INHALTSVERZEICHNIS
1. Moralische Kommunikation
1.1 Kommunikative Konstruktion vom Moral
1.2 Konstitutive Komponenten einer Protomoral
2. Exkurs: Moralische Entwicklung nach Lawrence
Kohlberg (1927 - 1987CCCCCCC
2.1 Niveaus und Stufen der moralischen Entwicklung
nach Kohlberg (1964 1981CCCCCCC
3. Philosophische Grundannahmen Kohlbergs Theorie
und Diskursethik
4. Literaturverzeichnis
1. Moralische Kommunikation
Moralische Kommunikation ist sowohl auf der Ebene der "massenmedialen 'Angebote' mora- lischer Unternehmer" (Luckmann 1998, 31) als auch auf der Ebene "der unmittelbaren und wechselseitigen moralischen Kommunikation im Alltag" (Luckmann 1998, 31) empirisch erfaßbar.
Kommunikative Handlungen unterliegen den Erfordernissen der jeweiligen Situation, an der andere Personen [...] beteiligt sind und sie sind in ihrem Vollzug z. B von der Wortwahl, dem Tonfall bis hin "zu den dialogischen Strukturzwängen der kommunikativen Gattung, auf die sich die Kommunikationspartner eingelassen haben" (Luckmann 1998, 32) vorgeprägt. Kommunikative Handlungen können sowohl einseitig, vom Kommunikationspartner keine Antwort erwartend als auch wechselseitig und demzufolge eine Antwort des Kommunikati- onspartners erwartend, sein. Kommunikative Handlungen können darüber hinaus unmittelbar sein, d. h. die an einer kommunikativen Situation Beteiligten sind "in gegenseitiger körperli- cher Reichweite" (Luckmann 1998, 32) und kommunikative Handlungen sind mittelbar, "wenn andere Bedeutungsträger als die eigene Stimme, Gestik oder der Gesichtsausdruck zur Vermittlung des gemeinten Sinns, der 'Botschaft', nötig werden" (Luckmann 1998, 32 - 33). Kommunikation wird dann zu einer moralischen,
"wenn in einer kommunikativen Tätigkeit eine fremde oder eigene konkrete Handlung, ein ganzes Leben, ein Individuum, eine kollektive Person bewertet wird; und zwar nach Kriterien bewertet wird, die inhaltlich an einer Vorstellung von Gut und Böse ausgerichtet sind, wobei das Werten der Form nach entweder explizit oder impli- zit sein kann" (Luckmann 1998, 33).
1.1 Kommunikative Konstruktion von Moral
Moralischer Kommunikation und ihrer damit "ausgeführten kommunikativen Handlungen" (Bergmann/Luckmann 1999, 13) begegnen wir in unserem heutigen Alltag ständig in Form von "Beleidigungen, Beschuldigungen, Vorwürfe[n], Vorhaltungen, Beschwerden, Entschul- digungen, Rechtfertigungen, Flüche[n], Entrüstung[en], Gejammer und zahlreiche[n] ande- re[n] Aktivitätstypen" (Bergmann/Luckmann 1999, 13).
Dieser Moral in der alltäglichen Kommunikation sind wir uns jedoch häufig nicht bewußt. Oft werden wir uns dieser erst in "besonderen Situationen - etwa dort, wo unterschiedliche mora-
lisch Regeln aufeinandertreffen und für Irritation sorgen" (Bergmann/Luckmann 1999, 14) bewußt.
Eine auf Kommunikation begründete "Konzeption von Moral" (Bergmann/Luckmann 1999, 22) fragt danach, ob eine "Handlung von den Beteiligten selbst überhaupt als moralisch rele- vante Handlung wahrgenommen" (Bergmann/Luckmann 1999, 22) wird und wie diese "Moralische Interpretation im kommunikativen Austausch der Beteiligten zum Ausdruck" (Bergmann/Luckmann 1999, 22) kommt.
Moralische Kommunikation definiert sich dadurch, daß
"in der Kommunikation einzelne Momente der Achtung oder Mißachtung, also der sozialen Wertschätzung einer Person, mittransportiert werden und dazu ein situativer Bezug auf übersituative Vorstellungen von 'gut' und 'böse' bzw. vom 'guten Leben' stattfindet" (Bergmann/Luckmann 1999, 22).
Bei dieser Definition von moralischer Kommunikation sei erwähnt, daß eine Kommunikation nicht dadurch moralisch ist, "daß in ihr moralische Aspekte des menschlichen Handelns ange- sprochen werden" (Bergmann/Luckmann 1999, 22).
Für Moralische Kommunikation ist also entscheidend, "daß es zu einer Moralisierungshand- lung [...], also zu sozial wertenden Stellungnahmen" (Bergmann/Luckmann 1999, 23) kommt, "die sich auf Handlungen oder Personen beziehen und geeignet sind, das Ansehen, das Image, die Ehre oder den Ruf der benannten oder identifizierbaren Person zu beeinträchtigen oder zu steigern" (Bergmann/Luckmann 1999, 23). Moralisierung bezieht sich hierbei sowohl "auf vergangene Handlungen bzw. abwesende Personen" (Bergmann/Luckmann 1999, 23) als auch "auf ein aktuelles Geschehen" (Bergmann/Luckmann 1999, 23) bzw. eine anwesende Person. Darüber hinaus "kann der moralisierende Achtungs- oder Mißachtungserweis direkt und ex- plizit [...] erfolgen oder indirekt und von der Seite her" (Bergmann/Luckmann 1999, 23). Direktheit und Explitzitheit erfolgt z. B. durch "moralisierende[r] Sprichwörter oder "moralisch aufgeladene[r] Bezeichnungen" (Bergmann/Luckmann 1999, 23). Indirektheit und Implizitheit kann z. B. "durch An- deutung, Anspielung, Ironie, Insinuation und dergleichen" (Bergmann/Luckmann 1999, 23) erfolgen. Moralisierung bezieht sich sowohl "auf Einzelindividuen als auch auf soziale Gruppen [...]" (Bergmann/Luckmann 1999, 23).
Arbeit zitieren:
Sandra Richter, 2002, Moral und Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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