Inhalt
Einleitung 1
I) Vorbetrachtung
1. Politik und Sprache 3
2. Inszenierung 7
3. Analyse politischer Texte 9
II) Selbstinszenierung
1. Aufgaben eines Politikers 11
2. Politische Rhetorik 12
3. Persuasion 15
4. Politischer Stil 17
III) Fremdinszenierung
1. Konstruktion politischer Realität 22
2. Konstruktion von Images 27
IV) Schluss 32
V) Literaturverzeichnis 34
Einleitung
Am 19. September ist es wieder soweit - alle mündigen Bürger des Freistaats Sachsen sind dazu angehalten, eine neue Landesregierung zu wählen. Eine grundgesetzlich festgeschriebene Aktivität, die uns in regelmäßigen Abständen daran erinnert, daß wir in einem Gesellschaftssystem leben, in dem das Volk durch gewählte Vertreter regiert.
Soll heißen: wir, die Bürger, ernennen Vertrauensmänner und -frauen, die sich hauptberuflich damit beschäftigen, unsere Interessen zu vertreten, weil wir dafür keine Zeit haben. Damit wir aber auf diesem Gebiet nicht den Überblick verlieren, abonnieren wir uns eine Tageszeitung, schauen abends die Tagesschau, und am Wahltag geben wir unsere Stimme demjenigen Abgeordneten, von dem wir unsere Interessen am besten zu vertreten haben meinen.
Wenn wir aber ganz ehrlich sind - wer von uns „Normalos“ kann genau sagen, was Partei A von Partei B unterscheidet, warum es besser für uns wäre, Kandidat A statt Kandidat B in den Bundes- oder Landtag zu wählen?
Die Argumente, die A und B uns via Fernsehen und Wahlplakat übermitteln, sind nicht allzu überzeugend. Richtung wechseln wollen die Republikaner, Horizonte öffnet die PDS für uns, und immer häufiger strahlt uns nur ein Gesicht an, das wir sympathisch finden sollen.
Es scheint durchaus verständlich, daß viele Menschen das komplexe Gebiet der Politik nicht mehr durchschauen können und wollen. Es ist einfach zu schwierig, bei einem derartigen Überangebot an Meinungen und Ideologien einen Nenner zu finden. Dazu kommt aber, und das ist traurig, daß sich ein Großteil der Bevölkerung durch die Politiker gar nicht mehr vertreten fühlt und dabei sein Recht auf politische Partizipation aufgibt.
Eine immer verbreitetere Behauptung, daß an der wachsenden Politikverdrossenheit nicht die faulen Bürger, sondern vielmehr die Politiker selbst schuld sind, soll im folgenden näher beleuchtet werden.
Ist es wahr, daß Politiker Idealisten sind, die für eine bessere Gesellschaft kämpfen, oder geht es auch in dieser Sphäre hauptsächlich um Geld und Macht? Haben wir nur das Gefühl, oder sagen Politiker in ihren Reden wirklich nichts? Werden wir zynisch, oder sind Politiker wirklich alle gleich?
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Auch wollen wir einen sehr wichtigen, im Alltag eher unterschätzten Faktor nicht vergessen - die Medien spielen bei der Vermittlung von Politik eine immer entscheidendere Rolle.
Mit dem Eindringen des Fernsehens in immer mehr Lebensbereiche geht langsam, aber unaufhaltsam eine Veränderung des Politikbegriffs einher; die Frage ist aber: ist dies lediglich eine Veränderung, die der Fortschritt mit sich bringt, oder wird Politik auf bloße Inszenierung reduziert und verliert damit auf lange Sicht ihren demokratischen Anspruch?
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I) Vorbetrachtung
1. Politik und Sprache
Moderne Politik ist soziales Handeln, das sich fast ausschließlich aus sprachlichen Handlungen zusammensetzt.
Sprache ist ein ausgezeichnetes Mittel der Vermittlung von Information, der Erreichung von Konsens, der Handlungsbeeinflussung (S. J. Schmidt, Sprache und Politik, in: A. Rucktäschel, Sprache und Gesellschaft, S. 81). In der Wissenschaft stehen sich zwei grundsätzliche Auffassungen von Politik gegenüber: zum einen die aristotelische, zum anderen die machiavellistische. Erstere orientiert sich an der idealistischen Auffassung, die seit Aristoteles politisches mit ethischem Handeln gleichsetzt. Diese Gesellschaftsidee folgt in allen Entscheidungen dem übergeordneten moralischen Ziel, ein gutes und gerechtes Leben für die Staatsbürger zu etablieren (W. Holly, Politikersprache, S.6). Das Finden solcher Entscheidungen geschieht idealistischerweise zwischen freien und gleichen Bürgern, und deshalb kann das dazu verwendete Medium nur die Sprache sein. Diese altgriechische Politikidee ist die geistige Grundlage für alle heutigen Demokratien, mit der Erweiterung, daß die Kriterien, nach denen freie und gleiche Bürger als solche zugelassen werden, heute viel weniger streng sind. Entgegengesetzt zu dieser doch sehr idealistischen Ansicht steht die realistische Auffassung, die nach dem berüchtigten italienischen Fürsten Niccolo Machiavelli und dessen politischer Lehre benannt ist.
Hier wird politisches Handeln sehr pragmatisch mit der Erlangung und der Erhaltung von Herrschaft gleichgesetzt; modern ausgedrückt: „Herrschaftsmanagement“ (W. Holly, Politikersprache, S.7).
