Kurzfassung Das Kreditgeschäft ist für viele Banken in Deutschland der zentrale Geschäftsbereich. Hohe Risiken im Kreditgeschäft und zunehmende Anforderungen der Bankenaufsicht haben die Einführung moderner Verfahren zur Messung und Steuerung der Kreditrisiken in den Banken erforderlich gemacht. Insbesondere im Zusammenhang mit Krisensituationen, wie der zurzeit noch andauernden Finanzmarktkrise, nehmen die Forderungen nach einer stärkeren Regulierung durch die Bankenaufsicht zu. So ist auch bei dieser Krise zu erwarten, dass die Anforderungen an die Banken und ihre Risikomanagementsysteme weiter zunehmen werden.
Um die Wirksamkeit und die Effizienz der an Komplexität zunehmenden eingesetzten Verfahren sicherzustellen und zu steigern, sind diese regelmäßig zu überprüfen. Diese Aufgabe nimmt in den Kreditinstituten die interne Revision als unabhängige Kontrollinstanz wahr. Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist es notwendig, dass die interne Revision über das notwendige Fachwissen verfügt, um die Funktionsweisen der Verfahren nachvollziehen und prüfen zu können. Im Rahmen dieser Arbeit werden die in der Praxis eingesetzten Verfahren vorgestellt und analysiert. Dabei werden insbesondere die wesentlichen Prüfungsfelder und mögliche Herausforderungen an die interne Revision herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
2 Grundlagen des Kreditrisikomanagements 2
2.1 Inhaltliche und prozessuale Abgrenzung des Kreditrisikomanagements 2
2.1.1 Komponenten des Kreditrisikos 2
2.1.2 Kreditrisikomanagement als dynamischer Prozess 3
2.2 Aufsichtsrechtliche Anforderungen an das Kreditrisikomanagement 5
2.2.1 Rechtlicher Rahmen 5
2.2.2 Anforderungen an das Kreditrisikomanagement 6
2.3 Betriebswirtschaftliche Notwendigkeit des Kreditrisikomanagements 8
2.4 Bedeutung und Aufgaben der internen Revision 9
2.5 Kreditrisikostrategie als Ausgangspunkt 10
3 Risikoquantifizierung und wesentliche Prüfungsfelder der internen Revision 12
3.1 Risikoquantifizierung auf Einzelengagementebene 13
3.1.1 Ausfallwahrscheinlichkeit und Risikoklassifizierungsverfahren 13
3.1.2 Erwarteter Verlust und risikoadjustierte Bepreisung 15
3.1.3 Umsetzung in der Praxis: RAP-Tool des DSGV 17
3.2 Risikoquantifizierung auf Portfolioebene 19
3.2.1 Normal-Case Betrachtung 19
3.2.1.1 Der Einsatz von Kreditrisikomodellen 19
3.2.1.2 Praktische und wissenschaftliche Anforderungen an Risikomaße 21
3.2.1.3 Value at Risk Konzept 22
3.2.2 Szenariobetrachtungen und Stresstests 24
3.2.3 Risikoadjustierte Performance 26
4 Risikotragfähigkeit und interne Kapitalallokation 27
4.1 Risikotragfähigkeitskonzept 27
4.1.1 Die Sichtweisen auf die Risikotragfähigkeit 28
4.1.2 Berücksichtigung der Risikobereitschaft 30
4.2 Limitsysteme 32
4.3 Laufende Überwachung und Berichtswesen 34
5 Fazit und Ausblick 35
I
Anhang ..................................................................................................................................... 37
Literaturverzeichnis ................................................................................................................. 41
II
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Risiken des Kreditgeschäfts 3
Abb 2: Kreditrisikomanagement als Regelkreislauf 4
Abb 3: Hypothetische rechtsschiefe Verlustverteilung eines Kreditportfolios 24
Abb 4: Modularer Aufbau der MaRisk 37
Abb 5: Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland 38
Abb 6: Risikovorsorge der Kreditinstitute 1997 2006 39
III
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
Abs. Absatz
abzgl. abzüglich
ACE Adjusted Common Equity
AT allgemeiner Teil
BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
bspw. beispielsweise
BT besonderer Teil
BTO besonderer Teil Anforderungen an die Aufbau-
und Ablauforganisation
BTR besonderer Teil Anforderungen an die
Risikosteuerungs- und -controllingprozesse
bzw. beziehungsweise
CPV CreditPortfolioView
CVaR Credit Value at Risk
d. h. das heißt
DSGV Deutscher Sparkassen- und Giroverband
EAD Exposure at Default
ebd. ebenda
EBIL Einzelbilanzanalyse
EL Expected Loss
et al. et alii
etc. et cetera
EU Europäische Union
f. folgend
ff. fort folgende
gem. gemäß
ggf. gegebenenfalls
GuV Gewinn- und Verlustrechnung
HGB Handelsgesetzbuch
Hrsg. Herausgeber
ICAAP Internal Capital Adequacy Assessment Process
i. e. S. im engeren Sinne
IIA The Institute of Internal Auditors
IV
IIR Deutsches Institut für Interne Revision e. V.
