Freie Universität Berlin
Fachbereich Publizistik und Kommunikationswissenschaft
PS 28551 „Ausgewählte Quellen zur Geschichte der öffentlichen Kommunikation“ WS 2002 / 2003
Die politisch-satirischen Zeitschriften in den Umbrüchen und Krisen der deutschen Geschichte von 1871 bis 1923
Eine Analyse anhand ausgewählter Ausgaben des „Kladderadatsch“ und des „Simplicissimus“
Inhaltsverzeichnis
Bemerkungen zum Gegenstand, zur Unter-suchungsmethode und zur
1
Quellengrundlage 4
Begriffsbestimmungen. 5
2
Inhaltsanalysen von Kladderadatsch und Simplicissimus 6
3
„Hurrah dem Deutschen Reiche “ - Die Reichsgründung 1871 6
3.1
„Heil Dir, o Fürst “ - Die Entlassung Bismarcks im März 1890 7
3.2
„Auf, deutsche Brüder, die Hunnen kommen “ - Der Ausbruch des
3.3
1.Weltkriegs im August 1914. 8
„Wir weinen ihm keine Träne nach.“ - Der Übergang von der Monarchie zur
3.4
Republik 1918 10
„Noch eine Minute bis zwölf - dann wird der Gashahn aufgedreht.“ - Das
3.5
Krisenjahr 1923 12
Fazit 13
4
Quellen - und Literaturverzeichnis. 16
Abk ürzungsverzeichnis
(Die beiden Hauptquellen werden im Text abgekürzt. Wenn das Kladderadatsch
ausgeschrieben ist, dann handelt es sich um die Figur des Kladderadatsch, der in
Karikaturen auftritt.)
K. Kladderadatsch
S. Simplicissimus
3
Bemerkungen zum Gegenstand, zur Untersuchungsmethode und 1 zur Quellengrundlage
In der Zeit des Zweiten Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik wurden die entscheidenden „Weichen“ für den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte im 20.Jahrhundert gestellt. Für die vorliegende Arbeit wurden aus dem Zeitraum von 1871-1933 fünf besonders herausragende Ereignisse ausgewählt, die einen Umbruch- oder Krisencharakter hatten. Es handelt sich um die Staatsformwechsel von 1871 und 1918, den Kanzlerwechsel 1890, den Beginn des 1. Weltkriegs 1914 und das Krisenjahr der Weimarer Republik 1923.
Die nachfolgende Darstellung machte es sich zur Aufgabe, politisch-satirische Zeitschriften zum Zeitpunkt dieser fünf Umbrüche im Hinblick auf folgende These inhaltlich zu analysieren: Die politisch-satirische Zeitschrift in Deutschland verhielt sich in den Phasen des politischen Umbruchs im Kaiserreich und in der Weimarer Republik gegenüber den innenpolitischen Akteuren zunehmend opportunistisch. Zum Ausgleich für die abnehmende innenpolitische Kritik, richtete sich die Satire der Kommunikatoren gegen außenpolitische Akteure. Diese Anpassung führte zum Verlust von Rezipienten, womit die langfristig sinkenden Auflagenzahlen der politisch-satirischen Zeitschriften in Deutschland zu erklären sind. 1 Die Auswahl der Quellen orientierte sich an den „drei großen deutschen Satirezeitschriften“ 2 : Die fliegenden Blätter, Kladderadatsch und Simplicissimus. Allerdings widmeten sich die 1844 in München gegründeten Fliegenden Blätter vorwiegend dem unterhaltenden Humor. Sie verzichteten auf die politische Satire 3 und sind deshalb für diese Arbeit ungeeignet. Der S. und der K. dagegen, wurden von Wilmont Haacke in seiner Darstellung zur Geschichte der politischen Zeitschrift diesem Typus zugerechnet. 4 Deshalb beschränkte sich die Untersuchung auf diese beiden Zeitschriften, die zudem sehr gut in den Berliner Bibliotheken verfügbar waren. Die Auswahl der jeweiligen Ausgaben von beiden Blättern erfolgte durch eine
1 Siehe Auflagezahlen bei: Stöber, Rudolf: Deutsche Pressegeschichte. Einführung, Systematik, Glossar, Konstanz 2000, S.247.
2 Stöber, Pressegeschichte, S.248.
3 Vgl.: Robertson, Ann:. Karikatur im Kontext, Frankfurt a.M. 1992, S.96.
4 Vgl.: Haacke, Wilmont/ Pötter, Günter: Die politische Zeitschrift 1900-1965, Stuttgart 1982, S.25f.
4
Konkretisierung der Umbrüche und Krisen auf folgende Daten: Ausrufung des Kaiserreiches am 18.Januar 1871, Entlassung Bismarcks am 20.März 1890, Kriegserklärungen des Deutschen Reiches an Russland am 1.August und an Frankreich am 3.August 1914, die Verkündung der Abdankung des Kaisers und die Ausrufung der Republik am 9.November 1918. Unter Berücksichtigung der Redaktionszeiten wurden die unmittelbar auf das Ereignis folgenden Ausgaben herangezogen. Da im Jahr 1923 eine Vielzahl von Schwierigkeiten und inneren Problemen kumulierten, die es in der späteren Beurteilung zu dem Krisenjahr der Weimarer Republik werden ließen, war es schwierig ein vergleichbares Schlüsseldatum zu definieren. Deshalb wurden für 1923 die Jahresendausgaben analysiert, die eine Gesamtbilanz der Ereignisse zogen. Da der S. erstmals im Jahre 1896 in München erschien, beschränkte sich die Analyse der ersten beiden Wendepunkte auf den 1848 im Zuge der Märzrevolution in Berlin gegründeten Kladderadatsch.
Begriffsbestimmungen 2
Da in der Forschungsliteratur verschiedene Definitionen der Begriffe Satire und Karikatur existieren, ist es zunächst notwendig die Begriffsbestimmungen vorzustellen, von denen die nachfolgende Analyse ausgeht.
Emil Dovifat bezeichnete die Satire als Darstellungsform und fasste ihre Absicht so zusammen: Sie „will durch Spott, Ironie, karikierende Überzeichnung oder gar Schmähung Personen bloßstellen, menschliche Schwächen aufdecken und Ereignisse entlarven.“ 5 Die Intention der Satire sei dabei nicht negativ, sondern positiv, denn sie „klärt auf, beschreibt kritisch und [...] politisch motiviert die Zeitläufte, die Haupt- und Staatsaktionen, ihre Nutznießer und ihre Opfer.“ 6 Man unterscheidet die Wortsatire, die in gereimter und ungereimter Form auftritt, und die Bildsatire, die sich der Zeichnungen und vor allem der Karikatur bedient.
5 Dovifat, Emil: Zeitungslehre II, 6. neubearb. Aufl. Berlin u.a. 1976, S.102.
6 Haarmann, Hermann: „Pleite glotzt euch an. Restlos“. Satire in der Publizistik der Weimarer Republik. Ein Handbuch, Opladen 1999, S.17.
5
Arbeit zitieren:
René Schlott, 2003, Die politisch-satirischen Zeitschriften in den Umbrüchen und Krisen der deutschen Geschichte von 1871-1923 - Eine Analyse anhand ausgewählter Ausgaben des Kladderadatsch und des Simplicissimus, München, GRIN Verlag GmbH
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