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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung, Fragestellung und Forschungsstand 2
1.1. Vorbemerkung: Siebenbürgen aktuell 4
2. Hauptteil 6
2.1. Lage und Geographie des Landes 6
2.2. Geschichte der Einwanderungen in Siebenbürgen 6
2.2.1. Die Ungarn 7
2.2.2. Die Sachsen 7
2.2.3. Die Rumänen 8
3. Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts 9
3.1. Der rumänische Nationalismus 10
3.1.1. Die rumänische Nationalität aus der Sicht der Ungarn 10
3.1.2 Die rumänische Nationalität aus der Sicht der Deutschen 12
4. Schluss 13
4.1. Interpretation 13
4.2. Ausblick 15
5. Literaturliste, Bibliografie 17
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1. Einleitung, Fragestellung und Forschungsstand
In dieser Hausarbeit werde ich mich mit den multiethnischen Konflikten in der Vergangenheit Siebenbürgens und dem heutigen Rumänien beschäftigen. Siebenbürgen, jahrhundertelang ein eigenständiges Fürstentum, gehört seit 1918 zu Rumänien. Man kann sagen, dass Siebenbürgen auf mehrere verschiedene Vergangenheiten zurückblickt. Jedes Volk, das sich im Laufe der Geschichte auf dem Gebiet angesiedelt hat, nämlich auf die Seine. „1851 wurden hier 1 227 276 Walachen (Romänen), 536 011 Magyaren (Ungarn und Szekler), 192 482 Deutsche (samt Sachsen), 78 923 Zigeuner (Roma), 15 573 Juden, 7600 Armenier, 3743 Slaven (vornehmlich Tschechen, Slowaken und Bulgaren), 771 Individuen verschiedener Nationalitäten (Griechen, Italiener usw.) gezählt. Von diesen über zwei Millionen Einwohnern bekannten sich 648 410 zum griechisch-katholischen, 638 017 zum griechisch-orthodoxen, 295 721 zum reformierten, 215 385 zum römisch-katholischen, 198 851 zum evangelischen Glauben, 46 016 zum unitarischen, 15 574 zum mosaischen und 4336 zum armenisch-katholischen Glauben.“ 1 Die Angehörigen so unterschiedlicher Ethnien, Religionen, Kulturen und sozialer Schichten grenzten sich auch durch Selbst- und Fremdbilder voneinander ab, die von der politischen Entwicklung beeinflusst wurden und ihrerseits eine politische Virulenz entfalteten. Bis zum 1. Weltkrieg konnte jede Nation ihre Eigenart, die eigene Sprache, Volkskunst, das Brauchtum und die Kultur, die eigene Identität bewahren. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine nachhaltige Veränderung der ethnischen Struktur Siebenbürgens: Die meisten Juden fielen dem Holocaust zum Opfer, die Überlebenden wanderten seit Beginn der 50er Jahre in großer Zahl nach Israel aus. Viele Sachsen ließen sich vom Nationalsozialismus blenden, ihre Wehrpflichtigen wurden seit 1943 in die Waffen-SS einberufen, aus Nordsiebenbürgen flüchteten die meisten Deutschen im Jahre 1944, aus den anderen Landesteilen wurden die Arbeitsfähigen 1945 in die Sowjetunion deportiert, seit den Sechziger Jahren, verstärkt seit den 70ern und massenhaft nach der politischen Wende von 1989 siedelten sie nach Deutschland aus. Die Zahl der Rumänen wuchs durch Zuwanderung, jene der Ungarn nahm durch eine relativ geringe Auswanderung etwas ab.
1. Siebenbürgisches Archiv Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde Das Bild der anderen in Siebenbürgen.
Stereotype in einer multiethischen Region (Gündisch, Konrad, Höpken, Wolfgang und Markel, Michael (Hrsg.), Köln, Weimar, Wien,
Böhlau 1998 S.3
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Während der kommunistischen Diktatur, unter der alle Völker des Landes zu leiden hatten, wurden die Gegensätze zwar nivelliert, nach dem Umbruch von 1989 brachen sie erneut auf und wurden erst durch den Abschluss des ungarisch-rumänischen Grundlagenvertrags weitgehend, jedoch nicht endgültig entschärft. 2 In dieser Arbeit möchte ich die drei größten Volksgruppen, die in Siebenbürgen gelebt haben, vorstellen und der Frage nachgehen, woher die Hegemonialansprüche der Rumänen rühren, die bis zum 19. Jahrhundert eine zwar zahlenmäßig starke aber dennoch unbedeutende Volksgruppe im Fürstentum Siebenbürgen dargestellt hat. Nicht nur, dass Rumänien die Herrschaft über Siebenbürgen erlangte. Bis vor Kurzem wurden andere Volksgruppen von den Rumänen stark unterdrückt. Gründe und Ursachen dafür werde ich untersuchen. Dafür gehe ich auch auf das Phänomen Nationalismus genauer ein. Die Nationalitätenkonflikte, die vor 1848 stattgefunden haben, werde ich nicht thematisieren. In meiner Schlussbetrachtung werde ich vielmehr die Nationalitätenkonflikte nach 1918 bis in die Gegenwart zu interpretieren versuchen. Aufgebrochen sind die schwelenden Konflikte nämlich erst durch die Entdeckung der Nationalitäten schlechthin und die „Rache“ der Rumänen vor Allem an den Ungarn im späteren Groß-Rumänien.