inkl. inklusive
IRBA Internal Rating Based Approach
i. w. S. im weiteren Sinne
Jg. Jahrgang
KWG Kreditwesengesetz
LGD Loss Given Default
MaRisk Mindestanforderungen an das Risikomanagement
Mio. Million
mVaR marginaler Value at Risk
Nr. Nummer
o. g. oben genannte
PD Probability of Default
RAP Risk Adjusted Pricing
RAPM Risk Adjusted Performance Measures
RARORAC Risk Adjusted Return On Risk Adjusted Capital
Rn. Randnummer
RORAC Return On Risk Adjusted Capital
RORC Return On Regulatory Capital
S. Seite
sh. siehe
sh. a. siehe auch
SolvV Solvabilitätsverordnung
SREP Supervisory Review and Evaluation Process
SRP Supervisory Review Process
Tz. Teilziffer
u. a. unter anderem
u. und
VaR Value at Risk
vgl. vergleiche
z. B. zum Beispiel
zzgl. zuzüglich
V
1 Einleitung
Trotz erheblicher Belastungen der Ertragslage durch schlagend gewordene Kreditrisiken in der Vergangenheit, zunehmendem Wettbewerbsdruck und auf niedrigem Niveau verharrender Margen hat das Kreditgeschäft nach wie vor eine zentrale Bedeutung für die deutschen Kreditinstitute. Das Kreditrisiko stellt für die Kreditinstitute in der Regel eine elementare Risiko-kategorie dar und erfordert daher ein effektives Risikomanagement. Insbesondere Risikokonzentrationen in Kreditportfolien stellen eine Gefahr dar, da diese leicht zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Finanzinstituten führen können und die es deswegen zu vermeiden gilt. Daher sind der wirtschaftliche Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit der Kreditinstitute mehr denn je von der Beherrschung und Steuerung der Kreditrisiken abhängig. 1 Die hohe Anzahl an Unternehmensinsolvenzen zu Beginn des Jahrzehnts und die zunehmenden bankaufsichtsrechtlichen Anforderungen an das Kreditrisikomanagement haben die rasante Entwicklung im Kreditrisikomanagement in den letzten Jahren geprägt. Zunehmend haben mathematische und statistische Modelle Einzug in die Risikosteuerung gehalten, um eine möglichst exakte Quantifizierung der Kreditrisiken zu ermöglichen. Denn nur die Kenntnis der Risiken ermöglicht effektive Maßnahmen zum Schutz und zur Steuerung. Gleichzeitig steigen mit den zunehmenden Anforderungen der Bankenaufsicht und dem Einsatz moderner Verfahren auch die Anforderungen an die interne Revision. Denn die interne Revision wird im Rahmen der Überarbeitung der Eigenkapitalvorschriften durch den Baseler Ausschuss (Basel II) als integraler Bestandteil des Risikomanagements aufgefasst. Dabei hat die interne Revision als unabhängige Kontrollinstanz insbesondere die Wirksamkeit und die Angemessenheit der eingesetzten Risikomanagementsysteme zu beurteilen.
