Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die Tagebücher Joseph Goebbels 5
1.1. Kurzbiografie Joseph Goebbels 5
1.2. Überlieferungsgeschichte der Tagebücher und weitere Editionen 6
2. Die Edition 15
2.1. Heraugeberschaft 15
2.2. Auswahlkriterien und Vorlagen 16
2.3. Aufbau und Benutzbarkeit der Edition 17
2.4. Editionsrichtlinien 18
2.5. Anlass der Edition und Adressatenkreis 19
2.6. Quellenwert 20
2.7. Kritik 20
3. Film „Das Goebbels-Experiment“ 23
4. Quellen 25
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Einleitung
Gerade rollt aus Hollywood eine Welle an Spielfilmen mit den Themen Holocaust und Drittes Reich auf den Kinobesucher zu, sei es beispielsweise „Operation Walküre“ 1 , der für große Diskussionen sorgt 2 , oder „Der Vorleser“ 3 . Doch reichen für eine Beschäftigung mit der NS-Zeit natürlich keine Blockbuster, die vor allem unterhalten sollen, aus, egal, wie authentisch sie sich geben.
Für eine intensive Auseinandersetzung mit der Zeit sind historische Quellen von Nöten, die oft verstreut in den Archiven liegen. Daher sind viele Quellen der NS-Zeit in Editionen erschienen - auch das Tagebuch Joseph Goebbels’, des NS-Propagandaministers.
Editionen erleichtern die Arbeit des Historikers erheblich. Es ist nicht mehr notwendig, in diverse Archive zu fahren, um sich einen Überblick über alle Quellen zu verschaffen. Je nach Edition ist die Gesamtquellenlage oder eine spezifische Auswahl der Quellen aufgearbeitet.
Bei den Tagebüchern Goebbels’ ist eine Gesamtedition erstellt werden. Jedoch ist hierbei zu unterscheiden, dass es keine Gesamtswerksausgabe ist, da in diese auch Briefe, Reden oder Privatakten mit aufgenommen werden müssten.
Allerdings war die Erstellung einer Edition der Tagebücher äußerst schwierig, da nach dem Zweiten Weltkrieg die Teile in alle Welt verstreut wurden. Viele Versuche einer Herausgabe der Tagebücher gab es im Laufe der Zeit. So arbeitete beispielsweise das Institut für Zeitgeschichte, München, an einer Gesamtedition.
Ralf Georg Reuth gab 1992 eine Teiledition der Tagebücher heraus. Schon kurz nach der Veröffentlichung prasselten etliche Kritiken auf Reuth ein, beispielsweise brachte DIE ZEIT einen sehr kritischen Artikel heraus 4 . Dieser ist verfasst von Bernd
1 Mit Tom Cruise in der Hauptrolle des Graf Schenk von Staufenberg. Regie: Bryan Singer, Drehbuch: Christopher McQuarrie, 2008. Kinostart Deutschland: 22.01.2009. Internetseite des Film: http://www.walkuerederfilm.de/.
2 Tom Cruise ist bekennender Scientologe. Daher war Kernpunkt der Diskussion, ob ein „Aushängeschild“ einer Sekte, die vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet wird, eine solche Rolle übernehmen darf. Zu den aktuellsten Beiträgen zu dieser Diskussion gehört beispielsweise der Artikel von Welt-Online „Operation Walküre - Dauerstreit über Cruise und Scientology“ vom 22.09.2009, online unter: http://www.welt.de/welt_print/article3069363/Dauerstreit-ueber-Cruise-und-Scientology.html.
3 Nach dem Beststeller von Bernhard Schlink. Mit Kate Winslet in der Rolle der Auschwitz-Aufseherin Hanna Schmitz. Regie: Stephen Daldry, Drehbuch: Davif Hare, 2008. Kinostart Deutschland: 26.02.2009. Internetseite des Film: http://dervorleser-film.de/.
4 Sösemann, Bernd: „Zwanzig Jahre nach meinem Tod zu veröffentlichen“, DIE ZEIT Nr. 38, 11.09.1992, online unter: http://www.zeit.de/1992/38/Zwanzig−Jahre−nach−meinem−Tode−zu−veroeffentlichen.
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Sösemann, der Herausgeber einer Gegenedition zu der IfZ- Edition sein wollte, jedoch kam diese nicht zustande.
Auf die Edition Reuths im Rahmen der Überlieferungsgeschichte der Tagebücher Goebbels’, auf den Aufbau, die Benutzbarkeit und die Probleme der Edition und die Verarbeitung von Tagebucheausschnitten in einem Dokumentarfilm soll in der weiteren Hausarbeit näher eingegangen werden.
