Freie Universität Berlin
FB Geschichts-und Kulturwissenschaften Wintersemester 1999/2000 PS 13441: Der 17.Juni 1953
Gliederung:
I. Einleitung: Die DDR im Jahre 1953
II. Hauptteil: Der Neue Kurs - die Politikwende im Juni 1953
III. Schluß: Was war der Neue Kurs wirklich ?
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
I. Einleitung
„Es wird Zeit, den Holzhammer beiseite zulegen“ 1 - dieses Zitat umschreibt in treffender
Weise die Situation im Frühjahr 1953 in der DDR und die Notwendigkeit für die SED-
F ührung, einen radikalen Politikwechsel einzuleiten, den Neuen Kurs. Im Rahmen dieser
Hausarbeit wird die Entwicklung zu diesem Politikwechsel, die wichtigsten damit
verbundenen Veränderungen, sowie ein Ausblick auf die weitere Entwicklung bis zu den
Ereignissen des 17.Juni 1953 gegeben. Dazu kommt am Ende Versuch einer Bewertung und
die Einordnung in die DDR-Geschichte.
Im Zuge der Aufarbeitung der DDR-Geschichte steht zu diesem, wie zu weiteren relevanten
Themen eine relativ umfangreiche Auswahl an Literatur zur Verfügung. Zahlreiche Werke
stammen aus der Zeit kurz nach 1953 und wurden in der Bundesrepublik veröffentlicht in
1 Siegfried Grün, Käthe Stern: Es wird Zeit, den Holzhammer beiseite zu legen Neues Deutschland, 14.6.1953,
Berlin - Abdruck im Anhang von: Arnulf Baring: der 17.Juni 1953, 2.Auflage, Stuttgart, 1983
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jüngerer Zeit nach dem Ende der DDR und z.B. aus Anlaß des 40.Jahrestages der Ereignisse des 17.Juni im Jahr 1993 kamen weitere hinzu, die z.T. neue Gesichtspunkte bieten. Auch stehen jetzt diverse Originalquellen zur Verfügung.
Im Jahr 1953 geht die Deutsche Demokratische Republik in das vierte Jahr ihres Bestehens. Die Staatsführung ist, unterstützt von den sowjetischen Besatzern fest in der Hand der SED unter Beteiligung der politisch inzwischen gleichgeschalteten Blockparteien. Parteichef Walter Ulbricht verfolgt eine eng an Moskau angelehnte Politik. Die auf der II.Parteikonferenz der SED im Juli 1952 verkündete Politik des planmäßigen Aufbaus des Sozialismus hat für eine Verschärfung des stalinistischen Kurses der DDR-Führung gesorgt. Mit den auf der Konferenz festgelegten Vorgaben wird offen eine immer stärkere Orientierung am Sozialismus sowjetischen Vorbilds verfolgt und die Abgrenzung vom westlichen Teil Deutschlands verstärkt. Auch im Innern soll der Klassenkampf verschärft werden, die Bevölkerung auf einen einheitlichen Kurs gebracht und letzte Überbleibsel demokratischer Strukturen und nicht-planwirtschaftlicher Wirtschaft beseitigt werden. Ziel ist der Aufbau eines zentralistischen, planwirtschaftlichen und sozialistischen Staates. Konkret bedeutet dies vor allem die Ersetzung der föderalen Länderstruktur durch die zentral gesteuerten Bezirke, die zwangsweise Kollektivierung der Bauern in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) nach Vorbild der UdSSR, aber auch die von Handwerkern, Handel- und Gewerbetreibenden. Die Indusrie, besonders die Schwerindustrie, werden weiter auf- und ausgebaut (z.B. Eisenhüttenkombinat Ost - Stalinstadt, später umbenannt in Eisenhüttenstadt). Alle Werktätigen sollen mit vereinten Kräften und erhöhter Arbeitsleitung einen modernen Industriestaat errichten. Dazu gehören vor allem umfangreiche Erhöhungen des Plansolls in allen Bereichen der Wirtschaft, von denen noch später die Rede sein wird. Auch der Einfluß der Kirchen wird zurückgedrängt, für die in einer sozialistischatheistischen Gesellschaft kein Platz mehr ist. 2 Auch der Aufbau bewaffneter Streitkräfte soll vorangetrieben werden.