Obwohl die Durchsetzung dieser Ziele mit Gewalt erreicht werden kann, wies schon Machiavelli darauf hin, daß jene auf Dauer kein adäquates Mittel ist. Auch hier ist die Sprache eine effektivere Methode als Zwang, da sie die Bereitstellung gewaltloser Herrschaftsformen ermöglicht.
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Sprache ist also in beiden Grundideen von Politik ein essentieller Faktor, wobei ihre Funktion jeweils unterschiedlich akzentuiert wird: einmal ersetzt Sprache den Einsatz von Gewalt durch kommunikative Prozesse und steht für eine humane Herr-schaftsform, andererseits kann sie auch eine subtile Form der Machtausübung darstellen; ein Paradebeispiel ist sicherlich das „Neusprech“ in George Orwells „1984“. Parallel zu den oben besprochenen Auffassungen von Politik existieren also auch gegensätzliche Vorstellungen der Funktion von Sprache.
Die in den Geistes- und Sozialwissenschaften allgemein verbreitete Definition interpretiert Sprache als virtuelles System von lautlichen, lexikalischen und grammatischen Strukturen in einer eher ethischen Weise: der Sprecher beabsichtigt, daß der Adressat die Intention seiner Äußerung erkennt. Er verzichtet also darauf, beim Rezipienten eine Wirkung zu erzielen, deren Verfolgung er verbirgt (W. Holly, Politikersprache, S. 11).
Diese Sprachauffassung geht konform mit der idealistischen bzw. aristotelischen Politikidee, Herrschaft durch Herstellung bzw. Bewahren von Konsens aufrecht zu erhalten.
Seit der „pragmatischen Wende“ gegen Ende der 60er Jahre gilt Sprache in der Linguistik eher als Werkzeug zum Handeln in sozialen Situationen. Die funktionale (bzw. realistische) Interpretation stellt die Ziele in den Vordergrund, die auf dem politischen Feld wichtig sind, als da wären Integration, Akzeptanz, Interessenbündelung und dergleichen.
Bei der Durchsetzung dieser Ziele werden keine ethischen Restriktionen anerkannt. Der Sprecher beabsichtigt hier nicht primär gegenseitiges Verständnis, sondern das Erzielen eines Erfolges; dabei ist es gleichgültig, wie er dieses Ziel erreicht. Beide Ideen von Sprache - Verständigungs- und Erfolgsorientierung - sind Pole an den Enden eines Kontinuums. Niemand, schon gar kein Politiker, wird sich dazu erklären, ein rein funktionales Verständnis von Sprache umzusetzen, denn das würde implizieren, zur Interessendurchsetzung auch ohne ethische Bedenken zu lügen. Genauso kann aber kein Mensch nach dem oben angeführten Postulat von Grice kommunizieren, denn das würde ein endloses Erklären jedes Äußerungshintergrundes mit sich bringen und ihn jeglicher Kommunikationspartner berauben, weil diese die Flucht ergreifen oder einschlafen würden.
Was genau heißt nun also „Politik durch Sprache“?
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Auf dem Papier ist das Herz unserer Demokratien die sprachliche Auseinandersetzung zwischen Privatleuten, die kraft eines Mandats die Öffentlichkeit repräsentieren. Tag für Tag sollen sie sich streiten, mit dem obersten Ziel, diesen Streit zu regeln und Verständigung zu erreichen.
In der Realität sieht das leider anders aus. Zum einen sind da die sich immer weiter ausbreitenden Massenmedien mit ihrer wichtigen Aufgabe, der Bevölkerung politische Vorgänge, an denen diese nicht teilnehmen kann, zu vermitteln. Wir werden später noch darauf eingehen, wie diese massenmedial vermittelte Öffentlichkeit das Ideal von „government by discussion“ verzerrt.
Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich in den Gesellschaftssystemen der westlichen Industrieländer einiges verändert: besonders nach den Wahlrechtsreformen veränderte sich die Anzahl und Zusammensetzung der stimmberechtigten Bürger. Aus einer dünnen Schicht von Gelehrten und hohen Beamten wurde im Laufe der Zeit ein Millionenpublikum ohne rechtes Verständnis oder Interesse an politischen Vorgängen.
Mit dem veränderten Zusammenhang von Politik und Öffentlichkeit änderten sich auch Form und Inhalt politischer Kommunikation - war früher keine große rednerische Anstrengung nötig, um ein politisch gebildetes und loyales Publikum zu überzeugen, wird es heute immer schwieriger, die Bevölkerung überhaupt zum Wählen zu bringen:
„During the past half century politicians have had to learn the new and very difficult art of talking effectively to millions of people who have relatively little property, have received only a very basic kind of education and have quite a lot of leisure“ (K. Hudson, The Jargon of the Professians, S. 44).
In einer derart heterogen zusammengesetzten Gesellschaft wird es zunehmend problematisch, einen handlungsfähigen politischen Willen zu etablieren, der bei allen Mitgliedern anerkannt wird.
Im allgemeinen geschieht diese politische Integration durch Ideologien. Diese ermöglichen eine Möglichkeit der Orientierung, wer man politisch ist, was man will oder wollen soll, wo man hingehört; sie sind die Basis der politischen Willensbildung (H. Lübbe, Der Streit um Worte, in: H.-G. Kaltenbrunner (Hg.), Sprache und Herrschaft, S. 93).
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Arbeit zitieren:
Jenny Haroske, 2000, Selbst- und Fremdinszenierung von Politikern, München, GRIN Verlag GmbH
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