Im Rahmen dieser Arbeit soll auf die wesentlichen Verfahren eines modernen Kreditrisikomanagements eingegangen und wesentliche Prüfungsfelder sowie potentielle Herausforderungen für die interne Revision herausgearbeitet werden. Dafür werden in Kapitel 2 zunächst die Risiken des Kreditgeschäfts, der Kreditrisikomanagementprozess sowie die aufsichtsrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Anforderungen an das Kreditrisikomanagement dargestellt. Des Weiteren wird auf die Risikostrategie als Ausgangspunkt des Risikomanagementprozesses eingegangen. In Kapitel 3 werden anschließend die Methoden der Risikoquantifizierung analysiert. Aufbauend auf der Risikoquantifizierung werden in Kapitel 4 die Risikotragfähigkeit und Limitsysteme als wesentliche Steuerungsinstrumente sowie die laufende Überwachung der Risiken erörtert.
1
Vgl. Buttler/ Papenbrock (2007), S.1; Deutsche Bundesbank (2004), S. 83 f.; Mauksch/ Schindler/ Schmeis-
ser (2005), S. 9.
1
2 Grundlagen des Kreditrisikomanagements
2.1 Inhaltliche und prozessuale Abgrenzung des Kreditrisikomanagements
Ziel eines Risikomanagementsystems ist es, die Risiken, die den unternehmerischen Erfolg sowie den Fortbestand des Unternehmens gefährden, frühzeitig zu identifizieren und zu steuern, um so eine positive Beeinflussung der Erfolgs- und Risikosituation des Unternehmens zu erzielen. Daher umfasst das Risikomanagement im Allgemeinen die systematische und permanente Analyse, Steuerung und Kontrolle der Risikopositionen und versteht sich als dynamischer Prozess. 2 Zunächst wird erläutert, was unter den Begriffen Risiko bzw. Kreditrisiko zu verstehen ist, bevor das Kreditrisikomanagement genauer betrachtet wird.
2.1.1 Komponenten des Kreditrisikos
In der Banksteuerung ist Risiko ein viel verwendeter Begriff, für den in der betriebswirtschaftlichen Literatur jedoch keine einheitliche Definition existiert. Im Allgemeinen wird unter Risiko die Gefahr einer negativen Abweichung zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich erzielten Ergebnis auf Basis von unvollkommenen Informationen und der Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen verstanden. 3 Darauf aufbauend wird unter Kreditrisiko im engeren Sinne (i. e. S.) die nicht planmäßige Erfüllung des Kreditverhältnisses verstanden. Mit der Kreditvergabe geht grundsätzlich die Gefahr einher, dass sich die wirtschaftliche Situation des Kreditnehmers soweit verschlechtert, dass dieser seinen vertraglichen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollständig oder termingerecht nachkommen kann und somit Zins- oder Tilgungszahlungen ausfallen (Ausfallrisiko). Analog zur Solvabilitätsverordnung (SolvV) ist ein Kreditausfall gegeben, wenn die Bank davon ausgeht, dass der Schuldner ohne Einleitung von Maßnahmen der Bank seinen Kreditverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nachkommen wird. Des Weiteren wird von einem Ausfall gesprochen, wenn der Schuldner mit einem wesentlichen Teil seiner Gesamtschuld mehr als 90 Tage in Verzug gerät. Im Forderungsausfall liegt jedoch lediglich der Extrempunkt von Bonitätsverschlechterungen. So umfasst das Kreditrisiko im weiteren Sinne (i. w. S.) das Bonitätsänderungsrisiko, welches die Gefahr der Bonitätsverschlechterung eines Kreditnehmers beschreibt, ohne zwingend zu einem Forderungsausfall zu führen. Mit einer zunehmenden Bonitätsverschlechterung steigt jedoch das Risiko eines Ausfalls. Dies
2
Vgl. Bietke/ Henne/ Reichling (2007), S. 214; Christians (2006), S. 204; IIR (a), S. 2; Mauksch/ Schindler/
Schmeisser (2005), S. 12 f.
3
Vgl. Christians (2006), S. 203 f.; Mauksch/ Schindler/ Schmeisser (2005), S. 6 f.
2
führt zu einer bonitätsbedingten Wertminderung des Kredites. 4 Das Kreditgeschäft bringt neben dem Kreditrisiko i. w. S. noch weitere Risiken mit sich, die in Abb. 1 dargestellt sind.
