PFLEGEPERSONEN
UND IHR
MEDIKAMENTENKONSUM
Die Pharmaindustrie im Krankenhausalltag
Zur Erlangung des Diploms
für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege an der Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege Feldkirch
Abstrakt
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Medikamentenkonsum von Pflegepersonen und mit dem Stellenwert der Pharmaindustrie im Krankenhausalltag. Die Forschungsfragen beziehen sich auf den Medikamentenkonsum von Pflegepersonen am Arbeitsplatz, ob diplomiertes Pflegepersonal sorgloser und unkritischer ist (was den eigenen Konsum betrifft) und auf die Präsenz der Pharmaindustrie im Krankenhaus.
Es wird im ersten - theoretischen - Teil der Forschung, Werbung, dem Verkauf und Handel von Arzneimitteln nachgegangen. Es werden Beispiele aus europäischen Ländern ebenso wie aus Ländern der Dritten Welt genannt. Außerdem wird näher auf den Medikamentenkonsum von Österreichern eingegangen. Dazu wurden in einer Literaturrecherche Zeitungsartikel, aktuelle Bücher aus dem deutschsprachigen Raum und verschiedene Internetquellen herangezogen. Der zweite - praxisorientierte - Teil der Facharbeit beschäftigt sich mit dem Konsum von rezeptpflichtigen Medikamenten von diplomierten Pflegepersonen in einem Krankenhaus in Vorarlberg. Mittels quantitativer Datenerhebung (einem anonymen Fragebogen) wurden 116 Pflegefachkräfte nach ihrem eigenen Konsum, dem Lesen von Beipackzetteln, ihrer Meinung zur Häufigkeit des Konsums und zur Selbstmedikation befragt. Die Ergebnisse - welche zum Teil überraschend waren - wurden mit Diagrammen und schriftlichen Ausführungen aufgezeigt. Es war deutlich ersichtlich, dass Schmerzmittel und orale Verhütungsmittel am häufigsten konsumiert wurden. Die Vermutung, dass Pflegepersonen (welche zu Hause viele Arzneimittel konsumieren) am Arbeitsplatz noch mehr Medikamente zu sich nehmen, hat sich nicht bestätigt. Trotzdem wurde ein deutliches Defizit an Popularität (was diese Thematik betrifft) festgestellt, was für die Zukunft bedeutet, dass auf diesem Gebiet noch einiges an Forschung notwendig ist.
Schlüsselwörter: Medikamentenkonsum, Pflegepersonen, Pharmaindustrie
Abstract
This paper deals with drug consumption among nurses and discusses the status of the pharmaceutical industry in hospitals. The field of research refer to the drug consumption among nurses at their workplace, if nurses are less critical with the consumption and about the pharmaceutical industry in hospitals.
The first - theoretical - part analyses research, advertising, sale and trade of drugs. It gives examples of European and developing countries. Especially the consumption among people in Austria is shown. For this purpose, various magazines, books and internet sources have been consulted. The second - practical - part deals with drug consumption among nurses in a hospital in Vorarlberg. Through a quantitative method (a questionnaire), 116 nurses were asked about reading the instruction leaflets, about their opinions on the amount of drugs taken by nurses and about their self-medication. The surprising results are presented in diagrams and texts.
This shows clearly that pain - killing - drugs and contraceptive have been taken the most time. The supposition that nurses (who take a lot of medicine at home) also take a lot of medicine at their workplace is not correctly. But the paper shows that the topic is very unpopular and that intensive research is necessary.
key words: drug consumption, nurses, pharmaceutical industry
Vorwort
Bevor ich begonnen habe mich einzulesen, nachzufragen und ein spezielles Augenmerk auf Pflegepersonen, ihren Medikamentenkonsum und die Pharmaindustrie zu legen, wusste ich nicht genau, was mich erwarten würde. Auf die Frage, was ich für ein Thema bei meiner Fachbereichsarbeit gewählt habe, musste ich des Öfteren in erschrockene Gesichter blicken. „Das ist aber ein gewagtes Thema“, so nicht nur eine diplomierte Pflegeperson. Am Anfang war ich mir dessen gar nicht bewusst, bis ich selber erkannte, dass ich mit dieser Thematik, mit meinem Fragebogen, etwas sehr Intimes ansprach. Der Konsum von rezeptpflichtigen Medikamenten, seien es Suchtgifte oder nicht, ist etwas sehr Persönliches, dass wenig bis gar nicht öffentlich diskutiert wird. Je nach Erziehung, Motivation, eigener Erfahrung oder ethischen Vorstellungen entscheidet ein Mensch, ob er Medikamente konsumieren möchte oder es mit anderen „Heilmitteln“ probiert.