Der Forschungsstand zu einer objektiven Sicht auf die Nationalitätenkonflikte in Siebenbürgen ist dünn. Es gibt ausreichend Bücher über Siebenbürgen. Kaum eins aber, das nicht gefärbt ist von nationalistischer Haltung. Das ergab auch meine ausgedehnte Recherche im Osteuropainstitut der FU Berlin. Bei allen Volksgruppen stand die Stärkung der eigenen Gruppenidentität im Vordergrund. Sie beziehen sich auf ihre Historiker und nutzen andere Volksgruppen gerade noch als Möglichkeit für eine nationale Abgrenzung. Von objektiver Forschung kann also kaum die Rede sein. Dem Buch „Rumänien“ von Keno Verseck, ein freier Journalist, der schon viele Jahre lang Osteuropa-Korrespondent für verschiedene deutsche Zeitungen ist, konnte ich eine freie und aktuelle Einschätzung der Lage in Siebenbürgen entnehmen. Er erklärt den Forschungsstand wie folgt: „Die Historiographie inszeniert eine große, glorreiche Vergangenheit. Sie stellt auf eine geschichtliche Grundlage, was der eigentliche Verlauf
2. Vgl. Eduard Albert Bielz: Handbuch der Landeskunde Siebenbürgens, Eine physikalisch-statistisch-topographische Beschreibung dieses Landes. Hermanstadt 1857 (Unveränderter Nachdruck als Festgabe für Ernst Wagner zum 75. Geburtstag. Köln, Weimar, Wien 1996 S. 160
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der Geschichte nicht oder nur rudimentär geschaffen hat; einen kontinuierlichen und legitimierten staatlichen Rahmen und ein nationales Bewusstsein. Dieser Ethnohistorizismus ist mehr oder weniger überall in Osteuropa verbreitet und tragende Säule eines ethno-nationalistischen Nationalverständnisses.“ 3 Weiter heißt es, dass rumänische Historiker, die für eine objektive Geschichtsschreibung eintreten, immer noch die Minderheit bilden. Rumänische Historiker, selbst die Bedeutendsten, werden aus diesem Grund im Westen im Allgemeinen nicht wahrgenommen.
1.1. Vorbemerkung: Siebenbürgen aktuell
Im August 1994 ließ der Bürgermeister von Klausenburg (Cluj), Gheorghe Funar, auf dem zentralen Platz der Einheit ein dreißig Meter langes und vier Meter breites Loch ausheben. Es sollten darunter zweitausend Jahre alte römische Ruinen zu finden sein. Gegen die geplanten Ausgrabungen hatten vorher gewalttätige Auseinandersetzungen stattgefunden. Ungarn und Rumänen stritten schon lange darum, wer der erste Siedler in Cluj gewesen war. Der Ort existierte schon unter römischer Herrschaft. Mit der dakoromanischen Kontinuitätstheorie, auf die ich später noch kommen werde, erklärten sich Rumänen für die Ureinwohner dieses Territoriums. Das sollte bewiesen werden. Es ging aber noch um viel mehr. Funar, damals Chef der ultranationalistischen Partei der nationalen Einheit Rumäniens, heute einer der Führer in der rechtsextremistischen, antisemitischen Großrumänien-Partei, war seit 1992 Bürgermeister von Cluj und führte einen hartnäckiger Kampf um die rumänische Vergangenheit Siebenbürgens. Fanatisch ging er gegen die in der Stadt lebende ungarische Minderheit vor, die etwa ein Viertel der 320 000 Einwohner ausmachte. Er verbot rumänisch-ungarische Aufschriften, ließ Büros von Institutionen der ungarischen Minderheit räumen und schlug sogar einen Bevölkerungsaustausch mit Ungarn vor. Hauptmittel im Kampf des nationalistischen Bürgermeisters aber war die Geschichte. „Die multiethnische Vergangenheit der siebenbürgischen Metropole, in der Rumänen, Ungarn, Deutsche, Juden und andere Nationalitäten seit dem Mittelalter zusammengelebt hatten, wollte er auslöschen. Funar ließ Statuen historischer rumänischer Persönlichkeiten aufstellen, zahlreiche alte Gedenktafeln entfernen und neue montieren, änderte Straßennamen und organisierte Kundgebungen, wie etwa das symbolische Begräbnis des 1996 abgeschlossenen
3. Verseck, Keno: Rumänien. 1. Auflage 1998. 3. Neu bearbeitete Auflage. München 2007 S. 41
Arbeit zitieren:
Juliane Voigt, 2007, Siebenbürgen: Nationalitätenprobleme und Nationalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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