Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Hauptteil 5
1.) Publikation und Rahmen des Zusammenhangs der Dinge. 5
2.) Analyse der Hauptfiguren 5
2.1) Ludwig 6
2.1.1) Darstellung eines Fatalisten 6
2.1.2) Das Problem der Kurzsichtigkeit - Ludwigs Art zu Sehen. 6
2.1.3) Ludwigs Sehen als Funktion für den Handlungsverlauf 7
2.2.1) Euchar - Darstellung eines Helden 9
2.2.2) Euchar und Ludwig - eine wahre Freundschaft? 9
2.2.3) Euchars Blick für den Zusammenhang der Dinge. 10
2.2.4) Der Roman im Leben des Protagonisten. 11
2.2.4.a) Erzählen als Mittel der Integration. 11
2.2.4b) Der interessanter Rahmen der Binnengeschichte. 12
2.2.4c) Augentypen als Heldenabzeichen 12
2.2.4d) Der Zusammenhang zwischen Fiktion und Realität - Blick auf die Erzählstrategie 12
2.2.5) Grenzüberschreiter und Identitätswechsler 14
2.3.1) Darstellung der geheimnisvollen Emanuela. 15
2.3.2) Die Augen als Fenster zur Seele 16
2.3.3) Emanuela als „verschleiertes“ Geheimnis. 17
2.3.4) Emanuelas Beitrag zum Handlungsverlauf 17
2.3.5) Der Zufall im Zusammenhang der Dinge 18
Fazit 19
Literaturverzeichnis. 21
2
Einleitung
In dieser Arbeit wird Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns Zusammenhang der Dinge 1 analysiert. Der Schwerpunkt ist hier die Bedeutung von Augen und Blicken bzw. des „Sehens“ und „Gesehenwerdens“ der drei Figuren Ludwig, Euchar/Edgar und Emanuela. Euchar wird hier als Hauptfigur und positiver Held behandelt. Sein „bester Freund“, Ludwig, wird hier als Euchars fatalistischer Gegenspieler betrachtet.
Diese Arbeit wird mit einigen kurzen Worten zur Publikation des Zusammenhang[es] der Dinge eingeleitet. Danach werden behandelten Figuren unter folgenden Hauptaspekten betrachtet. Zum einen wird gezeigt, in wieweit die Art des Sehens der jeweiligen Figur sowohl für den Handlungsverlauf als auch für die ihn umgebenden Figuren wichtig ist. Außerdem ist die Art der Figurendarstellung wichtig. Eine weitere Frage ist, was die Besonderheit des Schauens der jeweiligen Figur ausmacht: Wie unterscheiden sie sich, durch ihr Schauen, von den anderen Figuren der Erzählung? Außerdem muss erklärt werden, welche Beiträge die jeweilige Figur zum Handlungsverlauf leistete. Das ist wichtig, um die Rollenverteilung besser erkennen zu können.
Zuerst wird der kurzsichtige Ludwig betrachtet - bei dieser Figur stellt sich besonders die Frage, inwiefern seine Art zu sehen und danach zu handeln destruktiv auf den Handlungsverlauf wirkt. Nach dem großspurigen Fatalisten folgt die detaillierte Betrachtung der Darstellung des Euchar. Die Freundschaft zwischen ihm und Ludwig soll beleuchtet werden, um die Figurenkonstellation schärfer abgrenzen zu können. Am wichtigsten für Euchar/Edgar ist die Frage, welchen Blick er auf den Zusammenhang der Dinge hat. Auch die Erzählstrategie seines Romans in der Erzählung wird näher betrachtet. Abschließend soll Euchar noch als Grenzgänger und Identitätswechsler dargestellt werden. Diese Darstellung ist wichtig, um seine Rolle in der Zusammenführung von Fiktion und Realität im Rahmen der Erzählung deutlicher verstehen zu können.
Emanuela ist die letzte der vorgestellten Protagonisten. Die Art der Darstellung dieser Figur und ihre Funktion für den Handlungsverlauf werden auch hier betrachtet. Bei Emanuelas Analyse spielt die Frage nach ihren Augen als „Fenster der Seele“ eine tragende Rolle. Die Erzählung Zusammenhang der Dinge bewegt sich im Rahmen einer adeligen Gesellschaft. Euchar und Ludwig sind Freiherren: Beide hatten einen Stand, der eigentlich chimärisch zu nennen, da er keinem Sterblichen auf dieser Welt beschieden [...] (ZdD S. 1065).