Während des Erstellens meiner Arbeit sind die Schlagwörter Ärzte, Apotheker, Medikamente, (Wechsel)wirkungen und die Pharmaindustrie auch zunehmend in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt. Am 5. Jänner 2009 war der Autor Hans Weiss - welcher das Buch „Korrupte Geschäfte“ geschrieben hat - in der Sendung „Vorarlberg Heute“ im Fernsehen zu Gast. In seinem Buch bringt er die Zusammenarbeit von Ärzten mit Pharmafirmen zur Sprache, woraufhin auch die Ärztekammer Stellung dazu genommen hat.
Auch am 22. Jänner 2009 wurde - ebenfalls in der Fernsehsendung „Vorarlberg Heute“ - ein Beitrag zum Thema Medikamente gezeigt. Es handelte sich um die Frage, ob die Arzneimittel (welche der Patient zu sich nimmt) auf seiner E-Card gespeichert werden sollten, so dass der Apotheker mögliche Wechselwirkungen erkennen und / oder verhindern kann. Mit diesen zwei Beispielen möchte ich aufzeigen, dass diese Thematik aktuell ist und beinahe wöchentlich in das Inte- resse der Öffentlichkeit rückt.
Mein persönliches Ziel war es, herauszufinden, was hinter den „Pharmariesen“ steckt, wie sie arbeiten und was das für uns im Pflegeberuf für Konsequenzen haben kann. Ich habe mir auch erhofft, einen Überblick zu bekommen, wie es um den Medikamentenkonsum von Pflegepersonen steht. Dafür habe ich Literatur aus dem deutschsprachigen Raum gewählt, die mich dabei unterstützen sollte. Diesbezüglich wurde ich etwas enttäuscht, denn es gibt zwar einiges an Inhalten zu den Pharmaindustrien (Handel, Verkauf, Werbung, Forschung usw.), aber speziell zum Medikamentenkonsum von Pflegepersonen lässt sich kaum etwas finden. Einzig und allein ein spanischer Artikel ließ sich recherchieren, welchen ich aber - aufgrund der Sprachbarriere - nicht miteinbeziehen konnte. Dies hat es mir erschwert, immer einen Pflegebezug herzustellen. Aber es ist mir - mit Hilfe meines Fragebogens - durchaus gelungen, wenigstens einen kleinen Ausschnitt bezüglich dieser Thematik zu bekommen.
Dafür möchte ich allen diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegern danken, die sich an meiner schriftlichen Umfrage beteiligt haben. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen. Ebenso bedanken möchte ich mich bei DGKS Amann Marina, Bakk., welche für mich immer einen freien Termin und ein offenes Ohr für meine Probleme hatte.
Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit ist nur die männliche Form im Text angeführt.
Frastanz, am 13.05.2009
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Methodik 3
3. Begriffsdefinitionen 4
3.1 Arzneimittel 4
3.2 Selbstmedikation 4
3.3 Generika 5
3.4 Placebo 5
4. Theorieteil - Die Pharmaindustrie 6
4.1 Die Forschungen der Pharmaindustrie 7
4.1.1 Wie wird geforscht? 7
4.1.2 Welche Medikamente werden erforscht? 9
4.2 (Schleich) - Werbung? 10
4.3 Das Geschäft mit den Medikamenten 13
4.3.1 Der Verkauf / Kauf von Arzneimitteln 14
4.3.2 Medikamentenfälschung 16
4.4 Das Gesundheitswesen und die Pharmaindustrie 18
4.4.1 Suchterkrankungen in medizinischen Berufen 22
4.4.2 Der Arzneimittelkonsum von Herrn und Frau Österreicher 25
5. Der Fragebogen 26
5.1 Methodik 26
5.2 Darstellung der Ergebnisse 28
5.2.1 Demographische Daten 28
5.2.2 Ergebnisse aus den Fragen zum Medikamentenkonsum 30
6. Fazit 36
7. Literaturverzeichnis 41
8. Abbildungsverzeichnis 44
9. Anhang
1. Einleitung
Auf einer Station habe ich beobachtet, wie eine Pflegeperson nach dem Nachtdienst am Morgen eine Schlaftablette aus der Medikamentenschublade entwendet hat. Nachdem sie bemerkt hat, dass ich diesen Vorgang gesehen habe, hat sie mir lachend erklärt, dass man nach Jahren des Nachtdienstes am Morgen zu Hause nicht mehr einschlafen könne. Mit einer halben Tablette Dormicum sei dies jedoch wieder problemlos möglich. Diesen Vorgang habe ich auch bei einer zweiten Pflegeperson -auf derselben Station- beobachtet. In diesem Moment war ich mir nicht mehr sicher, ob ich konservativ- oder die Pflegepersonen leichtfertig waren.