Abb. 1: Risiken des Kreditgeschäfts 5
So wird die Höhe des Forderungsausfalls durch die Werthaltigkeit der vom Kreditnehmer gestellten Sicherheiten determiniert. Dabei beinhaltet das Besicherungsrisiko die Gefahr der Wertminderung der gestellten Sicherheiten, was im Verwertungsfall zu einer nicht ausreichenden Deckung der Zahlungsansprüche des Kreditgebers und somit zu einem höheren Ausfall führt. Neben diesen unmittelbar mit dem Kreditengagement bzw. Kreditnehmer einhergehenden Risiken sind die mittelbar einhergehenden Risken zu nennen. Dazu zählen Liquiditäts-, Zinsänderungs-, Inflations- und Währungsrisiken, die hier nicht weiter betrachtet werden sollen. 6
2.1.2 Kreditrisikomanagement als dynamischer Prozess
Der Kreditrisikomanagementprozess kann als Regelkreislauf verstanden werden, der aus fünf Phasen besteht und in Abb. 2 schematisch dargestellt ist. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird der Fokus auf die dort rot gekennzeichneten Phasen gelegt. Diese umfassen insbesondere die Risikomessung (sh. Kapitel 3) sowie die Risikolimitierung und die Risikoüberwachung (sh. Kapitel 4).
4
Vgl. Bennenmann/ Blum/ Gehrmann (2005), S. 254; Bluhm/ Fahrmeir/ Henking (2006), S. 17; Hanenberg/ Hannemann/ Schneider (2008), S. 93; Rolfes (2008), S. 10 f.; Schierenbeck (2003), S. 314; SolvV (2006),
§ 125 Abs. 1, Satz 1.
5
Abbildung in Anlehnung an Mauksch/ Schindler/ Schmeisser (2005), S. 10.
6
Vgl. Mauksch/ Schindler/ Schmeisser (2005), S. 10 ff.
3
Abb. 2: Kreditrisikomanagement als Regelkreislauf 7
Die Ausgangssituation wird durch die Risiko- bzw. Kreditrisikostrategie determiniert, in der der Umgang mit den Risiken durch die Geschäftsleitung bestimmt wird. Die in der Strategie festgelegte Risikopolitik trifft unter Berücksichtigung der geplanten Geschäftsaktivitäten insbesondere Aussagen über die Risikotragfähigkeit und die Risikoneigung. Darauf aufbauend werden strategische Vorgaben zur Steuerung der Risiken formuliert. Somit hat die Risikostrategie maßgeblichen Einfluss auf das Kreditrisikomanagement, da dieses nach den strategischen Vorgaben ausgerichtet wird. Es folgt die Risikoidentifikation, bei der zunächst die Ableitung eines vollständigen Risikoprofils im Vordergrund steht, in dem alle betriebswirtschaftlichen Risiken identifiziert und klassifiziert werden. Um das Ausmaß der eingegangenen Risiken abschätzen zu können, ist es im darauf folgenden Schritt notwendig, die Risiken mit geeigneten Instrumenten zu messen und zu quantifizieren. Dies erfolgt sowohl auf Einzelengagement- als auch auf Portfolioebene und bildet die Voraussetzung für eine zielgerichtete Steuerung. Die Bewertung der quantifizierten Risiken wird geprägt durch die zuvor festgelegte Risikoneigung des Instituts. Vorrangiges Ziel der Bewertung ist es, einen möglichen Handlungsbedarf aufzudecken, um mögliche Steuerungsmaßnahmen einzuleiten. 8 Für die aktive Steuerung von Kreditrisiken stehen Instrumente zur Verfügung, die sowohl das Risiko auf Einzelengagement- als auch auf Portfolioebene beeinflussen können. Zu den in der Praxis am weitesten verbreiteten Steuerungsinstrumenten zählen das risikoadjustierte Pricing
7
Abbildung in Anlehnung an Genau (2008), S. 26.
8
Vgl. Bietke/ Henne/ Reichling (2007), S. 214 f.; Christians (2006), S. 204 f.; Genau (2008), S. 29; Mauksch/
Schindler/ Schmeisser (2005), S. 14; Schröder (2008), S. 1982.
4
Arbeit zitieren:
Jörg Jandzinsky, 2008, Anforderungen an das Kreditrisikomanagement unter besonderer Berücksichtigung der Funktionen der internen Revision, München, GRIN Verlag GmbH
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