Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Der amerikanische Journalismus im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert
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Die Entstehung der Reportage in den USA 6
Neue Reportertypen und neue Reportergenres 7
3 Robert Ezra Park und seiner Verständnis der Soziologie 10
Wichtige Episoden und Einflusse für Robert E. Parks 10
Robert E. Park als City Editor 12
Res ümee 13
4 Der deutsche Journalismus im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert 15
5 Die Anfänge der Stadtsoziologie in Deutschland 19
6 Synthese 24
7 Literaturverzeichnis 27
8 Anhang 30
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Biografie Egon Erwin Kisch
Abbildung 2 Bevölkerungswachstum in US-Großstädten
Abbildung 3 Bevölkerungsentwicklung in Chicago 1880 - 1920
Abbildung 4 Room in a tenement, 1910, Jacob A. Riis
Abbildung 5 Didn't live nowhere, Jacob A. Riis
Abbildung 6 Elizabeth Cochrane alias Nellie Bly
Abbildung 7 Anteil der im Ausland geboren Bewohner von US-Städten über 200.000, 1910
Abbildung 8 Biografie Robert E. Park
Abbildung 9 Bevölkerung in Stadt und Land 1900
Abbildung 10 Bevölkerung in Stadt und Land 1925
Abbildung 11 Vorbildung von Journalisten
Abbildung 12 Biografie Georg Simmel
Abbildung 13 Biografie Max Weber
1 Einleitung
„(…) Er ist ein Draufgänger. Ein wagemütiger Beobachter. Ein Unverzärtelter und ein Romantiker der Presse. Das ist vielleicht das beste Wort für ihn. Er hat Freude an der Romantik des journalistischen Berufes, an der Maske, dem Eindringen in Verborgenes, in die Schlupfwinkel der Verbrecher, an der Gaunersprache, an den Geheimnissen der Polizei, der Zwangsarbeiteranstalten, der Irrenhäuser. (…)“ (zitiert nach Hofmann, 1988, S. 77).
Dieses Zitat beschreibt einen deutschen Reporter namens Egon Erwin Kisch 1 . Beim Lesen fühlte ich mich sofort an das erinnert, was Rolf Lindner in seinem Buch „Die Entdeckung der Stadtkultur Soziologie aus der Erfahrung der Reportage“ über die Entstehung der Reportage in den USA im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert geschrieben hat. Da ich dieses Buch in dem Seminar „Urban Anthropology“ in einem Referat vorgestellt hatte, war mir auch bekannt, dass Lindner argumentiert, dass die Chicagoer Schule der Soziologie, mit Robert Ezra Park als eine der Leitfiguren, von dessen Erfahrungen als Reporter in den US-Großstädten geprägt worden sei. Ich begann zunächst mich genauer mit Egon Erwin Kisch und seinen Ideen von der Reportage zu beschäftigen. Dabei stellte ich fest, dass der junge Kisch ein ähnliches Verständnis der Reportage, wie Park hatte. So beschreibt ein Biograf, dass „seine [Kischs, a.d.V.] Methode ist und beleibt das Miterleben, das Mit-eigenen-Augen-Sehen;“ (Prokosch, 1985, S.57) und zu Kischs Tätigkeit heißt es: „Neben den Reportagen, die er über Prager Wärmestuben, Obdachlosenasyle und Strafgefängnisse schreibt, treibt es ihn immer wieder zur Detektivarbeit.“ (Prokosch, 1985, S. 75). Daher begann ich mich zu fragen, wie in Deutschland die Soziologie entstanden ist und ob es nicht vielleicht möglich gewesen wäre, dass auf Grundlage der Arbeit von Reportern, wie Egon Erwin Kisch, eine deutsche Soziologie ähnlich der Chicagoer Schule entstehen konnte?
Ich stellte schnell fest, dass eine umfassende Beantwortung der Fragestellung mit Einbeziehung der Biografie Egon Erwin Kischs auf Grund der Kompelxität des Themas und der demgegenüber stehenden Kürze dieser Arbeit nicht möglich wäre. Aus diesem Grund wird in der folgenden Arbeit der Frage, ob eine Entwicklung der Soziologie aus der Erfahrung er Reportage auch in Deutschland möglich gewesen wäre unter Einbeziehung folgender Aspekte nachgegangen: Zunächst wird der amerikanische Journalismus im ausgehenden 19.
1 Vgl. Abbildung 1 im Anhang
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und beginnenden 20. Jahrhundert beschrieben, um im darauf folgenden Kapitel Robert Ezra Park und sein Verständnis der Soziologie zu erläutern. Dem werden in den nachfolgenden Abschnitten der deutsche Journalismus im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und die Anfänge der deutschen Stadtsoziologie gegenübergestellt. Am Ende der Arbeit soll eine Synthese die Entwicklungen in den USA und in Deutschland zusammenführen.
