GLIEDERUNG
Einleitung S. 3
1. Klassismus 5
1.1 kurzer Diskurs von „Klassenbegriffen 6
1.2 Aktualität in Deutschland 8
2. Social Justice Programm /Training 11
2.1 Heterogenität von deutschem und 13
amerikanischem Modell
2.2 Reflexion eigener Erfahrungen 14
Schlusswort S. 15
Bibliografie S. 16
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EINLEITUNG
Am 14. August 2006 trat in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz, in Kraft. Diese im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerte Regelung soll Benachteiligungen und Diskriminierung von Menschen oder Gruppen ohne sachlich gerechtfertigten Grund verhindern und mitunter sogar beseitigen (vgl.
http://bundesrecht.juris.de/agg/index.html). Vor dem Hintergrund dieses Gesetzes ist eine genauere Betrachtung von Diskriminierung als kollektives Handlungsmuster notwendig. Im öffentlichen Raum scheint diese Form der Interaktion größtenteils verpönt. Im Privaten aber, beim Gespräch mit Freunden, innerhalb der Familie oder in alltäglichen Situationen außerhalb der eigenen Vier-Wände findet Diskriminierung, sowohl unbewusst als auch willentlich, kontinuierlich Anwendung. Bezeichnenderweise wird das unmittelbare oder direkte Diskriminierung genannt (vgl. Czollek, Weinbach 2008, S.62). Beispiele hierfür lassen sich vielfach nennen. Verdeutlichen lassen sich diese durch herabwürdigende Äußerungen oder tätliche Angriffe, da diese Formen der Diskriminierung am offensichtlichsten auftreten. Daneben wird innerhalb der EU-Richtlinien zur Gleichbehandlung aber auch von mittelbarer Diskriminierung gesprochen, nämlich dann, wenn „Diskriminierung in der Praxis [...] subtile Formen annimmt“ (vgl. Czollek, Weinbach 2008, S.63) und somit weiterhin Benachteiligungen existieren, die aber den Anschein erwecken, als wären es neutrale Vorschriften. Dies wird nur von Wenigen und den Betroffenen selbst durchschaut.
Diskriminierung wird in verschiedenen Kontexten ebenso verschieden definiert. In diesem sozialwissenschaftlichen Zusammenhang korreliert der Begriff der Diskriminierung mit Demütigung, Erniedrigung, „Geringschätzung, Herabsetzung, Benachteiligung und Entwertung“ (vgl. http://www.sign-lang.uni
hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/l50/l5090.htm). Diskriminierung in
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diesem Sinne trifft somit Menschen, die in irgendeiner Weise Träger von angeblich signifikanten Eigenschaften wären, welche in irgendeiner Form von der gesellschaftlich vorgegebenen Norm abweichen. Dieses Abweichen ist in aller Regel auf Vorurteilen begründet und entbehrt jeglicher wissenschaftlich-belegten Grundlage.
Ein weniger diskutiertes und dennoch hoch aktuelles Thema ist in diesem Rahmen Klassismus als eine eigenständige Form von Diskriminierung, neben den der Öffentlichkeit Bekannteren wie Sexismus, Rassismus, Antisemitismus oder Behindertenfeindlichkeit. Da öffentlich jedoch Einkommensverhältnisse, Geld oder Klasse wenig und selten thematisiert werden und meist nur in Verbindung mit den anderen genannten Diskriminierungsformen betrachtet wurden, scheint Klassismus als Diskriminierungsform bisher keine große Rolle gespielt zu haben. „Shame at being poorer or richer than others leads to secrecy and silence. This silence powerfully maintains the invisibility of class“ (vgl. Leondar-Wright, Yeskel 2007, S.314). Erst jetzt als Reaktion auf die Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Bildungsmisere wird Klassismus gesellschaftlich problematisiert.
Im Folgenden soll Klassismus in seiner diskriminierenden Struktur einmal genauer mit Blick auf die heterogenen Definitionen von Klassenbegriffen und auf seine Aktualität in Deutschland hin untersucht werden. Denn nur durch eine genaue Kenntnis von Klassismus als separat funktionierende Diskriminierungsform bekommt es die Relevanz, die es gesellschaftlich so noch nicht inne hat. Daran anschließend wird das „Social Justice Training“, sowohl in seiner ursprünglich amerikanischen, als auch in adaptierter deutscher Version ebenfalls Thema dieser Arbeit sein, da es ein zentraler Aspekt von Social Justice ist die einzelnen Formen von Diskriminierung aufzuzeigen und in diesem Zusammenhang „die Vielfalt von Diskriminierungen ernst zu nehmen und in horizontalen und vertikalen Verbindungen untereinander zu betrachten“ (vgl. Czollek, Weinbach 2008, Broschüre).
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1. KLASSISMUS
Der in den 1970er Jahren in den Vereinigten Staaten entstandene Begriff Klassismus „[...] bezeichnet die Diskriminierung oder Unterdrückung aufgrund der Klassenzugehörigkeit oder der Klassenherkunft“ (vgl. Kemper 2008, S.50), die sowohl auf institutioneller und struktureller, als auch auf individueller Ebene stattfinden kann. Andere synonym verwendete und populärere Begriffe sind „Klassenwiderspruch“ oder auch „Klassenrassismus“.
Chuck Barone, ein Theoretiker für Klassismus, unterscheidet drei Ebenen von Klassismus, die mittlerweile auch in Deutschland rezipiert werden:
• Die Makro-Ebene umfasst „institutionell bedingte Unterdrückung einer Klasse durch eine andere vor allem durch ein bestimmtes politökonomisches System“ (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Klassismus).
• Auf Meso-Ebene sind Unterdrückungsmechanismen angesiedelt, die sich innerhalb von Gruppen mithilfe von negativen Vorurteilen und Stereotypen manifestieren und durch die Medien, beispielsweise, aufrecht erhalten oder sogar konstruiert werden.
• Die Mikro-Ebene bezieht sich auf die individuelle Diskriminierung eines jeden Einzelnen durch seine Äußerungen, Einstellungen und seine Interaktionen.
Grundsätzlich sind diese einzelnen Ebenen miteinander verschränkt und funktionieren, zumindest auf Meso- und Mikro-Ebene, nicht nur als Top-Down-Praxis. Diskriminiert wird auch von unten nach oben, da von Reichen ebenso unterschiedliche Stereotypen existieren, wie von Armen. Für das Verständnis der Mechanismen von Klassismus ist es jedoch wesentlich, dass „[d]ie jeweiligen einzelnen Korrelationen zwischen einer abhängigen Variablen [...] und sogenannten unabhängigen Variablen, wie Geschlecht, Alter, Religion, ja selbst Ausbildungsniveau, Einkommen, Beruf [...] tendenziell das umfassende System der Beziehungen [verschleiern], auf denen in Wirklichkeit Stärke und Ausprägung der innerhalb einer solchen Korrelation registrierten Effekte beruhen“ (vgl. Bourdieu 1982, S.178).
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Arbeit zitieren:
Anne Kuhnert, 2009, Klassismus und Social Justice, München, GRIN Verlag GmbH
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