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1. Die Tagebücher Joseph Goebbels
1.1. Kurzbiografie Joseph Goebbels
Joseph Goebbels wird am 29.10.1897 in Rheydt (Rheinland) geboren. Seine Eltern Friedrich Goebbels und Maria, geborene Oldenhausen, haben noch weitere vier Kinder. Er wächst in streng katholischen und finanziell engen Verhältnissen auf.
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Ab 1917 beginnt Goebbels das Studium der Geschichte, Germanistik und Altphilosophie. 1921 promoviert er in Germanistik an der Universität Heidelberg. Betreut wird er durch den jüdischen Professor Freiherr von Waldberg. Danach versucht er sich vergeblich als Journalist oder Dramaturg, auch bei jüdischen Verlagshäusern, zu bewerben.Ab 1923 beginnt Goebbels regelmäßig Tagebuch zu führen, bis zu seinem Tod. 1924 kommt Goebbels in Kontakt mit nationalsozialistischen Kreisen und beginnt sich dort zu engagieren. In Mönchengladbach gründet er eine Ortsgruppe der „Nationalsozialistischen
Freiheitsbewegung Großdeutschlands“, einer Tarnorganisation der NSDAP, die nach dem Hitlerputsch 1923 verboten war. In diesem Jahr gibt er seine
erste rechtsradikale Zeitung heraus. Weitere werden im Laufe seines Lebens folgen.Goebbels steigt schnell in NS-Kreisen auf, schon 1925 wird er Gaugeschäftsführer in Rheinland-Nord, 1926 Gauleiter von Berlin-Brandenburg, ab 1928 ist er Reichstagsmitglied, 1930 wird er Reichspropagandaleiter.
6 1931 heiratet er Magda Quandt, geb. Behrend (1901-1945). Diese kümmerte sich um Goebbels’ Privatarchiv. Quandt ist Protestantin, geschieden und hat einen Sohn aus erster Ehe. Aus der Ehe werden sechs Kinder hervorgehen. Das Ehepaar wird wäh-
5 Sternburg,Wilhelm von: Kurze Geschichte des Nationalsozialismus - Pocket Thema. - Berlin : Cornelsen, 2003, S. 122.
6 Nach dem tabellarischen Lebenslauf, online unter : http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html.
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rend der NS-Zeit zu dem „arischen“ Vorzeigehepaar, die „arischen“ Kinder oft in den Medien gezeigt 7 . Daher verhindert Hitler auch eine auf Grund von Goebbels’ zahlreichen Affären geplante Scheidung der Goebbels’ im Jahr 1938.Nach der Machtergreifung wird Goebbels 1933 zum Leiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda ernannt. In dieser Funktion wird Goebbels die NS-Zeit maßgeblich prägen, vor allem durch seine rhetorisch guten und charismati-schen Reden, aber auch durch Kampagnen gegen Juden, „entartete Kunst“ und Mobilmachung im „totalen Krieg“. Er ist der Hauptinitiator des Führermythos. Hitler ernennt ihn 1944 zum „Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz“. Als fanatische Hitleranhänger zieht das Ehepaar mit seinen Kindern 1945 mit in das Führerhauptquartier in Berlin. Testamentarisch bestimmt Hitler Goebbels zu seinem Nachfolger im Reichskanzleramt. Einen Tag nach Hitlers Selbstmord bringt das Ehepaar am 01.05.1945 erst seine sechs Kinder um und dann sich selbst. 8 Goebbels Gehbehinderung prägt sein Leben. Im Ersten Weltkrieg wird er deswegen als wehruntauglich eingestuft. Dazu ist er psychisch labil; er leidet an Depressionen, ist ein Außenseiter und wird von Selbst- und Glaubenszweifeln geplagt. 9
1.2. Überlieferungsgeschichte der Tagebücher und weitere Editionen
Joseph Goebbels beginnt im Februar 1923 mit dem Tagebuchschreiben. Den Einträgen setzt er im Juli und August 1924 die so genannten Erinnerungsblätter voran, in denen er kurze, stichpunktartige Aufzeichnungen zu seiner Herkunft, Kindheit, Schul-und Studienzeit zu Papier bringt. So entstehen bis Ende Juni 1925 zwei Kladden, in denen er detailliert alles, was ihn bewegt, aufschreibt. Insgesamt können seine Tagebücher als eine Mischung aus ehrlicher Beichte, Vernichtungskalkül, Wehleidigkeit und Selbstüberredung gesehen werden. Danach entsteht das „Elberfelder Tagebuch“, von dem die Teile August 1925 bis Ok-tober 1926 erhalten sind. Die nächste Kladde umfasst den Zeitraum November 1926 bis Juli 1928. In den drei darauf folgenden Jahren (1929-1931) entsteht wieder etwa eine Kladde pro Jahr. Ab 1932 verbessern sich die Lebensverhältnisse Goebbels’, er lebt auf mehreren
7 Tabellarischer Lebenslauf Magda Goebbels, online unter: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsMagda/index.html.