Mitten in diese Bemühungen fällt der Tod Josef Stalins am 5.3.1953. Aufgrund der unvollständigen Aktenlage ist es schwer, ein komplettes Bild der sowjetischen Deutschlandpolitik im Jahr 1953 zu zeichnen, die den Anstoß für die Politik des Neuen Kurses der DDR-Regierung geben sollte. Jüngere Untersuchungen zeigen, dass nach dem
2 vgl. Walter Ulbricht: Die gegenwärtige Lage und die neuen Aufgaben der SED, in : Protokoll der II.Parteikonferenz der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin (Ost) 1952
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Machtwechsel auch im Moskauer Außenministerium eine neue Deutschlandpolitik konzipiert wurde und nicht nur wie bisher mehrheitlich angenommen nur vom später hingerichteten Innenminister Berija. Die neue sowjetische Führung wollte durch Vorschläge für einen gemeinsamen Truppenabzug aller Alliierten noch vor Abschluß eines Friedensvertrages und gesamtdeutschen Wahlen für eine gemeinsame Übergangsregierung die sich anbahnende Einbindung Westdeutschlands in die westlichen Bündnisstrukturen verhindern. Doch die Verschärfung der wirtschaftlichen und politischen Krise in der DDR machten diese Überlegungen zunichte.
II. Hauptteil
Im Frühjahr 1953 sind die Auswirkungen der Beschlüsse der II.Parteikonferenz für jedermann spürbar. Die Bauern werden verstärkt zur Aufgabe selbständiger Landwirtschaften und zum Eintritt in die LPGs gedrängt. Bauern, die diesen Schritt nicht tun wollen, werden u.a. bei der Vergabe staatlicher Vergünstigungen (Kredite, Maschinen, Saatgut) benachteiligt, mit hohen Abgaben belegt und so bewusst wirtschaftlich ins Abseits gedrängt. Ähnliches geschieht mit den freien Handwerkern, Händlern und anderen kleineren Unternehmern. So sollen letzte Elemente marktwirtschaftlicher Strukturen beseitigt werden. Ein weiteres Druckmittel ist der Entzug der Lebensmittelkarten resistenter Bürger (ab 9.4.53). Die neu geschaffenen Produktionsgenossenschaften und volkseigenen Betriebe sind jedoch weniger produktiv, sodass Versorgungsprobleme zunehmen. Auch die starke Überbetonung des Aufbaus der Schwerindustrie führt zu wirtschaftlichen Verzerrungen und Engpässen, besonders bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Konsumgütern. Diese Entwicklung wird noch zusätzlich durch eine Zunahme der Fluchtbewegung Richtung Westen verstärkt. Besonders zahlreich verlassen die bedrängten Privatbauern und Kleinhändler die DDR, aber auch viele qualifizierte junge Erwerbstätige entschließen sich zur Übersiedlung. Durch das zurückgelassene, nun brach liegende Land, eingestellte Unternehmen und leerbleibende Arbeitsplätze verschärft sich die Wirtschaftslage weiter. Ihre Höhepunkt erreicht die Fluchtbewegung im Jahr 1953, als offiziell insgesamt 331390 Menschen flüchten, davon allein 185000 von Januar bis Mai. 3 In einem inoffiziellen Bericht der sowjetischen Kontrollkomission nach Moskau ist im Mai 1953 sogar von insgesamt 320000 Flüchtlingen
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Arbeit zitieren:
Maximilian Spinner, 2001, Der 17. Juni 1953 - Die SED und der Neue Kurs, München, GRIN Verlag GmbH
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Der 17. Juni 1953 und das Ministerium für Staatssicherheit
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