1 Hoffmann, E. T. A.: Die Serapionsbrüder. Frankfurt am Main: Deutscher Klassikerverlag 2001. (Anm.: Nach
Zitaten aus dem Zusammenhang der Dinge, werden die Seitenzahlen dahinter erscheinen.)
3
Trotz ihres gemeinsamen Standes und ihrer Freundschaft unterscheiden sich Ludwig und Euchar stark von einander. Man kann behaupten, dass der eine des anderen „verkehrtes“ Spiegelbild ist: Ludwig ist komplementär zu Euchar zu sehen. Schon allein ihre Auffassung vom „Zusammenhang der Dinge“ unterscheidet sie von einander. Inwieweit diese Ansichten von einander abweichen, ist ein weiterer Teil der Arbeit. .
In der Erzählung finden sich zwei „Handlungsländer“ - zum einen ein Deutschlands zum Beginn des 19. Jahrhunderts, zum anderen ein idealisiertes Spanienbild zu Zeiten der Antinapoleonischen Kriege. Zwischen diesen Ländern, man kann sagen „Welten“, befindet eine Grenze, die allein von Euchar überschritten wird - nicht von Ludwig. Hier stellt sich die Frage, welche Grenzen Euchar/Edgar noch durchbricht, als die der eigenen Nation. Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen nach der genauen Analyse in einem klaren Fazit zusammengefasst werden.
4
Hauptteil
1.) Publikation und Rahmen des Zusammenhangs der Dinge
Der Zusammenhang der Dinge wurde im Jahre 1819 als Einzelerzählung in der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Litteratur, Theater und Mode“ publiziert. 2 1821 wurde die Erzählung erneut im letzten Band der Serapions-Brüder veröffentlicht. 3 Den Vorschlag zu einer Erzählreihe gab Hoffmanns Berliner Verleger Georg August Reimer: Wie es scheint, hat der Verleger Reimer ihm die Idee eingegeben, einige seiner Novellen in einem einzigen Buch zu sammeln, wobei dann er sich der literarischen Zusammenkünfte im engsten Kreis der Wohnung Hitzigs wäh-rend des Jahres 1805 erinnert hat. 4 Die Serapions-Brüder bestehen aus vier Bänden. In diesen Bänden wird von den abendlichen Treffen und Gesprächen der Serapionsbrüder erzählt. Diese Serapionsbrüder wiederum erzählen ihre „eigenen“ Novellen und geben dem Erzählzyklus einen kommentierenden Rahmen. Die Serapionsbrüder, dass sind Theodor, Ottmar, Lothar, Vinzenz, Cyprian und Sylvester. Sowohl der Zusammenhang der Dinge als auch Meister Martin der Küfner und seine Gesellen und das Fräulein von Scuderi werden von Sylvester erzählt. Über Sylvester schreibt Diebitz (1987), dass er still und in sich gekehrt 5 sei. Nach Sylvesters Erzählung üben seine Serapionsbrüder die Funktion als Zuhörer und Rezipienten aus. Sie sind das kritische Publikum. Jeder der Brüder, der seine Erzählung vorträgt, muss nach dem Vortrag die Kritik der anderen über sich ergehen lassen - das hat sowohl eine kommentatorische als auch eine reflexive Funktion. Das wichtigste an allen Erzählungen ist, dass sie im Sinne des Serapiontischen Prinzips wiedergegeben werden - deshalb auch der Titel der vier Bände und der Name der Gruppe der einander treffenden Männer: Die Serapions-Brüder.
2.) Analyse der Hauptfiguren
Ludwig, Euchar/Edgar und Emanuela werden folgend nach den oben genannten Aspekten vorgestellt und untersucht. Inwiefern „Augen und Blicke“ für ihre Funktion im Gefüge der Erzählung und für den Handlungsverlauf wichtig sind, wird zu analysieren sein.
2 Vgl. siehe: Martinez, Matias: Doppelte Welten: Struktur und Sinn zweideutigen Erzählens. Göttingen: Van-
denhoeck & Ruprecht, 1996. S. 91.