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2 Der amerikanische Journalismus im ausgehenden 19. und beginnenden
20. Jahrhundert
„Die Reportage in den verschiedensten Variationen wurde die Form des amerikanischen Journalismus schlechthin.“, so schreibt es Jörg Requate (Requate, 1995, S. 39.). Im Folgenden soll die Entstehung der Reportage und ihre verschiedenen Formen in den USA mit den ihr eigenen Merkmalen beschrieben werden.
Die Entstehung der Reportage in den USA
In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts entsteht in den USA neben der politischen Presse, die so genannte Penny-Presse. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass mit ihr erstmals die Verkäuflichkeit bei der Auswahl der Inhalte Vorrang vor den politischen Inhalten gegeben wird. Daraus ergeben sich zwei Elemente dieser „modernen“ Presse. Zum einen verlagert sich das Schwergewicht auf die Verbreitung von Nachrichten, die selbst recherchiert werden und nicht mehr nur die Multiplikation von ungeprüften Nachrichten. Zum anderen wird die parteipolitische Unabhängigkeit der Presse betont (vgl. Requate, 1995, S. 37f). Die in dieser Form verbreiteten Nachrichten zielen auf das Atypische, das Unerwartete und das Regelwidrige (Lindner, 1990, S. 17) und so kommt es durch die Abwendung von der politisch geprägten „Gesinnungspresse“ zu einer Art „Säkularisierung“ der Presse (Lindner, 1990, S.18). Die rasch wachsenden Städte 2 bieten zum einen Markt für die neue Form des Journalismus, aber zum anderen bieten, sie sich auch selbst als Thema an (Lindner, 1990, S.18). So wächst z.B. Chicago von knapp 500.000 Einwohnern im Jahr 1880 auf ca. 2.700.000 Menschen im Jahr 1920 an 3 Viele der Einwohner dieses zweitgrößten us-Industriegebiets sind nicht in Amerika, sondern im Ausland geboren. Lizabeth Cohen betont in ihrem Buch „Making a New Deal - Industrial Workers in Chicago, 1919-1939“, dass im Chicago der frühen 1920er Jahre mehr als die Hälfte der weißen Männer im Ausland geboren worden sind und nennt als deren Heimatländer v.a. Deutschland, Schweden und Irland (vgl. Cohen, 1990, S. 17).
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, das „soziale Entdeckungsreisende“ in den 1870er und 1880er Jahren beginnen, anlog zur Reiseliteratur, weiße Flecken im
2 Vgl. dazu Abb. 1 im Anhang
3 Vgl. dazu Abb. 2. im Anhang
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„Großstadtdschungel“, durch ihre Nachforschungen zu beseitigen. Das so entstehende neue Genre nutzt die beim Leser bereits vorhandene Vertrautheit mit der Reiseliteratur, um diesen durch die „Reiseliteratur at home“ (Lindner, 2004, S. 34) mit in die Tiefen des städtischen Lebens zu nehmen. Typische Orte der Erkundung sind z.B. Obdachlosenasyle, die für anonyme Begegnungen leicht zugänglich sind und maximale Fremdheit bei geringem persönlichen und zeitlichen Aufwand für den „Entdeckungsreisenden“ bieten (vgl. Lindner, 2004, S. 33 - 35). Damit der Reporter stellvertretend für seinen Leser die Stadt erkunden kann muss er neue Recherchetechniken entwickeln. Die Beobachtung, das Interview, die Untersuchung vor Ort und die Undercover-Recherche werden zu Mittel des Reporters, um dem Leser das Unbekannte vor Augen führen zu können. Die dabei aufgeführten detaillierten Ortsangaben helfen dem Leser bei der Erschließung des großstädtischen Raums (vgl. Lindner, 1990, S. 46f), der ihnen in seiner Weite häufig durch fehlende Mobilität und die Segregation der einzelnen Ethnien (vgl. dazu am Beispiels Chicagos Cohen, 1990, S. 11-52) unbekannt bleibt.
Neben diesen Erkundungen der Großstadt, stellvertretend für den Leser, leistet die neue Form der Presse auch einen Beitrag zur Herausbildung einer Mentalität, die den großstädtischen Bedingungen eher entspricht als die Gesinnungspresse. Ihre Erscheinungsweise in Morgen-, Abend-, Sonntag- und Extranachrichten, der Straßenverkauf als innovative Art der Distribution und die Präsentation in Zeitung in Form von Schlagzeilen spiegeln den neuen Rhythmus der Stadt wieder (vgl. Lindner, 1990, S. 44). Durch diese neue Form wird die Großstadtpresse zum Ausdruck und Symbol der Moderne (vgl. Lindner, 1990, S. 22).
