut Hohenkammer, Hohenkammer, Bayern
• Bernd Schwartkop, Krempdorf, Schleswig-Holstein
• Ludwig Spanner, Essenbach, Bayern
• Stiftung Fürst Liechtenstein, Wilfersdorf, Österreich
(vgl. www.nachhaltige-landwirtschaft.info).
In der Entwicklungsendphase der Zertifizierung wurden im Jahr 2007 Testläufe des Nachhaltigkeitsstandardsystems auf ca. fünfzig Betrieben in Bayern, Sachsen- Anhalt, Niedersachsen und Schleswig-Holstein durchgeführt. Die Anzahl der ersten Zertifizierungen beträgt nur 14 Prozent der Prätestbetriebe. Der Umsetzungserfolg fiel demnach anfänglich verhalten aus. Auf Fragen zur Entwicklung der Zahl zertifi- zierter Betriebe usw. per E-mail hat die Autorin bis zur Abgabefrist dieser Studienar- beit keine aktuellen Angaben erhalten. Da es sich um eine junge Nachhaltigkeitszer- tifizierung handelt, kann noch keine reale Erfolgseinschätzung abgegeben werden. Im Folgenden werden darum Bedenken, Anmerkungen und Vorschläge zur Weiter- entwicklung geäußert.
Ziel und Zweck der landwirtschaftlichen Erzeugung ist einerseits die Produktion aus- reichender Mengen an Nahrungsmitteln und Rohstoffen; andererseits vor allem die Einhaltung gesetzlicher Mindestqualitäten bzw. oftmals sogar darüber hinaus vorab mit Abnehmern (z. Bsp. Weiterverarbeiter wie Mühlen und Backwarenindustrie) ver- einbarter Produkt- bzw. Rohstoffqualitäten (z. Bsp. Protein- oder Zuckergehalt). Bes- sere Qualitäten erzielen am Markt i. d. R. einen höheren Preis. Produkt- und Pro- zessqualitätsindikatoren werden bei der DLG-Nachhaltigkeitszertifizierung über die Steuerung vor allem der Ökologischen Indikatoren berücksichtigt (z. Bsp. steuert die Nährstoffversorgung durch Düngung die Energie-, Protein-, Zucker- und Stärkegehal- te der pflanzlichen Erzeugnisse). Die Prozessindikatoren (z. Bsp. Energieintensität, N- und P-Salden, Pflanzenschutzintensität) beziehen sich gleichzeitig auf die Um- weltqualitätssicherung und auf die Qualitätssicherung der Erzeugnisse, die in der Wertschöpfungskette Lebensmittel zirkulieren; wobei es sich jedoch nicht explizit um ein Managementsystem zur Qualitätssicherung der erzeugten Lebensmittel handelt. Die Qualität der Erzeugnisse wird im Nachhaltigkeitskonzept nur indirekt über die Indikatoren der drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales gemanagt, was nicht
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immer von Vorteil sein dürfte. Eine Säule oder wenigstens einen Indikator Produkt- qualität (beispielsweise unter den Ökonomieindikatoren) existiert nicht. Vorgeschla- gen wird, über die Aufnahme eines Indikators Produktqualität nachzudenken. Das Zertifizierungsystem ist trotzdem schon jetzt ein nachhaltiges Umwelt- und Quali- tätsmanagement unter effizientem Einsatz der Ressourcen und fortlaufender Doku- mentation. Die Handhabung ist durch Verknüpfungen mit vorhandenen Aufzeichnun- gen, z. Bsp. mit der betrieblichen Ackerschlagkartei zeitsparend und unkompliziert realisierbar.
Der Grundgedanke, dass heute nicht zum Leid der Nachwelt gelebt werden darf, ist eine ganz wichtige Lebensansicht, Einsicht und Erkenntnis, welche auf Verantwor- tungsbewusstsein und Generationengerechtigkeit beruht. Aufgekommen ist dieses Bewusstsein vielleicht wegen der zunehmenden Konfrontation mit umweltschädigen- den Hinterlassenschaften (z. Bsp. DDT in der Umwelt) von Vorfahren im Zuge der Industrialisierung bzw. Intensivlandwirtschaft. Das DLG-Nachhaltigkeitsprojekt setzt diese Merkmale des Leitbildes für nachhaltige Entwicklung auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik um. Das bewirkt die fortbestehende Kooperation mit entsprechenden Forschungsbereichen der MLU Halle-Wittenberg, der TU München und dem INL.
Der Begriff nachhaltig drückt die Art und Weise des erforderlichen Wirtschaftens bzw. Handelns am besten aus. Das Wort Nachhaltig wurde als Landwirtschaftsrichtung - ähnlich wie Ökologische Landwirtschaft - ins Zertifikatzeichen aufgenommen und mit dem Zusatz „zukunftsfähig“ kurz und prägnant näher fokussiert. Die DLG, eine gro- ße, bekannte, landwirtschaftliche Nichtregierungsorganisation hat langfristig das Po- tenzial, die Zertifizierung unter ihren Mitgliedern zu etablieren.
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LITERATUR
KLÄMT, G.; 2007: Zusammenstellung und Vorstellung von ausgewählten Beispielen geförderter land- wirtschaftlicher Demonstrationsvorhaben im Rahmen der Ausbildung im gehobenen landwirtschaftlich- technischen Dienst des Landes Sachsen-Anhalt. Unveröffentlichtes Manuskript.
LANGNER, S.; 2006: Reader Leitbild für Nachhaltigkeit. Lehrbrief. Zentrum für Qualitätssicherung in Studium und Weiterbildung der Universität Rostock.
PRESSE- UND INFORMATIONSAMT DER BUNDESREGIERUNG, 2008: Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Berlin. S. 209, 154,102
SCHAFFNER, A.; PACKEISER, M.; 2007: Unternehmerischer Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit. Auszug aus dem DLG-Jahresbericht 2007. Frankfurt.
INTERNETQUELLEN
• http://www.agrar.de/agenda/agd- 21k00.htm
• MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT
• http://www.nachhaltige-landwirtschaft.info/
• TECHNISCHE UNIVERSITÄT MÜNCHEN unter http://www.wzw.tum.de/ oekolandbau
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Quote paper:
Gundula Klämt, 2009, Beschreibung und Stärken-Schwächen-Analyse des Projektes »Nachhaltigkeitszertifizierung für landwirtschaftliche Betriebe von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.)« , Munich, GRIN Publishing GmbH
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