8 Nach dem tabellarischen Lebenslauf, online unter : http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html.
9 Sternburg: Kurze Geschichte des Nationalsozialismus, S. 122.
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Wohnsitzen und beginnt parallele Tagebücher zu schreiben. Es gibt ein „Tagebuch zu Hause“, ein „Tagebuch für Ferien und Reise“, ein „Tagebuch Schwanenwerder“ und „Haus am Bogensee“. Diese Ordnung kam jedoch bald durcheinander. So wurde beispielsweise das Ferien- und Reisetagebuch ab 1935 immer mehr zum normalen Tagebuch. 10
Ab 1937 nimmt Goebbels’ Schreibintensität zu, diese steigert sich nochmals mit Kriegsbeginn. 11
Ab dem Sommer / Herbst 1941 wandelt sich der Charakter der Tagebücher immer mehr zu Diktaten. Die Eintragungen beginnen fortan mit einem militärischen Lagebericht, erst dann folgen Goebbels’ persönliche Notizen. Die Notizen werden jetzt nur noch maschinenschriftlich festgehalten. Dafür zuständig ist sein Stenograph Richard Otte.Somit existieren bis Ende 1944 / Anfang 1945 von den Tagebüchern drei Fassungen. Zum einen die 22 Kladden handschriftlicher Aufzeichnungen, die in den Tresoren der Reichsbank lagern, und zum anderen die Erst- und Zweitschrift (Durchschrift) des maschinenschriftlichen Tagebuchs. Dabei handelt es sich um 100 Leitz-Ordner mit etwa je 500 Blatt pro Fassung, die in einem gesonderten Raum des Propagandami-nisteriums aufbewahrt werden. 12
Ab November 1944 beginnt Goebbels mit verschiedenen Maßnahmen, um seine Aufzeichnungen für die Nachwelt zu erhalten. Er will „den Versuch zur Rettung des Abendlandes“ 13 , wie Goebbels den Nationalsozialismus beschrieb, für alle Zeiten dokumentieren. Er vereinbart mit dem NSDAP-Verlag Franz Ehler, dass die Tagebücher 20 Jahre nach seinem Tod zu veröffentlichen sind. Zusätzlich gibt er schon selbst Teile heraus. 14
Weiterhin beauftragt er Otte mit der Transkribierung der handschriftlichen Aufzeichnungen und lässt maschinenschriftliche Teile kopieren. Es werden fas 1600 Negativ-Glasplatten Mikrofiches hergestellt, mit maximal 45 Seiten pro Platte. Diese Platten sollen, nach Angaben Ottes, nach dem Krieg in der Nähe Potsdams, unweit der Reichsautobahn, zwischen Caputh und Michendorf vergraben werden. Jedoch tauchen sie Jahrzehnte später in Moskauer Archiven wieder auf. Gegen Kriegsende, im
10 Nach der Überlieferungsgeschichte von Reuth, Ralf Georg (Hrsg.): Joseph Goebbels Tagebücher, Band 1: 1924 - 1929. - Orig.- Ausg. - München : Piper, 1992. S. 3 - 19.
11 Reuth: Goebbels Tagebücher Band 1, S. 6
12 Nach der Überlieferungsgeschichte von Reuth, Ralf Georg (Hrsg.): Joseph Goebbels Tagebücher, Band 1: 1924 - 1929. - Orig.- Ausg. - München : Piper, 1992. S. 3 - 19.
13 Reuth: Goebbels Tagebücher Band 1, S. 7.
14 Die bedeutendste Herausgabe von Teilen seines Tagebuchs zu dieser Zeit ist: Goebbels, Joseph: Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei. Eine historische Darstellung in Tagebuchblättern (Vom 1. Januar 1932 bis zum 1. Mai 1933). - 2. Auflage. - München : Zentralverlag der NSDAP, 1934.
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Arbeit zitieren:
Christiane Arndt, Kristin Laue, 2009, Eine Analyse der Edition der Tagebücher Joseph Goebbels von Ralf Georg Reuth, München, GRIN Verlag GmbH
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