Neue Reportertypen und neue Reportergenres
Mit den Veränderungen in der Presse ändern sich auch die Ideologie und die Arbeitsweise der Journalisten. So wird zunächst häufig die Verwandtschaft von dem neu entstandenen Typus des Reporters und von Privatdetektiven betont. Dies ist, laut Rolf Lindner, darauf zurückzuführen, dass der Ursprung des, auch vom Reporter angewendeten, Interviews in der Frage und Antwort-Methode der gerichtlichen Vernehmungen liegt. Da dieser Versuch jemanden Antworten zu Entlocken als Eingriff in die Privatsphäre gesehen und als solcher verurteilt wird besitzen Reporter ein niedriges soziales Ansehen. Sie werden als „‹Nichtstuer›, ‹Schwadroneure› und ‹Schnapsdrosseln›“ (Lindner, 1990, S. 25) bezeichnet. Erst mit der schrittweise Professionalisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts (u.a., durch die Einrichtung eines „College of Journalism“ an der Columbia University durch den Verleger Joseph Pulitzer
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im Jahr 1908) ändert sich dieses Image allmählich (vgl. Lindner, S. 26-28). Aus dieser Ähnlichkeit zwischen Detektiv und Reporter bildet sich der Typus des Polizeireporters heraus. Dieser wird dann einem bestimmten Gebiet, wie z.B. einem Gericht, einem Hospital oder einer Leichenhalle, zugeteilt, die als „runs“ oder „beats“ bezeichnet werden. Die Aufgabe des Journalisten besteht nun darin in seinem Bezirk als eine Art „newshunter“ nach Neuigkeiten zu suchen. Einer der bekanntesten Polizeireporter seiner Zeit ist Jacob A. Riis, der in seinen Reportagen die Arbeits-, Lebens- und Wohnverhältnisse in den Slums der Lower East Side New Yorks schriftlich und bildlich 4 dokumentiert. Seine Artikel „How the other half lives: studies among the tenements“ ist so erfolgreich das er 1890 als Buch publiziert wird (vgl. Lindner, 1990, S. 28-31). Aus heutiger Sicht, so betont Rolf Lindner „läß
sich Riis’ ‹How the other half lives› als eine umfassende Studie der Lebensverhältnisse in den Slum-Distrikten von New York lesen, auch wenn der additive Charakter der Studie, der aus der Nutzung des Reportagematerials resultiert, nicht zu übersehen ist. Riis bemüht sich durchaus, ein umfassendes Bild in systematisierender Weise zu zeichnen.“ (Lindner, 1990. S. 31).
Neben dem Polizeireporter entwickelt sich der Stunt-Reporter heraus. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass sich nicht mehr darauf beschränkt Nachrichten zu suchen, sondern er beginnt Nachrichten selbst zu generieren. Als Form bekommt dadurch die Enthüllungsreportage oder auch Rollenreportage eine herausragende Bedeutung, die sich u.a. durch die verdeckte teilnehmende Beobachtung des Journalisten auszeichnet. Die Arbeit eines Rollenreporters wird folgendermaßen charakterisiert: „…ein geschickter, abenteuerlustiger Autor legt sich eine Tarnung zu oder fälscht Dokumente, um sich zutritt zu einem Hospital (…) und macht aus der Schilderung seiner Erfahrungen eine Enthüllung der Verwaltungspraxis in dieser Institution“ (zitiert nach Lindner, 1990, S. 33). Die berühmteste Vertreterin dieser Reportageform ihrer Zeit ist Elizabeth Cochrane, die unter dem Pseudonym Nellie Bly 5 in einer Vielzahl von Untersuchungsfeldern, wie Irrenanstalten, Gefängnissen, die teilnehmende Beobachtung zur Meisterschaft weiter entwickelt (vgl. Lindner, 1990, S. 33-35).
Eine weitere Form Impressionen aus dem städtischen Leben journalistisch zu verarbeiten stellt die Milieu - oder Urban Color- Reportage dar. In dieser dokumentieren Reporter v.a. Kultur und Rituale der verschiedenen ethnischen Gruppen und machen so die
4 Vgl. Abbildung 3 und 4 im Anhang
5 Vgl. Abb. 5 im Anhang
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Arbeit zitieren:
B.A. Katja Wüllner, 2008, Soziologie aus der Erfahrung der Reportage, München, GRIN Verlag GmbH
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