3 Vgl.: Ebd.
4 Wittkop-Ménardeau, Gabrielle: E. T. A. Hoffmann. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt, 2004. S. 143.
5 Diebitz, Stefan: Übersehen und verkannt: Hoffmanns Serapiontische Erzählung „Der Zusammenhang der Din-
ge“. Mitteilungen der E. T. A. Hoffmann - Gesellschaft. Bamberg 1987, Heft 33. S. 50.
5
2.1) Ludwig
2.1.1) Darstellung eines Fatalisten
Der Zusammenhang der Dinge beginnt mit der Diskussion von Euchar und Ludwig über den Zusammenhang der Dinge. Es geht hier um die Macht des Schicksals über das Individuum. Dadurch werden die Hauptfiguren exponiert. 6 Ludwig wird von Euchar als Anhänger einer fatalen, längst veralteten mechanistischen Idee (ZdD S. 1055) bezeichnet. Segebrecht (2001): Hoffmann schließt sich der gemeinromantischen Kritik an mechanischen Vorstellungen einer
nur äußerlich bleibenden Aufklärung an [...]. 7 Ludwig wird schon hier mit seiner fatalistischen Schicksalsansicht karikiert. Kurz nach seinem Kommentar über den Zusammenhang der Dinge stürzt er über eine Baumwurzel (vgl. ZdD. S. 1056). Als er durch den auktorialen Erzähler charakterisiert wird, unterstellt man ihm eine schnelle Euphorie, die ebenso schnell wieder abflaut. Ludwig will mit seinen Worten alles in Bewegung setzen, um an das Objekt seiner Leidenschaft heranzukommen. Er redet ständig von seinen Vorhaben, die er jedoch selten bzw. fast nie ausführt. Fordert das Erreichen eines Zieles eine höhere Anstrengung, so unterlässt er es schnell, sich dieser Anstrengung auszusetzen: [Ludwig] ergriff alles schnell mit großer Begeisterung, ließ es aber eben so schnell wieder; so kam es, dass er vieles lernte, aber nicht zu viel (ZdD S. 1065). So kommt es, dass Ludwig sich nie einer Sache konsequent widmet. Verehrt er z. B. eben noch die spanische Tänzerin Emanuela 8 , so wird im nächsten Augenblick gezeigt, wie er die adelige Viktorine mit der gleichen Inbrunst anbetet: Viktorine - Viktorine holde süße Viktorine (ZdD. S. 1064).
2.1.2) Das Problem der Kurzsichtigkeit - Ludwigs Art zu Sehen
Ludwigs Sicht wird durch die physische Kurzsichtigkeit seiner Augen und die soziale Kurzsichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen behindert: Da Ludwig übrigens ein ganz hübscher Junge [...] war, so würde er, vermöge seiner Eigenschaften, der Abgott jedes eleganten Zirkels gewesen sein, hätte nicht sein kurzes Gesicht ihn manches seltsame Quidproquo begehen lassen [...]. (ZdD S. 1068) Diese körperlichen und sozialen Defekte haben bedeutende Auswirkungen auf Ludwigs Geschick in der Erzählung. Martinez: Physischer Ausdruck seiner
6 Die meisten Hinweise der Forschung auf Personen aus Hoffmanns Bekanntenkreis, die der Dichter in den
Figuren der Erzählung angeblich porträtiert, [...] kommen über den Status von Mutmaßungen nicht hinaus.
(Kommentar: in.: E.T.A. Hoffmanns sämtliche Werke: Die Serapionsbrüder/ Segebrecht, Wulf (Hg.). Frankfurt
am Main Deutscher Klassikerverlag, 2001. S. 1613.).
7 Ebd.: S. 1614.
8 [Ludwig fiel] dem Freunde um den Hals [...], und [mit] Tränen in den Augen [und] kreischender Stimme
[...]schrie [er], er sei ganz und gar in Liebe zur süßen Mignon, und er wolle sein Leben daran setzen, sie wieder
aufzufinden [...]. (ZdD S. 1064)
6
Arbeit zitieren:
Jana Muschick, 2006, Augen und Blicke in ETA Hoffmanns "Der Zusammenhang der Dinge", München, GRIN Verlag GmbH
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