Ebenso sieht man es immer wieder, dass andere Berufsgruppen im Stationszimmer die diplomierte Pflegeperson fragen, ob sie nicht eine Tablette, zum Beispiel gegen Schmerzen, haben können. Diese erhalten sie -nach meinen Beobachtungen- auch so gut wie immer. Ohne dass jemand nachfragt, ob er dieses Medikament schon einmal eingenommen hat, ob er zur Zeit noch andere Medikamente konsumiert oder ob er die möglichen Nebenwirkungen kennt. Diese Situationen haben mich zum Nachdenken angeregt und ich habe ein paar Dinge hinterfragt:
1. Konsumieren Pflegepersonen am Arbeitsplatz mehr Arzneimittel als zu Hause? Konsumieren Pflegepersonen generell mehr Arzneimittel als andere Berufsgruppen?
2. Sind Pflegepersonen - durch ihren ständigen Umgang mit Medikamenten - unkritischer und sorgloser, was den eigenen Konsum betrifft? 3. Wie präsent ist die Pharmaindustrie im Krankenhausalltag? Was spielt sie für eine Rolle in der Pflege?
4. Welche Medikamente sind für die Pharmaindustrie von Bedeutung zu er-forschen?
1
Mein Ziel ist es diesen Fragen nachzugehen und Antworten sowohl in der Literatur, als auch von den Pflegepersonen persönlich zu bekommen. Ich möchte herausfinden, wie Pflegepersonen zu diesen Themen stehen und was ihre persönliche Meinung dazu ist. Speziell geht es mir auch darum, nicht nur den Konsum von Suchtgiften zu beleuchten, sondern ganz allgemein herauszufinden, was für Medikamente, wann, wie oft und wo konsumiert werden. Ich schreibe
meine FBA für all jene, die sich für diese Thematik interessieren. Im Speziellen ist sie für Pflegepersonen gedacht, die - so wie ich - schon öfters über den eigenen oder den Medikamentenkonsum von Kollegen kritisch nachgedacht haben. Da es keine Studien gibt - welche diese Thematik behandeln - kann meine Fachbereichsarbeit als Erstinformation und Einstieg in das Thema verwendet werden.
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2. Methodik
Als Quellen wurden primär Bücher und Zeitschriften aus dem deutschsprachigen und englischsprachigen Literaturraum gewählt. Diese wurden in der Landesbibliothek in Bregenz und in der Mediathek der Krankenpflegeschule in Feldkirch im Zeitraum zwischen September 2009 und Jänner 2010 entliehen. Im Internet kamen Schlagwörter wie „Pharmaforschung und Pflegepersonen“, „Handel mit Medikamenten“, „Medikamentenkonsum von Pflegepersonen“, „Suchtpotential bei Pflegepersonen“ und „Selbstmedikation“ auf Deutsch zum Einsatz.
Auch englische Begriffe („nurses“, „drugs“, „intake“, „drug consumption“, „medication“, „selfmedication“ und „pharmacy“) wurden - in Kombination mit den Bool`schen Operatoren: and, or, not - eingesetzt. Datenbanken im Internet waren Medline, Embase, Cinahl, und Google scholar. Außerdem wurde in den Bibliotheken des Rudolfinerhauses und der UMIT gesucht.
Nach dem theoretischen Bezug auf die Pharmafirmen rückt der praxisnahe Fragebogen, mit dem ich diplomierte Pflegepersonen befragt habe, ins Licht der Aufmerksamkeit. Es wurde erfasst, wie es um den Medikamentenkonsum von diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegern in einem Krankenhaus in Vorarlberg steht. Genauere Informationen dazu auf Seite 26f.
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3. Begriffsdefinitionen
In Folge ein paar Begriffsdefinitionen, um ein besseres Verständnis im Text zu schaffen.
3.1 Arzneimittel
„Nach den Richtlinien der Europäischen Union (EU) gelten als Arzneimittel alle Stoffe oder Stoffzusammensetzungen, die
als Mittel zur Heilung oder Verhütung menschlicher oder tierischer Krankheiten dienen,
zur Verbesserung der menschlichen (oder tierischen) Körperfunktion bestimmt sind,
für das Erlangen einer ärztlichen Diagnose notwendig sind“ (Bannert et al. 2007: S 3).
Ulrich (2007) weitet die Definition noch aus, indem Hilfsstoffe auch als Arzneimittel gelten. Diese entfalten zwar selbst keine Arzneimittelwirkung, aber sie werden für die Herstellung von Arzneimitteln verwendet.
3.2 Selbstmedikation
Unter Selbstmedikation wird im Allgemeinen verstanden, dass der Patient selbständig rezeptpflichtige oder rezeptfreie Arzneimittel konsumiert, ohne vorher mit einem Arzt oder Apotheker Rücksprache gehalten zu haben. Dies geschieht besonders häufig bei Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen, Schlaflosigkeit und Schmerzen jeglicher Art.
Man entscheidet selber, was für ein Medikament man nimmt, in welcher Dosierung, wie häufig und für wie lange.
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Arbeit zitieren:
Sabrina Stecher, 2009, Pflegepersonen und ihr Medikamentenkonsum, München, GRIN Verlag GmbH
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